Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
flatterhaft
wie die schläge von schmetterlingsflügeln. mein blick flattert über wörter, springt über zeilen, seiten, kapitel. viel zu schnell um jede wortblume zu erfassen und viel zu langsam, um die unruhe zu besiegen. bis selbst das schnellste auto nur noch ein schatten ist. bis die erdumdrehung einen zeitsprung entfernt ist. beflügelt bin ich im ziel. schwer. gesättigt. und dann. die nächsten seiten rascheln.
Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. DieSchreibeinladung für Oktoberbeinhaltet die Worte: Abglanz, säuerlich, scheuern.
Widdewidde
„Was zur Hölle ist das?“, fragte Artem.
„Abglanz vom Licht von Eisregen“, antwortete Tim und grinste. „Nicht unbedingt was für die Massen, aber ich mag es. Die Texte sind poetisch.“
„Hat der gerade ‚leckt das Blut von deinem Gesicht‘ gesungen?“
„Ja, aber du musst das im Kontext sehen. Es geht mehr um die Beschreibung eines Gefühls, also auf der dunklen Seite zu stehen, alleine zu sein und so.“
„Scheuert das nicht?“, fragte Artem.
„Was?“
„Na, die Stimme. Der singt so, wie ich klinge, wenn ich Lungenentzündung habe.“
Tim lachte. „Das nennt sich gutturaler Gesang.“
„Zeig mal die Band.“ Artem scrollte auf seinem Handy. „Himmel, gucken die immer so säuerlich?“
„Nun ja, das sind Black Metal-Musiker. Die müssen ja schon ein bisschen finster aussehen, sonst kauft denen niemand die Musik ab. Außerdem hast du mal geschaut wie Sido auf Promofotos aussieht. Grundsätzlich so als würde dem ein Furz quer sitzen.“
„Ist halt ein böser Bube,“ sagte Artem lachend.
„Musik ist eben auch Darstellung aber am Ende geht es doch um Gefühle und das Verstehen von Gefühlen. Ich fühle mich über die Musik mit Eisregen verbunden. Manchmal bin ich aber auch wild und frei und verrückt, dann höre ich eben Pipi Langstrumpf, weil die versteht wie kacke Gesellschaft ist, viel besser als alle Metalbands zusammen.“
„Wir singen uns die Welt Widdewidde wie sie uns gefällt.“
Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK* Die aktuellen Bilder und Mosaikstücken zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*
Ich habe diesmal beide Mosaikstücke als Inspiration genommen: „Brunnen“ und das Zitat „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ Ludwig Wittgenstein
Dings
„Ich suche gerade einen coolen Ort für meine Geschichte und dachte da an Rom. Da waren wir doch da an so einem Platz und da waren ganz viele Leute und haben das Dings da angesehen“, sagte Philipp.
„Dings? Geht es präziser?!“ Miriam sah von ihrem Laptop auf.
„Argh, mir fehlt das Wort. Das Ding da in Rom, wo alle hingehen.“
„Coliseum?“, fragte Miriam.
„Nein, kleiner.“
„Vatikan?“
„Der ist ja wohl größer als das Coliseum“, sagte Philipp frustriert.
Miriam lachte. „Ich meinte, irgendwas im Vatikan, vielleicht die Sixtinische Kapelle?“
Philipp schüttelte den Kopf.
„Frag doch einfach die KI“, schlug Miriam vor.
„Aber wie solle ich das beschreiben, mir fehlen ja gerade die Worte und die braucht die KI als Befehl.“
„Das wäre doch was, eine KI, die einem die Bilder aus dem Kopf zieht und dann Sinn daraus macht.“
„Das wäre vor allem gruselig“, gab Philipp zu Bedenken. „Die Gedanken sind frei und vor allem privat. Gab es da nicht einen Film drüber, wie hieß der nochmal?“
„Warum ging es denn?“, fragte Miriam.
„Um Gedankenkontrolle.“
„Minority Report.“
Philipp verzog sein Gesicht. „Nein, ohne Tom Cruise.“
„Carrie?“, fragte Miriam schmunzelnd.
„Nein, Gedankenkontrolle durch Computer, glaube ich, oder so…“
„Frag doch die KI“, sagte Miriam mit breitem Grinsen.
„Wir drehen uns im Kreis …“, murmelte Philipp. „Also da waren … ja was war da. Die hatten so Dinger und haben damit Dings gemacht …“
„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“
„Bitte was?“ Philipp sah Miriam verwirrt an.
„Das hat dieser Typ gesagt, so ein Philosoph. Mir fällt der Name nicht ein. Sagt dir das nichts?“
„Nein. Frag doch deine KI. Kannst sie auch gleich fragen, ob das auch auf die KI selbst zu trifft.“
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Haben heute ein Haus gekauft. Gibt also demnächst ein paar Renovierungsgedichte.
aus stein
wir bauen ein haus stein. heulend weht ein wind durch die gassen. ich höre einen wolf. während ich die alten nähte löse. fuge um fuge um fuge. schmiere sie himbeerweiß an. und die fleckigen wände. deine hand streift meine, als ich die türklinge neu ausrichte. wir bauen ein haus aus stein, aber ohne deine hand würde es nur aus stroh bestehen.
