Schatten | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er blieb stehen und schaute nochmal zurück, doch…“ beginnt.

Schatten

Er blieb stehen und schaute nochmal zurück, doch sein Schatten war und blieb verschwunden. Er hatte alle Lampen in seiner Wohnung ausprobiert, dann die im Flur und nun stand er auf der Straße neben einer Straßenlaterne. Der Feuerhydrant neben ihm warf einen Schatten, der Mercedes seiner Vermieterin hatte einen, selbst der doofe Busch, der schon an diversen Kratzern an seinem Auto schuld war, hatte einen Schatten. Nur er nicht. Es war, als würde das Licht durch ihn hindurch oder um ihn herum scheinen, um ihn zu ärgern.

Beunruhigt ging er zurück in seine Wohnung und warf seinen Rechner an. Vielleicht konnte Google helfen, doch bereits nach wenigen Minuten gab er sein Vorhaben auf. Außer Gruselgeschichten und schlechter Witze fand er nichts, schon gar keine brauchbaren Informationen. Es war spät, also beschloss er schlafen zu gehen und einfach darauf zu hoffen, dass sein Schatten über Nacht zurückkehrte, doch dem war nicht so. Auch das Morgenlicht sah es nicht ein, ihm einen Schatten zu schenken. Da er nichts an der Tatsache ändern konnte, beschloss er wie immer zur Arbeit zu fahren. Er konnte sich schlecht, wegen eines verlorenen Schattens krankschreiben lassen.

An der Arbeit weihte er schließlich eine Kollegin ein, die über die Jahre eine gute Freundin geworden war. Erst glaubte sie ihm nicht, dann, nach mehreren Experimenten mit diversen Lichtquellen, philosophierte sie herum, woran das liegen konnte. Leider war nichts davon hilfreich, das meiste aber durchaus witzig. Am Ende des Gespräches beschloss er seine Schattenlosigkeit einfach zu akzeptieren. Abgesehen von dem fehlenden Schatten ging es ihm schließlich gut. Körperlich erfreute er sich bester Gesundheit.

Auch am nächsten und am darauffolgenden Tag blieb sein Schatten verloren. Erst am Wochenende sah er unter sich sich formende Lichtlosigkeit, die sich im Laufe des Tages langsam verdichtete und zu seinem eigenen Schatten heranwuchs. Als er Samstagabend an seinem Schreibtisch saß und seine Hand einen tiefschwarzen Schatten auf das vor ihm liegende weiße Papier warf, begriff er, nahm einen Stift und schrieb „Auf Wiedersehen“.

2 Kommentare zu „Schatten | Writing Friday

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