Das Phasenjahr oder Irgendwas ist ja immer | Mama Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen.
Hier findet ihr alle Texte zu dem Thema: *Klick*

So, ihr kennt das: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Gefühlt 90% der Neueltern kennen das Thema „Entwicklungsschübe“, dass durch einen Ratgeber populär gemacht wurde. Es scheint vielen Eltern zu helfen, wenn das Baby gerade „schwierig“ ist, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, es macht Babys schwieriger als sie sind.

Die Entwicklungsschub-Theorie

Letztendlich geht es bei der Theorie nur darum, dass das Baby im ersten Jahr getaktet mehrere Entwicklungsschübe durchläuft, bei dem es bestimmt Dinge lernt. In der Zeit sollen Babys schlechter schlafen, schlechter gelaunt sein, mehr oder weniger trinken und nun ja irgendwelche Anzeichen haben. Beobachtet haben das die Autoren, in dem sie ein paar Handvoll Pärchen und ihre Babys ein Jahr beobachtet haben.

Passt nicht so ganz

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Veröffentlichungen | Kritzelnews

Kleine Hefte mit der Aufschrift "Poesie unterwegs NVV" auf dem Boden verteilt. In der Mitte ein aufgeschlagenes Heft.

Ich habe in letzter Zeit einiges an Unwesen getrieben und fast vergessen zu teilen. Eines meiner Gedichte ist in einem Heftchen des Nordhessischen Verkehrsvebundes abgedruckt worden, sodass gelangweilte Tram-Fahrer, was zu tun haben.

Eine meiner Kurzgeschichten wurde in der neusten Anthologie vom Geisterspiegel abgedruckt, inkl. gemaltem Bildchen.

Und ich habe angefangen neben Podcasts auch Interviews zu machen, mit Wrestlern. Vielleicht nicht so relevant auf meinem Kritzelblog, aber ich bin stolz drauf. Das mit LuFisto ist mein Lieblingsinterview. Weitere findet ihr in der Playliste des Kanals Wrestling-Infos.de.

ein versprechen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich war auf Familienbesuch im Norden und könnte kurz Ostseeluft riechen.

ein versprechen

leise tritt an meine wange. eine
woge. wellenartig breitet sich
salziger atem auf mir aus. ein
und aus und ein und aus. ich
meditiere muscheln und zähle
körnchen. bald komme ich
wieder. flüstere ich. und dann
bleibe ich eine ganze weile.

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nicht warm genug | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Derzeit ist Nachrichten lesen, nie eine gute Idee, aber wegschauen hilft auch nicht. Hier ist, wie ich mich beim Zeitunglesen derzeit fühle.

nicht warm genug

ich habe feuer im kopf. meine füße
stampfen unrhytmisch auf, zur musik
von zerspringendem teegeschirr und
knarzenden knochen. die nur fingernägel erreichen. tief im fleisch. rosa. reißt die
haut und zerrauft sich in haaren. meine
strähnen flattern zu boden. ich nehme
organe wie blätter und werfe sie hoch.
wenn das blut kocht, ist es immer noch
nicht warm genug.

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Bienenbrot | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Honig, fahrig, witzig, eklig, Brot

