Der alte Koffer | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Du findest auf der Straße einen großen Koffer und nimmst ihn spontan mit nach Hause. Deine Neugier ist so groß, dass du diesen dann auch öffnest, was entdeckst du darin? Und wie sieht der Koffer aus? Beschreibe so genau wie möglich.

Der alte Koffer

Groß ist der Koffer und kariert, wie der meiner Oma früher. Er hat zwei Risse. Einen an der rechten Seite außen und einen auf der Oberseite. Man sieht, dass der karierte Stoff auf der anderen Seite nur braun ist und sich darunter beiger Schaumstoff befindet. Ich weiß nicht, warum ich den Koffer mitgenommen habe. Irgendwie wirkte er einsam, wie er da so auf der Straße lag. Nun liegt er vor mir auf dem Wohnzimmerteppich und wirkt eher mysteriös. Ich wüsste gerne, was für ein Leben er bisher hatte. Ist er um die ganze Welt gereist oder nur durch Deutschland? War er oft auf Verwandtenbesuch oder in Hotelzimmern?

Ich öffne die Schnallen und ziehe den Reißverschluss auf. Vielleicht finde ich im Inneren einen Hinweis. Es riecht muffig, als ich den Deckel anhebe, aber irgendwie auch nach Sommer und Meer. Ein eigenartiges Licht, scheint aus dem Koffer heraus, als ich den Deckel vollends umklappe.

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Pink-Blau-Sperre | Mama Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen.
Hier findet ihr alle Texte zu dem Thema: *Klick*

So, ihr kennt das: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Ich wurde als ich schwanger war mal gefragt, ob ich „Team Rosa“ oder „Team Blau“ bin. Ich habe Team Rot geantwortet, weil ich dachte die fragende Person spricht über Pokemon. Das Geschlechterrollen-Klischees so krass auf Babys übertragen werden, hätte ich nie vermutet und dann bin ich bei Baby-Einrichtungskram, Spielzeug und Kleidung gelandet – Zusammengefasst: Oi.

Erstmal Historisches

Um meinen Rant einmal wissenschaftlich zu beginnen, ein paar Fakten zu den Farben Rosa und Blau. Eigentlich war die Sache nämlich mal andersherum. Rot als Signalfarbe galt in vielen Kulturen als Zeichen für Stärke und damit einhergehend auch für Männlichkeit. Rosa, als blassere Variante von Rot, war die Farbe für Jungen. Blau hingegen stand für Reinheit. Man sieht vor allem Jungfrau Maria auf Bilder mit blauem Gewand. Daher war Blau die Mädchenfarbe. Irgendwann in den 40ern gab es dann den Umschwung, wahrscheinlich wegen den blauen Matrosenanzügen, aber auch der Einzig der pinken Barbie hatte einen Anteil daran. Btw. waren Babys früher meistens weiß gekleidet. Kann ich nachvollziehen, denn Milchkotze sieht auf allem farbigen scheiße aus.

Und heute?

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haare | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

haare

seit heute fallen meine haare
aus. wie laub. rot, braun, gelb.
die follikel auf dem boden sind
wie pflastersteine. ich schreite
holprig auf dem alten. die neuen
haare sind mir schon gestern
gewachsen.

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sie | Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu einem oder beiden vorgeschlagenen Bildern zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder zur speziellen Sommer-Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

sie

sie schreiten über braches land. sind
geschritten. werden schreiten. müssen.
ihre stimmbänder wehen wie gräser
im wind. eine botschaft. ein zeichen
und oftmals nur ein schemen. hinter
seidenen gitterstäben spinnen sie
regen ins land. wie augen blinzeln sie
uns an. ihre gedanken sind geschichten.
inspieren uns. und erschrecken. aus
leid erwächst erwachen. aus kampf
neue wörter und welten. wenn der
regen das land überschwemmt hat.
gleitet die nächste generation auf der
oberfläche. sie. spiegel gibt es nur in
der zukunft. der geruch von algen in
bücher gepresst. sie

wenn ich etwas neues beginne| Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Mein Buchprojekt ist gerade in eine kleine Sackgasse gelaufen und ich sortiere mich neu. Dabei ist mir aufgefallen, wie schwer und zugleich leicht es ist, neue Dinge zu beginnen.

wenn ich etwas neues beginne

wenn ich etwas neues beginnt. wenn ich
etwas altes aufgebe. ich schlage ein neues
buch alt auf. wörterwinde schlagen mir
entgegen. ein orkan aus gelesen, gewusst,
und ungeschrieben. ich sortiere in der
buchstabensuppe die vokale aus. damit
nicht zuviele ahs und ohs darin stehen.
was, wenn ich die adjektive verwechsle?
ich atme seiten und meditiere über
kopfzeilen. einige überschriften werden
zu unterschriften. einige flattermomente
zu harten zahlen. in einer welt aus vielen
bin ich nur eins. heute ein altes. morgen
ein neues. übermorgen erwartet mich.

