Lyrimo Tag 15 bis 21

Ich nehme dieses Jahr am lyrimo = Lyric Month teil. alles Wissenswerte dazu findet ihr auf diesem Blog: https://lyrimo.wordpress.com/

Tag 15 – Phraseologismus
in der kraft liegt die ruhe. sagst
du. und ich erwidere. ohje, da
ist hoffnung und schmalz
verloren, denn schließlich
müssen wir alle am selben
boot ziehen. zum glück
brauchen wir keine arche.

Tag 16 – Medientransfer
wenn wir ausgedient haben, hängen
wir einfach so rum. oll, unbrauchbar,
nutzlos. da um da zu sein. wenn wir
ausgedient haben, chillen wir einfach
so rum. vielleicht können wir ja etwas
festhalten. anderes olles zum beispiel.

Tag 17 – Dienstag/Akristichon
dicht dichter
ich schreibe
ein gedicht. zeile
nach zeile, wort,
silbe, fragmente. punkt.
trennstrich, komma. ende,
aus. das
gedicht ist leer.

Tag 18 – Radwege
ritter der poolnudel, erhebt
euch! schwingt den langen
gummispeer und räumt die
radwege frei. auf die rösser
ihr mannen. wir werden sie
und ihre blechhöllen richten.

Tag 19 -Triolett
meine herbstkruste
hart und aus stein
so fest und robuste
meine herbstkruste
was ich nicht wusste
lässt niemand rein
meine herbstkruste
hart und aus stein

Tag 20 – Einsilbig
es ist da. schwarz, kalt. still
und leis. es lebt. ein und aus
und ein und. was fragst du
dich. frag ich mich. der hass.
ruft das tor und schluckt all
das, was noch gut ist. es
schmatzt. laut. das buch
schreibt über alt das neu.

Tag 21 – Pantun
ich träume, meine seele fliegt mit
von kirschblüten in rot und in weiß
von gärten, von bergen, ein schritt
auf weite felder aus wind und aus reis

im norden die kälte, im süden ist heiß
auf berge, zwischen stränden lauf ich
halte mit dem shinkansen an jedem gleis
zwei wochentickets für mich und für dich

für eine reise, nur wir zwei, du und ich
ein abenteuer, eine erfahrung, ein ritt
wir erleben, sind ausgelassen, fröhlich
ich träume, meine seele fliegt mit

Lyrimo Tag 8 bis 14

Ich nehme dieses Jahr am lyrimo = Lyric Month teil. alles Wissenswerte dazu findet ihr auf diesem Blog: https://lyrimo.wordpress.com/

Tag 8 – Hotel
in den klappen wohnen die
tagesgäste. die zaungäste für
die wochen und monate in
den herzkammern. nur die
gäste auf lebzeit kommen und
gehen, wie sie wollen. auch
ohne zimmer sind sie zuhause.

Tag 9 – DiesDas
idee, samen, das
versprechen einer blume. eines
baumes, wald, wiese, erde, leben.
wir sähen heute gedankengut, das
in wenigen jahren über die
straßen rennt. es ruft. ich sehe
samen und rieche blüten.

Tag 10 – Zettelkasten
eine kanne mut. will über unsagbares reden. reif ist die zeit. will ich sagen. toribu. sag ich. habgobe. ich will dir blumen geben und es sind nur saure beeren. garibi. ich gebe auf. vielleicht morgen. wahrscheinlich nie. ich trinke mut. mit nachsicht.

Tag 11 – „Hinter dem Festner wartet…“
rollladenlider verschlossen. meine
geheimnisse hütet ein dünnes
häutchen. adern und gargoyles.
feine haare wie stacheldraht. ich
blinzle. hinter dem fenster wartet
ein ich. und das du spiegelt sich.

Tag 12 – Lied von Reinhard Mey
du stiftest brand. worte löschen
keine fuer. namen erschaffen
keine häuser. unruhiger schlaf
und brennendes abendrot. ein
käuzchen singt arschloch.

Tag 13 – Zwischen Menschen
zwischenmensch. du surfst an
meinem leben vorbei. vielleicht
streift dein kometenmoment
einmal meinen. dein allwissen
könnte meine meere ebben. dein
horizont meinen überfluten.

Tag 14 – 280 Zeichen/Twitter
worte wie flügelschläge. dein atem weht über eine verspiegelte fläche. das nirvana geöffnet. ein weißes feld aus zahlen und namen. wind und silben. und blauen eiskristallen.
du sprichst worte wie speere. keiner verfehlt die leere. keiner fliegt am nichts vorbei. es bricht anonym.

Lyrimo Tag 1 bis 7

Ich nehme dieses Jahr am lyrimo = Lyric Month teil. alles Wissenswerte dazu findet ihr auf diesem Blog: https://lyrimo.wordpress.com/

Tag 1: November
ein bunter strom fließt ins dunkle
meer.freude verschwindet in
haufen.
haufen verschwinden im
lachen. das plätschern der kälte
lädt zum nachdenen ein. bunt.
strom.

Tag 2: Elfchen
marshmallowwolken
wie schafherden
treibt der herbstwind
himmelswatte vor sich her
fensterchillmomente

Tag 3: Märchen und Sagen
gestern glauben morgen wissen. wir
ziehen spinnfäden durch geschichten.
aschenputtel webt rapunzels tränen. ich
kenne heimdalls namen. und eine virus zerstört
den olymp. heute

Tag 4: Einen Gegenstand zum Leben erwecken
wie ein fleischiges herz. in meiner
hand schlagen schaltkreise im
rhythmus. ungezählte leben
gefangen hinterm touchscreen. free
me. ruft das herzblut. follow me.
ruft die social aorta. nun liegt es da
und pulsiert. noch ein blick.

Tag 5: Es ist Frost angesagt…
es ist frost angesagt. sagte er
eisüberzogen als ihm bereits die
knie zusammenfroren.
das klirren. ein zu spät.
das krachen. die zerbrochene erde.

Tag 6 – Meditationsgedicht
ein und aus und ein und…aus ein aus und einauseinau…
shit. die gedanken flattern. das omm
nervt. ungeduld fließt vom
gehirn in die beine. ich.
trinke tee und streichle die katze.
innere ruhe hat keinen atem. nur
hier und auch jetzt.

Tag 7 – Rondell
eine wand baut sich auf
meine sprache wie spachtel
meine stimme ein stein
eine wand baut sich auf
faktendatenzahlen
empathielogik
eine wand baut sich auf
der vorderzahn fehlt