Der Abschied | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 1 + 2 beinhaltet die Worte „Hoffnungsschimmer, unverzeihlich, nähen“, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Der Abschied

Die Sonne genoss noch einmal jeden Moment und näherte sich langsam dem Horizont. Ihr Licht prallte auf kleine Partikel und färbte sie ein. Gold, Orange, Rot. Dort, wo sie auf Wolken traf, hinterließ sie einen lilafarbenen Glanz und ließ so die gasförmige Masse, wie Zuckerwatte erscheinen. Nur zwischen den Wolken sah man noch etwas von dem ursprüngliche Blau, das noch einen Augenblick an den Tag erinnern durfte. Minute um Minute vergingen, während die Sonne mit ihren Strahlen, nach und nach den Himmel anpinselte, bis sie schließlich alles eingefärbt hatte und sich dem Meer widmete. Zunächst färbte sie die erhabenen Wellen orange ein, um sich im Anschluss den sanften Wellen zu widmen. In leuchtendem Rot stachen sie aus den Erhabenen hervor. In der Mitte des Meeres, wie ein Hoffnungsschimmer, malte sich die Sonne selbst. Wie einen glitzernden Stoff legte sie die Farbe auf das Meer und nähte diesen schließlich an den Himmel.

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09.12. – Vanillekipferlflocken | Adventüden — Irgendwas ist immer

Heute darf ich mich bei den Adventüden hinter dem Türchen verbergen. Die Aktion ist von Christiane und ihrem Blog „Irgendwas ist immer“. Den Link findet ihr unten.
(Vergesst auch nciht die anderen tollen Geschichten zu lesen.)

Eigentlich könnte sie einfach das Fenster offen lassen, um die Kekse zu backen. Es war fast Mitte Dezember und dreißig Grad im Schatten. Julia liebte es, hier in Kolumbien zu leben, aber den Schnee in der Weihnachtszeit vermisste sie. Ihr liefen Schweißperlen die Stirn hinunter, als sie das Marzipan ausrollte. Sie war sich nicht sicher, […]

09.12. – Vanillekipferlflocken | Adventüden — Irgendwas ist immer

Der Schatzmeister | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 46+ 47 beinhaltet die Worte „Museum, biografisch, erinnern“, gesponsert von Erinnerungswerkstatt.

Ich habe gerade einen Podcast über den Fall Nicholas Leeson/Barings Bank gehört und fühlte mich inspiriert, etwas in der Art zu schreiben.

Der Schatzmeister

Er schritt den Gang hinab und zählte die Gemälde an der rechten Wand. Nicht, dass das nötig wäre, sollte eines abgenommen werden, ginge sofort der Alarm los, aber Günther vertrieb sich so die Zeit. Es war zwei Uhr, bis sechs musste er noch arbeiten, dann übernahmen die Kollegen im Technikraum die echte Überwachung. Er war der „Finger weg“- und „Rucksäcke bitte abnehmen“-Typ. Das klang negativ, aber eigentlich mochte Günther seinen Job im Museum. Kein Vergleich zu früher, als er noch als Aktienhändler tätig gewesen war.

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Der kitzlige Kürbis | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 44 + 45 beinhaltet die Worte „Kürbis, kitzlig, krakeln“, gesponsert von wortverdreher.

Der kitzelige Kürbis

Peter saß in der U-Bahn und krakelte wie immer in seinem Skizzenbuch herum. Es war Halloween, also zeichnete er einen Kürbis mit abscheulicher Fratze. Die Schale des Kürbisses malte er in größtem Detail. Sowohl bei privaten Zeichnungen, als auch im Beruf war er sehr genau. An der Arbeit malte er allerdings langweilige Schaltpläne. Er nannte es „totes Zeichnen“. Seine Kritzeleien waren lebendig für ihn.

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Der Hase aus dem Zylinder | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 40 + 41 beinhaltet die Worte „Geheimkünstler, sperrig, suggerieren“, gesponsert von umgeBUCHt.

Der Hase aus dem Zylinder

Thomas konzentrierte sich so sehr, dass Schweiß seine Stirn hinunterlief und auf den weißen Handschuh an seiner rechten Hand tropfte. Er holte tief Luft, dann fasste er mit der linken Hand in den Zylinder und zog seinen Stoffhasen heraus.

„Taddaa!!“, verkündete er stolz und erntete den Applaus seiner Eltern, Großeltern und die seines Onkels. Nur seine beiden älteren Cousins sahen in unbeeindruckt an.

„Ich habe gesehen, dass dein Zylinder einen doppelten Boden hat. Du bist kein Zauberer!“, brüllte Frederik und kassierte dafür eine Rüge seines Vaters. Thomas wollte das nicht auf sich sitzen lassen.

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Selbst-Prophezeiung | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Prophezeiung, anständig, verkrümeln“, gesponsert von Werner Kastens.

Selbst-Prophezeiung

Lisa dachte angestrengt über das Wort Selbst-Prophezeiung nach. Es war ihr in einem Psychologie-Magazin begegnet. In dem Artikel darüber hatte gestanden, dass wenn man fest glaubt, dass einem etwas Schlimmes passiert, das deswegen eintreten würde, entweder weil man es unabsichtlich selbst herbeiführt oder weil man anfängt alles nach dieser Selbst-Prophezeiung zu beurteilen. Lisa war sich sicher, dass ihrer Mutter das passiert war. Sie hatte ständig vermutet, dass Lisas Vater fremdging, bis er das tatsächlich tat und sich schließlich mit der neuen Frau aus ihrem Leben verkrümelte. Sicher hatte er die ständige Eifersucht nicht ausgehalten. Nicht der anständigste Zug von ihm, aber ein wenig konnte sie ihn verstehen.

