Selbst-Prophezeiung | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Prophezeiung, anständig, verkrümeln“, gesponsert von Werner Kastens.

Selbst-Prophezeiung

Lisa dachte angestrengt über das Wort Selbst-Prophezeiung nach. Es war ihr in einem Psychologie-Magazin begegnet. In dem Artikel darüber hatte gestanden, dass wenn man fest glaubt, dass einem etwas Schlimmes passiert, das deswegen eintreten würde, entweder weil man es unabsichtlich selbst herbeiführt oder weil man anfängt alles nach dieser Selbst-Prophezeiung zu beurteilen. Lisa war sich sicher, dass ihrer Mutter das passiert war. Sie hatte ständig vermutet, dass Lisas Vater fremdging, bis er das tatsächlich tat und sich schließlich mit der neuen Frau aus ihrem Leben verkrümelte. Sicher hatte er die ständige Eifersucht nicht ausgehalten. Nicht der anständigste Zug von ihm, aber ein wenig konnte sie ihn verstehen.

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Der alte Koffer | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Du findest auf der Straße einen großen Koffer und nimmst ihn spontan mit nach Hause. Deine Neugier ist so groß, dass du diesen dann auch öffnest, was entdeckst du darin? Und wie sieht der Koffer aus? Beschreibe so genau wie möglich.

Der alte Koffer

Groß ist der Koffer und kariert, wie der meiner Oma früher. Er hat zwei Risse. Einen an der rechten Seite außen und einen auf der Oberseite. Man sieht, dass der karierte Stoff auf der anderen Seite nur braun ist und sich darunter beiger Schaumstoff befindet. Ich weiß nicht, warum ich den Koffer mitgenommen habe. Irgendwie wirkte er einsam, wie er da so auf der Straße lag. Nun liegt er vor mir auf dem Wohnzimmerteppich und wirkt eher mysteriös. Ich wüsste gerne, was für ein Leben er bisher hatte. Ist er um die ganze Welt gereist oder nur durch Deutschland? War er oft auf Verwandtenbesuch oder in Hotelzimmern?

Ich öffne die Schnallen und ziehe den Reißverschluss auf. Vielleicht finde ich im Inneren einen Hinweis. Es riecht muffig, als ich den Deckel anhebe, aber irgendwie auch nach Sommer und Meer. Ein eigenartiges Licht, scheint aus dem Koffer heraus, als ich den Deckel vollends umklappe.

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Die Burg | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Sommerferien – Moritz muss zu Hause bleiben. Doch davon lässt er sich die Laune nicht verderben, zusammen mit seinen Freunden bauen sie (…eigene Idee…) – erzähle uns was sie bauen und wie sie den Sommer damit / darin verbringen.

Die Burg

Moritz saß im Sandkasten hinterm Haus. Eigentlich fühlte er sich zu alt für Im-Sand-Spielen, aber etwas Besseres fiel ihm nicht ein. Fast alle seine Freunde waren in den Urlaub gefahren, nur seine Familie nicht, weil seine kleine Schwester gerade erst geboren worden war. Moritz fühlte sich ungeliebt. Nicht nur, dass sie nicht in den Urlaub fuhren, seine Eltern hatten auch so weniger Zeit für ihn. Frustriert warf er etwas Sand umher. Er konnte vielleicht so tun, als wäre er am Meer und eine Sandburg bauen.

Moritz begann mit dem Hauptbau. Sorgfältig formte er einen Quader und hob daraus einen kleineren Quader aus, sodass die Burg einen Innenhof hatte, wie die, die er und seine Eltern letzten Sommer besucht hatten. Anschließend drückte kleine Ausbuchtungen in die Wände. Dann baute er darauf Türmchen, einen Graben und fügte immer mehr Details hinzu. Sogar Pflanzen gab es in und um die Burg. Erst als es Abendbrot gab, hörte Moritz auf. Als er schließlich ins Bett musste, nahm er das Buch über das Burgleben mit, das sein Vater sich bei ihrem Besuch gekauft hatten. Er las bis ihm die Augen zufielen und stellte sich dabei vor, selbst in der Burg zu leben. Nahtlos ging die Vorstellung in einen Traum über bis Moritz nachts schweißgebadet aufwachte.

