im regen | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

im regen

treibt regen wie tränen ins gesicht. nass ist
die hose, das shirt hängt, die schuhe machen
geräusche, als würden frösche darin wohnen.
die schminke verläuft, die haare wuscheln
sich so zurecht, dass sie enten als zuhause
dienen könnten. tief ein und aus. der letzte
tropfen fällt von der nasenspitze. als das
wetter endlich besser wird. der nächste
regen kommt, mit fröschen und enten und
manchmal einer prise humor.

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Ich war früher ein Pick Me-Girl | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Ich war früher ein Pick Me-Girl

Ich war früher mal ein Pick-Me-Girl, allerdings gab es die Bezeichnung früher noch nicht. Sie kam erst mit Social Media auf, ebenso wie das an der Pranger-Stellen, wenn man sich so verhält. Nicht, dass das eine besonders tolle Einstellung wäre, aber statt dagegen zu hetzen, wäre es nicht spannender zu fragen, warum sich einige so verhalten und wie man helfen kann die Perspektive zu ändern?

Was ist ein Pick Me-Girl?

Laut Definition ist ein Pick Me-Girl eine weiblich gelesene Person, die sich bei Männern beliebt machen will, in dem sie andere Frauen oder Weiblichkeit abwertet. Am einfachsten kann man es wohl mit der Aussage „Ich bin nicht wie andere Mädchen/Frauen“ erklären. Man sei werde so zickig, noch kompliziert, noch Fan von Romantik, stattdessen mag man halt so Männersachen. Im Prinzip ist es ein Spiel mit Klischees, die Hollywood gerne in Filmen verarbeitet.

Warum ich eines war

Ich habe den Satz, dass ich nicht wie andere Frauen bin auch regelmäßig gedacht und leider auch ausgesprochen. Dabei wollte ich mich nicht bei Männern per se attraktiv machen, sondern mich von den Klischees abgrenzen, die meinem eigenen Geschlecht nachgesagt werden, allen voran, dass Frauen/Mädchen schwach sind. Ich wollte stark sein und wenn das hieß, Männerklischees zu erfüllen, war das okay vor mich. Es hat mir geholfen, mich besser zu fühlen, mir einen Identifikationspunkt gegeben in einer Zeit, in der ich absolut nichts mit mir selbst anzufangen wusste. Warum? Ich wollte nicht so sein wie meine Mutter und für mich war meine Mutter einer Bild der Schwäche und irgendwie auch meiner verdrehten Vorstellung von Weiblichkeit.

Warum ich keines mehr bin

Ich hätte gerne jemanden gehabt, der mir gesagt hätte, dass Blumen mögen, keine Schwäche, sondern einfach eine Präferenz ist, dass auch Männer Blumen mögen und dass es „die Frau“ mit „den Eigenschaften“ einfach nicht gibt, egal wie oft einem das Filme und Serien weiß machen wollen. Die 2000er waren, was das anging, echt schrecklich. Stattdessen habe ich mit der Zeit Frauen entdeckt, die stark sind und Blumen mögen. Ich habe Vorbilder gefunden, die mir gezeigt haben, dass das, was ich mag, nichts damit zu tun hat, ob ich mehr oder minder weiblich bin und das schon überhaupt nichts mit Schwäche zu tun hat. Stark ist es, das zu mögen, was man mag, egal was andere darüber denken.

Warum Pick-Me-Bashing nicht hilft

Pick-Me zu sein stammt sicher nicht nur bei mir aus Unsicherheit und viele merken wahrscheinlich gar nicht, dass sie dadurch Weiblichkeit als etwas Negatives darstellen. Ich wollte nie andere Mädchen/Frauen als minderwertig darstellen und trotzdem habe ich das getan. An den Pranger zu stellen ist nicht hilfreich, stattdessen sollten wir Motive hinterfragen, Vorbilder hervorheben und versuchen unsere Geschlechterrollen von Zuschreibungen wie Stärke und Schwäche loszulösen.

