Heilende Wut | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Heilende Wut

Ich habe schon zwei Texte zu meiner Mutter geschrieben und lange überlegt, ob ich weiter über sie schreiben soll. Die ersten beiden Texte habe ich geschrieben, weil ich es aus dem Kopf haben wollte und schreiben mir hilft und ich wollte anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, meine Perspektive mitteilen. Ich glaube mir hätte es geholfen, wenn ich gewusst hätte, dass andere ähnliches erlebt haben. Dieser Text wird das wohl nicht tun, aber der Gedanke alles aufzuschreiben, lebt in meinen Gedanken schon eine Weile mietfrei, also, alleine um es aus meinem Kopf zu bekommen, ein Update zu der komplexen Beziehung zu meiner Mutter.

Hier findet ihr Texte eins und zwei.

Meine Mutter hat meinen Vater mittlerweile verlassen und ist mit dem Mann ihrer Freundin durchgebrannt. Finanziell ist mein Vater nun schlechter dran, weil sie nie gearbeitet hat (ging mit Alkoholismus nicht) aber emotional geht es ihm und mir besser. Meine Mutter hatte bereits vorher deklariert, dass sie kein Kind und kein Enkelkind hat, nachdem ich meinem Vater einen Brief gezeigt habe, in dem sie mich gegen ihn aufbringen wollte und mich außerdem in eine unmögliche Situation gebracht hat, weil sie mir von ihrer Affäre erzählt hat. Verlassen hat sie ihn dann trotzdem recht plötzlich, während mein Vater auf der Geburtstagsparty von meinem Sohn war.

Seitdem bin ich die ganze Gefühlspalette einmal hoch- und runtergegangen. Was dafür verlorengegangen ist, sind meine Schuldgefühle, darüber, dass ich ihr nicht mehr geholfen habe. Die Wut hat sie verdrängt und es tut verdammt gut wütend zu sein.

Ich bin zum einen wütend über die Ungerechtigkeit. Meine Mutter sieht sich als Opfer. Mein Vater und ich sind die Bösen und sie hat nichts falsch gemacht. Das nagt an mir. Am liebsten würde ich ihr ins Gesicht brüllen, wie sehr sie uns verletzt hat, aber andererseits, das habe ich bereits und sie hat es nicht verstanden. Sie legt sich alles so zurecht, um sich selbst zu schützen. Das können meine Worte nicht ändern.

Und dann ist da die Wut, die keinen Anker hat, die einfach nur wütend sein will und sich mit der Trauer darüber vermischt, dass meine Mutter Alkoholikerin ist, dass sie mir so vieles angetan hat und dass sie jetzt keine Oma für meinen Sohn ist. Es ist keine rationale Wut, aber eine, die unfassbar guttut. Ich lasse nun Erinnerungen zu, die ich verdrängt habe, viele scheußliche Moment, über die ich lange nicht nachdenken wollte und auch wenn es weh tut, es ist eine Erleichterung sie nicht mehr zu begraben.

Das einzige, was mir fehlt, ist ein Ausgleich. Ich hätte gerne einen Anker, etwas, dass mir zeigt, dass nicht immer alle beschissen war, leider ist das gar nicht so leicht. Ich wollte es über Objekte versuchen, aber meine Mutter hat aus Wut alle meine Kindheitssachen (Schulhefte, Zeichnungen, Kindergartenmappe etc.) vernichtet und die meisten Fotos mitgenommen. Ich versuche nun über die wenigen Dinge, die mir verbleiben eine Balance zu schaffen, aber so ganz gelingt mir das noch nicht. Noch lässt der Wutsturm nicht nach. Vielleicht muss er auch eine Weile toben, bevor ich die Balance finde, aber unterdrücken werde ich ihn nicht mehr.

Früher hatte ich immer Angst vor meiner Wut, jetzt beginne ich zu verstehen, dass sie Teil von mir ist, dass ich sie brauche und dass nach jedem Sturm wieder neu aufgebaut werden kann. Ich kann meine Kindheit nicht ändern, aber ich kann meinem Sohn eine tolle Kindheit bescheren, nicht nur für ihn, sondern auch für mich.

rosa | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

rosa

als hinge ein rosa schleifchen direkt an meiner
gebärmutter. mit glitzer, ponys, rom coms und
modeblogs. als wäre in meiner hand ein messer, das
verzweifelt versucht, das schleifchen zu durchtrennen,
weil ein unsichtbarer draht sie führt. weil der draht
in meinem kopf ist. weil er ihgitt sagt und schwäche
haucht

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Guilty Pleasure ohne Guilt | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Guilty Pleasure ohne Guilt

Immernoch Stress, immernoch ist mein Hirn ein wenig out of order, aber ich habe zumindest wieder ein paar Ruhepunkte und dachte ich schreibe darüber. Sofort fiel mir das Wort Guilty Pleasure ein und dann habe ich angefangen diesen kleinen Rant über die Bezeichnung zu schreiben.