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Abgehoben | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23+ 24 beinhaltet die Worte „Picknickdecke, verwegen, recherchieren“, gesponsert von nellindreams

Abgehoben

Sie sitzt auf einer Picknickdecke. Rot und weiß gestreift ist sie, an einigen Stellen verblasst, an anderen vom Gras grün gefärbt. Vor ihr liegt statt einem Picknickkorb ihr Laptop, weil sie beschlossen hat, dass das „Home“ in Homeoffice jeder selbst definieren sollte. Heute recherchiert sie für einen neuen Artikel, den sie schreiben muss, über so einen Star, den sie nur vom Namen kennt. Was sie schreiben soll, liest sie in der Email, aber unter dem Artikel wird ihr Name stehen und das Wörtchen „Meinung“. Niemand sagt, dass es ihre sein muss, aber es fühlt sich so an. Am liebsten würde sie ihre wahre Meinung schreiben, dass man die Dame in Ruhe lassen soll, dass das niemanden zu interessieren hat, dass sich niemand Gedanken darüber macht, was sie dabei empfindet. Wenn sie verwegen wäre, würde sie das tun, aber das ist sie nicht. Sie nimmt die achthundert Euro für ein Volontariat, dass eine Vollzeitstelle ist, beschwert sich nicht über das wenige Geld oder die schlechte Behandlung. Eigentlich wollte sie als Journalistin durch die Welt reisen, und nun sitzt sie im Stadtpark, auf der alten Decke ihre Großmutter. Wenn es doch nur keine Decke wäre, sondern ein Teppich und dieser Teppich fliegen könnte. Der Wind lenkt sie von ihren negativen Gedanken ab, hebt die Decke leicht an. Für einen Moment sieht es so aus, als würde sie wirklich abheben, bis sie es tatsächlich tut. Sie hält ihren Laptop fest und beginnt zu schreiben..

Der Leichenschmaus | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 16 +17 beinhaltet die Worte „Pfanne, glücklich, trennen“, gesponsert von Doro|Art.

Der Leichenschmaus

In diesem Moment hasste er die Küche mehr denn je. Das Geschirr musste gespült werden, die Pfanne geschrubbt, der Kühlschrank befüllt und die Krümel beseitigt werden. Und dann war da auch noch der Backofen mit dem verbrannten Kuchen, den sie hatte backen wollen. Sie war so glücklich gewesen, dass ihr das Rezept gelungen war. Hier und jetzt fühlte er sich noch einsamer, als auf dem Friedhof. Der Pastor hatte angeboten, mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen, als Ersatz für den traditionellen Leichenschmaus, doch er hatte ablehnt.

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Das Pusteblumenmädchen

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Als Pusteblume hat man es nicht leicht…” beginnt.

Das Pusteblumenmädchen

„Als Pusteblume hat man es nicht leicht“, sagte Gamze und konzentrierte sich ganz darauf, dass ihre Samen nicht im Wind verstreut wurden. Sie spürte, wie ihre Wurzeln in der Erde nach Wasser suchten, wie dieser weiße Saft durch ihren Stängel floss und wie die Blätter sanft im Wind tanzten. Sie wollte mit aller Macht an ihren weißen flauschigen Samen festhalten, doch der Wind war unerbittlich.

„Sag mal klappt das bei dir?“, hörte sie die Stimme von Fredda neben sich.

„Bis du mich rausgerissen hast schon.“ Gamze öffnete die Augen und sah ihre Freundin wütend an.

„Was warst du denn?“, fragte diese unschuldig dreinschauend.

„Pusteblume, und du?“

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Die Strickjacke | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 8 + 9 beinhaltet die Worte „Strickjacke, trügerisch, entdecken“, gesponsert von wortgeflumselkritzelkram.

Die Strickjacke

Sie öffnete die Türen vom Kleiderschrank. Alles war sortiert nach Zweck und Farbe, doch die Ordnung war trügerisch. Schon vor Jahren hatte sie den Überblick verloren, was sich in ihrem Kleiderschrank befand. Heute musste sie endlich aufräumen. Ihr blieb sonst nichts mehr zu tun.

Sie begann bei den Shirts, arbeitete sich durch die Pullover, probierte Hosen an und fand mehr Löcher als ihr zuzugeben lieb war. Der Stapel der aussortierten Kleidungsstücke wurde immer größer. Gerne hätte sie mehr in die Kleiderspende gegeben, aber sie trug Kleidung bis sie nicht mehr tragbar war und manchmal noch darüber hinaus. Es fiel ihr schwer sich von liebgewonnen Sachen zu trennen und so hingen in ihrem Schrank ein Duzend Schlafshirts, Malerklamotten und Kleidung, an die sie sich nicht einmal mehr erinnerte.