Ich erwische mich trotz Blumen-Tattoo manchmal noch dabei, wie ich mich gedanklich über mein Bild von Weiblichkeit stelle, aber heute weiß ich, dass es aus Unsicherheit und Angst geschieht. Ich arbeite an meiner inneren Stärke, denn die hat nichts mit meinem Geschlecht zu tun, sondern damit, ob ich zu dem stehen kann, wer und wie ich bin, was ich mag und wer ich sein möchte.

umgeblättert | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

umgeblättert

das kalenderblatt flattert im zimmereigenen wind.
vier tage zu spät wurde es umgeschlagen, vier tage
eine falsche zeit, vier tage ein falsches gefühl. der
name hat wirkung. weihnachten ist im winter,
außer in australien. ich habe einen namen, außer
für einen, da heiße ich mama. jahrelang habe ich
schorns-teinfeger gesagt, als würde man teine
auf dem schorns fegen, auch wenn der mittlerweile
eh nur noch abliest.
das alte kalenderblatt liegt jetzt hinten. versteckt
sich, irgendwie verschämt verbirgt es seine gefühle.
jetzt ist was anderes dran. man fühlt sich leichter,
bis es wieder zeit wird umzublättern und sich neu
zu finden

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Inktober 52 – Januar bis April | Bildhaftes

Statt dem klassischen Inktober nehme ich wieder am Inktober 52 teil. Ich zeichne also jede Woche ein Bild zu einem vorgegebenen Thema. Alle Bilder habe ich auf DIN A5 gezeichnet und abfotografiert (und Hintergrund entfernt).

Da mein Jahresstart etws chaotisch war, habe ich tatsächlich ein paar Mal meine wöchentliche Zeichnung ausfallen lassen. Finde ich aber gar nciht schlimm sondern gut, weil ich sonst nicht so besonders gut darin bin, auf mich achtzugeben und lieber durchballere bis nichts mehr geht. Meine Kreativität hatte trotzdem ihr Hochs und Tiefs, so finde ich die Erdbeere mit den Erbeerenstreuseln echt schlecht umgesetzt, ebenso die Fleisch äh Chipsessende-Pflanze, dafür ist mir das Meeresparfum und die Zimtschnecke gut gelungen. Ich hoffe, ich schaffe es den Rest des Jahres wieder regelmäßiger zu zeichnen, auch mein Bunt-Projekt, das ich nur für mich mache.

Warum ich „Erziehung“ doof finde | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Warum ich „Erziehung“ doof finde

Gerade macht mein Sohn eine eigenartige Phase durch, in der er viel Grenzen austestet und sehr schnell wütend wird. Ich reagiere sicher nicht immer richtig, aber ich bemühe mich ruhig zu bleiben. Auf jeden Fall hat mich diese etwas intensivere Phase dazu verleitet über „Erziehung“ nachzudenken“.

Das Wort Erziehung

Ich mag das Wort nicht. Vielleicht weil es inflationär benutzt wird, wenn es um „schlechtes Benehmen“ geht, außerdem klingt es nach Dressur, als könnte man als Eltern ein Handbuch nehmen und das Kind danach so formen, dass es der Gesellschaft in den Kram passt. Dasselbe gilt für die Wörter „Benehmen“ und „Manieren“. Das sind so Luftschlosswörter, die kaum jemand hinterfragt, obwohl sich dahinter ganz viel Unfug verbirgt.

Benehmen und Manieren

Gutes Benehmen und Manieren sind bis zu einem Grat sicher wichtig, damit man von der Gesellschaft akzeptiert wird, aber alles ohne Hinterfragen zu machen, ist auch Quatsch. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass ich viele „Tischmanieren“ unsinnig bei Kindern finde. Warum sollte ich mein energiegeladenes Kind zwingen stillzusitzen? Solange er das Essen nicht rumträgt, darf er jederzeit aufstehen. Spielzeug ist am Tisch auch willkommen, solange das Essen dabei nicht vergessen wird. Im Restaurant ist das was anderes, aber der Unterschied ist ziemlich offensichtlich.

