mauer | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

mauer

ich trage eine mauer in meiner hand
und halte einen schatten vor mein
gesicht. aber. wenn ich etwas nicht
sehe, wenn ich was vergesse, wenn
niemand anderes den moment sieht.
wenn. aber. ich die unmittelbarkeit
verliere. gefühle perlen an galerien ab,
dein lächeln auch. es ist etwas schräg.
vorbei an der mauer und trotzdem
prallt es davon ab. ein foto von dir
ist eine verpasste erinnerung.

Weiterlesen „mauer | Der Dienstag dichtet“ →

Stille (Gedichte-)Post | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Stille (Gedichte-)Post

Das Beste und Schlimmste an der deutschen Sprache sind Komposita. In der Kunst sind sie eines meiner Lieblingssprachmittel. Aber im Job hasse ich sie, vor allem weil einige Menschen sehr kreativ werden und technische Sprache sollte nicht kreativ sein. Insbesondere wenn man sie hinterher in eine andere Sprache übersetzt. Gerade hatte ich so einen Fall, wo am Ende absoluter Unfug bei rum kam.

Das brachte mich auf die Idee mit Google Translate mal eine Runde Stille Post zu spielen. Ich nehme jeweils das vorangegangenen Gedicht und lasse es übersetzen (erst Englisch und dann das, was mir Translate vorschlägt bzw die letzten Sprachen, in die ich übersetzt habe), am Ende wieder ins Deutsche. Mal schauen, was bei rumkommt.

Das Ausgangs-Elfchen:

regentrommeln
mein schirmkopf
sammelt kalte wassertröpfchen
rinnsale in meinem nacken
herbstlaubzittern

Übersetzung ins Englische:

rain drums
the top of my umbrella
collects cold droplets of water
trickles down my neck
trembling autumn leaves

Übersetzung ins Spanische:

tamborileo de lluvia
la parte superior de mi paraguas
recoge frías gotas de agua
que resbalan por mi cuello
hojas de otoño que tiemblan

Übersetzung ins Französische:

tambourinement de la pluie
le sommet de mon parapluie
recueille des gouttes d’eau glacées
qui glissent le long de mon cou
feuilles d’automne qui tremblent

Übersetzung ins Norwegische:

trommingen av regn
toppen av paraplyen min
fanger opp iskalde vanndråper
som sklir nedover nakken min
skjelvende høstløv

Übersetzung ins Portugiesische:

o tamborilar da chuva
o topo do meu guarda-chuva
recebe gotas geladas
que escorrem pelo meu pescoço
folhas de outono tremulantes

Übersetzung ins Japanische:

Ame no oto kasa no teppen ga tsumetai shizuku o uketome sore ga kubisuji o tsutai ochiru hirahira to mau aki no ha

Zurück zum Deutschen:

Das Geräusch des Regens; die Spitze des Regenschirms fängt einen kalten Tropfen auf, der dann meinen Nacken hinunterrinnt – sanft flatternd ziehen die Herbstblätter vorüber.

Fazit: Gar nicht so unsinnig wie vermutet. Die größte Veränderung gab es am Anfang und dann durch Japanisch. Das Endergebnis finde ich wirklich wohlklingend.

schon so spät? | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

schon so spät?

sanft streift ein farbiger wind über
die blätter der bäume. hier einen
pinselstrich orange, dort braun. ein
paar tupfen gelb und rot. vor lauter
farbenfreude greift der wind sogar
nach dem hellen lilaton, den er nur
selten verwendet. ein leises raunen
geht durch das gefieder der vögel.
einige suchen das weite, andere
plustern sich auf. schon so spät?

Weiterlesen „schon so spät? | Der Dienstag dichtet“ →

Der letzte Regen | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für September beinhaltet die Worte: Wetterumschwung, abwechslungsreich, versickern.

Der letzte Regen

Nachdem der letzte Regen im Boden versickert war, dachte sich noch niemand etwas dabei. Bald würde es wieder regnen, so war es schon immer gewesen. Nach einem Monat machten sich bereits einige Sorgen, während andere noch darüber philosophierten, dass eine weltweite Dürre früher oder später stattfinden müsste. Statistik und so. Kein Grund zur Besorgnis. Nach drei Montan ohne Wetterumschwung begannen auch die Skeptiker panisch im Kreis zu laufen.

