Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
der letzte moment des tages
wie eine decke liegt sie auf mir. schwer, warm. umarmt meine gedanken, probleme. alles was strudelt und brodelt. lässt alle geräusche verstummen. irgendwann setzt er sich neben mich. große substanzlose hände führen mich und ich gehe mit.
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Heilende Wut
Ich habe schon zwei Texte zu meiner Mutter geschrieben und lange überlegt, ob ich weiter über sie schreiben soll. Die ersten beiden Texte habe ich geschrieben, weil ich es aus dem Kopf haben wollte und schreiben mir hilft und ich wollte anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, meine Perspektive mitteilen. Ich glaube mir hätte es geholfen, wenn ich gewusst hätte, dass andere ähnliches erlebt haben. Dieser Text wird das wohl nicht tun, aber der Gedanke alles aufzuschreiben, lebt in meinen Gedanken schon eine Weile mietfrei, also, alleine um es aus meinem Kopf zu bekommen, ein Update zu der komplexen Beziehung zu meiner Mutter.
Meine Mutter hat meinen Vater mittlerweile verlassen und ist mit dem Mann ihrer Freundin durchgebrannt. Finanziell ist mein Vater nun schlechter dran, weil sie nie gearbeitet hat (ging mit Alkoholismus nicht) aber emotional geht es ihm und mir besser. Meine Mutter hatte bereits vorher deklariert, dass sie kein Kind und kein Enkelkind hat, nachdem ich meinem Vater einen Brief gezeigt habe, in dem sie mich gegen ihn aufbringen wollte und mich außerdem in eine unmögliche Situation gebracht hat, weil sie mir von ihrer Affäre erzählt hat. Verlassen hat sie ihn dann trotzdem recht plötzlich, während mein Vater auf der Geburtstagsparty von meinem Sohn war.
Seitdem bin ich die ganze Gefühlspalette einmal hoch- und runtergegangen. Was dafür verlorengegangen ist, sind meine Schuldgefühle, darüber, dass ich ihr nicht mehr geholfen habe. Die Wut hat sie verdrängt und es tut verdammt gut wütend zu sein.
Ich bin zum einen wütend über die Ungerechtigkeit. Meine Mutter sieht sich als Opfer. Mein Vater und ich sind die Bösen und sie hat nichts falsch gemacht. Das nagt an mir. Am liebsten würde ich ihr ins Gesicht brüllen, wie sehr sie uns verletzt hat, aber andererseits, das habe ich bereits und sie hat es nicht verstanden. Sie legt sich alles so zurecht, um sich selbst zu schützen. Das können meine Worte nicht ändern.
Und dann ist da die Wut, die keinen Anker hat, die einfach nur wütend sein will und sich mit der Trauer darüber vermischt, dass meine Mutter Alkoholikerin ist, dass sie mir so vieles angetan hat und dass sie jetzt keine Oma für meinen Sohn ist. Es ist keine rationale Wut, aber eine, die unfassbar guttut. Ich lasse nun Erinnerungen zu, die ich verdrängt habe, viele scheußliche Moment, über die ich lange nicht nachdenken wollte und auch wenn es weh tut, es ist eine Erleichterung sie nicht mehr zu begraben.
Das einzige, was mir fehlt, ist ein Ausgleich. Ich hätte gerne einen Anker, etwas, dass mir zeigt, dass nicht immer alle beschissen war, leider ist das gar nicht so leicht. Ich wollte es über Objekte versuchen, aber meine Mutter hat aus Wut alle meine Kindheitssachen (Schulhefte, Zeichnungen, Kindergartenmappe etc.) vernichtet und die meisten Fotos mitgenommen. Ich versuche nun über die wenigen Dinge, die mir verbleiben eine Balance zu schaffen, aber so ganz gelingt mir das noch nicht. Noch lässt der Wutsturm nicht nach. Vielleicht muss er auch eine Weile toben, bevor ich die Balance finde, aber unterdrücken werde ich ihn nicht mehr.