Was wichtig ist

Ich versuche ihm stattdessen beizubringen, dass man zu anderen nett sein sollte, damit Leute gerne Zeit mit einem verbringen. Anderen Schmerzen zuzufügen oder sich über sie lustig machen, sie auszugrenzen, all das führt dazu, dass andere einen nicht mögen. Man will ja auch selbst nicht mit Menschen Zeit verbringen, die sich so verhalten. Andere respektieren ist mir dabei soviel wichtiger, als dass mein Kind immer schön ruhig ist, nicht rumrennt oder nicht laut pupst. Gleichzeitig soll Rücksichtnahme aber auch nie bedeuten, dass man sich total verbiegt. Das finde ich weitaus schwieriger und wichtiger beizubringen, als gute Manieren.

Das Ziel und der Weg

Am Ende wird das Kind erwachsen und soll in unserer Gesellschaft klarkommen, vor allem aber soll es glücklich werden. Ich glaube nicht, dass ich die Kontrolle darüber habe und deswegen finde ich das Wort Erziehung so falsch. Mein Kind bringt bereits einen Charakter mit und er wird von vielen anderen Menschen auch geprägt. Das ist für mich etwas gruselig, aber ein Kind ist nun mal kein Roboter. Am Ende kann ich ihm nur zeigen, wie ich mich durch die Welt navigiere, wie ich sie wahrnehme. Ich erkläre, ich leite an, ich lebe vor und hoffe, dass er es schafft, sich selbst ein Leben aufzubauen, mit dem er im Großen und Ganzen zufrieden ist.

Neubeginn | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder und Mosaikstücken zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Ich habe diesmal das Mosaikstück „Neubeginn“ gewählt und 6 unterschiedliche Momente darüber geschrieben. Das habe ich schon ein paar Mal gemacht, aber sehr lange nicht mehr.

Neubeginn

Lustlos schloss er die Benachrichtigung der App. Du musst heute noch trainieren. Das hatte sie auch Gestern gesagt und den Tag davor. Morgen würde er die App öffnen und endlich fit werden, schließlich wollte er im Alter beweglich bleiben, aber heute brauchte er Ruhe. Was machte schon der eine Tag.

Sie ließ sich seufzend auf die neue Couch fallen. Das war bisher das einzige Möbelstück in ihrer neuen Wohnung, aber es war eine Fahne, ein Poster, ein Ausrufezeichen für sie. Nie wieder würde sie mit jemandem auf einer Couch sitzen, der sie unglücklich machte. Noch ein paar fluffige Kissen und ihr Leben war perfekt.

Langsam bewegte er sich aus der Ecke heraus und auf den Menschen zu, der seit Tagen auf einem Teppich mitten im Raum saß und mit ihm sprach. Eigentlich hatte er niemandem mehr vertrauen wollen, aber da lag was, das gut roch, außerdem war ihm etwas kalt und langweilig. Der Mensch bewegte sich nicht. Vielleicht waren die doch nicht alle gleich.

Nervös griff er nach der Türklinke. Er hörte Lachen auf der anderen Seite und fröhliches Geplaudere. Einen Moment hatte er Angst, man würde über ihn lachen, über ihn reden, aber dann fiel ihm ein, dass ihn noch niemand kannte. Am liebsten würde er es dabei belassen, aber er brauchte einen Job. Mittlerweile war ihm auch egal welcher, Hauptsache das Lachen auf der anderen Seite der Tür galt niemals wieder ihm.

Er spürte seinen Herzschlag, als wäre es seiner. Starke Arme umschlossen ihn und er spürte eine Wärme, die nicht nur Körperwärme war. Sein eigenes Herz flatterte, als er sanfte Lippen auf seiner Stirn spürte. Eigentlich hatte er nach dem letzten Desaster eine Pause von Menschen einlegen wollen, aber diese Arme waren dafür gemacht ihn zu halten.

