auf der letzten seite | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder
Nachtwandlerin

Religiöse Feste sind so eine Sache für mich. Ich fühle mich immer gedrängt etwas zuzustimmen, bei dem ich mich unwohl fühle. Ich schreibe „Frohe Ostern“ und meine „Habt schöne Tage, egal wie ihr sie nennt“. Wenn man mich zwingen will, werde ich sauer. Das Gedicht ist nach einem Gespräch entstanden. Ich will niemanden auf die Füße treten, aber ich war wütend, dass das andersherum nicht gilt.

auf der letzten seite

aus der schule weiß ich, glauben ist wichtiger. als das, was am ende steht. schlage ich die letzte seite auf, stehe da nicht ich. da steht du oder er oder sie. ihr. she. him. they. them. schlägt die letzte uhr, ist nicht wichtig, wer danach spricht. ich schweige auch in die leere.
will das mein weißes hemd befleckt ist. von der erfahrung, liebe, wut, mitfreude, erfahrung, sex, fluchen, lachen, weinen, stillen momenten und
lauten stunden. leben.
ich will fehler machen und falsch sein. werde mich nicht entschuldigen und nie schämen. will akzeptieren, verstehen, für jeden
kämpfen.
mein denken ist offen. ich umarme wut, hass, grausamkeit. in gehirnen ist manchmal alles anders. ich weiß. aber hier in diesem großen kalten
haus, in dem glauben wichtig ist,
bin ich nur wut.
will wie ein trotziges kind die wände einreißen und die letzten seiten befreien. ich. wir. du. she. him.
they. them. neben euch sitzen. ich möchte keinen glauben. ich will nur unter freien wolken liegen. in die sterne schauen. leben. wir sind zusammen
besonders. nur einmal.

10 Kommentare zu „auf der letzten seite | Der Dienstag dichtet

  1. Jeder weiß, was auf der letzten Seite steht: ENDE
    Aber vorher gilt auch für mich das, was Deine heutigen unverwechselbaren und Zeilen widerspiegeln.

    Vor mehr als einem Jahr bei den ABC-Etüden hatte ich ähnliche Gedanken in einem anderen Zusammenhang beschrieben.

    Klicke, um auf 47-48-18-ii-raureif-sc3bcndig-verrc3bccken.pdf zuzugreifen

    Aber eine Art Reportage kann nie so kraftvoll und authentisch sein, wie Dein Text, in dem man Entschlossenheit, Widerstand und Wut so klirrend spürt!
    Und da sage ich einfach: Danke!

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Katha,

    ein sehr starkes, kraftvolles Gedicht für den heutigen Dienstag. Ich habe beim Lesen gar nicht gemerkt, wie mich der flow deines Gedichts mitgerissen hat und ich automatisch immer schneller gelesen habe. Das war sehr eindrucksvoll!

    Liebe Grüße
    Alina

    Gefällt 1 Person

  3. Sehr emotional, dein Gedicht! Ich kann deine Sätze nachvollziehen, wenn die großen, kalten Häuser für mich auch große, kühle Schönheiten sind, die Platz für Ruhe und Gedanken haben. Menschen sind sehr unterschiedlich, und wo manche liebevoll in den Arm nehmen, reißen andere einem den Arm aus. Leider weiß man vorher selten, von welcher Art die Menschen sind, die einem begegnen.

    Gefällt 1 Person

    1. Das mit der kühlen Schönheit empfinde ich auch, wenn ich es als Kunstwissenschaftlerin betrachte.
      Bei Menschen ist das mit dem betrachten so eine andere Sache. Du hast recht, man weiß nie wer da wirklich vor einem steht. Andererseits sollte man jeden mit gutmütigen Augen betrachten.

      Liken

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