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Der alte Koffer | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Du findest auf der Straße einen großen Koffer und nimmst ihn spontan mit nach Hause. Deine Neugier ist so groß, dass du diesen dann auch öffnest, was entdeckst du darin? Und wie sieht der Koffer aus? Beschreibe so genau wie möglich.

Der alte Koffer

Groß ist der Koffer und kariert, wie der meiner Oma früher. Er hat zwei Risse. Einen an der rechten Seite außen und einen auf der Oberseite. Man sieht, dass der karierte Stoff auf der anderen Seite nur braun ist und sich darunter beiger Schaumstoff befindet. Ich weiß nicht, warum ich den Koffer mitgenommen habe. Irgendwie wirkte er einsam, wie er da so auf der Straße lag. Nun liegt er vor mir auf dem Wohnzimmerteppich und wirkt eher mysteriös. Ich wüsste gerne, was für ein Leben er bisher hatte. Ist er um die ganze Welt gereist oder nur durch Deutschland? War er oft auf Verwandtenbesuch oder in Hotelzimmern?

Ich öffne die Schnallen und ziehe den Reißverschluss auf. Vielleicht finde ich im Inneren einen Hinweis. Es riecht muffig, als ich den Deckel anhebe, aber irgendwie auch nach Sommer und Meer. Ein eigenartiges Licht, scheint aus dem Koffer heraus, als ich den Deckel vollends umklappe.

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Die Burg | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Sommerferien – Moritz muss zu Hause bleiben. Doch davon lässt er sich die Laune nicht verderben, zusammen mit seinen Freunden bauen sie (…eigene Idee…) – erzähle uns was sie bauen und wie sie den Sommer damit / darin verbringen.

Die Burg

Moritz saß im Sandkasten hinterm Haus. Eigentlich fühlte er sich zu alt für Im-Sand-Spielen, aber etwas Besseres fiel ihm nicht ein. Fast alle seine Freunde waren in den Urlaub gefahren, nur seine Familie nicht, weil seine kleine Schwester gerade erst geboren worden war. Moritz fühlte sich ungeliebt. Nicht nur, dass sie nicht in den Urlaub fuhren, seine Eltern hatten auch so weniger Zeit für ihn. Frustriert warf er etwas Sand umher. Er konnte vielleicht so tun, als wäre er am Meer und eine Sandburg bauen.

Moritz begann mit dem Hauptbau. Sorgfältig formte er einen Quader und hob daraus einen kleineren Quader aus, sodass die Burg einen Innenhof hatte, wie die, die er und seine Eltern letzten Sommer besucht hatten. Anschließend drückte kleine Ausbuchtungen in die Wände. Dann baute er darauf Türmchen, einen Graben und fügte immer mehr Details hinzu. Sogar Pflanzen gab es in und um die Burg. Erst als es Abendbrot gab, hörte Moritz auf. Als er schließlich ins Bett musste, nahm er das Buch über das Burgleben mit, das sein Vater sich bei ihrem Besuch gekauft hatten. Er las bis ihm die Augen zufielen und stellte sich dabei vor, selbst in der Burg zu leben. Nahtlos ging die Vorstellung in einen Traum über bis Moritz nachts schweißgebadet aufwachte.

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Abgehoben | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23+ 24 beinhaltet die Worte „Picknickdecke, verwegen, recherchieren“, gesponsert von nellindreams

Abgehoben

Sie sitzt auf einer Picknickdecke. Rot und weiß gestreift ist sie, an einigen Stellen verblasst, an anderen vom Gras grün gefärbt. Vor ihr liegt statt einem Picknickkorb ihr Laptop, weil sie beschlossen hat, dass das „Home“ in Homeoffice jeder selbst definieren sollte. Heute recherchiert sie für einen neuen Artikel, den sie schreiben muss, über so einen Star, den sie nur vom Namen kennt. Was sie schreiben soll, liest sie in der Email, aber unter dem Artikel wird ihr Name stehen und das Wörtchen „Meinung“. Niemand sagt, dass es ihre sein muss, aber es fühlt sich so an. Am liebsten würde sie ihre wahre Meinung schreiben, dass man die Dame in Ruhe lassen soll, dass das niemanden zu interessieren hat, dass sich niemand Gedanken darüber macht, was sie dabei empfindet. Wenn sie verwegen wäre, würde sie das tun, aber das ist sie nicht. Sie nimmt die achthundert Euro für ein Volontariat, dass eine Vollzeitstelle ist, beschwert sich nicht über das wenige Geld oder die schlechte Behandlung. Eigentlich wollte sie als Journalistin durch die Welt reisen, und nun sitzt sie im Stadtpark, auf der alten Decke ihre Großmutter. Wenn es doch nur keine Decke wäre, sondern ein Teppich und dieser Teppich fliegen könnte. Der Wind lenkt sie von ihren negativen Gedanken ab, hebt die Decke leicht an. Für einen Moment sieht es so aus, als würde sie wirklich abheben, bis sie es tatsächlich tut. Sie hält ihren Laptop fest und beginnt zu schreiben..

Der Leichenschmaus | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 16 +17 beinhaltet die Worte „Pfanne, glücklich, trennen“, gesponsert von Doro|Art.

Der Leichenschmaus

In diesem Moment hasste er die Küche mehr denn je. Das Geschirr musste gespült werden, die Pfanne geschrubbt, der Kühlschrank befüllt und die Krümel beseitigt werden. Und dann war da auch noch der Backofen mit dem verbrannten Kuchen, den sie hatte backen wollen. Sie war so glücklich gewesen, dass ihr das Rezept gelungen war. Hier und jetzt fühlte er sich noch einsamer, als auf dem Friedhof. Der Pastor hatte angeboten, mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen, als Ersatz für den traditionellen Leichenschmaus, doch er hatte ablehnt.

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