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Das Nachtlicht | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 45 + 46 beinhaltet die Worte „Nachtlicht“, „liebllich“ und „teilen“, gesponsert von Gedankenflut.

Das Nachtlicht

Die Bank am Rande des Parks war unbequem, aber das kümmerte ihn nicht. Besser als auf der Couch zu sitzen und sich Vorwürfe anzuhören. Er sippte an dem lieblichen Wein, ließ ihn in seinem Mund kreisen und schluckte ihn dann herunter. Das hatte er bei einer Weinprobe gelernt. Er war sich nicht sicher, was es brachte, aber er fühlte sich dadurch kultureller.

Er sah zu dem Fenster ihrer Wohnung hoch. In jedem bis auf einem Zimmer brannte das Licht. Was sie wohl gerade machte? Seine Sachen packen? Ihre?

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Lara strickt | Writing Friday

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Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt.

Lara strickt

Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch gerade verspürte sie den ungeheuren Drang alles über den Haufen zu werfen. Das Leben hatte ihr die letzten Jahre übel mitgespielt und nun hatte sie keine Lust mehr nach den Regeln zu spielen. Erst war ihr Mann gestorben, dann ihre Tochter weggezogen und nun war auch noch ihr Hund Herbert verstorben. Nachdem die Trauer über seinen Tod nachließ, begann sie wütend zu werden. Sie hatte eine unbändige Wut auf das Leben und diese sogenannte Gerechtigkeit. Sie war immer nett gewesen, hatte hart gearbeitet und nun war sie alleine. Sie würde bei diesen unfairen Regeln nicht mehr mitspielen. Sollte das Leben doch sehen, was es davon hatte.

Es war Montagmorgen als Lara einen Picknickkorb packte und auf eine Wiese am Stadtrand ging. Dort setzte sie sich auf eine Picknickdecke, schenkte sich warmen Holundertee ein, aß ein paar Scones und strickte aus Gras einen Pullover. Es dauerte eine Weile bis sie den Dreh raushatte, aber schon am Abend hatte sie einen wundervollen grünen Pullover, der nach frischgemähtem Gras roch.

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Die Maske | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Ich wollte nachdem ich einen sehr guten Artikel gelesen habe, eigentlich eine Momentaufnahme aus einem Altersheim schreiben und die Arbeitsverhältnisse von Pflegern kritisieren…und dann ist da irgendwie was ganz anderes draus geworden.

Thema: Schreibe eine Geschichte und flechte folgende Worte ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling

Luisa gähnte herzhaft. Sie fühlte sich vollkommen ausgelaugt, als hätte ihr jemand ihre gesamte Lebensenergie gestohlen. Heute war ein Feiertag und die warfen immer alles durcheinander, denn an Feiertagen erinnerten sich die Leute, dass sie Eltern oder Großeltern hatten, die alleine in einem Heim saßen. Es war schön für die alten Menschen, wenn sie Besuch kamen, aber für die Pfleger war der plötzliche Andrang purer Stress. Vor allem dann, wenn die Besucher absichtlich Regeln brachen. Ein besonders unangenehmer Mann hatte sie heute sogar angeschrien, als sie ihn auf die Regeln hingewiesen hatte. Er hatte sich geweigert eine Maske aufzuziehen. Er meinte, dass es sei Unsinn, denn den Virus gäbe es nicht. Am liebsten hätte sie ihn beschimpft, einen Idioten genannt, aber sie war ruhig geblieben und hatte ihn gebeten, sich zu fügen oder zu gehen. Er war gegangen, aber nicht ohne mit Konsequenzen zu drohen. Ihr Chef war wenig begeistern von dem Vorfall, da der Herr wohl ein hohes Tier war. Luisa hatte auch in diesem Gespräch ihre Wut hinuntergeschluckt und versprochen sich das nächste Mal noch diplomatischer zu verhalten. Auch die anzüglichen Bemerkungen ihres Chefs hatte sie übergegangen und sich nur „Widerling“ gedacht, statt es auszusprechen. Weiterlesen „Die Maske | Writing Friday“