Die Erwachten III | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Wie der Titel vermuten lässt, ist dies eine Fortsetzung:
Hier ist der Teil 1 *Klick*
und hier Teil 2: *Klick*

Die Geschichte ist ein klein wenig ausgeufert, daher beende ich sie erst nächsten Freitag mit den Juli-Aufgaben.

Thema: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein:  Sonne, Stimmung, Freunde, liebevoll, Verständnis

Die Erwachten III

Jasmin konnte die Nacht nach dem Vortrag nicht schlafen. Immer wieder kreisten ihre Gedanken um Markus und was er gesagt hatte. Als er es vortrug, hatte alles so plausibel geklungen, doch jetzt nagten Zweifel an ihr. Wie konnte die „Mächtigen“, wie Markus sie nannte, so etwas verheimlichen? Menschen redeten immer. Außerdem wirkten alle Beweise stark konstruiert. Je länger sie darüber nachdachte, desto unsicherer war sie sich, was sie von dem Ganzen halten sollte. Jasmin wälzte sich bis um drei Uhr nachts unruhig umher. Schließlich gab sie auf und sah sich die Videos an, die Markus ihr geschickte hatte. Es handelte sich um die vorangegangen Vorträge. Je länger sie ihm zuhörte, desto ruhiger wurde sie. Schließlich schlummerte Jasmin ein und wurde erst am späten Morgen wieder wach.

So gut hatte sie lange nicht mehr geschlafen. Sie fühlte Erleichterung darüber, dass es den Virus nicht gab, dass sie das unsichtbare Monster nicht bedrohte. Die Zweifel in ihr waren leiser geworden. Jasmin wollte mehr als alles andere an das glauben, was Markus ihr gesagt hatte.

Sie hatten sich für den nächsten Samstag verabredet. Wieder sollte es einen Vortrag geben, an dessen Anschluss Markus sie zum Kaffeetrinken eingeladen hatte.

Als der Tag des Vortrags kam, war Jasmin bester Stimmung. Wie so häufig kam Jasmin zu früh an und so stellte sie sich noch ein paar Minuten vor das Bürgerhaus, um die Sonne zu genießen. Ein Mann ging an ihr vorbei und musterte sie unauffällig. Jasmin war sein Blick unangenehm. Er blieb auf der anderen Straßenseite stehen und sah auf sein Handy. Sie hatte das Gefühl, das er sie weiter beobachtete. Jasmin wurde nervös und ging in das Gemeindehaus.

Der Vortrag verlief ähnlich wie die anderen Vorträge. Der Inhalt war fast identisch, aber das störte Jasmin nicht. Markus konnte fantastisch mit Worten umgehen und sie hörte ihm fasziniert zu. Es war als würde er ihr seine volle Aufmerksamkeit schenken.

Nach dem Vortrag kam Markus zu ihr.

„Ich möchte gerne noch ein paar Worte mit ein paar Leuten wechseln und dann könnten wir los, wenn das in Ordnung ist?“

Jasmin nickte. Sie nagte an einem der Haferkekse und beobachtete wie Markus mit den Zuhörern sprach. Es wirkte vertraut, wie unter Freunden. Er hörte genau zu und sprach erst, wenn sein Gegenüber fertig war. Gerade unterhielt er sich mit einem jungen Mann. Auch wenn Jasmin ihn nicht verstand, sah sie, dass er wütend war. Er gestikulierte wild. Auch hier blieb Markus ruhig und ließ ihn zuerst aussprechen. Dann begann er langsam zu sprechen. Fast schon liebevoll berührte er den Arm des jungen Mannes, der immer ruhiger wurde und am Schluss des Gespräches sogar lächelte. Jasmin war fasziniert.

„Bist du bereit mit einem unbekannten Mann in ein Café zu gehen.“ Markus grinste schelmisch und zwinkerte Jasmin zu. Dies nickte schüchtern.

Das Café lag auf der anderen Straßenseite. Da es immer noch warm war, setzten sie sich in den Biergarten. Dieser war gut gefüllt, auch wenn er durch die weit auseinanderstehenden Tische fast leer wirkte. Markus hatte einen Tisch reserviert. Die Kellnerin war überaus freundliche. Auch sie schien wie angezogen von Markus zu sein.

„Was möchtest du trinken?“

„Einen Kamillentee, bitte?“

Markus nickte und bestellte. Im Gegensatz zu ihren Kollegen, mit denen sie ab und an etwas trinken gehen musste, fragte er nicht, warum sie nur Kamillentee zu sich nahm. Jasmin war froh darüber. Sie sprach nicht gerne über ihren nervösen Magen.

„Wie hast du den jungen Mann vorhin so schnell beruhigt?“ Jasmin war selbst erstaunt über ihren Mut. Sie eröffnete selten das Gespräch. Markus wirkte wie jemand, den sie seit Jahren kannte und vertraute.

„Ich habe Verständnis gezeigt. Das tun Menschen viel zu selten. Wir weisen die ab, die anders denken, statt ihnen zuzuhören. Ich höre zu und auch wenn ich anderer Meinung bin, akzeptiere ich die andere Sicht.“

Jasmin nickte.

„Ich habe so viel von mir und meiner Sicht auf die Welt erzählt. Nun würde ich gerne etwas von dir erfahren. Wer ist die Person hinter dem Namen Jasmin?“

Die Kellnerin kam und brachte ihre Getränke. Markus hatte sich einen grünen Tee bestellt und Nüsse, die er in die Mitte schob. Mit geschlossenen Augen roch er am Tee.

„Wundervoll. Grünem Tee werden Heilungskräfte zugeschrieben, doch auch wenn das nicht stimmen sollte, irgendetwas Magisches hat dieser Tee. Es liegt im Geruch.“

Jasmin setzte den Kamillentee an und trank ein paar Schlucke. Wieder hatte sie das Gefühl beobachtet zu werden. Eine Frau mit Zeitung schielte sie über ihren Brillenrand an. Jasmin schob ihre Paranoia beiseite. Markus sah nur sie an. Sie schwiegen eine Weile, ohne dass Jasmin dies als unangenehm empfand. Schließlich fand Jasmin den Mut und erzählte Markus von ihrem Leben.

5 Kommentare zu „Die Erwachten III | Writing Friday

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