Die Erwachten IV | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Wie der Titel vermuten lässt, ist dies eine Fortsetzung:
Hier sind *Teil 1*
, *Teil 2* und Teil 3
Und das hier ist das Finale, wie versprochen.

Thema: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein:  Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme

Jasmin erzählte alles über sich, was ihr in den Sinn kam. Markus saß ihr gegenüber und hörte zu. Manchmal stellte er Fragen. Mittlerweile hatten sie das Café verlassen und waren zur Promenade an dem nahegelegenen See spaziert. Markus holte sich Eiscreme und gab Jasmin die Waffel, da sie das einzige war, das Jasmins Magen vertrug. Sie setzten sich auf eine der Bänke und beobachteten den sich leerenden Badestrand. Es herrschte angenehmes Schweigen zwischen ihnen, während Markus sein Eis aufaß. Alleine wäre Jasmin nie hierhergekommen. Sie verstand nicht wie Leute so sorglos draußen herumlaufen konnten, vor allem nicht während es offiziell eine Pandemie gab. Dass diese nur eine perfide Ablenkung der Regierung war, wussten die meisten schließlich nicht. Langsam wurde es kühl, dennoch gab es einige, die noch ins Wasser gingen. Ein junges Mädchen im Badeanzug kam fröhlich summend in ihre Richtung gehüpft. Markus schien sie angezwinkert zu haben, denn das Mädchen kicherte und drehte sich weg.

„Kindliche Unschuld ist einfach etwas wundervolles, nicht wahr?“ Markus hatte sein Eis beendet und wandte sich Jasmin zu. Dies nickte. Sie fühlte sich entspannt, aber auch ausgelaugt von dem langen Gespräch. Ein Mann fiel ihr auf, der betont langsam über den Strand lief. Immer wieder warf er ihnen Blicke zu. Jasmin war sich unsicher, ob es Paranoia war oder sie wirklich beobachtet wurden.

„Ich sollte nach Hause“, sagte sie wenig überzeugt von ihrem Entschluss.

Markus lächelte sie an. „Ja, am besten du schläfst ein wenig darüber. Wenn es in Ordnung ist, würde ich dich Morgen anrufen und fragen wie es dir geht. Aber eine Sache noch.“ Markus nahm ihre Hand. „Vertraust du mir voll und ganz?“

Jasmin nickte. Das tat sie. So abstrus einige der Dinge waren, die Markus ihr offenbart hatte, ihm glaubte sie alles. Markus brachte Jasmin zu ihrem Wagen. Die ganze Fahrt über hatte sie das Gefühl verfolgt zu werden und war froh, als die Garage hinter ihr schloss. Sie würde gleich ein heißes Bad nehmen, um runterzukommen und dann würde sie ein paar der Videos sehen, die Markus ihr empfohlen hatte. Beim Gedanken an Markus musste sie erneut Lächeln. Binnen kürzester Zeit hatte er sich in ihr Herz geschlichen.

Jasmins Lächeln gefror, als ihr jemand etwa Spitzes in den Rücken bohrte.

„Wenn Sie sich nicht wehren, wird Ihnen nichts passieren.“

Jasmin nickte. Sie war vor Angst wie gelähmt. Als würde sie sich außerhalb ihres Körpers befinden. Ein Sack wurde über ihren Kopf gestülpt und ihre Hände gefesselt. Ein Wagen rollte an und man setzte sie behutsam hinein. Die Fahrt verlief ruhig. Jasmin hatte das Gefühl, dass sie ewig dauerte. Der Sack über ihrem Kopf roch nach Desinfektionsmittel. Ihr wurde übel und sie musste sich zusammenreißen, um sich nicht zu übergeben. Immer wieder malte sie sich aus, was die Personen mit ihr machen würden. Wer waren ihre Entführer? Aus Angst liefen ihr Tränen die Wangen hinunter.