Es gab Krisenpläne und Demonstrationen gegen und für diese Pläne. Macht das Wetter wieder abwechslungsreich! Ohne Wasser kein Leben! Entwässert die Meere! Aber das Ganze demonstrieren und planen half nichts. Der Regen blieb fort. Es war warm, es war kalt und immer war es trocken.

Auseinandersetzungen begannen, Flüchtlingsströme, Kriege.

Derweil versuchten Forschende wie manisch herauszufinden, warum es nicht mehr regnete. Sie suchten im Wasser, der Erde, im Himmel die Antwort und dann im Weltall, aber es gab keine Antwort.

Das ist doch Quatsch! Es gibt keinen Grund, warum es nicht regnete. Die Natur musste doch den Naturgesetzen folgen.

In einer anderen Dimension fragte sich jemand, warum da ein Knoten in dem Wasserschlauch war. Beinahe wäre das Planetenprojekt eingegangen. Schnell behob sier denn Fehler und schrieb die regelmäßige Überprüfung der Schläuche auf eine lange To-Do-Liste. Ans Ende. So wichtig war das Projekt auch nicht. Wenn es kaputtging, würde sier einfach nochmal von vorne beginnen.

Was ich im Herbst machen will | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

Was ich im Herbst machen will

  • mit Blättern Tiere und Bilder basteln
  • einen ausgedehnten Waldspaziergang machen
  • mit heißem Tee und Decke auf dem Balkon sitzen und lesen
  • ein Blätterbad nehmen
  • Fledermäuse mit Kind beobachten (sobald es vor 8 Uhr dunkel wird)
  • Kastanientiere basteln
  • Äpfel auf Pflückwiese einsammeln und Apfelsaft draus machen lassen
  • Balkon für die Kälte umbauen, begrünen
  • mind. 1 Gedicht darüber schreiben, wie sehr ich den Herbst liebe
  • erste Mal Hallenschwimmbad mit Kind besuchen
  • früher aufstehen um Morgenkälte einzuatmen
  • neues Tattoo (Herbst ist die beste Jahreszeit dafür)
  • Halloween-Deko!!
  • Kürbissuppe und Kürbiskekse backen

windlos | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

Habe alte Dias mit Bildern von meinem Onkel gefunden und dann diese Zeilen geschrieben.

windlos

weht auf einem geraden pfad
daher. eine wehe, eine brise, ein
kleiner wirbel aus – du streifst
mir meine letzte strähne aus dem
gesicht. morgen wollten wir auf
wellen surfen, berge erklimmen,
das all erforschen. und dann stille.
nackt ist die einsamkeit, kalt, leer.
windlos.

Weiterlesen „windlos | Der Dienstag dichtet“ →

die letzten sommermomente | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

die letzten sommermomente

die letzten sommermomente laufen wie
schweißperlen meine warme sonnenhaut
hinunter. ein bisschen verweile ich noch.
zeichne meine sommersprossen nach,
um ein bild zu erkennen. baue aus dem
in den schuhen versteckten standsand
eine erinnerungsburg. und sortiere die
urlaubsbilder in meinem kopf so ein, dass
sie in grauen momenten parat liegen.
dann hole ich den ersten kürbis raus und
schnitze mir ein herbstlächeln.

Weiterlesen „die letzten sommermomente | Der Dienstag dichtet“ →

zeitreise | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

Kurz Administratives: Wir haben nun jemand Neues an Bord. Willkommen Großstadtpoetin! Und ich habe die Liste etwas aufgeräumt. Wenn ihr rausgeflogen seid, dann weil der Link nicht mehr stimmte. Bitte kurz in die Komentare schreiben, dann ergänze ich sofort.

zeitreise

nun brummt die zeitreisemaschine.
wer braucht schon forschung, technik,
fortschritt, wenn er so tun kann, als
ob. lass uns die rüschröcke raffen, die
schürzen straff ziehen. lass uns omas
bügeleisen ausgraben, die wäsche im
fluss waschen, den herd mit echtem
feuer in die küchen holen. scheiß auf
die zukunft! wir leben einfach in der
vergangenheit.