Montag oder Anfang des Monats, aber der Anfang des Monats war ein Donnerstag und der nächste Monat, der mit Montag anfing, war vier Monate entfernt. So lange wollte sie das auch nicht aufschieben. Vielleicht einfach heute? Es war Samstag, Mitten im Monat und es lag nichts Besonderes an. Sie nahm das Telefon in die Hand und legte es dann wieder hin, dann wieder auf, dann wieder hin, bis sie so genervt von sich war, dass sie wählte. Wer hatte denn definiert, dass man nur montags was Neues beginnen konnte?

ich suche | Der Dienstag dichtet


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ich suche

wo beginne ich. nicht mal das kleinhirn
schafft es etwas brauchbares hervorzuwürgen,
um meine finger in bewegung zu bringen.
datensuchaufträge streifen irritiert durch
fleischene labyrinthe. ab und an treten sie
in gehirnwasserpfützen. irgendwo macht es
platsch.
das ich versteckt sich woanders. meist
tummelt es sich in anderen gehirnen rum.
sucht in fremden augen, geschichten,
alltagsmomenten. ich höre ein gähnen aus
dem schuhregal. mein selbstverständnis
wackelt mit den zehen.

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Buchsonne | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für April beinhaltet die Worte: Notwendigkeit, authentisch, dämmern

Buchsonne

Eigentlich bestand keine Notwendigkeit die Waren außerhalb des Buchladens zu kontrollieren. Es war schlechtes Wetter, Dienstag und kein Feiertag stand an. Trotzdem machte Katrin einen kleinen Kontrollgang, nur um einen Blick durch den Haupteingang hinaus zu erhaschen. Es dämmerte bereits. Das hätte ihr auch ein Blick auf die Uhr verraten, aber diese wenigen Momente, in denen sie Tageslicht sah, halfen ihrem Zeitgefühl mehr als das Wissen um die Tageszeit. An das ewig künstliche Licht im Kaufhaus konnte sie sich nur schwer gewöhnen.

Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass es das Tageslicht noch gab, ging sie zurück in den Laden und sortierte Bücher ein. Ein Debütroman erweckte ihre Aufmerksamkeit. Das Cover war schlicht, gelb, etwas weiß, kein Farbschnitt, keine besondere Schrift. Trotzdem wirkte das Buch nicht langweilig, sondern ehrlich, authentisch und irgendwie mysteriös. Sonne hieß es. Auch der Name gab nicht viel Preis, schrie sie nicht an, wie viele andere Buchtitel.

Bevor sie es in das Regal einsortierte, fuhr sie sanft über den Buchrücken. Ein leises Knistern ertönte, dann begann das Buch leicht zu vibrieren. Einen Augenblick zweifelte sie an ihrem Verstand, dann gewann ihre Neugier und sie klappte das Buch auf. Sonnenstrahlen erfassten sie und kitzelten ihre Nase.

„Hatschi.“

„Gesundheit“, rief ihr Kollege von der Kasse. Er schien das helle Licht nicht zu sehen. Nun erreichte sie mit dem Licht auch Wärme und sie schloss die Augen, um die Buchsonne zu genießen. Nach einer Weile klappte sie das Buch wieder zu und arrangierte den Tisch für die Bücher um, die auf irgendwelchen Beststeller-listen standen. Ob das sonnige Buch ein Verkaufsschlager werden würde, wusste Katrin nicht, aber sicher gab es noch andere Menschen, die etwas Sonne in ihrem Leben brauchten.

Ordentliches Chaos | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Ordentliches Chaos

Letzte Woche war viel. Nach Ostern war meine Schwiegermama bei uns, was an sich jetzt natürlich nicht stressig ist, aber meinen Alltag schon verändert und dann hatte mein Kind Geburtstag und ja das war definitiv Stress. Mit vollem Kopf habe ich zwar mehr Gedanken für Gedankenkritzeleien, aber die sind viel zu unsortiert, um sie aufzuschreiben. Ich komme mit Chaos per se gut klar, aber ich habe gerne die Kontrolle darüber und da dachte ich, ich versuche das ganze mal zu erklären und meine Liebe für Chaos zu deklarieren.