Warum ich „Guilty Pleasure“ nicht mag

Übersetzt heißt das etwa „schuldiges Vergnügen“. Vergnügen ist klar, aber woher kommt eigentlich diese Schuld? Laut diverser Definitionen, schämt man sich für dieses Vergnügen, weil es gesellschaftlich nicht als anspruchsvoll oder erstrebenswert angesehen wird. Klassischstes Guilty Pleasure ist Trash TV. Wenn man sich allerdings ansieht, wie viele sowas schauen, verstehe ich das „guilty“ noch weniger. Die Gesellschaft schaut das ja anscheinend.

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plötzlich winter | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

Ich habe einfach mal meine Erlebnisse vom Tag in ein Gedicht gepresst. Sehr unstrukturiert und null überarbeitet. 😉

plötzlich winter

und dann ist es plötzlich winter im winter und
die klimawandelverwöhnte sippe muss zu fuß
gehen. autos fahren rückwärts, die fahrräder
kriegen schneeschuhe an. turnschuhbestückte
anzugträger schlittern zum dönermann und
der supermarktverkäufer wringt alle fünf
minuten die fußmatte aus. gegen die kälte wird
sich mit jammern und motzen gewehrt. früher
war das einfacher, da war der winter nicht so
plötzlich.

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Gespräche mit Rüdiger: Kalter Tee | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für Januarbeinhaltet die Worte „Gewohnheitstier, absichtlich, einsetzen„.

Rüdiger hatte schon lange keinen Gastauftritt mehr auf meinem Blog. Mir sind ein bisschen die weniger komplexen philosophischen Themen ausgegangen, aber Aristoteles geht immer.

Gespräche mit Rüdiger: Kalter Tee

Jeden Nachmittag nach der Arbeit mache ich mir Tee. Manchmal probiere ich neue Sorten, aber wie ich den Tee mache, das ist immer gleich. Als ich gerade darüber nachdenken will, ob ich mein Leben etwas aufrütteln, zum Beispiel mich im Tierschutz einsetzen oder Tanzunterricht starten soll, steht Rüdiger in der Küche.

„Du bist auch ein Gewohnheitstier, oder?“

„Wie meinst du das?“, fragt er.

„Du kommst immer zur gleichen Zeit, frisst, putzt dich und dann legst du dich schlafen.“

„Hat sich etabliert.“

„Findest du das nicht langweilig?“

„Mit mehr Essen in meinem Leben wäre mir sicher weniger langweilig.“

Ich lache, öffne ihm eine Dose Nassfutter und beobachte wie Rüdiger das Essen verzehrt. Erst die Soße dann die Stückchen. Als er fertig ist, putzt er sich, dann springt er vor mir auf den Küchentisch.

„Langweile ist toll. Man muss nicht nachdenken.“ Rüdiger stupst mich an und ich kraule ihn hinter den Ohren. „Wir sind, was wir wiederholt tun. Exzellenz ist demnach keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“

„Das klingt nach einem deiner Philosophieleuten.“

„Aristoteles. Er meint damit, dass, wenn man gute Handlungen immer wiederholt, sie zur Gewohnheit werden und das führt zu einem glücklichen Leben.“

„Also bin ich nicht langweilig, sondern exzellent“, sage ich mit einem Augenzwinkern.

„Wenn du schlechte Handlungen zur Gewohnheit werden lässt, nicht.“

„Dann bin ich exzellent schlecht.“

„Du bist weniger witzig, als du denkst“, sagt Rüdiger und geht aus der Küche Richtung Schlafzimmer.

„In meinem Bett zu schlafen ist auf jeden Fall eine schlechte Gewohnheit“, rufe ich ihm hinterher.

„Nur für dich. Ich mag Haare im Bett.“

Ich seufze und trinke meinen kalten Tee. Auch so eine Gewohnheit, aber eher eine von Rüdiger, weil er immer kommt, wenn mein Tee fertig ist und mich dann absichtlich vom Trinken abhält. Was Aristoteles wohl dazu sagen würde?

