Inktober 52 – 1 bis 6

Statt dem klassischen Inktober nehme ich dieses Jahr wieder am Inktober 52 teil. Ich zeichne also jede Woche ein Bild zu einem vorgegebenen Thema (Themen stehen im Titel).

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dieses Jahr jeden Monat meine Inktober-Ergebnisse zu veröffentlichen, aber nuja sind jetzt halt 1,5 Monate. Aus meinem Atelier gab es auch lange nichts mehr. Ich werde da wohl mal wieder ein bisschen was fotografieren müssen. 😉

lesezeichen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

lesezeichen

mein buch. gestern. ich lese
einhundert, zweihundert seiten
und komme doch nicht voran.
mittig. meine augen schwimmen
in buchstabensuppe. meine finger
fahren zeilenachterbahn. kapitel
für kapitel entblättere ich mit dir.
bis der einband risse zeigt. heute.
in meinem buch ist platz für ein
lesezeichen.

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Gefangen | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Lotte wacht auf und weiß nicht, wo sie ist. Um sie herum ist alles dunkel und kalt. Sie hört leise Stimmen über ihr.

Gefangen

Das Wispern ist laut genug, dass sie sich bedroht fühlt, aber nicht gut genug verständlich, um Worte ausmachen zu können. Einmal glaubt Lotte eine Bedrohung gehört zu haben, aber vielleicht wollte ihre Angst das auch nur hören, denn die Angst war das, was sie gerade regierte. Es war so dunkel hier drinnen und kalt. In ihrer kleinen Zelle hat sie nur eine Handbreit Platz rechts und links von ihr. Was vor und hinter ihr liegt, weiß sie nicht. Einmal streckte sie sich nach vorne, konnte aber keine Wand ertasten, sondern eine Art Gitter. Der Raum über ihr war auch begrenzt. Bei dem Versuch aufzustehen, stößt sie sich den Kopf. Nochmal will sie das nicht probieren. Sie fühlt sich sowieso zu schwach, um sich großartig zu bewegen. Das Einzige, was ihr Trost spendet, ist eine kleine Decke, die man ihr in ihre Zelle gelegt hat. Sie ist zu klein, um sie damit zuzudecken, aber sie kann ihren Kopf darin eingraben und von Zuhause träumen, denn danach riecht der kleinen Fetzen Stoff. Er riecht nach der warmen Couch, auf der sie mit Tobi immer kuschelt und sie riecht nach Tobi, den sie vermisst. Er war es, der sie in diese Misere gebracht hat, aber böse sein, kann sie ihm dennoch nicht. Dazu liebt sie ihn viel zu sehr.

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weil meine linien | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

weil meine linien

weil meine linien vollgeschrieben
sind. ich fange ein neues blatt an.
ein stück weiß ist frei. zwischen
den gitterstäben. tag, monat, jahr.
ich schreibe gegen die zeit. kritzele
kreise, kästchen, unterstriche, um
ihr bedeutung zu verleihen. das blaue
lesezeichen hängt im gestern. gerade
atme ich nur beim umblättern auf.

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Schatten | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er blieb stehen und schaute nochmal zurück, doch…“ beginnt.

Schatten

Er blieb stehen und schaute nochmal zurück, doch sein Schatten war und blieb verschwunden. Er hatte alle Lampen in seiner Wohnung ausprobiert, dann die im Flur und nun stand er auf der Straße neben einer Straßenlaterne. Der Feuerhydrant neben ihm warf einen Schatten, der Mercedes seiner Vermieterin hatte einen, selbst der doofe Busch, der schon an diversen Kratzern an seinem Auto schuld war, hatte einen Schatten. Nur er nicht. Es war, als würde das Licht durch ihn hindurch oder um ihn herum scheinen, um ihn zu ärgern.

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Gespräche mit Rüdiger – Vom Leben und Sterben | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung – Extraetüden beinhaltet die Worte „Hoffnungsschimmer, unverzeihlich, nähen,
Wackelpudding, unverdrossen, knistern.

Gespräche mit Rüdiger – Vom Leben und Sterben

 „Mein Beileid,“ sage ich, als Rüdiger hereinschlendert, doch der kleine Kater wirkt so gar nicht bedrückt.

„Der Napf ist voll. Wieso?“, fragt er und macht sich über das Premiumfutter her, das ich gekauft habe, um ihn aufzumuntern.

„Wegen Pixie, deiner kleinen Freundin. Oder wusstest du nicht, dass sie überfahren wurde?“

„Doch“, nuschelt Rüdiger mit voller Schnauze. „Geschttern. Sah wie roter Wackelpudding mit Stückchen ausch.“

Ich schaue Rüdiger angeekelt an. „Rührt dich das so gar nicht?“

„Nö.“ sagt er und schluckt unverdrossen den letzten Happen Katzenfutter runter. „Ich bin ja kein Mensch.“

„Was soll das heißen?“

„Ihr seid die einzige Gattung, der bewusst ist, dass sie sterben wird.“

„Ist das wieder so ein Philosophen-Dingen?“, frage ich genervt.

 „Joa, da gäbe es mehrere, die sich damit beschäftigt haben. Karl Jaspers hat zum Beispiel gesagt, dass Sterben eine Grenzsituation ist und der Grund, warum ihr euch überhaupt die Frage nach eurer Identität stellt.“

Ich habe einen Hoffnungsschimmer. Diese Diskussion könnte ich gewinnen. „Du hast ja wohl auch eine Identität.“

„Weil du es nur zuschreibst. Tieren geht es um die eigene Gattung und nicht um das Individuum. Nur die Menschen sind so albern und wollen unsterblich sein.“

„Ich glaube nicht, dass ich unsterblich sein will.“

„Sicher? Du findest es ok, dass sich nach deinem Tod niemand an dich erinnert?“

„Zumindest nicht negativ. Wäre nett, wenn die nächste Generation weiß, dass ich mich bemüht habe, den Planeten zu erhalten“, sage ich und knistere genervt mit der leeren Katzenfutterpackung. Statt endlich die Knöpfe an meiner Jacke anzunähen, werde ich mir wohl wieder den Rest des Tages über das Gespräch mit Rüdiger den Kopf zerbrechen.