Minimalismus gleich Ordnung gleich Langeweile

Eigentlich wäre ich eine gute Kandidatin für Minimalismus, aber den finde ich absolut unerstrebenswert. Klar ist es einfacher, Ordnung zu halten, wenn man wenig besitzt, andererseits finde ich es ziemlich kalt. Viele mögen vielleicht die Vorstellungen dieser weiß/beigen super aufgeräumten Wohnungen, aber ich finde die einfach unwohnlich. Ich will mich selbst in lohnung wiederfinden, ich will, dass man sieht, das ich da lebe bzw. meine Familie da lebt. Ein paar Krümel hier, Katzenspielzeug mitten im Raum, Bilder an den Wänden, Bücher so sortiert, dass es nicht wie in einer Buchhandlung aussieht. Genauso geht es mir auch mit dem Alltag. Ich könnte weniger Hobbies haben, manchmal finde ich das sogar erstrebenswert, aber meine Hobbies machen mich glücklich.

Chaos mit System

Da ich also nicht in einer halbleeren ungemütlichen (in meinen Augen) Wohnung leben will und meine Hobbies nicht aufgeben kann, ohne weniger glücklich zu sein, muss ich also mit Chaos leben. Ich glaube, meine Liebe für To-Do-Listen habe ich schonmal in einer früheren Gedankenkritzelei kundgetan, aber das ist nicht meine einzige Art, Ordnung in mein Leben und meinen Kopf zu bringen. Die Listen sind erstmal nur dazu da, damit ich nichts vergesse und einige dienen mir als Motivation, zB für meine sportlichen Ziele.

Neben den 7 To-Do-Listen habe ich noch eine Reihe Dateien, die Ordnung für mich schaffen, z.B. eine mit Tabelle über meine Veröffentlichungen, eine mit Gedichten, die unveröffnetlich sind, falls ich mal dienstags keine Ideen habe und eine mit Ideen für künftige Gedankenkritzeleien. Das räumt meinen Kopf schonmal ganz gut auf. Was mir auch ein gutes Gefühl gibt, ist eine aufgeräumte Wohnung. Dabei muss aber nicht alles perfekt verstaut sein, aber Dinge haben feste Orte und auch das Chaos hat feste Orte. In jedem Raum gibt es eine Kruschteecke, in der Dinge landen, die ich nicht wegräumen kann oder will. Wenn in meinem Kopf trotz allem Chaos herrscht, räume ich das auf und der Akt erdet mich. An der Arbeit regiere ich btw. mit Excel-Listen und Whiteboard das Chaos.

Ich liebe mein ordentliches Chaos

Manchmal macht es mich irre und ab und an habe ich das Gefühl, dass mein Alltag eine riesige Flutwelle ist, aber ganz ehrlich, ohne das wäre ich nicht ich selbst und ich wüsste wahrscheinlich gar nicht wohin mit meiner ganzen kreativen und auch körperlichen Energie. Manchmal lasse ich das Chaos auch eine Weile regieren, weil gerade nichts wichtiges ansteht, aber spätestens nach einer Weile nervt es mich und ich schaffe wieder Ordnung und das ist für mich ein tolles Gefühl. Vielleicht ist meine Ordnung für andere auch nur gemanagtes Chaos, aber ich liebe es.

sonnig | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

sonnig

gemächlich kitzelt die sonne
kalte nasenspitzen, streichelt
über roten wangen, küsst die
spröden lippen, um sich leise
seufzend über entblößte hälse
in nacken einzukuscheln.
tief einatmen.
eigentlich sollte sie die blumen
wecken, aber gerade brauchen
die menschen besonders viel
wärme und sie braucht sonnige
gemüter, um zu strahlen.

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