Quelle: Eigentlich nicht von Aristoteles direkt, sondern von Will Durant aus: „The Story of Philosophy The Lives and Opinions of the Greater Philosophers“ (S. 87)

Braindumping | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Lange her, dass ich eine Gedankenkritzelei habe ausfallen lassen, aber mit Fieber hatte ich weder Gedanken noch Kritzeleien. So richtig in Stimmung meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, bin ich noch nicht, das liegt aber an der Arbeit und daran, dass eine Woche krank echt beschissen ist, wenn man sowieso schon unter Zeitdruck steht. Trotzdem, ich liebe meine Gedankenkritzelei, weil sie mich, zumindest ab und an, aus meiner Komfortzone herausbekommen und mir helfen, Inspirationen zu sammeln. Da ich gerade wirklich gestresst und am Limit bin, dachte ich schreibe eine Liste, mit Dingen, die die Gedanken ohne großen Zeitaufwand entspannen und hoffe, dass ich irgendwas davon mache. Wenn nicht, vielleicht hilft sie ja euch.

Braindumping-Liste

  • beim Laufen Schritte zählen und z.B. 3 Schritte einatmen und 3 Schritte ausatmen
  • Tee oder Kaffee an einem Ort ohne Ablenkung trinken
  • random Stift nehmen und ohne Ziel drauflosmalen und die Zeichnung hinterher zerstören
  • Gedanken aufschreiben ohne nachzudenken und Blatt hinterher zerstören
  • Burpees oder andere kurze körperliche Übungen
  • Tiere in Wolken sehen
  • Lied einer Musikrichtung hören, die man sonst nicht hört und sich drauf konzentrieren
  • Stift oder ähnliches balancieren
  • an Gewürzen riechen
  • etwas vollkommen Albernes visualisieren, z.B. rosa Elefanten mit Flügeln
  • Fußbad mit duftendem Öl

kranktage | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

kranktage

empört hustet die to-do-liste in der
ecke. der staub niest. das dreckige
geschirr plant badewannenzeit. am
nachmittag fällt der stapel vollgerotzter
taschentücher um. schneeschieber
oder direkt abfackeln. wird unter drei
bettdecken diskutiert. während man
mit der angel im leeren kühlschrank
fischt. vitamin c soll ja helfen.

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pinguine | Der Dienstag dichtet


Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

pinguine

heute habe ich pinguine watscheln
sehen. rote, blaue, schwarze, gelbe.
kleine füße, große. mit gepäck und
ohne. morgen werden sie wieder
rennen und vergessen haben, dass
nicht sie das tempo vorgeben.

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Was an Schnee toll ist | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Was an Schnee toll ist

Nach der ersten Freude über Schnee hat sich wohl allgemein die Schneeunmut eingeschlichen und ich höre überall, dass es zu glatt, zu kalt, zu sehr Winter ist. Wir haben in Deutschland mittlerweile so selten Schnee, dass ich das Gefühl habe, für den Schnee mal in die Bresche springen zu müssen. Hier also eine kleine Auflistung…

Was an Schnee toll ist:

  • Es ist viel heller, wenn es dunkel ist
  • Man sieht den Müll auf den Straßen nicht mehr
  • Schneebälle werfen ist sehr befreiend, vor allem wenn der Schneeball jemanden trifft, auf den man wütend ist
  • Bergab ist man schneller unterwegs, wenn man statt Füßen den Popo benutzt
  • Heiße Schokolade schmeckt besser
  • Der orangefarbene Himmel am frühen Abend
  • Tierspuren im Schnee
  • Man hat eine gute Ausrede fürs Zuspätkommen
  • Schneemänner lauern an jeder Ecke
  • Spielende Kinder im Schnee
  • Spielende Hunde im Schnee
  • Schneehassende Katzen mit einer Pfote im Schnee und dann schnell wieder drinnen
  • Eisbrocken zertreten ist sehr kathartisch
  • Schlittenfahren, Schneeengel, Schneetunnelbau
  • Hundeköttel sind gefroren und man kann bedenkenlos über Rasen gehen
  • Schneebedeckte Bäume und Sträucher
  • Die Ruhe, wenn Schnee fällt

Die Letzten von 2025 | Inktober 52

Statt dem klassischen Inktober nehme ich wieder am Inktober 52 teil. Ich zeichne also jede Woche ein Bild zu einem vorgegebenen Thema. Alle Bilder habe ich auf DIN A5 gezeichnet und abfotografiert (und Hintergrund entfernt).

DIe letzten Bilder von 2025. Bis auf das Krokodil bin ich mit allen zufrieden. Das letzte Bild des Jahres war der Sonnenuntergang mit der Bank und auch mein Favorit. Am meisten Spaß gemacht zu zeichnen, war allerdings der Gänseschirm. Irgendwie musste ich die ganze Zeit an Marry Poppins denken. 😉