Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
Haben heute ein Haus gekauft. Gibt also demnächst ein paar Renovierungsgedichte.
aus stein
wir bauen ein haus stein. heulend weht ein wind durch die gassen. ich höre einen wolf. während ich die alten nähte löse. fuge um fuge um fuge. schmiere sie himbeerweiß an. und die fleckigen wände. deine hand streift meine, als ich die türklinge neu ausrichte. wir bauen ein haus aus stein, aber ohne deine hand würde es nur aus stroh bestehen.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
morgengruß
wird die tür geöffnet. mit kalten lippen küsst die morgenluft meine augenlider. meine vom mondlicht gewärmte haut zittert. gänsehaut läuft die nachtfalten entlang, bis sie zehen und fingerspitzen erreicht. hinterlässt ein kribbeln wie ein sanfter weckruf. vertrieben sind die allerletzten nachterinnerungen. herbst wandert durch meine adern.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
herbstkrieg
unter braunem laub lugen sie hervor. ein zaghaftes schnaufen hört man. ein kalter windhauch. hatschi. schleppen sich langsam über die regenrutschigen pflastersteine. es riecht nach fenchel, kümmel, anis, kamille, salbei. einige zücken bereits das wick vaporub. en garde! mit gezückten taschentüchern und fieberthermometern. die vom wetter geschwächten nasen und rachen haben keine chance im herbstkrieg.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
mauer
ich trage eine mauer in meiner hand und halte einen schatten vor mein gesicht. aber. wenn ich etwas nicht sehe, wenn ich was vergesse, wenn niemand anderes den moment sieht. wenn. aber. ich die unmittelbarkeit verliere. gefühle perlen an galerien ab, dein lächeln auch. es ist etwas schräg. vorbei an der mauer und trotzdem prallt es davon ab. ein foto von dir ist eine verpasste erinnerung.
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Stille (Gedichte-)Post
Das Beste und Schlimmste an der deutschen Sprache sind Komposita. In der Kunst sind sie eines meiner Lieblingssprachmittel. Aber im Job hasse ich sie, vor allem weil einige Menschen sehr kreativ werden und technische Sprache sollte nicht kreativ sein. Insbesondere wenn man sie hinterher in eine andere Sprache übersetzt. Gerade hatte ich so einen Fall, wo am Ende absoluter Unfug bei rum kam.
Das brachte mich auf die Idee mit Google Translate mal eine Runde Stille Post zu spielen. Ich nehme jeweils das vorangegangenen Gedicht und lasse es übersetzen (erst Englisch und dann das, was mir Translate vorschlägt bzw die letzten Sprachen, in die ich übersetzt habe), am Ende wieder ins Deutsche. Mal schauen, was bei rumkommt.
Das Ausgangs-Elfchen:
regentrommeln mein schirmkopf sammelt kalte wassertröpfchen rinnsale in meinem nacken herbstlaubzittern
Übersetzung ins Englische:
rain drums the top of my umbrella collects cold droplets of water trickles down my neck trembling autumn leaves
Übersetzung ins Spanische:
tamborileo de lluvia la parte superior de mi paraguas recoge frías gotas de agua que resbalan por mi cuello hojas de otoño que tiemblan
Übersetzung ins Französische:
tambourinement de la pluie le sommet de mon parapluie recueille des gouttes d’eau glacées qui glissent le long de mon cou feuilles d’automne qui tremblent
Übersetzung ins Norwegische:
trommingen av regn toppen av paraplyen min fanger opp iskalde vanndråper som sklir nedover nakken min skjelvende høstløv
Übersetzung ins Portugiesische:
o tamborilar da chuva o topo do meu guarda-chuva recebe gotas geladas que escorrem pelo meu pescoço folhas de outono tremulantes
Übersetzung ins Japanische:
Ame no oto kasa no teppen ga tsumetai shizuku o uketome sore ga kubisuji o tsutai ochiru hirahira to mau aki no ha
Zurück zum Deutschen:
Das Geräusch des Regens; die Spitze des Regenschirms fängt einen kalten Tropfen auf, der dann meinen Nacken hinunterrinnt – sanft flatternd ziehen die Herbstblätter vorüber.
Fazit: Gar nicht so unsinnig wie vermutet. Die größte Veränderung gab es am Anfang und dann durch Japanisch. Das Endergebnis finde ich wirklich wohlklingend.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
schon so spät?
sanft streift ein farbiger wind über die blätter der bäume. hier einen pinselstrich orange, dort braun. ein paar tupfen gelb und rot. vor lauter farbenfreude greift der wind sogar nach dem hellen lilaton, den er nur selten verwendet. ein leises raunen geht durch das gefieder der vögel. einige suchen das weite, andere plustern sich auf. schon so spät?
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
Habe alte Dias mit Bildern von meinem Onkel gefunden und dann diese Zeilen geschrieben.
windlos
weht auf einem geraden pfad daher. eine wehe, eine brise, ein kleiner wirbel aus – du streifst mir meine letzte strähne aus dem gesicht. morgen wollten wir auf wellen surfen, berge erklimmen, das all erforschen. und dann stille. nackt ist die einsamkeit, kalt, leer. windlos.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
die letzten sommermomente
die letzten sommermomente laufen wie schweißperlen meine warme sonnenhaut hinunter. ein bisschen verweile ich noch. zeichne meine sommersprossen nach, um ein bild zu erkennen. baue aus dem in den schuhen versteckten standsand eine erinnerungsburg. und sortiere die urlaubsbilder in meinem kopf so ein, dass sie in grauen momenten parat liegen. dann hole ich den ersten kürbis raus und schnitze mir ein herbstlächeln.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
Kurz Administratives: Wir haben nun jemand Neues an Bord. Willkommen Großstadtpoetin! Und ich habe die Liste etwas aufgeräumt. Wenn ihr rausgeflogen seid, dann weil der Link nicht mehr stimmte. Bitte kurz in die Komentare schreiben, dann ergänze ich sofort.
zeitreise
nun brummt die zeitreisemaschine. wer braucht schon forschung, technik, fortschritt, wenn er so tun kann, als ob. lass uns die rüschröcke raffen, die schürzen straff ziehen. lass uns omas bügeleisen ausgraben, die wäsche im fluss waschen, den herd mit echtem feuer in die küchen holen. scheiß auf die zukunft! wir leben einfach in der vergangenheit.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
windige elfchen
windzerzaust meine seele flattert im wind die gedanken gut durchlüftet sturmverliebt
*
atemlos verengte brust durch ein sturmhoch in meine gerümpfte nase lungenvoll
*
blättertanz noch sanft rüttelt der wind an den zweigen vergangener sommererinnerungen