Gute Nacht | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
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Der gewählte Impuls:
„Ich fühlte mich ausgehöhlt und bereit ein Jahr lang zu schlafen“
Hermann Hesse „Der Steppenwolf“

Gute Nacht

Heute stelle ich meinen Wecker auf den 01.06.2027. Im Juni ist das Wetter schön warm. Die Anfangsjahresdepressionen sind rum und der Endjahresstress noch nicht da. Außerdem blühen Blumen. Die machen alles besser.

Warum ich den Wecker mich erst in einem Jahr wecken lasse?

Einfach.

Ich habe den Bums dieses Jahr satt. Es fing mit „Wir müssen das Projekt schnell beenden an“, ging weiter mit „Wir müssen das Projekt noch schneller beenden“ und dann war es „Heute ist Abgabe, warum bist du noch nicht fertig, das geht so nicht, 200 Überstunden sind ja gar nichts, ich habe 300“ weiter.

Und dann waren da noch die Geburtstage und hier muss man sein und dort muss man sein. Einer zieht um und derjenige hat auch beim eigenen Umzug geholfen. Die Nachbarn haben Computerprobleme, die Eltern sind alt und haben tausend Fragen und einen großgezogen, was ihnen das Recht gibt, jetzt Gefallen einzulösen, als hätte man als Kind Gutscheine ausgehändigt, die nicht nur leere Versprechungen wie „ich wasche dein Auto“, „ich räume eine Woche lang auf“ oder „ich mähe einen Monat lang den Rasen“ beinhaltet haben.

Vom Alltag will ich gar nicht mal anfangen. Die Hose hat ein Loch, es muss eine Neue gekauft werden. Die Waschmaschine geht kaputt und man kann sie entweder unter Angstzuständen selbst reparieren oder jemanden für 300 Euro reparieren lassen. Dann muss das Auto zum TÜV und die Terminvergabe ist Mist. Arzttermine! Vorsorge! Wo man nicht alles hin muss. Habe ich Hautkrebs? Gibt es Karies an den Zähnen? Sehen die Augen noch normal? Hören die Ohren richtig? Und dann funktioniert die Online-Terminvergabe bei 50% der Praxen nicht. Man kriegt entweder zwei Termine und muss dann rätseln, welcher der richtige ist, oder der Termin liegt so beschissen, dass man anrufen muss, um ihn verlegen zu lassen.

Es reicht.

Ich habe für das Jahr schon mehr Energie verwendet, als mir zur Verfügung stand. Jetzt bin ich leer und will nur noch schlafen.

Und das mache ich jetzt auch. Ein Jahr mal richtig durchschlafen.

Gute Nacht!

Neubeginn | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

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Ich habe diesmal das Mosaikstück „Neubeginn“ gewählt und 6 unterschiedliche Momente darüber geschrieben. Das habe ich schon ein paar Mal gemacht, aber sehr lange nicht mehr.

Neubeginn

Lustlos schloss er die Benachrichtigung der App. Du musst heute noch trainieren. Das hatte sie auch Gestern gesagt und den Tag davor. Morgen würde er die App öffnen und endlich fit werden, schließlich wollte er im Alter beweglich bleiben, aber heute brauchte er Ruhe. Was machte schon der eine Tag.

Sie ließ sich seufzend auf die neue Couch fallen. Das war bisher das einzige Möbelstück in ihrer neuen Wohnung, aber es war eine Fahne, ein Poster, ein Ausrufezeichen für sie. Nie wieder würde sie mit jemandem auf einer Couch sitzen, der sie unglücklich machte. Noch ein paar fluffige Kissen und ihr Leben war perfekt.

Langsam bewegte er sich aus der Ecke heraus und auf den Menschen zu, der seit Tagen auf einem Teppich mitten im Raum saß und mit ihm sprach. Eigentlich hatte er niemandem mehr vertrauen wollen, aber da lag was, das gut roch, außerdem war ihm etwas kalt und langweilig. Der Mensch bewegte sich nicht. Vielleicht waren die doch nicht alle gleich.

Nervös griff er nach der Türklinke. Er hörte Lachen auf der anderen Seite und fröhliches Geplaudere. Einen Moment hatte er Angst, man würde über ihn lachen, über ihn reden, aber dann fiel ihm ein, dass ihn noch niemand kannte. Am liebsten würde er es dabei belassen, aber er brauchte einen Job. Mittlerweile war ihm auch egal welcher, Hauptsache das Lachen auf der anderen Seite der Tür galt niemals wieder ihm.

Er spürte seinen Herzschlag, als wäre es seiner. Starke Arme umschlossen ihn und er spürte eine Wärme, die nicht nur Körperwärme war. Sein eigenes Herz flatterte, als er sanfte Lippen auf seiner Stirn spürte. Eigentlich hatte er nach dem letzten Desaster eine Pause von Menschen einlegen wollen, aber diese Arme waren dafür gemacht ihn zu halten.

