Das magische Haus II | Extraetüden

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Diesen Monat gibt es eine Extraetüde, d.h. man muss 5 Worte in 500 Wörter unterbringen. Aus folgenden 6 Wörtern kann gewählt werden: „Katamaran“, „großspurig“, „totschweigen“, „Zeitplan“, „schlimm“ und „fallen“.

Wie der Titel erahnen lässt, ist dies eine Fortsetzung zu Magaretes Abenteuern. Da ich kein Ende finde, wird es wohl noch weitere Teile geben. Ups.
Die ersten beiden Teile findet ihr hier: Teil 1 + Teil 2

Das magische Haus II

Magarete überlegte einen Moment umzudrehen und wegzurennen, doch das Haus machte sie neugierig. Es sah aus wie ein riesiges Abenteuerland voller Entdeckungsmöglichkeiten.

„Magarete, wenn du magst, kannst du dich in Ruhe umsehen. Ich warte im Garten auf dich. Und mach dir keine Gedanken um Zeit. Das Haus passt sich den Zeitplänen seiner Besucher an.“

Walpurga lächelte, dann drehte sie sich um und schritt durch eine Glastür hinaus. Durch die Glasfront konnte Magarete bereits den wundersamen Garten erspähen. Sie freute sich ihn nochmal besuchen zu können, aber zuerst wollte sie das Haus erkunden.

Sie ging zwei Treppenstufen hinunter und fand sich zwischen zwei Spiegeln wieder. In dem einen Spiegel sah sie ihr Spiegelbild. In dem anderen auch, aber dort sah sie sich von hinten. Sie drehte sich mehrmals um sich selbst, immer mit dem gleichen Ergebnis. Über dem Spiegel, der sie von hinten zeigte, stand „Umkehrspiegel.“

Sie kicherte und ging nach links zu einem Tisch, auf dem eine riesige Flasche lag. In ihr befand sich ein Schiff auf einem Meer. Es herrschte Sturm und Wellen schlugen gegen das Glas der Flasche. Kleine Menschen rannten auf dem Schiff herum und holten die Segel ein. Blitze zuckten aus winzigen Wolken. Neugierig ging Magarete um die Flasche herum. Auf der anderen Seite des Tisches war ein goldenes Schild angebracht: „Untergang des Katamarans Abendstern“.

Hinter dem Schreibtisch stand eine Truhe, auf die Magarete nun zusteuerte. Vorsichtig öffnete sie die Klappe. Ein Schwarm Schmetterlinge flog ihr entgegen. Dann ein Spatz, eine Eule, ein riesiger Adler und schließlich ein winziger Drache, der einen Kreis um ihren Kopf flog.

„Aber Drachen gibt es doch nicht“, entfuhr Magarete.

„Wer bist du, dass du so großspurig behauptest, dass es mich nicht gäbe?“

Magarete sagte „Entschuldigung“, doch der Drache war bereits zurück in die Truhe geflogen. Der Deckel fiel zu und sie bekam ihn nicht noch einmal auf.

Auch einen Grabstein fand Magarete. Er lag gekippt an der Wand. Ohne Name oder irgendwelche Verzierungen stand darauf: „Es muß einer sehr stark sein, wenn man ihn nicht totschweigen kann.“ Sie fand den Spruch beeindruckend, auch wenn sie ihn nicht vollständig verstand.

Langsam merkte sie, dass ihr Magen zu knurren begann. Wie lange sie wohl schon hier herumstöberte? Sie roch die Zitronenkekse und beschloss zu Walpurga in den Garten zu gehen. Sie konnte sicher später zurückkehren. Magarete suchte sich den schnellsten Weg zur der Glasschiebetür und trat in die Sonne.

Walpurga saß auf einer kleinen Terrasse inmitten der übergroßen Blumen.

„Hast du interessante Entdeckungen gemacht?“

Magarete nickte schüchtern.

„Komm setz dich und erzähl mir davon.“

Magarete ging den kleinen Pfad entlang, der zu der Terrasse führte. Wieder schrumpfte sie – oder die Blumen wuchsen – bis die Tulpen ihren Kopf überragten. Sie ließ sich auf einem kleinen Korbstuhl nieder. Jetzt merkte sie, dass ihr die Füße schmerzten. Sie sah hinunter und stellte fest, dass ihr die Sandalen zu klein geworden waren. Aber vorhin hatten sie doch gepasst!

23 Kommentare zu „Das magische Haus II | Extraetüden

  1. Ach, ich seh schon, ich setz mich dazu und seufze, weil ich wissen möchte, wie es weitergeht …
    Mir hat es der Drache angetan, der sich beleidigt zurückzieht 😉
    Schön eingebaut alles, gerne gelesen und wohlgefühlt, vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Christiane 😀

    Gefällt 1 Person

  2. Juhu, die Fortsetzung auf die ich gewartet habe 🙂 Oh, die Truhe fasziniert mich total! Ist es eine Truhe ala Narnia, wo es aber in eine tolle verzauberte Welt mit Drachen geht? Und wieso schrumpft Magarete?

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Katha,
    diese Reihe an Kurzgeschichten macht so viel Spaß! 🙂 Bei dem Umkehrspiegel musste ich an den Spiegel aus Harry Potter denken. Auch der Spruch auf dem Grabstein gefällt mir sehr gut. Die wachsenden/schrumpfenden Tulpen am Ende haben mich wiederum an „Alice im Wunderland“ denken lassen. Ich hoffe, es geht noch ein bisschen weiter mit Walpurga und Magarete!

    Liebe Grüße
    Alina

    Gefällt 1 Person

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