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meer lachen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Wir waren mit Little J an der Ostsee.

meer lachen

der wind wogt in wellen an meine
meeresbeine. die füße bitzeln von
den schaumkronen. und ich stehe
hier in deinem plätschernden lachen.
während mir sand die wirbelsäule
hinunterrieselt. ein muschelglucksen.
keckern wie eine möwe. deine stimme
trägt wind, deine freude formt meer.

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Die Burg | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Sommerferien – Moritz muss zu Hause bleiben. Doch davon lässt er sich die Laune nicht verderben, zusammen mit seinen Freunden bauen sie (…eigene Idee…) – erzähle uns was sie bauen und wie sie den Sommer damit / darin verbringen.

Die Burg

Moritz saß im Sandkasten hinterm Haus. Eigentlich fühlte er sich zu alt für Im-Sand-Spielen, aber etwas Besseres fiel ihm nicht ein. Fast alle seine Freunde waren in den Urlaub gefahren, nur seine Familie nicht, weil seine kleine Schwester gerade erst geboren worden war. Moritz fühlte sich ungeliebt. Nicht nur, dass sie nicht in den Urlaub fuhren, seine Eltern hatten auch so weniger Zeit für ihn. Frustriert warf er etwas Sand umher. Er konnte vielleicht so tun, als wäre er am Meer und eine Sandburg bauen.

Moritz begann mit dem Hauptbau. Sorgfältig formte er einen Quader und hob daraus einen kleineren Quader aus, sodass die Burg einen Innenhof hatte, wie die, die er und seine Eltern letzten Sommer besucht hatten. Anschließend drückte kleine Ausbuchtungen in die Wände. Dann baute er darauf Türmchen, einen Graben und fügte immer mehr Details hinzu. Sogar Pflanzen gab es in und um die Burg. Erst als es Abendbrot gab, hörte Moritz auf. Als er schließlich ins Bett musste, nahm er das Buch über das Burgleben mit, das sein Vater sich bei ihrem Besuch gekauft hatten. Er las bis ihm die Augen zufielen und stellte sich dabei vor, selbst in der Burg zu leben. Nahtlos ging die Vorstellung in einen Traum über bis Moritz nachts schweißgebadet aufwachte.

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trocken | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

trocken

trocken ist sie, meine abgestorbene
haut. ich sammle sie vom boden.
wie ein puzzle baue ich ein zweites
ich. nähe mit haaren. kreuzknoten.
das davor läuft mir nun nach. alte
lebenspläne sind eintattowiert. die
farbe läuft über steingewordene
zehennägel und gezogene zähne.
am ende des tages sollte ich das
vergangene verbrennen. und doch.
kann man sein früher umkreisen?

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Friedrich | Etüdensommerpausenintermezzo

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Diesmal mit dem Etüdensommerpausenintermezzo. Ziel ist es mindestens 7 aus 12 Wörtern (siehe Bild) in einem Text unterzubringen und es muss an einem echten Gewässer spielen.

Friedrich

Friedrich war achtzehn Jahre alt, als er das erste Mal ans Meer reiste. Seine Eltern hatten nicht viel Sinn für weite Reisen und so hatte „in den Urlaub fahren“ für ihn immer geheißen, den Bauernhof seines Onkels in Sommerloch zu besuchen. Immerhin lag dieser in Rheinland-Pfalz und nicht in Hessen, wo er wohnte. So konnte er, wenn man es nicht zu genau nahm und er das „Bundes“ verschluckte, immerhin behaupten, in den Ferien ein anderes Land besucht zu haben. Das minderte jedoch nicht seinen Neid den Klassenkameraden gegenüber. Wenn Thorsten erzählte, wie er am Fjelleruper Strand Muscheln gesammelt hatte oder Sonja, die am Similaungletscher Ötzi besucht hatte, stellte er sich vor, auch solche Reisen zu unternehmen, sobald er alt genug dazu war und das nötige Kleingeld hatte.

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