nur das war bleibt | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Am Wochenende war eine Freundin zu Besuch. Ich habe mich versucht an mich, wie ich früher war, zu erinnern.

nur das war bleibt

auf hoher see hält sie das meeresrauschen
gefangen. meine flasche ist eine muschel.
geschlossen. das papier darinnen vor jahren
weggeschwommen. ich suche die fitzelchen,
die papiernen atome. zusammen. doch in
meinem kopf flutet nur rauschen. meine haut
erahnt die berührung. meine zunge trägt den
geschmack vorbei. auf hoher see. heute werfe
ich eine neue flasche. im rauschen. werde ich
sie vergessen. nur das war bleibt.

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Itsemi Mario | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23 + 24 beinhaltet die Worte „Yachtclub besenrein abspecken“, gesponsert von Annuschkas Northern Star.

Mir war mal danach einen sinnlosen und albernen Text zu schreiben. 😉

Itsemi Mario

„Hey du!“

Mina öffnete kurz die Augen. Sicher war die Katze über die Tastatur gelaufen und hatte ein YouTube-Video gestartet.

„Hey du.“

„Kiki, raus!“ Mina hörte ein Maunzen neben sich und sah, dass sich die Katze neben ihr eingerollt hatte.

„Bist du schwerhörig?“

Mina richtete sich so ruckartig auf, dass Kiki aufgeschreckt aus dem Zimmer rannte. Auf dem Bildschirmhintergrund zwischen all den Ordnern winkte Super Mario.

 „Ich weiß nicht, wer mir hier gerade einen Streich spielt, aber verpiss dich von meinem Rechner,“ schrie sie.

„Itsemi Mario.“

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2 arten müde | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

2 arten müde

im tiefsten schlaf such ich meine
augen. höhlentief. ich taste den
sehnerv an der wurzel ab. finde
leere und müdigkeit. manchmal
hilft ruhen. manchmal nur ruhe.

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Dann ging sie | Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu einem oder beiden vorgeschlagenen Bildern zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Dann ging sie

Sie öffnete die Tür. Langsam, so als könnte sie im nächsten Moment etwas von draußen anspringen. In ihren Albträumen waren es Monster, wenn sie tagsüber über ihre Angst nachdachte, waren es meist die Nachbarn. Nur einen Spalt traute sie sich die Tür zu öffnen, dann schloss sie sie wieder und schob die beiden Riegel davor. Zweimal drehte sie den Schlüssel, dann ging sie.

Sie öffnete die Tür. Mit einem Ruck, aber nur ein Stück. Sie dachte, dann fiele es ihr leichter, aber die Angst schlug schneller zu, als sie erwartet hatte und mit ihr schlug dir Tür ins Schloss. Zwei Riegel, zweimal abschließen. Sie ließ sich an der Tür zu Boden gleiten. Die Hände zitterten noch eine Weile, aber die Knie fühlten sich nach einer Atemübung nicht mehr wie Pudding an. Vorsichtig stand sie auf, dann ging sie.

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und schon ist wieder abends | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

und schon ist wieder abends
bäume, grüne bäume. üppige wolken
und ein streifen urlaub am horizont. ich
höre die motoren. sehe sie fahren. da
ein vogel, aber kein freier. wenn ich aus
dem fenster blicke ist meist schon abends.
ich sollte tagsüber hinaussehen. wenn die
sonne hoch steht. ohne schatten sind die
motoren leiser. das uhrwerk auch. ich sehe
wie die zeiger ticken. und schon ist wieder
abends. ich sitze da und sehe dort hinaus.
denke. wenn ich doch schon mittags mal
hinausgesehen hätte. doch das gelingt
mir nicht einmal am wochenende.

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Gespräche mit Rüdiger – Ein sinnvolles Leben | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Es ist Zeit für eine Extraetüdenrunde: Ziel ist es 5 Worte in 500 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung beinhaltet die Worte „Giraffe, mondsüchtig, suchen, Wetterbericht, ordentlich, irisieren“.

Ich wollte unbedingt mal was zu Hannah Arendt schreiben. Sie ist eine meiner Lieblingsdenkerinnen, aber es ist schwer sie kurz zusammenzufassen. Daher habe ich im Prinzip nur einen winzigen Teilaspekt herausgezogen und am Ende sogar nur 300 Wörter geschrieben. Aber egal, um Arendt gerecht zu werden, bräuchte ich wohl ein ganzes Buch.

Ein sinnvolles Leben

Es ist einer dieser nichts-will-funktionieren-Tage, als mir meine Kette reißt und die Perlen über den Küchenboden kullern. Ich seufze und betrachte die irisierenden Kugeln lustlos, wie sie so daliegen und wollen, dass ich sie wieder einsammle. Plötzlich geraten die Perlen in Bewegung und ich sehe eine Pfote durch die Balkontür schnellen. Rüdiger schiebt einige der Perlen unter den Kühlschrank, andere jagt er aus der Küche hinaus in den Flur.

„Vielen Dank für deine Hilfe. Da suche ich ja wenig, bis ich die wieder zusammen habe.“

„Gerne“, antwortet der kleine Kater und setzt sich demonstrativ vor seinen Napf.

„Du willst eine Belohnung für das Chaos?“

„Chaos?“, antwortet er.

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aus der welt gefallen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende

Bin wieder ausm Urlaub zurück.

aus der welt gefallen

aus der welt gefallen. in einem
auto ins niemandsland gefahren.
ich sehe momente in der weile
und will ungeglättete wogen.
gestern noch waren meine knie
im sand. heute stoßen sie sich
an einer tischkante. der bürostuhl
quietscht im takt der wellen.

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ich bin meer | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Wie der Titel sagt, bin ich (am) Meer. Bin nur das allernötigste Online und lese eure Dienstagsgedichte dann Donnerstag nach.

ich bin meer

weicher sand kriecht meine beine
hinauf. mit fingerspitzengefühl
kitzelt er meine knie. ich lausche
dem sandförmchenschlagen, dem
windgekicher. atme gesalzene
freiheit. wann sollte ich wo? wer
wann gleich? wenn das wasser
zurückkommt, sind wir nicht mehr
hier, aber der abdruck unseres
momentes bleibt. ich bin meer.

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