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Ein Plädoyer für die Nicht-Erreichbarkeit
Gestern hat sich mein Mann bei mir „beschwert“, dass ich oft nicht rangehe, wenn er mich anruft. Dabei ist mir bewusst geworden, wie wichtig mir das eigentlich ist, auch mal nicht erreichbar zu sein. Mit den Handys hat das irgendwann begonnen, dass wir immer und überal erreichbar sein müssen, für Job und Privat. Wie haben die das vor den Handys gemacht und können wir da bitte wieder hin zurück?
Erreichbarkeit im Job
Dass man während der Arbeitszeit erreichbar sein sollte, ist selbstverständlich, aber dank Handy haben viele nicht einmal mehr in ihrer Freizeit Ruhe. Es geht gar nicht nur darum, ob man wirklich angerufen wird, sondern dass die Möglichkeit besteht. Rufbereitschaften werden bezahlt und die sind geregelt. Einige Arbeitgebenden nutzen das aber aus und fordern quasi eine ständige unbezahlte Rufbereitschaft. Habe ich in meinem Job nicht, aber in einem meiner Nebenjobs zu Studienzeiten. Hätte ich so auch nicht auf Dauer haben wollen. Ich verstehe, warum ständige Erreichbarkeit für den Job, Burnout fördert. (Q1)
Erreichbarkeit privat
Wenn das im Job schon so stresst, frage ich mich, warum wir das privat auch so durchziehen. Mein Mann ruft zum Beispiel an, wenn er wissen will, ob er noch was einkaufen soll, wenn wir Müllwechsel machen (4ter Stock mit Lastenaufzug, fragt nicht) etc.. Wenn ich mit dem Kind spiele oder mich auf etwas konzentriere, ist allerdings mein Handy aus und tatsächlich habe ich dann ein schlechtes Gewissen nicht rangegangen zu sein, dabei will ich das nicht. Aber auch Nachrichten betrifft das. Wenn man längere Zeit nicht antwortet, werden einige Menschen unwirsch. Ich will nicht ständig das Gefühl haben, bereit stehen zu müssen für Fragen oder was auch immer.
Ich bin nicht erreichbar
Ich will nicht immer erreichbar sein, ich will im Moment leben und nicht daran denken, dass mich jemand anrufen oder anschreiben könnte. Wenn ich „da“ bin, ist mein Handy laut gestellt, wenn nicht, dann bin ich eben beschäftigt und ich will selbst entscheiden, wann ich zu beschäftigt bin. Zum Beispiel will ich auf dem Spielplatz nicht auf das Handy hören oder wenn ich mich mit einem Buch entspanne. Dann will ich nicht gestört werden bzw. auf dem Spielplatz eben voll und ganz für mein Kind da sein.
Smartphones vermitteln einem schon oft genug das Gefühl, es nicht weglegen zu dürfen, weil man was verpassen könnte. Aber ist es so schlimm, Anrufe, Nachrichten und News zu verpassen? Ich fände es schlimmer, das im Moment sein zu verpassen – den Moment, in dem mein Kind lacht, weil es eine Sache neu erlernt hat oder das vollständige Eintauchen in ein Buchn, weil ich ein Auge auf dem Handy habe. Lasst uns doch ab und an mal einfach vergessen, dass es Handys gibt und nicht erreichbar sein!
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morgengruß
wird die tür geöffnet. mit kalten lippen küsst die morgenluft meine augenlider. meine vom mondlicht gewärmte haut zittert. gänsehaut läuft die nachtfalten entlang, bis sie zehen und fingerspitzen erreicht. hinterlässt ein kribbeln wie ein sanfter weckruf. vertrieben sind die allerletzten nachterinnerungen. herbst wandert durch meine adern.
Statt dem klassischen Inktober nehme ich wieder am Inktober 52 teil. Ich zeichne also jede Woche ein Bild zu einem vorgegebenen Thema. Alle Bilder habe ich auf DIN A5 gezeichnet und abfotografiert (und Hintergrund entfernt).
Habe im Sommer öfters Mal eine Woche ausfallen lassen, dafür habe ich mehr mit Buntstiften gemalt. Auf der Rückseite jeder Inktober-Zeichnung male ich eine mit Buntstift, um mal etwas Abwechslung zu haben. Meine Favoriten will ich die Tage auch mal scannen und dann hier zeigen, aber erstmal klassisch Inktober 52. Pflanzen sind immer mein Default, wenn ich nicht weiß, was ich zeichnen soll. Ich will aber mal wieder mutiger werden und auch Menschen oder zumindest Körperteile mit einbauen. Ich bin nur leider gar nicht gut bzw einfach ungeübt darinnen und brauche Zeit und Geduld – beides habe ich meist zu wenig, aber ich mag die Herausforderung auch, also hoffe ich, dass mein Drang zu Letzterem siegt.