Früher hatte ich immer Angst vor meiner Wut, jetzt beginne ich zu verstehen, dass sie Teil von mir ist, dass ich sie brauche und dass nach jedem Sturm wieder neu aufgebaut werden kann. Ich kann meine Kindheit nicht ändern, aber ich kann meinem Sohn eine tolle Kindheit bescheren, nicht nur für ihn, sondern auch für mich.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
rosa
als hinge ein rosa schleifchen direkt an meiner gebärmutter. mit glitzer, ponys, rom coms und modeblogs. als wäre in meiner hand ein messer, das verzweifelt versucht, das schleifchen zu durchtrennen, weil ein unsichtbarer draht sie führt. weil der draht in meinem kopf ist. weil er ihgitt sagt und schwäche haucht
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Guilty Pleasure ohne Guilt
Immernoch Stress, immernoch ist mein Hirn ein wenig out of order, aber ich habe zumindest wieder ein paar Ruhepunkte und dachte ich schreibe darüber. Sofort fiel mir das Wort Guilty Pleasure ein und dann habe ich angefangen diesen kleinen Rant über die Bezeichnung zu schreiben.
Warum ich „Guilty Pleasure“ nicht mag
Übersetzt heißt das etwa „schuldiges Vergnügen“. Vergnügen ist klar, aber woher kommt eigentlich diese Schuld? Laut diverser Definitionen, schämt man sich für dieses Vergnügen, weil es gesellschaftlich nicht als anspruchsvoll oder erstrebenswert angesehen wird. Klassischstes Guilty Pleasure ist Trash TV. Wenn man sich allerdings ansieht, wie viele sowas schauen, verstehe ich das „guilty“ noch weniger. Die Gesellschaft schaut das ja anscheinend.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
Ich habe einfach mal meine Erlebnisse vom Tag in ein Gedicht gepresst. Sehr unstrukturiert und null überarbeitet. 😉
plötzlich winter
und dann ist es plötzlich winter im winter und die klimawandelverwöhnte sippe muss zu fuß gehen. autos fahren rückwärts, die fahrräder kriegen schneeschuhe an. turnschuhbestückte anzugträger schlittern zum dönermann und der supermarktverkäufer wringt alle fünf minuten die fußmatte aus. gegen die kälte wird sich mit jammern und motzen gewehrt. früher war das einfacher, da war der winter nicht so plötzlich.
Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für Januarbeinhaltet die Worte „Gewohnheitstier, absichtlich, einsetzen„.
Rüdiger hatte schon lange keinen Gastauftritt mehr auf meinem Blog. Mir sind ein bisschen die weniger komplexen philosophischen Themen ausgegangen, aber Aristoteles geht immer.
Gespräche mit Rüdiger: Kalter Tee
Jeden Nachmittag nach der Arbeit mache ich mir Tee. Manchmal probiere ich neue Sorten, aber wie ich den Tee mache, das ist immer gleich. Als ich gerade darüber nachdenken will, ob ich mein Leben etwas aufrütteln, zum Beispiel mich im Tierschutz einsetzen oder Tanzunterricht starten soll, steht Rüdiger in der Küche.
„Du bist auch ein Gewohnheitstier, oder?“
„Wie meinst du das?“, fragt er.
„Du kommst immer zur gleichen Zeit, frisst, putzt dich und dann legst du dich schlafen.“
„Hat sich etabliert.“
„Findest du das nicht langweilig?“
„Mit mehr Essen in meinem Leben wäre mir sicher weniger langweilig.“
Ich lache, öffne ihm eine Dose Nassfutter und beobachte wie Rüdiger das Essen verzehrt. Erst die Soße dann die Stückchen. Als er fertig ist, putzt er sich, dann springt er vor mir auf den Küchentisch.
„Langweile ist toll. Man muss nicht nachdenken.“ Rüdiger stupst mich an und ich kraule ihn hinter den Ohren. „Wir sind, was wir wiederholt tun. Exzellenz ist demnach keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
„Das klingt nach einem deiner Philosophieleuten.“
„Aristoteles. Er meint damit, dass, wenn man gute Handlungen immer wiederholt, sie zur Gewohnheit werden und das führt zu einem glücklichen Leben.“
„Also bin ich nicht langweilig, sondern exzellent“, sage ich mit einem Augenzwinkern.
„Wenn du schlechte Handlungen zur Gewohnheit werden lässt, nicht.“
„Dann bin ich exzellent schlecht.“
„Du bist weniger witzig, als du denkst“, sagt Rüdiger und geht aus der Küche Richtung Schlafzimmer.
