morgengruß | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

morgengruß

wird die tür geöffnet. mit kalten lippen
küsst die morgenluft meine augenlider.
meine vom mondlicht gewärmte haut
zittert. gänsehaut läuft die nachtfalten
entlang, bis sie zehen und fingerspitzen
erreicht. hinterlässt ein kribbeln wie
ein sanfter weckruf. vertrieben sind die
allerletzten nachterinnerungen. herbst
wandert durch meine adern.

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herbstkrieg | Der Dienstag dichtet

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herbstkrieg

unter braunem laub lugen sie hervor.
ein zaghaftes schnaufen hört man.
ein kalter windhauch. hatschi. schleppen
sich langsam über die regenrutschigen
pflastersteine. es riecht nach fenchel,
kümmel, anis, kamille, salbei. einige
zücken bereits das wick vaporub.
en garde!
mit gezückten taschentüchern und
fieberthermometern. die vom wetter
geschwächten nasen und rachen
haben keine chance im herbstkrieg.

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mauer | Der Dienstag dichtet

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mauer

ich trage eine mauer in meiner hand
und halte einen schatten vor mein
gesicht. aber. wenn ich etwas nicht
sehe, wenn ich was vergesse, wenn
niemand anderes den moment sieht.
wenn. aber. ich die unmittelbarkeit
verliere. gefühle perlen an galerien ab,
dein lächeln auch. es ist etwas schräg.
vorbei an der mauer und trotzdem
prallt es davon ab. ein foto von dir
ist eine verpasste erinnerung.

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schon so spät? | Der Dienstag dichtet

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schon so spät?

sanft streift ein farbiger wind über
die blätter der bäume. hier einen
pinselstrich orange, dort braun. ein
paar tupfen gelb und rot. vor lauter
farbenfreude greift der wind sogar
nach dem hellen lilaton, den er nur
selten verwendet. ein leises raunen
geht durch das gefieder der vögel.
einige suchen das weite, andere
plustern sich auf. schon so spät?

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windlos | Der Dienstag dichtet

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Habe alte Dias mit Bildern von meinem Onkel gefunden und dann diese Zeilen geschrieben.

windlos

weht auf einem geraden pfad
daher. eine wehe, eine brise, ein
kleiner wirbel aus – du streifst
mir meine letzte strähne aus dem
gesicht. morgen wollten wir auf
wellen surfen, berge erklimmen,
das all erforschen. und dann stille.
nackt ist die einsamkeit, kalt, leer.
windlos.

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die letzten sommermomente | Der Dienstag dichtet

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die letzten sommermomente

die letzten sommermomente laufen wie
schweißperlen meine warme sonnenhaut
hinunter. ein bisschen verweile ich noch.
zeichne meine sommersprossen nach,
um ein bild zu erkennen. baue aus dem
in den schuhen versteckten standsand
eine erinnerungsburg. und sortiere die
urlaubsbilder in meinem kopf so ein, dass
sie in grauen momenten parat liegen.
dann hole ich den ersten kürbis raus und
schnitze mir ein herbstlächeln.

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zeitreise | Der Dienstag dichtet

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Kurz Administratives: Wir haben nun jemand Neues an Bord. Willkommen Großstadtpoetin! Und ich habe die Liste etwas aufgeräumt. Wenn ihr rausgeflogen seid, dann weil der Link nicht mehr stimmte. Bitte kurz in die Komentare schreiben, dann ergänze ich sofort.

zeitreise

nun brummt die zeitreisemaschine.
wer braucht schon forschung, technik,
fortschritt, wenn er so tun kann, als
ob. lass uns die rüschröcke raffen, die
schürzen straff ziehen. lass uns omas
bügeleisen ausgraben, die wäsche im
fluss waschen, den herd mit echtem
feuer in die küchen holen. scheiß auf
die zukunft! wir leben einfach in der
vergangenheit.

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windige elfchen | Der Dienstag dichtet

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windige elfchen

windzerzaust
meine seele
flattert im wind
die gedanken gut durchlüftet
sturmverliebt

*

atemlos
verengte brust
durch ein sturmhoch
in meine gerümpfte nase
lungenvoll

*

blättertanz
noch sanft
rüttelt der wind
an den zweigen vergangener
sommererinnerungen

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die treppe | Der Dienstag dichtet

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die treppe

schicht um schichte stapele ich alle kleidung,
die ich einmal besessen habe und die ich noch
besitzen werde, aufeinander. eine hose, die nur
ein paar monate modern war. ein paar schuhe,
die zwar schick, aber nicht zum laufen gedacht
waren. das grüne shirt, das nur für diesen einen
anlass gekauft wurde. wenige sachen haben
löcher, wenige sehen verbraucht aus. kaum eines
wurde geflickt, ausgebessert, umfunktioniert.
schicht um schicht stapele ich viskose, polyester,
baumwolle, wachs, gore tech, kunstleder, echtes
leder, das als kunstleder verkauft wurde. stapele
faden auf faden und faser auf faser bis mein
monument endlich steht und ich auf weichen
treppenstufen bis zum mond hinaufsteige.

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auf sanften pfötchen | Der Dienstag dichtet

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auf sanften pfötchen

auf sanften pfötchen schnurrt
sich eine befellte nase in meine
federleichten träume. schmiegt
sich an. eine katzenfeder kitzelt.
kaum spürbarer atem streift meine
haut. autsch. zuviel kralle, zu wenig
stoff dazwischen. kichern, leises
maunzen. ein perfekter morgen.

Mit diesem Gedicht möchte ich auf einen kleinen Tierschutzverein aufmerksam machen, die gerade struggeln, weil sie zu viele streunende Katzen und zu wenig Hilfe und Geld haben. Wenn ihr überlegt ein Kätzchen zu adoptieren oder vielleicht ein bisschen Geld übrig habt, schaut bei Divis Kleine Farm & Freunde vorbei.

Infos: https://www.diviskleinefarmundfreunde.de/

Spenden am besten via Paypal (Diviskleinefarm@outlook.de) oder Bankkonto (siehe Link/Spenden).

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