wenn ich mich entscheiden soll | Der Dienstag dichtet

Banner_der dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder
Nachtwandlerin


wenn ich mich entscheiden soll

wenn ich mich entscheiden soll. auf dem
blatt steht tautropfengroß ein einzelnes
wort. du bist ungesagt, unaussprechbar,
unbedingbar, unbedingt. meine natur
steht auf der oberen seite. ich unten bei
den adern. wie soll ich wenden, was ich
nicht drehen kann? kein wind weht, alles
steht still. infinitesimal klein. ich horche
in die gegenwärtige ferne. sag mir, wie
katalogisiert man das leben?

Am See | Schreibarena

IMG_20200420_100257

Dies ist ein Beitrag für die Schreibarena von Lyrikfeder.
Hier findet ihr alles zu der Aktion: *Klick*
Mein Beitragssatz stammt aus Neil Gaiman’s American Gods, das ich gerade zum dritten Mal lese.

Am See

Er fragte sich, ob es in Wisconsin noch die Todesstrafe gab. In EU-Ländern wurde das Töten eines Menschen nicht als humane Bestrafung angesehen, aber die USA waren da anders. Er selbst verstand, warum man Mörder töten sollte. Es war eine einfache Art sich gefährlichen Menschen zu entledigen und es war kostengünstig. Im Gefängnis konnte man immer noch andere töten oder entkommen. Die paar Unschuldigen, die fälschlicherweise hingerichtet wurden, fand er vernachlässigbar. Zum einen war niemand wirklich unschuldig, zum anderen interessierte die Menschen das Überleben anderer sonst auch nicht, sonst würde sich niemand betrunken hinters Steuer setzen oder sein Kind nicht impfen lassen. Weiterlesen „Am See | Schreibarena“ →

Ihr bestes Werk | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Ich experimentiere gerade mit Acrylfarbe rum. Das ist irgendwas zwischen spannend und frustrierend. Hier eine davon inspirierte vielleicht etwas makabre Geschichte.

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Klara schmiss das Bild an die Wand, es war nun Zeit für…” beginnt.

Ihr bestes Werk

Klara schmiss das Bild an die Wand. Es war nun Zeit für etwas Neues. Diese ewig gleichen Aufträge nervten sie. Als sie angefangen hatte zu malen, wünschte sie sich nichts sehnlicher, als einen eigenen unverkennbaren Stil zu entwickeln. Heute hatte sie das Gefühl, ihr Stil sei eine Sackgasse und umkehren war nicht möglich. Schließlich bezahlten die Kunden gut für ihre furchtbaren Bilder und sie lebte davon. Sie hatte noch acht Aufträge abzuarbeiten, aber heute konnte sie nicht mehr. Heute würde sie mal wieder Künstlerin sein, nicht Auftragsmalerin. Angeekelt betrachtetes sie die ewig gleichen Linien der fertigen Bilder, die aufgereiht wie eine uniformierte Armee  an der Wand ihres Ateliers standen. Weiterlesen „Ihr bestes Werk | Writing Friday“ →

Von Rumpelkammern | abc.etüden

2020_1516_2_300

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 15+16 beinhaltet die Worte „Rumpelkammer“, „mutvoll“ und „zehren“, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Ich habe die Geschichte „Von Rumpelkammern“ überarbeitet. Ihr könnt sie nun unter dem Titel „In Rumpelkammern“ in meinem Buch „andernorts“ lesen:

ANDERNORTS

auf der letzten seite | Der Dienstag dichtet

Banner_der dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder
Nachtwandlerin

Religiöse Feste sind so eine Sache für mich. Ich fühle mich immer gedrängt etwas zuzustimmen, bei dem ich mich unwohl fühle. Ich schreibe „Frohe Ostern“ und meine „Habt schöne Tage, egal wie ihr sie nennt“. Wenn man mich zwingen will, werde ich sauer. Das Gedicht ist nach einem Gespräch entstanden. Ich will niemanden auf die Füße treten, aber ich war wütend, dass das andersherum nicht gilt.

