manche löcher | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich war Freitag im Friedwald. Für Sandra.

manche löcher

manche löcher, sagst du, sind erst da, wenn
einer weg ist. ich falle tiefer. hier. in diesem
namenlosen wald. suche ich nach blättern.
will mich an pilzen festhalten und an lianen
hochziehen. die äste malen bilder in meine
schneeweiße haut. wurzeln brechen meine
zehen. ich male bilder mit meinem blut. auf
dem weg zu dir. manche löcher. in diesem
hier lebt niemand mehr.hey. ich rufe, aber
das echo reißt nur tiefe wunden in die stille.
mein kopf weiß. manche löcher. und du bist
doch irgendwie noch hier.

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Selbst-Prophezeiung | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Prophezeiung, anständig, verkrümeln“, gesponsert von Werner Kastens.

Selbst-Prophezeiung

Lisa dachte angestrengt über das Wort Selbst-Prophezeiung nach. Es war ihr in einem Psychologie-Magazin begegnet. In dem Artikel darüber hatte gestanden, dass wenn man fest glaubt, dass einem etwas Schlimmes passiert, das deswegen eintreten würde, entweder weil man es unabsichtlich selbst herbeiführt oder weil man anfängt alles nach dieser Selbst-Prophezeiung zu beurteilen. Lisa war sich sicher, dass ihrer Mutter das passiert war. Sie hatte ständig vermutet, dass Lisas Vater fremdging, bis er das tatsächlich tat und sich schließlich mit der neuen Frau aus ihrem Leben verkrümelte. Sicher hatte er die ständige Eifersucht nicht ausgehalten. Nicht der anständigste Zug von ihm, aber ein wenig konnte sie ihn verstehen.

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besitzsturm | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema:  Das Inselleben – Freiheit oder Käfig? Wie würdest du dich auf einer Insel fühlen?

besitzsturm

denn ich bin umgeben vom mehr. große
werbungswellen schlagen an meinen
strandbug. ich halte nach den burger
king-möwen ausschau und h&m-haien.
während amazonische muscheln unter
dem gischtvorhang hindurchschleichen,
falte ich aus kassenzettel bomben. im
wind flüstern die palmen. ich will. und
kokosnüsse poltern. muss. heute kann
ich mir die ohren mit sein verschließen.
morgen mit ist und hier. ich bin etwas
einsam auf meiner insel, aber draußen
im besitzsturm bin ich verloren.

und wir leben im sturm | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende

Ich versuche immernoch dieses abstrakte Gefühl Trauer zu erfassen.

und wir leben im sturm

und wir leben im sturm. dein
haar ganz zerzaust. meines in
strähnen. läuft wie wasser die
wangen hinab. hängen über
den schultern. herunter. hände
ziehen kreise in pfütze. das
leben tropft in regenschirmen.

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Schlick | abc-etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 36 + 37 beinhaltet die Worte „Schlick, putzen, ominös“, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Wirre Gedanken, weil eine Freundin verstorben ist. Eigenlich wollte ich nichts darüber schreiben, aber ich denke sowieso dauernd daran, also kann ich auch drüber schreiben.

Schlick

Schlick, der
bildet sich aus Lebendigem, zwischen etwas, meist im Wasser, manchmal in Freundschaften, Beziehungen oder danach. Wenn einer geht, bleibt beim anderen meist dieser Schlick zurück. Schmuckstücke, Briefe, eine Socke, Zahnpastaspritzer am Spiegel, Erinnerungen an Gespräche, Erinnerungen an nicht geführte Gespräche, Reue, Restliebe, Restwut und dieser eigenartige Geruch. Wenn man all das aus seinem Leben entfernt, wenn man jede Ecke seiner Wohnung, jede Ecke seines Gehirns fein säuberlich putzt, bleibt dennoch etwas zurück. Lebendiges lässt sich nicht wegwischen, Erlebtes schon gar nicht. Manchmal ist es einfacher alles in Kisten zu packen, große und kleine, beklebte, beschriftete, kaputte, mehrfach verwendete und neue unbenutzte. Kisten kann man gut stapeln, zum Beispiel in eine Ecke oder dem Dachboden, wenn man einen hat. Dann braucht man nur noch das Glück, dass genug Zeit vergeht, bis man sie aus Versehen öffnet.

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sprechnebel | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Noch jemand das Triell gesehen?

sprechnebel
in einem wortdschungel irren einzeln
getigerte und gestreifte, rote, grüne,
farblose, gefärbte. sie meinen, was sie
reden. aber reden nicht, was sie meinen.
satzlianen reihen sich an einige und
nicht an viele. buchstabensuppe treibt
die stämme hinunter. die affen baden
in ihrem eigenen sud. kraulen ihre
eier und lassen ihre schwänze treiben.
hinter dem dschungel versinkt die welt
im sprechnebel. die viele blinzeln kurz.

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weil meine wut ein sturm ist | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich habe das neue Video von Rezo gesehen und spontan was hingekritzelt. Etwas wirr, aber gerade deshalb wollte ich es nicht mehr verändern.

weil meine wut ein sturm ist

weil meine wut ein sturm ist. ich
schreie in die winde. lasse samen
meine lauten schreie tragen. eine
banschee singt. sirenen. unser aller
tod wird ausgegeben, ergossen,
gefressen, verschwiegen. wir
falten aus fleisch papierschiffe.
ich lasse mich treiben und setze
die segel auf nordsüd. wir müssen
drachen steigen lassen. heute.

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sonnenabschied | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

sonnenabschied

tschüss. sage ich. zu leichten
sonnenmoment, windgekämmten
haaren, grasbekitzelten sohlen.
wir sind über warmen asphalt
gewandert. haben schatten
elegant behopst. meine haut
war sonnenbecremt, dein kopf
behütet. im nächsten sommer
bleibt das tuch leer. dann liegt
deine lachende hand in meiner.

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der bulli | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Zeit für #Vanlife: Berichte einen Tag lang aus der Sicht eines Vans / Wohnwagens.

Als unser Bully zu alt wurde, haben wir uns ein neues Auto geholt. Dies ist eine kleine Erinnerung an einen ereignisreichen tag in unserem dunkelblauen Bus.

der bulli

dunkelblau und rostfarben. deine reifen
fahren über schwarze flüsse. wir hören
bässe von innen und außen. sind mit
dreckigen sohlen unterwegs. nass, kalt,
warm, sonnig, windig. das wetter streift
deine außenhaut. ich höre dein ächzen
den berg hinauf, und ein ausatmen hinab.
grenzen bremsen dich nicht, berge, täler,
felder. wir schlafen in deinem bauch.
leben, lieben, ruhen. vier reifen, felgen,
ein rahmen, lenkrad, türen, das radio.
ohne wände bist du manchmal mehr
zuhause als jede wohnung.

in einem bett | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

in einem bett

in einem bett. nicht deinem. ich
fühle mich alleine für dich. und
voller angst. insekten krabbeln
durch deinen körper. brüste, leber,
lunge, gehirn. in deinen windungen
wispert das leben. ich hoffe wir
sehen uns bald wieder.

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