Montag oder Anfang des Monats, aber der Anfang des Monats war ein Donnerstag und der nächste Monat, der mit Montag anfing, war vier Monate entfernt. So lange wollte sie das auch nicht aufschieben. Vielleicht einfach heute? Es war Samstag, Mitten im Monat und es lag nichts Besonderes an. Sie nahm das Telefon in die Hand und legte es dann wieder hin, dann wieder auf, dann wieder hin, bis sie so genervt von sich war, dass sie wählte. Wer hatte denn definiert, dass man nur montags was Neues beginnen konnte?

Leiser | Impulswerkstatt

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„Der reißende Strom wird gewalttätig genannt, aber das Flussbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig.“
Bertolt Brecht

Ich frage mich oft, ob ich mein Kind nicht zu oft ermahne, leise zu sein, ihn dadurch zu sehr begrenze bzw. ob wir das mit Kindern nicht allgemein tun. Klar müssen Kinder Rücksicht nehmen lernen, aber sollten wir nicht auch mehr Rücksicht auf Kinder nehmen? Bei den Gedankengängen ist mir dieser Text aufs Papier geflossen:

Leiser

„Sei bitte leiser“, sagten sie zu ihm, als er im Supermarkt den Jingle mitsingen wollte, der ihm so gut gefiel. Er wurde etwas leiser.

„Etwas Rücksicht bitte“, sagten sie, als er bei der Busfahrt alle Orte stolz verkündete, die er bereits kannte. Er nahm Rücksicht.

„Sei ruhiger“, sagten sie, als er vor Aufregung durch die Gänge des Kindergartens lief. Er freute sich so auf den Nachmittag bei Oma. Er wurde ruhiger.

„Nimm dich etwas zurück“, sagten sie, als er im Restaurant verkündete, wie gut ihm jeder einzelne Bissen schmeckt. Er nahm sich zurück.

 „Reiß dich zusammen“, sagten sie, als er in der Warteschlange vor seinem ersten Kinobesuch, die ganze Aufregung in Rumtänzeln umwandelte. Er riss sich zusammen.

„Still. Gleich sitzt du hinten“, sagten sie in der Schule, als er aufgeregt das neue Buch besprach, dass sie nun lesen sollten. Er war still.

„Tut mir leid, aber für den Job muss man etwas energischer und lauter sein“, sagten sie und brachten ihn endgültig zum Verstummen.

Und plötzlich ziehen am Horizont Wolken auf | Impulswerkstatt

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Mich hat diesmal das Zitat inspiriert und das Mosaikstück „Wolken“ hat das passende Bild geliefert und dann hatte ich einfach Freude am Experimentieren.

Das Zitat: (Ingeborg Bachmann – „die gestundete Zeit“)

„Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont“

Und plötzlich ziehen am Horizont Wolken auf

Und plötzlich ziehen am Horizont Wolken auf.

Kleine Schäfchenwolken, verwehte Wolken, solche, die man kaum sieht, weil sie beinahe
durchsichtig sind.

Hübsch sehen sie aus, gar nicht bedrohlich, auch
wenn sie das Blau durchbrechen, das die letzten Tage bestimmt hat.

Langsam kommen sie näher, ziehen größere Wolken mit sich.

Wolken, die zwei Ebenen besitzen, die kleine Türmchen bauen, sich
weiter über den Himmelverwehen lassen, als würden sie von den
vorhereilenden Wolken gezogen werden.

Ein wenig Unbehagen macht sich breit. Werden sie das wundervolle Blau verdecken?

Noch unauffällig linsen die tiefen Wolken über den Horizont,
vereinen sich mit den anderen aus den Ebenen darüber, planen, schmieden.

                                                                                              Das Blau hat nun viele Löcher und Risse.

Wolke auf Wolke.

Wie ein Stapelturm.

                                               Es riecht nach Regen.

                Nimbostratus.

Das Blau lugt durch die letzten Löcher, wie der neugierige Nachbar durch die Hecke.

                Dann verschwindet es.

                                                                                              Weiß.

Grau.

                Dann Regen.

                                                                                                                              Bis zum nächsten Sonnenschein.

Das „süße Köter“-Problem | Impulswerkstatt

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Eine Geschichte zum Literaturzitat von Arthur Schnitzler: „Jedes Wort hat fließende Grenzen. Diese Tatsache zu ästhetischer Wirkung auszunützen ist das Geheimnis des Stils.“

Das „süße Köter“-Problem

 „So ein süßer Köter“, sagte Georg und streichelte den Hund von Frau Kilian, seiner Nachbarin.

„Bitte was?“, fragte diese mit Empörung in der Stimme.

„Ein süßer Köter sagte ich“, widerholte Georg und zwinkerte ihr zu.

