Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.
ich spüre
wenn töne auf meinem trommelfell tanzen. wenn bässe meine cochlea in schwingung bringen. meine füße werden durch die flimmerhärchen geleitet. wippen, kreisen, zittern, surren. die frequenz schiebt steine über erdigen untergrund. ich spüre.
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sonnenbrille mit scheuklappen
kein stoff auf dem oberschenkel, nur erbsen und matratzen darunter. blau flecken prinzessin. ein kühler wind weht um die nase, wischt flimmernde luft aus augenwinkeln. jetzt sieht man sie lauern. zwischen dem dreck unter den fingernägeln. wie ein wildes tier. zähne, krallen, ein grollen, reißen, ein leichtes zittern. außerhalb wird es laut. nach mir und so. sonnenbrille mit scheuklappen, nagellack und der neuste sommerhit.
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Lektoratsgefühle
Ende des Jahres erscheint mein Buch über eine Hexe, die technikaffin ist, im Novel Arc-Verlag und gerade ist das Lektorat an der Reihe. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele unterschiedliche Emotionen das in mir hervorruft und wie sehr sich das zum Beispiel vom Lektorat von Kurzgeschichten und Gedichten unterscheidet. Vorangestellt muss ich sagen, dass ich Kritik sehr schätze, mehr als Lob, wenn ich ehrlich bin. Mit Kritik kann ich was anfangen, es heißt, dass ich was tun kann, Lob lähmt mich oftmals.
Warum habe ich das nicht gesehen?
Trotzdem habe ich unterschätzt, wie sehr es mich wurmt, wenn ich auf Logiklücken und Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht werde. Ich denke dann oft: Warum zur Hölle ist dir das nicht aufgefallen? Ich verstehe, dass man automatisch blinde Flecke beim Schreiben hat. Ich kenne den Plot und konzentriere mich darauf, aber das macht halt nur auf rationaler Ebene den Unterschied, auf emotionaler Ebene bin ich genervt.
Fehlerscham
Ein bisschen Scham ist auch dabei. Vor allem bei Grammatik- oder Zeitfehlern. Das weißt du doch besser, ist ein sehr häufig auftauchender Gedanke. Auf meinem Blog zum Beispiel oder in Kurzgeschichten macht mir das weniger aus, weil ich mir denke, dass Fehler eben passieren. Außerdem lese ich Blogtexte nur einmal Korrektur, da übersehe ich eben was. Solange es lesbar ist – so what?
Nacktfassung
Die Rohfassung meines Buches fühlt sich ein bisschen wie Nackt-Sein an. Ich habe so viel Zeit, Energie und Persönlichkeit hineingesteckt, dass es irgendwie ein Teil von mir ist. Bei dem Hexenbuch nochmal mehr, weil ich es vor fünfzehn Jahren geschrieben und dann vor zwei überarbeitet habe. Es begleitet mich also schon sehr lange. Nostalgie ist definitiv auch ein kleiner Fallstrick.
Worauf ich mich fokussiere
Auch wenn das Lektorat viele unterschiedliche, auch negative Gefühle, in mir hervorruft, ist eines da, das alle anderen überschreibt: Vorfreude. Ich freue mich darauf, bald ein fertiges Buch zu haben, mit dem ich zufrieden sein kann, in dem Liebe und Arbeit stecken und ich bin dankbar dafür, dass ich dabei so viel Hilfe erhalte.
Irgendwann Ende des Jahres habe ich ein Buch in der Hand und da steht mein Name auf dem Cover. Bestes Gefühl aller Zeiten!!
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es brennt
lava auf den bildschirmen. sanft wehen feuerstürme über graues gras. die luft flackert als du mir einen strohhalm reichst. ein wenig zittert meine hand. ein wenig flattert mein durchgeschwitztes herz. im takt der steigenden farben. seufzen. ich wünschte es wäre wieder mehr weniger.
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schwarze farbe
in den haaren ziept die schwarze farbe. zu weich sind sie geworden. nicht stark genug, um die ohren zu verdecken. weißt du. in den haaren reißt die schwarze farbe. verdeckt die gedanken. nicht gehört. nicht gesehen. nicht gesprochen. nicht gedacht. in den haaren. die schwarze farbe. manchmal rot.
Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK* Die aktuellen Bilder und Mosaikstücken zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*
Der gewählte Impuls: „Ich fühlte mich ausgehöhlt und bereit ein Jahr lang zu schlafen“ Hermann Hesse „Der Steppenwolf“
Gute Nacht
Heute stelle ich meinen Wecker auf den 01.06.2027. Im Juni ist das Wetter schön warm. Die Anfangsjahresdepressionen sind rum und der Endjahresstress noch nicht da. Außerdem blühen Blumen. Die machen alles besser.
Warum ich den Wecker mich erst in einem Jahr wecken lasse?
Einfach.
Ich habe den Bums dieses Jahr satt. Es fing mit „Wir müssen das Projekt schnell beenden an“, ging weiter mit „Wir müssen das Projekt noch schneller beenden“ und dann war es „Heute ist Abgabe, warum bist du noch nicht fertig, das geht so nicht, 200 Überstunden sind ja gar nichts, ich habe 300“ weiter.
Und dann waren da noch die Geburtstage und hier muss man sein und dort muss man sein. Einer zieht um und derjenige hat auch beim eigenen Umzug geholfen. Die Nachbarn haben Computerprobleme, die Eltern sind alt und haben tausend Fragen und einen großgezogen, was ihnen das Recht gibt, jetzt Gefallen einzulösen, als hätte man als Kind Gutscheine ausgehändigt, die nicht nur leere Versprechungen wie „ich wasche dein Auto“, „ich räume eine Woche lang auf“ oder „ich mähe einen Monat lang den Rasen“ beinhaltet haben.
Vom Alltag will ich gar nicht mal anfangen. Die Hose hat ein Loch, es muss eine Neue gekauft werden. Die Waschmaschine geht kaputt und man kann sie entweder unter Angstzuständen selbst reparieren oder jemanden für 300 Euro reparieren lassen. Dann muss das Auto zum TÜV und die Terminvergabe ist Mist. Arzttermine! Vorsorge! Wo man nicht alles hin muss. Habe ich Hautkrebs? Gibt es Karies an den Zähnen? Sehen die Augen noch normal? Hören die Ohren richtig? Und dann funktioniert die Online-Terminvergabe bei 50% der Praxen nicht. Man kriegt entweder zwei Termine und muss dann rätseln, welcher der richtige ist, oder der Termin liegt so beschissen, dass man anrufen muss, um ihn verlegen zu lassen.
Es reicht.
Ich habe für das Jahr schon mehr Energie verwendet, als mir zur Verfügung stand. Jetzt bin ich leer und will nur noch schlafen.
Und das mache ich jetzt auch. Ein Jahr mal richtig durchschlafen.
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kritik
fühlt sich an, als hätte jemand kerosin über meine worte geschüttet. ein kleines loch im herzen, eine stichflamme im ego. ich wünschte. also hätte ich bloß. das ist besser. mhm. ja. oh. vielleicht bläst der sturm nicht die flammen fort, aber die zweifel. und dann ist es ein bisschen wie mit dem phönix und der asche. nur die asche bin ich. ein bisschen beschämt. viel mehr. freier.
Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für Juni beinhaltet die Worte: Wolke, stur, sortieren
Ich hatte mal wieder Lust auf Slice of Life. Kein Twist, nur ein Moment im Leben zweier Personen.
Nichtstun
„Definitiv ein Traktor.“
„So ein Unfug. Das ist ein Hund mit Knochen im Maul.“
„Und einem Pflug als Schwanz, oder was?“
„Das ist kein Pflug, sondern die Nachbarskatze, die suizidgefährdet ist.“
„Was?“ Lara lachte und richtete sich auf. „Ich glaube, wir sollten nicht zu lange auf Wolken starren.“
„Aber es hilft so wunderbar dabei, die Gedanken zu sortieren“, sagte Michael und zog Lara zurück auf die Picknickdecke. Er legte seinen Kopf an ihre Schulter und atmete ihr sanft in den Nacken.
„Wir müssen aber heute noch was machen!“
„Was denn?“, murmelte Michael.
Lara zuckte mit den Schultern. „Irgendwas. Man kann ja nicht einen ganzen Tag nichts tun.“
„Warum nicht?“
„Weil man dann nicht produktiv ist.“ Lara schon Michael etwas zurück und rollte sich auf die Seite. Ihre Nasenspitzen berührten sich beinahe. Noch bevor sie seine Zunge an ihrer Nase spürte, sah sie den Schalk in seinen Augen.
„Hey“, rief sie halb aus Protest halb aus Belustigung.
