ein versprechen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich war auf Familienbesuch im Norden und könnte kurz Ostseeluft riechen.

ein versprechen

leise tritt an meine wange. eine
woge. wellenartig breitet sich
salziger atem auf mir aus. ein
und aus und ein und aus. ich
meditiere muscheln und zähle
körnchen. bald komme ich
wieder. flüstere ich. und dann
bleibe ich eine ganze weile.

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nicht warm genug | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Derzeit ist Nachrichten lesen, nie eine gute Idee, aber wegschauen hilft auch nicht. Hier ist, wie ich mich beim Zeitunglesen derzeit fühle.

nicht warm genug

ich habe feuer im kopf. meine füße
stampfen unrhytmisch auf, zur musik
von zerspringendem teegeschirr und
knarzenden knochen. die nur fingernägel erreichen. tief im fleisch. rosa. reißt die
haut und zerrauft sich in haaren. meine
strähnen flattern zu boden. ich nehme
organe wie blätter und werfe sie hoch.
wenn das blut kocht, ist es immer noch
nicht warm genug.

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hinter milchigem glas | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

hinter milchigem glas

wie hinter milchigem glas. ich blicke auf
zeitfarbene trümmer. der sand im innenhof
ist januargrau. das gras wächst in seidigem
zartblau. wie hinter zerbrochenem glas. und
wänden aus papier. ich sehe dich nicht. aber
die anderen dich. in deinem arm wiegst du
die hoffnung in papiertaschentücher gewickelt.
singst ein wiegelied für freiheit, verstand und
vernunft. wenn du ihre fressen mit schnullern
stopfen könntest, würdest du es tun. denke
ich und entgleite auf einem berg aus kissen.
das fenster bricht und die scherben fallen nach
innen. eines tages werde ich sie zum schlafen
bringen müssen, scheinst du zu sagen. im
innenhof fließt ein frühlingsfarbener orkan die
letzen minuten hinfort. hinter stumpfes glas.

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wie bettlaken im wind| Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich habe gerade ein Projekt, bei dem ich ständig irgendwas zwischen vorfreudig und nervös bin.

wie bettlaken im wind

wie bettlaken im wind. wenn bei
geöffnetem fenster die vorhänge
flattern. sand liegt auf der voll
aufgedrehten beatbox. bei einem
erdbeben springen die bohnen
auf dem tisch. murmeln rollen
endlose treppen hinunter. dann
ist der moment vorbei und die
wogen glätten sich. über ruhiger
see lächelt der mond.

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lesezeichen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

lesezeichen

mein buch. gestern. ich lese
einhundert, zweihundert seiten
und komme doch nicht voran.
mittig. meine augen schwimmen
in buchstabensuppe. meine finger
fahren zeilenachterbahn. kapitel
für kapitel entblättere ich mit dir.
bis der einband risse zeigt. heute.
in meinem buch ist platz für ein
lesezeichen.

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weil meine linien | Der Dienstag dichtet

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weil meine linien

weil meine linien vollgeschrieben
sind. ich fange ein neues blatt an.
ein stück weiß ist frei. zwischen
den gitterstäben. tag, monat, jahr.
ich schreibe gegen die zeit. kritzele
kreise, kästchen, unterstriche, um
ihr bedeutung zu verleihen. das blaue
lesezeichen hängt im gestern. gerade
atme ich nur beim umblättern auf.

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wie rennpferde | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

wie rennpferde

wie rennpferde. meine gedanken rasen die
synapsenbahnen entlang. einer überholt
den anderen. die menge gröhlt. unter dem
hufgetrappel hört man die lahmen nicht mehr.
durch den staub sind die weißen grau und die
schwarzen unsichtbar. ich ziehe an den zügeln
doch die reißleine ist zu kurz. ein wiehern und
ein schuss verkünden das vorzeitige ende.
neue pferde müssen her. neue reiter. auf den
gleichen bahnen. wenn morgen nur noch die
ausgefallenen hüte auf den rängen liegen. lass
mich nur in ruhe die toten pferde zählen.

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gallierdenkweise | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ggf etwas überdramatisch, aber weil meine Lunge noch komische Geräusche macht, soll ich noch eine Woche daheim bleiben. Immerhin ist die Quarantäne vorbei. Die Decke fällt mir trotzdem so langsam auf den Kopf.

gallierdenkweise
der bodendeckenabstand
ist infinitesimal klein
couchkissensurfend beobachte ich das
unterbodendasein

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2 striche | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Habe es erfolgreich geschafft mich mit Corona zu infizieren. Ist wohl ander Arbeit passiert, weil ich sonst nirgendwo war und sich dort die Fälle stapeln. Mir geht’s ok. Das schlimmste war die Angst, dass mein Baby das nicht gut wegsteckt. Er ist bisher aber zum Glück topfit. Und dann ist da die Angst jemand angesteckt zu haben, der nicht geimpft ist bzw es nicht gut wegsteckt. Ich finde den Gedanken ganz furchtbar jemanden infiziert zu haben.

2 striche

zwischen zwei roten strichen. ich bin
gefangen. streife mit meinen händen
an papierkanten entlang. gegen vier
graue wände. lasse meine gedanken
mit kristallinen tropfen an türschwellen
entlanglaufen. im takt des betonmischers
schließen wir alle lücken. doch was,
wenn meine zelle dich einsperrt? was,
wenn mein atmezug dein letzter ist?

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matschgrautage | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Mich nervt der Januar gerade ein wenig. 😉

matschgrautage
plätschern dahin
meine tagträume schweifen
und ich versinke in
ergrünungsfantasien

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