im regen | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

im regen

treibt regen wie tränen ins gesicht. nass ist
die hose, das shirt hängt, die schuhe machen
geräusche, als würden frösche darin wohnen.
die schminke verläuft, die haare wuscheln
sich so zurecht, dass sie enten als zuhause
dienen könnten. tief ein und aus. der letzte
tropfen fällt von der nasenspitze. als das
wetter endlich besser wird. der nächste
regen kommt, mit fröschen und enten und
manchmal einer prise humor.

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umgeblättert | Der Dienstag dichtet


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umgeblättert

das kalenderblatt flattert im zimmereigenen wind.
vier tage zu spät wurde es umgeschlagen, vier tage
eine falsche zeit, vier tage ein falsches gefühl. der
name hat wirkung. weihnachten ist im winter,
außer in australien. ich habe einen namen, außer
für einen, da heiße ich mama. jahrelang habe ich
schorns-teinfeger gesagt, als würde man teine
auf dem schorns fegen, auch wenn der mittlerweile
eh nur noch abliest.
das alte kalenderblatt liegt jetzt hinten. versteckt
sich, irgendwie verschämt verbirgt es seine gefühle.
jetzt ist was anderes dran. man fühlt sich leichter,
bis es wieder zeit wird umzublättern und sich neu
zu finden

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ich suche | Der Dienstag dichtet


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ich suche

wo beginne ich. nicht mal das kleinhirn
schafft es etwas brauchbares hervorzuwürgen,
um meine finger in bewegung zu bringen.
datensuchaufträge streifen irritiert durch
fleischene labyrinthe. ab und an treten sie
in gehirnwasserpfützen. irgendwo macht es
platsch.
das ich versteckt sich woanders. meist
tummelt es sich in anderen gehirnen rum.
sucht in fremden augen, geschichten,
alltagsmomenten. ich höre ein gähnen aus
dem schuhregal. mein selbstverständnis
wackelt mit den zehen.

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sonnig | Der Dienstag dichtet


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sonnig

gemächlich kitzelt die sonne
kalte nasenspitzen, streichelt
über roten wangen, küsst die
spröden lippen, um sich leise
seufzend über entblößte hälse
in nacken einzukuscheln.
tief einatmen.
eigentlich sollte sie die blumen
wecken, aber gerade brauchen
die menschen besonders viel
wärme und sie braucht sonnige
gemüter, um zu strahlen.

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zeitmaßband | Der Dienstag dichtet


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zeitmaßband

die zeiger flattern im wind und
während ich blinzele, wendet
sich das kalenderblatt.
wie atmen sollte sie sein. wie
ein herzschlag.
wir messen. das maßband ist
unkontrollierbar und wir wundern
uns, dass es schmerzt. tick macht
die uhr. bis die batterie leer ist.
bis die zahnräder zu ausgeleiert
sind.
tock.

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neben mir | Der Dienstag dichtet


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neben mir

ich spüre dein herz neben meinem. nur
einige momente entfernt. im gleichen
takt. wie meines. ich höre wie luft in
deine lunge strömt und wieder hinaus.
bebend. wie meine. ich fühle die wohlige
wärme deiner körpermitte. sie kitzelt
noch. wie meine. ich kenn deine gedanken.
erhitzt und voller liebe. unsere.

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ist | Der Dienstag dichtet


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ist

tritt aus einem schatten heraus. nicht
um licht zu sehen, sondern um licht
zu verdrängen. wie ein eisbrecher.
mit der geduld einer mutter.
langsam.
aus dem schatten, aber nicht ins
licht.
in der erinnerung ist die wut immer
dunkel, eisig. in dem moment ist sie
geduldig, nährend, brennend. sie
ist und alles andere nicht.

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das schneeglöckchen | Der Dienstag dichtet


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das schneeglöckchen

etwas alleine steht es da auf
dem tisch. seine füße sind nass
und das weiße köpfchen gebeugt.
leise erzählt es von knospen,
käfern, bienen, hellen abenden
und sanften winden.
ein versprechen.
er ist hier.

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am hals | Der Dienstag dichtet


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am hals
um den hals schmeichelt. sanft ist es, streichelnd,
schick. kleine fäden, ein muster. blümchen, ein
schleifchen. stoff, ein bisschen metal hinten.
verschließt. kitzelt manchmal, wenn es sich bewegt.
gibt halt.
als würden sich hände um meinen hals schließen.
als würden sie zudrücken.
du brauchst nicht atmen.
nichts machen.
nichts.
du bist.

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der versteckte winter | Der Dienstag dichtet


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der versteckte winter

während der ersten frühlingsstürme betrinken
wir uns gierig an sonnensichtungen, nehmen
eine nase schneeglöckchen und knabbern an
den ersten grünen knospen der bäume. noch
einmal an der osterglocke lecken, dann ist
sonnenzeit. hierzulande. woanders kauert
winterwetter zwischen engen häuserfluchten.
pustet dort jemand in eine schneewehe, spürt
man hier ein leichtes tief, wie es sich mit eisiger
kälte auf die frühlingshaften gedanken legt

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