Gespräche mit Rüdiger – Tol(l)eranz | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 42+ 43 beinhaltet die Worte „Biedermeier, niederträchtig, flöten“, gesponsert von Puzzle .

Eigentlich wollte ich die nächste Etüde mit Rüdiger Hannah Arendt widmen, aber da werde ich wohl mal eine kleinere Reihe draus machen müssen. Stattdessen gibt es nochmal meinen Lieblingsphilosophen.

Gespräche mit Rüdiger – Tol(l)eranz

„Furchtbare Frau. Das Mistvieh hat ja nicht mal einen Kratzer“, fluche ich laut, als ich meine Wohnung betrete.

Rüdiger sitzt in der Küchentür und nickt. „Deren Katze ist kein Deut besser.“

„Sei du bloß ruhig, du hast mir den Schlamassel eingebrockt. Warum hast du die Katze von Frau Griebe denn angegriffen? Ich saß gerade eine geschlagene Stunde in ihrem Biedermeier-Wohnzimmer und habe mich entschuldigt. Was ist denn mit dir los?“

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zuspätzuspät | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Mein heutiger später Beitrag und die Hektik des Tages habe ich gleich mal als Inspiration genommen.

zuspätzuspät
das gesellschaftskaninchen
läuft hektisch davon
wir müssen alle irgendwo
sein?

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in netzen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

in netzen

in netzen. ich bin gefangen von
worten. wie kleine spinnen jagen
ihre stimmen fäden entlang. das
muster wurde schon vor hundert
jahren entworfen. buchstaben wie
kleine fliegen. der staub legt sich
und die vorstellungen sind verrostet.
lass uns pusten. lass die streben
einreißen. wenn nur die netze halten.

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Der Hase aus dem Zylinder | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 40 + 41 beinhaltet die Worte „Geheimkünstler, sperrig, suggerieren“, gesponsert von umgeBUCHt.

Der Hase aus dem Zylinder

Thomas konzentrierte sich so sehr, dass Schweiß seine Stirn hinunterlief und auf den weißen Handschuh an seiner rechten Hand tropfte. Er holte tief Luft, dann fasste er mit der linken Hand in den Zylinder und zog seinen Stoffhasen heraus.

„Taddaa!!“, verkündete er stolz und erntete den Applaus seiner Eltern, Großeltern und die seines Onkels. Nur seine beiden älteren Cousins sahen in unbeeindruckt an.

„Ich habe gesehen, dass dein Zylinder einen doppelten Boden hat. Du bist kein Zauberer!“, brüllte Frederik und kassierte dafür eine Rüge seines Vaters. Thomas wollte das nicht auf sich sitzen lassen.

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in wolkenreigen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

in wolkenreigen

in wolkenreigen. heut tanzen wir zu den
regentrommeln. windbongos geben den
tackt vor. wir folgen nicht jedem, aber
einigen. das flattern des regenschirms
gegen unsere durchnässten häute. deine
ist dicker als meine, weil die meine deine
schützt. ich umarme dich mit wärmenden
momenten. wenn die wolken ziehen,
lachen wir uns durch pfützen. suchen
einen neuen tackt im plätschernden laub.
nicht jeder tag braucht sonnenklingeln.

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manche löcher | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich war Freitag im Friedwald. Für Sandra.

manche löcher

manche löcher, sagst du, sind erst da, wenn
einer weg ist. ich falle tiefer. hier. in diesem
namenlosen wald. suche ich nach blättern.
will mich an pilzen festhalten und an lianen
hochziehen. die äste malen bilder in meine
schneeweiße haut. wurzeln brechen meine
zehen. ich male bilder mit meinem blut. auf
dem weg zu dir. manche löcher. in diesem
hier lebt niemand mehr.hey. ich rufe, aber
das echo reißt nur tiefe wunden in die stille.
mein kopf weiß. manche löcher. und du bist
doch irgendwie noch hier.

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Selbst-Prophezeiung | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Prophezeiung, anständig, verkrümeln“, gesponsert von Werner Kastens.

Selbst-Prophezeiung

Lisa dachte angestrengt über das Wort Selbst-Prophezeiung nach. Es war ihr in einem Psychologie-Magazin begegnet. In dem Artikel darüber hatte gestanden, dass wenn man fest glaubt, dass einem etwas Schlimmes passiert, das deswegen eintreten würde, entweder weil man es unabsichtlich selbst herbeiführt oder weil man anfängt alles nach dieser Selbst-Prophezeiung zu beurteilen. Lisa war sich sicher, dass ihrer Mutter das passiert war. Sie hatte ständig vermutet, dass Lisas Vater fremdging, bis er das tatsächlich tat und sich schließlich mit der neuen Frau aus ihrem Leben verkrümelte. Sicher hatte er die ständige Eifersucht nicht ausgehalten. Nicht der anständigste Zug von ihm, aber ein wenig konnte sie ihn verstehen.

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besitzsturm | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema:  Das Inselleben – Freiheit oder Käfig? Wie würdest du dich auf einer Insel fühlen?

besitzsturm

denn ich bin umgeben vom mehr. große
werbungswellen schlagen an meinen
strandbug. ich halte nach den burger
king-möwen ausschau und h&m-haien.
während amazonische muscheln unter
dem gischtvorhang hindurchschleichen,
falte ich aus kassenzettel bomben. im
wind flüstern die palmen. ich will. und
kokosnüsse poltern. muss. heute kann
ich mir die ohren mit sein verschließen.
morgen mit ist und hier. ich bin etwas
einsam auf meiner insel, aber draußen
im besitzsturm bin ich verloren.

und wir leben im sturm | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende

Ich versuche immernoch dieses abstrakte Gefühl Trauer zu erfassen.

und wir leben im sturm

und wir leben im sturm. dein
haar ganz zerzaust. meines in
strähnen. läuft wie wasser die
wangen hinab. hängen über
den schultern. herunter. hände
ziehen kreise in pfütze. das
leben tropft in regenschirmen.

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Schlick | abc-etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 36 + 37 beinhaltet die Worte „Schlick, putzen, ominös“, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Wirre Gedanken, weil eine Freundin verstorben ist. Eigenlich wollte ich nichts darüber schreiben, aber ich denke sowieso dauernd daran, also kann ich auch drüber schreiben.

Schlick

Schlick, der
bildet sich aus Lebendigem, zwischen etwas, meist im Wasser, manchmal in Freundschaften, Beziehungen oder danach. Wenn einer geht, bleibt beim anderen meist dieser Schlick zurück. Schmuckstücke, Briefe, eine Socke, Zahnpastaspritzer am Spiegel, Erinnerungen an Gespräche, Erinnerungen an nicht geführte Gespräche, Reue, Restliebe, Restwut und dieser eigenartige Geruch. Wenn man all das aus seinem Leben entfernt, wenn man jede Ecke seiner Wohnung, jede Ecke seines Gehirns fein säuberlich putzt, bleibt dennoch etwas zurück. Lebendiges lässt sich nicht wegwischen, Erlebtes schon gar nicht. Manchmal ist es einfacher alles in Kisten zu packen, große und kleine, beklebte, beschriftete, kaputte, mehrfach verwendete und neue unbenutzte. Kisten kann man gut stapeln, zum Beispiel in eine Ecke oder dem Dachboden, wenn man einen hat. Dann braucht man nur noch das Glück, dass genug Zeit vergeht, bis man sie aus Versehen öffnet.

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