„Da sind wir fast schon bei Hannah Arendt, die als zweite Grenzsituation die Natalität stellt, also, dass ihr Menschen eben auch an die nächste Generation denkt. Für euch beginnt mit jedem Kind eine neue Zukunft. Bei uns Tieren ist das einfach nur ein Weiterführen des Kreislaufes. Gehört halt dazu. Wir pflanzen uns nicht zur Selbstverwirklichung fort oder weil wir unsterblich sein wollen.“

„Also haben wir auch Kinder, weil wir unsterblich sein wollen?“ frage ich. „Aber das hält ja nicht lange. An meine Uroma erinnere ich mich zum Beispiel nicht.“

„Deswegen baut ihr ja auch Pyramiden, schreibt Bücher, macht Selfies oder prahlt damit rum Massenmörder zu sein.“

Ich lache auf. „Himmel, das war aber ein Sprung.“

„Nicht jeder Mensch ist Künstler und es ist viel einfacher mit etwas Negativem unsterblich zu werden, als mit was Positiven.“

„Und welcher Philosoph sagt das?“ frage ich augenrollend. „Moment, wir schweifen ab. Also ist es dir egal, dass Pixie tot ist.“

„Nicht ganz. Jetzt holen sich deine Nachbarn sicher eine neue Katze und der muss ich dann wieder beibringen, wer Chef ist. Das ist anstrengend.“

„Das ist echt kaltherzig.“

 „Immerhin gibt es in meiner Gattung keine Massenmörder,“ erwidert Rüdiger, macht er einen Satz auf den Balkon und trottet davon.

Wie immer fällt mir erst viel zu spät ein Konter ein. Trotzdem rufe ich hinterher: „Sag das den Mäusen und Vögeln.“

Buchtipps:

Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben

Karl Jaspers: Psychologie der Weltanschauung.

wie rennpferde | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

wie rennpferde

wie rennpferde. meine gedanken rasen die
synapsenbahnen entlang. einer überholt
den anderen. die menge gröhlt. unter dem
hufgetrappel hört man die lahmen nicht mehr.
durch den staub sind die weißen grau und die
schwarzen unsichtbar. ich ziehe an den zügeln
doch die reißleine ist zu kurz. ein wiehern und
ein schuss verkünden das vorzeitige ende.
neue pferde müssen her. neue reiter. auf den
gleichen bahnen. wenn morgen nur noch die
ausgefallenen hüte auf den rängen liegen. lass
mich nur in ruhe die toten pferde zählen.

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Wie ein Baby schlafen? | Mama Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen.
Hier findet ihr alle Texte zu dem Thema: *Klick*

So, ihr kennt das: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Schlaflose Nächte und übermüdete Tage. So oder ähnlich stellt man sich das Leben mit Baby im ersten Jahr vor, zumindest wenn man das bei anderen mitbekommen hat. Ich wusste von all dem nichts, bis Little J auf der Welt war und jetzt ehrlich gesagt so richtig auch nur durch Google und Erzählungen anderer. Ich bin nämlich stolze Mutter von Prinz Valium.

Neugeborenen Schlaf

Unser Start mit Little J‘s Schlafbedarf war etwas holprig, da er auch bei Hunger nicht einsah aufzuwachen, also hieß es die ersten 14 Tage alle 3 Stunden aufstehen, Kind wachwickeln, füttern und zurück ins Bett. Ab dann lief es entspannter und ich habe ihn nachts auf 4,5 Stunden getimed. Abgesehen davon hat er eigentlich immer gepennt, überall, bei jedem Lärm. Da hätte mir vielleicht auffallen müssen, dass das Exemplar Baby, dass ich da vor mir hatte zur Kategorie Pennnase gehört.

Nicht normal

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Party for one | abc.etüde

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 3 + 4 beinhaltet die Worte „Wackelpudding, unverdrossen, knistern“, gesponsert von Stachelbeermond.

Aus aktuellem Anlass.

Der Tisch sah perfekt aus, wie zu besten Studenten-WG-Zeiten. Am linken Ende tummelte sich der Alkohol: zwei Flaschen Bier, Rum, Wodka mit aufgelösten Halsbonbons, Limes (den seine Freunde immer Mädchenblödmachschnaps genannt hatten) und eine Flasche mit den Alkoholresten der letzten Party, die schon so lange zurücklag, dass er es gar nicht erst ausrechnen wollte. Vor der Wand aus Alkohol tummelten sich die Snacks. In diversen Pappschüssel befanden sich Chips, Salzstangen, Erdnüsse und die billige Variante der Tuck-Cracker. Im Zentrum des Tisches stand eine Schüssel Wackelpudding mit Schuss und davor ein Turm aus Einmal-Shot-Bechern, die er noch in seiner Speisekammer gefunden hatte.

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gallierdenkweise | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ggf etwas überdramatisch, aber weil meine Lunge noch komische Geräusche macht, soll ich noch eine Woche daheim bleiben. Immerhin ist die Quarantäne vorbei. Die Decke fällt mir trotzdem so langsam auf den Kopf.

gallierdenkweise
der bodendeckenabstand
ist infinitesimal klein
couchkissensurfend beobachte ich das
unterbodendasein

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