idyllisch | Der Dienstag dichtet

Der Dienstag ist für mich Gedichtetag. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichtenden findet ihr am Ende.

idyllisch

die blätter der bäume rauschen im wind, ein
kleines bächlein plätschert und ein paar vögel
singen fröhliche lieder. man könnte meinen,
dass, wenn man in diese idylle etwas schlimmes
hineinbrüllt, dass es dann genauso schlimm
herausbrüllt. doch die blätter rauschen, das
bächlein plätschert. nur die vögel sind kurz still.
man könnte meinen, dass so ein brüllen folgen
hat, bis der wald so tut, als hätte ihn nie etwas
gestört und die vögel ihre lieder beenden.

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voll leer | Der Dienstag dichtet

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Bin wieder zurück aus dem Urlaub.

voll leer

dann weht durch meine leeren
räume ein wind. ausgemistet, ballast
abgeworfen, abstand gewonnen.
frei geräumt.
leer.
und dann nehme ich alles und
werfe es hinein. weil leere
manchmal schwerer zu ertragen
ist, als das zuviel und zu voll.
und dann wünsche ich mir die
leere herbei. weil es schwer ist
zu denken, wenn alles laut und
voll ist.

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millimetergroße erinnerungen | Der Dienstag dichtet

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Ein Gedicht aus dem Urlaub. Freitag bin ich wieder da und hole eure Gedichte nach

millimetergroße erinnerungen

klebt an meinen füßen, händen,
oberschenkeln, pobacken, am
handtuch, der kleidung, in den
schuhen, der tasche.
sandkörnchen.
sogar in der haarbürste finde ich
sie. und dann zuhause im koffer
und im wäschekorb nach dem
waschen.
millimetergroße erinnerungen an
schöne meermomente.

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ich bin dann mal weg | Der Dienstag dichtet

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ich bin dann mal weg

ich bin dann mal weg. adieu. tschaui,
tschüss. sanfter reisewind weht durch
meine haare und ein strohballen über
den smartphonescreen. können mich
alle mal, vor allem der alltag. ciao. salut.
dag. rattern unterm hintern und weniger
rattern im kopf. bye bye. peace out.

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bilder und worte | Der Dienstag dichtet

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bilder und worte

ein polaroid meiner vergangenheit. ich
lege ein fotopapierfoto daneben. mein
handy mit tausend schnappschüssen.
ein bild sagt mehr als tausend worte.
tausend bilder sagen mehr als mein kopf
erfassen kann. von allen seiten, unten,
oben, nah, fern, anderes licht. alle gleich,
alle anders.
vorbei.
ein wort sagt mehr als tausend bilder.

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ich spüre | Der Dienstag dichtet

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ich spüre

wenn töne auf meinem trommelfell
tanzen. wenn bässe meine cochlea
in schwingung bringen. meine füße
werden durch die flimmerhärchen
geleitet. wippen, kreisen, zittern,
surren. die frequenz schiebt steine
über erdigen untergrund.
ich spüre.

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sonnenbrille mit scheuklappen | Der Dienstag dichtet

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sonnenbrille mit scheuklappen

kein stoff auf dem oberschenkel, nur
erbsen und matratzen darunter. blau
flecken prinzessin. ein kühler wind
weht um die nase, wischt flimmernde
luft aus augenwinkeln. jetzt sieht man sie
lauern. zwischen dem dreck unter den
fingernägeln. wie ein wildes tier. zähne,
krallen, ein grollen, reißen, ein leichtes
zittern. außerhalb wird es laut. nach mir
und so. sonnenbrille mit scheuklappen,
nagellack und der neuste sommerhit.

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es brennt | Der Dienstag dichtet


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es brennt

lava auf den bildschirmen. sanft
wehen feuerstürme über graues
gras. die luft flackert als du mir
einen strohhalm reichst. ein wenig
zittert meine hand. ein wenig flattert
mein durchgeschwitztes herz.
im takt der steigenden farben.
seufzen. ich wünschte es wäre
wieder mehr weniger.

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schwarze farbe | Der Dienstag dichtet


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schwarze farbe

in den haaren ziept die schwarze farbe. zu
weich sind sie geworden. nicht stark genug,
um die ohren zu verdecken.
weißt du.
in den haaren reißt die schwarze farbe. verdeckt
die gedanken. nicht gehört. nicht gesehen. nicht
gesprochen. nicht gedacht.
in den haaren.
die schwarze farbe. manchmal rot.

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kritik | Der Dienstag dichtet


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kritik

fühlt sich an, als hätte jemand kerosin über
meine worte geschüttet. ein kleines loch im
herzen, eine stichflamme im ego. ich wünschte.
also hätte ich bloß. das ist besser. mhm. ja. oh.
vielleicht bläst der sturm nicht die flammen fort,
aber die zweifel. und dann ist es ein bisschen wie
mit dem phönix und der asche. nur die asche bin
ich. ein bisschen beschämt. viel mehr. freier.

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