„In meinem Bett zu schlafen ist auf jeden Fall eine schlechte Gewohnheit“, rufe ich ihm hinterher.
„Nur für dich. Ich mag Haare im Bett.“
Ich seufze und trinke meinen kalten Tee. Auch so eine Gewohnheit, aber eher eine von Rüdiger, weil er immer kommt, wenn mein Tee fertig ist und mich dann absichtlich vom Trinken abhält. Was Aristoteles wohl dazu sagen würde?
Quelle: Eigentlich nicht von Aristoteles direkt, sondern von Will Durant aus: „The Story of Philosophy The Lives and Opinions of the Greater Philosophers“ (S. 87)
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Lange her, dass ich eine Gedankenkritzelei habe ausfallen lassen, aber mit Fieber hatte ich weder Gedanken noch Kritzeleien. So richtig in Stimmung meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, bin ich noch nicht, das liegt aber an der Arbeit und daran, dass eine Woche krank echt beschissen ist, wenn man sowieso schon unter Zeitdruck steht. Trotzdem, ich liebe meine Gedankenkritzelei, weil sie mich, zumindest ab und an, aus meiner Komfortzone herausbekommen und mir helfen, Inspirationen zu sammeln. Da ich gerade wirklich gestresst und am Limit bin, dachte ich schreibe eine Liste, mit Dingen, die die Gedanken ohne großen Zeitaufwand entspannen und hoffe, dass ich irgendwas davon mache. Wenn nicht, vielleicht hilft sie ja euch.
Braindumping-Liste
beim Laufen Schritte zählen und z.B. 3 Schritte einatmen und 3 Schritte ausatmen
Tee oder Kaffee an einem Ort ohne Ablenkung trinken
random Stift nehmen und ohne Ziel drauflosmalen und die Zeichnung hinterher zerstören
Gedanken aufschreiben ohne nachzudenken und Blatt hinterher zerstören
Burpees oder andere kurze körperliche Übungen
Tiere in Wolken sehen
Lied einer Musikrichtung hören, die man sonst nicht hört und sich drauf konzentrieren
Stift oder ähnliches balancieren
an Gewürzen riechen
etwas vollkommen Albernes visualisieren, z.B. rosa Elefanten mit Flügeln
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
kranktage
empört hustet die to-do-liste in der ecke. der staub niest. das dreckige geschirr plant badewannenzeit. am nachmittag fällt der stapel vollgerotzter taschentücher um. schneeschieber oder direkt abfackeln. wird unter drei bettdecken diskutiert. während man mit der angel im leeren kühlschrank fischt. vitamin c soll ja helfen.
Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
pinguine
heute habe ich pinguine watscheln sehen. rote, blaue, schwarze, gelbe. kleine füße, große. mit gepäck und ohne. morgen werden sie wieder rennen und vergessen haben, dass nicht sie das tempo vorgeben.
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Was an Schnee toll ist
Nach der ersten Freude über Schnee hat sich wohl allgemein die Schneeunmut eingeschlichen und ich höre überall, dass es zu glatt, zu kalt, zu sehr Winter ist. Wir haben in Deutschland mittlerweile so selten Schnee, dass ich das Gefühl habe, für den Schnee mal in die Bresche springen zu müssen. Hier also eine kleine Auflistung…
Was an Schnee toll ist:
Es ist viel heller, wenn es dunkel ist
Man sieht den Müll auf den Straßen nicht mehr
Schneebälle werfen ist sehr befreiend, vor allem wenn der Schneeball jemanden trifft, auf den man wütend ist
Bergab ist man schneller unterwegs, wenn man statt Füßen den Popo benutzt
Heiße Schokolade schmeckt besser
Der orangefarbene Himmel am frühen Abend
Tierspuren im Schnee
Man hat eine gute Ausrede fürs Zuspätkommen
Schneemänner lauern an jeder Ecke
Spielende Kinder im Schnee
Spielende Hunde im Schnee
Schneehassende Katzen mit einer Pfote im Schnee und dann schnell wieder drinnen
Eisbrocken zertreten ist sehr kathartisch
Schlittenfahren, Schneeengel, Schneetunnelbau
Hundeköttel sind gefroren und man kann bedenkenlos über Rasen gehen