
Das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern eine Gedankenkritzelei. Jeden Freitag schreibe ich über etwas, das mir auf dem Herzen liegt. Wenn ich etwas wissenschatftlicher werde, bemühe ich mich keine Falschinformationen auf den Weg zu bringen. Wenn das doch passiert, lasst einen Kommentar da. Ebenso, wenn ihr Lust zu diskutieren habt oder wenn ihr eine virtuelle Umarmung braucht. Die gibt es hier gratis.
Ich war früher ein Pick Me-Girl
Ich war früher mal ein Pick-Me-Girl, allerdings gab es die Bezeichnung früher noch nicht. Sie kam erst mit Social Media auf, ebenso wie das an der Pranger-Stellen, wenn man sich so verhält. Nicht, dass das eine besonders tolle Einstellung wäre, aber statt dagegen zu hetzen, wäre es nicht spannender zu fragen, warum sich einige so verhalten und wie man helfen kann die Perspektive zu ändern?
Was ist ein Pick Me-Girl?
Laut Definition ist ein Pick Me-Girl eine weiblich gelesene Person, die sich bei Männern beliebt machen will, in dem sie andere Frauen oder Weiblichkeit abwertet. Am einfachsten kann man es wohl mit der Aussage „Ich bin nicht wie andere Mädchen/Frauen“ erklären. Man sei werde so zickig, noch kompliziert, noch Fan von Romantik, stattdessen mag man halt so Männersachen. Im Prinzip ist es ein Spiel mit Klischees, die Hollywood gerne in Filmen verarbeitet.
Warum ich eines war
Ich habe den Satz, dass ich nicht wie andere Frauen bin auch regelmäßig gedacht und leider auch ausgesprochen. Dabei wollte ich mich nicht bei Männern per se attraktiv machen, sondern mich von den Klischees abgrenzen, die meinem eigenen Geschlecht nachgesagt werden, allen voran, dass Frauen/Mädchen schwach sind. Ich wollte stark sein und wenn das hieß, Männerklischees zu erfüllen, war das okay vor mich. Es hat mir geholfen, mich besser zu fühlen, mir einen Identifikationspunkt gegeben in einer Zeit, in der ich absolut nichts mit mir selbst anzufangen wusste. Warum? Ich wollte nicht so sein wie meine Mutter und für mich war meine Mutter einer Bild der Schwäche und irgendwie auch meiner verdrehten Vorstellung von Weiblichkeit.
Warum ich keines mehr bin
Ich hätte gerne jemanden gehabt, der mir gesagt hätte, dass Blumen mögen, keine Schwäche, sondern einfach eine Präferenz ist, dass auch Männer Blumen mögen und dass es „die Frau“ mit „den Eigenschaften“ einfach nicht gibt, egal wie oft einem das Filme und Serien weiß machen wollen. Die 2000er waren, was das anging, echt schrecklich. Stattdessen habe ich mit der Zeit Frauen entdeckt, die stark sind und Blumen mögen. Ich habe Vorbilder gefunden, die mir gezeigt haben, dass das, was ich mag, nichts damit zu tun hat, ob ich mehr oder minder weiblich bin und das schon überhaupt nichts mit Schwäche zu tun hat. Stark ist es, das zu mögen, was man mag, egal was andere darüber denken.
Warum Pick-Me-Bashing nicht hilft
Pick-Me zu sein stammt sicher nicht nur bei mir aus Unsicherheit und viele merken wahrscheinlich gar nicht, dass sie dadurch Weiblichkeit als etwas Negatives darstellen. Ich wollte nie andere Mädchen/Frauen als minderwertig darstellen und trotzdem habe ich das getan. An den Pranger zu stellen ist nicht hilfreich, stattdessen sollten wir Motive hinterfragen, Vorbilder hervorheben und versuchen unsere Geschlechterrollen von Zuschreibungen wie Stärke und Schwäche loszulösen.
Ich erwische mich trotz Blumen-Tattoo manchmal noch dabei, wie ich mich gedanklich über mein Bild von Weiblichkeit stelle, aber heute weiß ich, dass es aus Unsicherheit und Angst geschieht. Ich arbeite an meiner inneren Stärke, denn die hat nichts mit meinem Geschlecht zu tun, sondern damit, ob ich zu dem stehen kann, wer und wie ich bin, was ich mag und wer ich sein möchte.