auf der letzten seite

aus der schule weiß ich, glauben ist wichtiger. als das, was am ende steht. schlage ich die letzte seite auf, stehe da nicht ich. da steht du oder er oder sie. ihr. she. him. they. them. schlägt die letzte uhr, ist nicht wichtig, wer danach spricht. ich schweige auch in die leere.
will das mein weißes hemd befleckt ist. von der erfahrung, liebe, wut, mitfreude, erfahrung, sex, fluchen, lachen, weinen, stillen momenten und
lauten stunden. leben.
ich will fehler machen und falsch sein. werde mich nicht entschuldigen und nie schämen. will akzeptieren, verstehen, für jeden
kämpfen.
mein denken ist offen. ich umarme wut, hass, grausamkeit. in gehirnen ist manchmal alles anders. ich weiß. aber hier in diesem großen kalten
haus, in dem glauben wichtig ist,
bin ich nur wut.
will wie ein trotziges kind die wände einreißen und die letzten seiten befreien. ich. wir. du. she. him.
they. them. neben euch sitzen. ich möchte keinen glauben. ich will nur unter freien wolken liegen. in die sterne schauen. leben. wir sind zusammen
besonders. nur einmal.

Ihre Form | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Versuche “Er war verliebt” in einer Szene zu beschreiben, ohne die Wörter “Liebe” oder “verliebt” zu gebrauchen.

Sie war die reinste Schönheit. Er konnte nicht anders, als sie anzusehen. Sein Blick klebte wie Leim an ihrer perfekten Form. Diese Rundungen machten ihn schwindelig. Bis in die Spitzen fuhr er ihren perfekten Körper nach. So hatte er noch nie empfunden. Ein kurzer Windhauch trieb ihren Duft in seine Nase. Er atmete tief ein, hatte das Gefühl ihre Essenz in sich aufzunehmen. Süßlich. So wie eine solche Schönheit riechen sollte. Keine Chemie, reinste Natur. Und erst ihre Farbe. Wundervolle Töne färbten ihre Haut, malten Bilder, die nicht jeder lesen konnte. Er verlor sich in den Gelbtönen. Schmetterlinge, die er normalerweise über Wiesen jagte, flatterten durch seinen Magen, ließen seine Glieder beben. Er tänzelte auf der Stelle. Langsam wurde sie entblättert. Ihr Kleid löste sich, flatterte hernieder. Darunter wurde ihre helle Haut sichtbar. Zart und reif. Das Schlagen hinter ihm störte ihn nicht. Es wurde immer schneller und lauter, bis auch sie es bemerkte. Weiterlesen „Ihre Form | Writing Friday“ →

schwarz auf weiß | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder
Nachtwandlerin

Ich war letzten Jahr gestresst von meinen Hobbies und habe beschlossen dieses Jahr alles etwas ruhiger angehen zu lassen, dh insbesondere habe ich Klavierspielen erst einmal ruhen lassen. Vorhin habe ich ein Stück gehört, dass ich gerne probieren würde und mich einfach hingesetzt und gespielt. Hier also ein sehr spontanes Gedicht.

schwarz auf weiß

meine finger schweben im vier viertel
achtel hunderstel takt. im allegro über
weiße stege und schwarze linien, zeilen.
seiten, nummern. deine gefühle sind a
tempo. so wie klare worte, die meine
eigenen sind. ich will lauter werden als
ff und leiser als pp. deine augen tanzen
hinter mir. ich sehe den ton. dolce. das
kalte metal brennt unter meinen füßen.
bronzen. yolante. ich suche nach dem
einen wahren klang. bis beim letzten ton
die schwarzen balken meine glieder ruhen
lassen. ich klinge in deinem lied stunden
nach. in die stille hinein. ein atmen.

buchheimat | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Da ich keine Lust auf einen Essay hatte, habe ich das Thema lyrisch umgesetzt.

Thema: Was macht für dich ein gutes Buch aus?

buchheimat

mein denken wandert durch fremde
leben. sucht in weiten unbekannten
wortmeeren nach ideen, impulsen,
spannung. nach dem einen anderen
sinn. hier. ein wortbaum greift nach
meinen haaren. und ich fliehe durch
landschaftszeilen, durch stadtseiten
manchmal renne ich und weiß nicht
wohin. in deiner fußnote finde ich
tiefe. in deinem starren weltenband
eine heimat.