Weiterlesen „zeitreise | Der Dienstag dichtet“ →

KI lügt | Gedankenkritzelei

Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.

KI lügt

Bei meinen Recherchen für meine guten News aber auch für Texte auf meinem Blog nutze ich Suchmaschinen und stoße so automatisch auf Informationen, die von einer KI erstellt wurden. Ich versuche das zu vermeiden (was btw. gar nicht so leicht ist, weil viele nicht kennzeichnen) und zwar aus einem Grund: KI lügt

Wie funktioniert KI?

KI-Systeme sind sehr komplex und ich verstehe, dass nicht jeder versteht, was das bedeutet, außerdem helfen Hollywood-Filme dabei, sich das Ganze anders vorzustellen, als es ist. KI ist nicht menschlich, ist kein Gehirn, keine echte Intelligenz, sondern das sind Techniken, die erstellt wurden. KI versteht nicht, wie wir es tun, sondern liest Daten, die sie gefüttert bekommt, erkennt und reproduziert statistische Muster und erledigt Aufgaben „menschen-ähnlich“. 

KI „macht Fehler“

Am Anfang stehen die Daten, die sie gefüttert bekommt und wenn die falsch sind, dann ist auch das, was die KI auswirft, falsch. Dazu kommt die Natur von KI. Sie produziert kein Fachwissen, sondern Muster, die statistisch plausibel sind, nicht aber zwangsläufig richtig. Das ist per se auch nicht dramatisch, aber mittlerweile vertrauen wir KI blind. Ist auch nicht schwer, denn KI-Modelle präsentieren sich als unfehlbar. So viele Fragen den KI-Chatbot Grok, ob die Aussage von jemandem stimmt, aber niemand fragt, ob Grok vielleicht falsch liegt. Davon abgesehen, dass Ersteller von KI auch Einfluss auf die KI haben und diese ggf. mit eigener politischer Agenda füttern können (ja, es ist Absicht, dass ich das direkt nach meinem Grok-Beispiel schreibe).

Wie man die Lügen aufdeckt

KI ist eine Quelle – EINE. Man sollte sich nie nur auf eine Quelle verlassen. Ich lese daher immer mehrere Artikel, die sich am besten nicht im Kreis referenzieren. Das andere ist, dass wir dringend eine strengere Auszeichnungspflicht für KI brauchen. Auch bei KI Fakten recherchieren, ist Zuhilfenahme von KI und das läuft mir sehr häufig über den Weg und wahrscheinlich noch viel öfters, als es mir auffällt.

Wenn wir KI uns schon menschlich vorstellen, dann auch mit allen menschlichen Fehlern. Menschen manipulieren und lügen – KI imitiert Menschen – KI manipuliert und lügt (sehr vereinfacht, eigentlich rechnet sie nur falsch). Das heißt nicht, dass KI per se schlecht ist, aber wir sollten KI als Werkzeug benutzen, nicht als Gott ansehen.

Quellen zu KI:

https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Informationen-und-Empfehlungen/Technologien_sicher_gestalten/Kuenstliche-Intelligenz/kuenstliche-intelligenz_node.html#doc508426bodyText3

https://www.cybersicherheit-bw.de/im-detail-wie-funktioniert-kuenstliche-intelligenz

https://www.tagesschau.de/wissen/technologie/kuenstliche-intelligenz-fakten-100.html

windige elfchen | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

windige elfchen

windzerzaust
meine seele
flattert im wind
die gedanken gut durchlüftet
sturmverliebt

*

atemlos
verengte brust
durch ein sturmhoch
in meine gerümpfte nase
lungenvoll

*

blättertanz
noch sanft
rüttelt der wind
an den zweigen vergangener
sommererinnerungen

Weiterlesen „windige elfchen | Der Dienstag dichtet“ →