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Katzen-Anekdoten
Ich werde derzeit auf Social Media mit dem Wort „cozy“ zugeworfen und es gibt nichts Gemütlicheres auf der Welt als Katzen, also dachte ich mir, schreibe ich einfach mal ein paar Katzen-Anekdoten von meinen verrückten Fellnasen auf. Ich habe zwei Kater: Yoda und Scotty, und ja sie wurden nach Star Wars und Star Trek-Charakteren benannt. Yoda ist alt und weise – eigentlich nicht, er ist nicht unbedingt das schlauste Kätzchen auf dem Planeten – und Scotty ist jung, sehr verschmust und ein bisschen überdreht.
Morgenflauschroutine Für Scotty gibt es Frühstück nur nach dem Kraulen. Es ist egal wie spät es ist, erstmal muss das Bäuchlein durchgeflauscht werden. Am besten wird beim Essen weitergekrault. Eine unserer Katzensitterinnen hat er so weit, dass sie das auch durchzieht und ihn krault, bis er aufgegessen hat. Yoda braucht erst Essen aber dann besteht er auf Bett mit Mensch. Früher waren das mein Mann und ich, wir wurden aber vollständig durch das Kind ersetzt. Yoda frisst also und dann wird er ins Kinderzimmer gelassen, um das Kind wach zu kuscheln. Das Kind danach aus dem Bett zu bekommen, ist dann ein ganz anderes Problem …
Warum unser Bad abgeschlossen ist Viele haben ihr Katzenklo gerne im Bad, weil es leicht sauberzumachen und olfaktorisch sinnvoll ist, aber das geht bei uns nicht, da Scotty aus irgendeinem Grund gerne das Badezimmer auseinandernimmt. Seine Lieblingsbadezimmeraktivitäten sind die Klospülung auseinanderbauen, ohne dann was damit zu machen, den Badewannenstöpsel zu verschleppen, alle Badehandtücher runterzureißen oder im Mülleimer nach Wattestäbchen zu suchen und die dann zu fressen.
Apportieren Yoda hat, als er noch keine Arthrose hatte, regelmäßig Bällchen apportiert. Einen Morgen war er so bewegungsfreudig, dass er mir ein Bällchen ans Bett gebracht hat und ich habe es dann immer wieder in den Flur geworfen. Irgendwann kam er nicht wieder, also habe ich mich umgedreht und bin nochmal weggedöst. Fand er wohl nicht gut, weil ich dann kur darauf mit sehr nassem Bällchen in meinem Gesicht aufgewacht bin. Der Spur nach zu urteilen, hat er es in den Wassernapf getunkt und mir dann gebracht.
Dressur Auch wenn Scotty Kraulen wichtiger als Futter ist, bei Leckerlies ist das was anderes. Das habe ich mir zu Nutze gemacht und ihn trainiert. Er hört jetzt auf „Sitz“ und „Pfötchen“. Mittlerweile gibt er mir manchmal einfach so Pfötchen, um mich daraufhin zu weisen, dass mal wieder Leckerlies anstehen.
Überwachungsstaat Wir wollten vor der Geburt des Kindes damals die Kamera austesten und haben sie in den Flur gehängt. Außerdem dachten wir, wir können so mal schauen, was die Katzen so treiben, wenn wir nicht da sind. Das Ergebnis: Sie saßen eine halbe Stunde unter der Kamera und haben sie angestarrt. „1984“ kann nur in einer Welt ohne Katzen spielen.
Töte sie! Ich bin mal von der Arbeit heimgekommen, da habe ich aus dem Schlafzimmer ein „Töte sie! Töte sie!“ gehört. Mein Mann stand auf einem Stuhl und hielt Scotty Richtung Decke, wo eine Spinne saß. Ich bin dann einfach wieder gegangen. Tja, seltsame Katzen haben eben meist auch seltsame Besitzer.
Und hier Fotos der beiden: Scotty links in schwarz/weiß und Yoda rechts in ganz schwarz
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herbstkrieg
unter braunem laub lugen sie hervor. ein zaghaftes schnaufen hört man. ein kalter windhauch. hatschi. schleppen sich langsam über die regenrutschigen pflastersteine. es riecht nach fenchel, kümmel, anis, kamille, salbei. einige zücken bereits das wick vaporub. en garde! mit gezückten taschentüchern und fieberthermometern. die vom wetter geschwächten nasen und rachen haben keine chance im herbstkrieg.
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mauer
ich trage eine mauer in meiner hand und halte einen schatten vor mein gesicht. aber. wenn ich etwas nicht sehe, wenn ich was vergesse, wenn niemand anderes den moment sieht. wenn. aber. ich die unmittelbarkeit verliere. gefühle perlen an galerien ab, dein lächeln auch. es ist etwas schräg. vorbei an der mauer und trotzdem prallt es davon ab. ein foto von dir ist eine verpasste erinnerung.