Das Auto hielt nach einer kurvenreichen Straße an. Man hob sie aus dem Wagen und führte sie in ein Gebäude. Es war so hell beleuchtet, dass sie zumindest grobe Umrisse erkennen konnte. Drei Personen nahmen sie in Empfang und führten sie durchs Gebäude. Sie machten vor einem Fahrstuhl Halt.

„Wir sind gleich da,“ sagte eine weibliche Stimme.

Nachdem sie den Fahrstuhl verlassen hatten, zog man ihr den Sack vom Kopf. Jasmins Augen brauchten eine Weile bevor sie sich an die Helligkeit gewöhnte.

„W-wo bin ich?“ Jasmin sah sich um. Sie stand in einem großen Raum. Eine Wand bestand nur aus Monitoren, die anderen waren über und über mit Karten bedeckt. Im Raum verteilt standen Schreibtische und mysteriös aussehende Anlagen, die vor sich hin piepsten. Militärisch gekleidete Menschen rannten umher. Die Frau neben Jasmins räusperte sich. Sie trug auch eine Uniform, war bestimmt sechzig Jahre alt und hatte ihre grauen Haare zu einem strengen Dutt gebunden.

„Sie sind eine intelligente und aufgeschlossene Frau. Wir haben wir ein Angebot für Sie.“ Die Frau löste Jasmin Fesseln. „Ich verstehe, dass sie eine rosarote Brille aufhaben, was Markus angeht und auch wenn er äußerst sympathisch ist, ist er gefährlich für das Wohl der Menschheit. Menschen wollen in Unwissen leben, wir ermöglichen Ihnen das.“

Die Frau musterte Jasmin aufmerksam. „Am besten sie folgen mir.“ Ohne auf Jasmins Antwort zu warten, nahm die Frau Jasmins Arm und führte sie zu den Monitoren. Was sie nun sah, konnte ihr Gehirn kaum aufnehmen.

Als erstes fiel ihr der Monitor mit der Aufschrift 687C – Lufthansa Flug ICg66t auf. Die Kamera schien unter dem Flugzeug befestigt zu sein. Man sah einen Teil des Flugzeugflügels und darunter eine Landschaft. Dann ruckelte die Kamera und grüner Nebel wurde aus eine Art Tank gelassen. Das Gesicht eines Piloten wurde zugeschaltet, der etwas mitteilte.

Auf dem Monitor daneben wurde eine weiße Schneelandschaft gezeigt. Die Perspektive wechselte einige Male, bis sie ein riesiges Bären-ähnliches Wesen sah, dass durch diese Wildnis stiefelte. Es hatte rot leuchtende Augen.

Eine Bewegung im Monitor darüber erregte Jasmin Aufmerksamkeit. Auf ihm stand 128f – Büro Kanzleramt. Sie sah wie die Bundeskanzlerin ihr Büro betrat. Sie legte einige Akten auf den Tisch, dann löste sie ihre Kopfhaut und aus ihrem Körper kroch ein echsenähnliches Wesen.

Auf anderen Monitoren erspähte sie Drachen, ein riesiges schlangenartiges Monster, Raumschiffe und vieles mehr, was sie nicht annähernd verstand. Es war alles wahr. Alle Verschwörungen, von denen sie gelesen hatte, waren wahr. Ausnahmslos alle. Jasmin wurde schwindelig und sie kippte um. Kurz bevor sie vollends die Ohnmacht übermannte, hörte sie dir Frau, die mit jemandem sprach.

„Schade, ich hätte gedacht, sie wäre eine gute Kandidatin. Nun gut. Nachdem ihr ihr Gedächtnis gelöscht habt, gebt ihr einen Chip und setzt sie in ihrer Wohnung ab.“

10 Kommentare zu „Die Erwachten IV | Writing Friday

  1. Liebe Katharina,
    da habe ich jetzt kurz überlegt, ob ich „liken“ soll.
    Du hast das super geschrieben und ich habe verstanden, dass du dich mit diesen Theorien ironisch auseinandersetzt…
    Gegruselt hat es mich trotzdem.
    Liebe Grüße
    Judith

    Gefällt 1 Person

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