Bienenbrot

Es ist Sonntag früh und zwanzig Grad im Schatten. Ich schmiere mir auf dem Balkon ein Brot mit Stadthonig, den ich vor ein paar Tagen von einem lokalen Imker gekauft habe. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, in den Laden zu gehen, aber ich bin in letzter Zeit sehr fahrig und habe mich in der Tür vertan. Da mir das ein wenig peinlich war, habe ich den Honig gekauft und bin danach erst zur Post, um mein Paket abzugeben. So im Nachhinein ist finde ich es witzig. Ich habe seit Ewigkeiten keinen Honig mehr gegessen. Vielleicht war es ja Schicksal. Ich will gerade in mein Brot beißen, als eine Biene darauf landet. Ich habe keine Angst vor Bienen, aber Respekt vor ihrem Stachel, also lasse ich sie gewähren. Sie wird schon wieder gehen, denke ich, doch das ist nicht der Fall. Eine zweite Biene kommt dazu und setzt sich neben die erste, dann landet eine dritte auf dem Brot, eine vierte und so weiter bis das Honigbrot ein Bienenbrot ist. Ich bin mittlerweile vom Tisch abgerückt und schaue mir das eigenartige Schauspiel an. Die Versammlung der Bienen dauert nur wenige Minuten, dann erheben sie sich nach und nach in die Lüfte und fliegen davon. Ich rücke wieder an den Tisch und sehe mir mein Brot an. Auf der eigentlichen Honigschicht liegt ein dünner heller Film. Was das wohl ist, frage ich mich und ob es wohl eklig ist, dass jetzt zu probieren. Ich beschließe, dass mir die Bienen ein Geschenk hinterlassen haben und beiße ins Brot. Es schmeckt nach Blumenwiesen, nach Margeriten, Klee, Butterblumen, nach Rosen, Tulpen, Hyazinthen. Ich tauche in ein Blumenmeer ein und tauche erst wieder auf, als ich das ganze Brot gegessen habe. Eine Weile genieße ich den Nachgeschmack. Dann schmiere ich mir noch ein Brot, doch die Bienen kommen nicht zurück.

hinter milchigem glas | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

hinter milchigem glas

wie hinter milchigem glas. ich blicke auf
zeitfarbene trümmer. der sand im innenhof
ist januargrau. das gras wächst in seidigem
zartblau. wie hinter zerbrochenem glas. und
wänden aus papier. ich sehe dich nicht. aber
die anderen dich. in deinem arm wiegst du
die hoffnung in papiertaschentücher gewickelt.
singst ein wiegelied für freiheit, verstand und
vernunft. wenn du ihre fressen mit schnullern
stopfen könntest, würdest du es tun. denke
ich und entgleite auf einem berg aus kissen.
das fenster bricht und die scherben fallen nach
innen. eines tages werde ich sie zum schlafen
bringen müssen, scheinst du zu sagen. im
innenhof fließt ein frühlingsfarbener orkan die
letzen minuten hinfort. hinter stumpfes glas.

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Winter im Kopf | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 8 + 9 beinhaltet die Worte „Haut, feurig, schweben“, gesponsert von Gerda Kazakou.

Winter im Kopf

Ich bleibe stehen. Sehe meinen Atem. Spüre wie die kalte Luft in meine Nase strömt und warme wieder hinaus. Zarte Schneeflocken schweben langsam auf mich herab. Es ist zu warm. Wenn sie auf den Boden treffen, verschwinden sie, als wären sie nur einer Winter-Fatamorgana. Wann gab es das letzte Mal einen richtigen Winter? Ich erinnere mich an wochenlang Schnee, an Schlittenfahren, daran, dass ich meine Moonboots länger als nur ein paar Tage tragen musste. Ich versuche den Schneemoment zu genießen, doch der Schnee lässt bereits nach wenigen Minuten wieder nach und ich frage mich, ob er wirklich war. Selbst die Kälte fühlt sich nicht echt an. Ich weiß, es gab einmal kalte Tage, bei denen meine Haut vor Kälte feurig gebrannt hat. Es gab Tage, bei denen ich Stunden brauchte, um meine Oberschenkel wieder warm zu bekommen. Ich seufze und gehe weiter.

Meine Wohnungstür lässt sich nur schwer öffnen. Von drinnen presst sich ein riesiger Schneehaufen an die Tür. Mit Gewalt schaffe ich es schließlich sie zu öffnen. Erleichtert hänge ich meinen Mantel an einem Eiszapfen auf, stelle meine Tasche in den Schneehaufen neben den Schreibtisch. Ich mache mir die letzte Tasse Kaffee des Tages und beschließe ein Buch auf der Couch zu lesen. Dank des kleinen grünen Schneeschiebers ist die Couch schnell vom Schnee befreit und ich kuschele mich in eines der großen Plüschkissen. Nochmal seufze ich. Wenigstens in meinem Kopf ist manchmal Winter.