Die ältere Dame sah Georg verwirrt an, dann wünschte sie ihm einen schönen Abend und verschwand in ihrem Haus. Nachdenklich ging Georg zur Einfahrt seines Hauses, als ihm seine Frau aus dem Küchenfenster zurief: „Sag mal, kannst du Koko suchen? Der soll reinkommen, es soll heute regnen.“

Georg nickte. „Klar rufe ich unseren schönen Flohfänger.“

Karin zog eine Augenbraue hoch. „Dein neustes Sprachexperiment?“

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Haiku | Impulswerkstatt

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Ich habe mich mal an einem „echten“ japanischen Haiku probiert. Ich bin allerdings nicht sehr gut im Kanji (ok, die Hiraganas sind auch nur so halb gut) schreiben, da fehlt mir einfach die Übung. Nuja, aber erst der Haiku in japanischer Schrift, dann in unserer Schrift und dann die Übersetzung.

Asa narai – Hyosho ga hassei suru – Madobe iru

morgendlicher winterwind
eiskristalle wachsen
ich stehe am fenster

Das geheime Buch | Impulswerkstatt

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Das geheime Buch (Bild 1)

Vorsichtig nahm er das nächste Buch aus dem Regal und besah es sich genau. Er hatte sich lange davor gedrückt, sich den Bücherschrank seines Großvaters anzusehen, aber es musste gemacht werden. Geschirr, alte Möbel, Kleidung, das alles konnten die Entrümpler ausräumen, dafür fehlte ihm die Zeit, aber der Bücherschrank, das Heiligtum seines Großvaters, das musste er selbst erledigen. Neuere Bücher würde er in einen Bücherschrank packen, alles, was so aussah, als wäre es seinem Großvater wichtig gewesen, würde er in Kisten packen und bei sich zwischenlagern. Wenn etwas Zeit vergangen war, würde er sicher die Energie aufbringen können, alles in Ruhe durchzuschauen.

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Omas Sockenschublade | Impulswerkstatt

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Omas Sockenschublade (Bild Nr 2)

Lange stehe ich vor diesem Bild. Es fasziniert mich, nicht, weil es besonders schön ist, sondern weil es mir einen Schauder den Rücken hinunterjagd. Ich sehe Gesichter, verschwommen, verzerrte Fratzen, sehe wie eine Frau von einer Seekreatur umschlungen wird. All das findet über den Wolken statt. Unterhalb ist alles zerstört, geschmolzen in den Höllenfeuern oder weil die Menschheit es nicht geschafft hat, den Planeten Erde zu erhalten. Nur ein einzelner Schmetterling ist zu erkennen. Wenn er noch am Leben ist, nicht mehr lange. Ich muss an die Bilder von Hieronymus Bosch denken. Der niederländische Maler hat keine solcher Weltuntergangsszenarien entworfen. Bei ihm war alles von Religion inspiriert, aber nicht minder schrecklich. Horrorgestalten verzierten seine Gemälde und mehr als einmal zeichnete er die Hölle. Ob der Maler oder die Malerin dieses Bildes davon inspiriert war?

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„Östlich der Sonne, westlich vom Mond“ | Impulswerkstatt

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„Östlich der Sonne, westlich vom Mond“

Es gibt Bücher, die liest man und genießt sie. Wenn man sie sieht, denkt man über den tollen Inhalt nach, aber es bleibt nichts Tiefergehendes haften. Und dann gibt es Bücher, die begleiten einen durch das ganze Leben. Immer wieder denkt man sie und nimmt sie in die Hand. So ein Buch ist für mich „Östlich der Sonne, westlich vom Mond“ von Vratislav Stovicek (Autor) und Zdenka Krejcova (Illustratorin).

Ich habe das Buch von unseren neuen Nachbarn erhalten, als ich im Schwarzwald mit meinen Eltern gelebt habe. Sie hatten selbst keine Kinder und dieses Buch hat mich, als ich es bei ihnen entdeckte so magisch angezogen, dass sie es mir geschenkt haben. Da war ich neun Jahre alt.

Weiterlesen „„Östlich der Sonne, westlich vom Mond“ | Impulswerkstatt“

hölzern | Impulswerkstatt

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hölzern
eingefroren in lebendem material, weil
leben zu viel maserung hat. zu viele schnitte
müssen gesetzt werden, zu viel geht verloren.
ich möchte meinen holzkopf deinem nähern.
meine unbewegtheit auf dich zubewegen.
werden mir splitter den weg versperren.
werden sie in mein gehölz schneiden. dann
müsste ich zugeben, dass meine darrdichte
geringer ist, als ich behaupte. dass unter
der rinde fleisch verborgen ist, das bluten
kann. wenn ich meine starre löse, setzt es
vielleicht aus versehen mein herz frei.