„Man muss nicht immer produktiv sein. Wir sind Menschen und keine Maschinen. Außerdem kann es Produktivität nur geben, wenn man auch mal faul ist, sonst wäre Produktiv-Sein ja ein dauerhafter Zustand und man wüsste gar nicht, dass man produktiv ist. Das Wort gäbe es quasi gar nicht.“
„Das ergibt so null Sinn,“ sagte Lara.
„Sei nicht so stur. Es heißt doch ‚Ich denke, also bin ich‘ und nicht ‚Ich mache, also bin ich‘. Oh hey, schau, die Katze beißt jetzt in den Schwanz von dem Hund.“
Lara spähte zu den Wolken. „Ich glaube dem Traktor ist das Benzin ausgegangen.“
„Gut. So gefällt mir der Traktor am liebsten“, seufzte Michael und zog Lara in seine Arme.
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Tagebuch? Journal? Gedankenkotze!
Ich habe vor ein paar Tagen angefangen in mein Notizbuch (war eigentlich so ein Ringbuch-Kalender, aber ich habe unbeschriebene Seiten rein gemacht) zu schreiben. Nicht nur To-Do-Listen, sondern einfach Gedanken. Sowas habe ich seit meinem Studium nicht mehr gemacht. Als Kind habe ich klassisch Tagebuch geschrieben (nie lange) aber im Studium habe ich begonnen reinzukritzeln, zu schreiben, Gedanken fließen zu lassen. Als es voll war, habe ich aufgehört und irgendwie habe ich jetzt damit wieder begonnen. Es war nur so eine Schnappsidee, weil mein Kopf so furchtbar voll ist (siehe letzter Beitrag) und ich irgendwie was ablassen muss. Auf jeden Fall habe ich nachgelesen, wie man das am besten angeht und festgestellt, dass ich nicht ‚man‘ bin und meinen eigenen Weg brauche.
Tagebuch vs Journal
Erster Punkt meiner Recherche war, ob es einen Unterschied zwischen Tagebuch und Journal gibt, weil auf Social Media immer von Journaling gesprochen wird und ich mir unsicher war, ob das jetzt einfach ein Tagebuch ist oder mehr. Stellt sich raus, ja, zumindest laut einigen Definitionen: ImTagebuch dokumentiert man chronologisch Ereignisse und Erlebnisse des Tages und im Journal reflektiert man und setzte sich Ziele. Ein Tagebuch erzählt, was passiert ist, ein Journal, warum man sich damit beschäftigt. Ich wollte also ein Journal schreiben, also habe ich mich da eingelesen, wie man sowas angeht.
Die Kunst des Journaling
Oi, das ist eine ganze Wissenschaft. Es gibt Morning Pages, wo man schreibt, auf was man sich am Tag fokussieren will, dann gibt es ein Dankbarkeits-Journal, in das man schreibt, für welche Dinge man am Tag dankbar war und Bullet Journaling, das ein bisschen praktischer veranlangt ist. Und natürlich gibt es noch eine Menge mehr Formen und Regeln, wie man das denn richtig macht. Nach einer ersten Recherche wollte ich meine Idee schon über Bord werfen, weil mir das fiel zu anstrengend klang. Ich will meinen Kopf erleichtern, nicht noch weiter zumüllen. Aber dann dachte ich: Fuck it, ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.
Gedankenkotze
Also habe ich mir mein Ringbuchding genommen, einen Stift geschnappt und losgeschrieben. Teilweise keine ganzen Sätze, teils nur Listen, null zusammenhängend und teilweise sehr kryptisch. Ich schreibe auf, was mir gerade in den Kopf kommt. Es ist nicht vollständig, es ist nicht schön, aber es tut wirklich gut. Wie lange ich das durchziehe, weiß ich nicht. Es ist mir ehrlich gesagt auch egal. Ich mache das nicht, um sagen zu können, dass ich ein Journal habe, sondern, weil es mir helfen soll. Wenn ich weniger voll im Kopf bin, vielleicht höre ich dann auf, keine Ahnung. So oder so, das ist nur für mich, weil es mir gut tut.
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blaue küsse
manchmal bleiben deine küsse als blaue flecke zurück. rote punkte, geschwollen, enpfindlich. sanft streichele ich über das blau, das grün, das beinahe braun. denke an deine zarten lippen und schmerzvollen schwüre. momente zwischen laken. nach ein paar tagen sehe ich nur noch blasse erinnerung. dann sehne ich mich nach dir und der tiefe, die du auf und in mir hinterlässt.