Wie Schlafen zur Religion werden kann | Mama Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen.
Hier findet ihr alle Texte zu dem Thema: *Klick*

So, ihr kennt das: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Wie Schlafen zur Religion werden kann

Ich habe keine Ahnung, wie das ist, Mutter eines schlechtschlafenden Babys zu sein (habe ich auch schon hier drüber geschrieben *Klick*), aber Schlafen ist das Baby-Thema schlechthin, wenn man sich anschaut, wie religiös es behandelt wird. Wenn man auf einschlägigen Seite liest, hat man das Gefühl, dass sich Eltern gegenseitig radikalisieren. Es fliegen Begriffe wie Einschlafhilfe, Einschlafbegleitung, Schreien-Lassen, Co-Sleeping, Familienbett, Sleep-Choaches durch den Raum und suggerieren, dass sie das Maß aller Dinge sind.

Wir haben Glück

Wenn es Probleme bei uns gab, habe ich auch gegoogelt, aber meistens wenige Antworten auf Eltern-Websites gefunden. Dafür hatte ich nach dem Lesen immer die Gewissheit „Wir haben Glück“. Little J ließ sich immer durch Popo-Tätscheln, White Noise oder im schlimmsten Fall, kurz im Arm Wiegen, beruhigen, wenn er mal nicht schlafen konnte oder nachts aufgewacht ist. Trotzdem haben auch wir uns Gedanken gemacht haben. Daher war ich auf der Suche im Internet und habe seltsame Beobachtungen gemacht.

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wie bettlaken im wind| Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich habe gerade ein Projekt, bei dem ich ständig irgendwas zwischen vorfreudig und nervös bin.

wie bettlaken im wind

wie bettlaken im wind. wenn bei
geöffnetem fenster die vorhänge
flattern. sand liegt auf der voll
aufgedrehten beatbox. bei einem
erdbeben springen die bohnen
auf dem tisch. murmeln rollen
endlose treppen hinunter. dann
ist der moment vorbei und die
wogen glätten sich. über ruhiger
see lächelt der mond.

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Vor mir liegt er so da | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 6 + 7 beinhaltet die Worte „Zwerg, quer, fühlen“, gesponsert von Kain Schreiber.

Ein Nachzügler. Ich bin Gestern nicht dazu gekommen, die Etüde hier zu posten.

Vor mir liegt er so da

Vor mir liegt er so da. Quer in seinem Bettchen. Die Füße liegen an dem Gitter, der Kopf an unserem Bett. Das Gesicht auf der Seite, der Popo in die Höh.

Vor mir liegt er da so. Einfach. Klein. Ein Zwerg. Ein Minimensch. Und doch ein Richtiger. Er atmet, lacht, weint, isst, schläft, fühlt. Lebt.

Vor mir liegt er so da. Ein Herz das schlägt. Eine Lunge die atmet. Ein Magen, der Essen aufnimmt. Beine, die tragen. Hände, die greifen. Haare, die vom Kopf abstehen, wie bei einer Pusteblume.

Vor mir liegt er so da. Wenn ich seine Wange streichle, bewegt sich sein Kopf in meine Richtung. Wenn ich meine Hand in die Nähe seiner Hände halte, greifen sie danach. Lassen nicht mehr los.

Vor mir liegt er so da. Wenn ich ihn nehme, vertraut er, dass ich ihn nicht fallen lassen. Wenn er Schmerzen hat, braucht er meine Nähe, damit sie besser werden.

Vor mir liegt er so da. Je mehr er für mich fühlt, desto mehr fühle ich für ihn.

Vor mir liegt er so da. Unwirklich, wirklich. Wie ein Moment.