zusammen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

In 15 Tagen ist es laut berrechnetem Geburtstermin soweit. Es fühlt sich für mich aber so an, als wäre der Kleine ungeduldig. Mal sehen. Ich habe daher für die nächsten Wochen Posts vorprogrammiert, mit alten Gedichten. Wenn so eine online kommt, wisst ihr also wie der Hase läuft. 😉

zusammen

warum zittern die häuser, frage
ich mich. warum fallen die äste,
beben die bäume. der flusslauf
ändert seine richtung. auf meiner
insel ist es ruhig. ein paar wellen
wogen an meinen strand. eine
muschel verwirrt sich im rinnsal.
wir sind ein morgen, ich bin ein
jetzt. manchmal hebt sich der
schleier und ich sehe in deine
augen. heute hören wir satie
gemeinsam. morgen hören wir
die gymnopedien zusammen.

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Für Karl | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Für Karl (2 Haiku)

an grauen tagen
ziehen wolken langsam durch
das traurigkeitstief

doch

in grünen inseln
finden wir erste zeichen
von hoffnungsblumen

https://karlswortbilder.wordpress.com/

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alles fließt | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Gerade bin ich viel mit mir alleine und irgendwie frage ich mich dann immer, wie ich eigentlich so bin. Den Titel habe ich ganz frech von Heraklit geklaut.

alles fließt

ich kratze ab, kratze sie ab. stück
für stück. schicht für schicht. an
ihren kanten ist sie rund, an ihren
rundungen scharf.

ich schwimme herum, um sie
drum herum. außen, am rand,
in der mitte. sie ist mehrfach
dimensional.

ich puzzle gemeinsam. setze mit
ihr stück an stück. am ende sagt
sie mir, dass sie nicht teilbar ist.
und ich ein mehr.

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liberté égalité fraternité | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Am Samstag ist bei uns eine Covidioten-Demo. Statt dauerhaft deprimiert oder sauer deswegen zu sein, habe ich ein Gedichte geschrieben.

liberté égalité fraternité

ich sitze hinter trüben fenstern. sehe
deine worte wie flaggen schwenken.
freiheit. rufst du und schränkst meine
ein. gleichheit. und grenzt dich von mir
ab. brüderlichkeit. und zeigst mir, dass
wir nicht im gleichen land leben. freiheit
wirfst du in regnerischen wind. deine
angst gleich hinterher. gleichheit. und
passt die guilliotine auf uns beide an.
brüderlichkeit. und nimmst den letzten
schirm. wie eine flagge baut er mauern
um uns herum. im regen gibt es kein
wir. dein adams-ring hat einen bogen.
meiner mehr als drei.

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auf einem weißen blatt papier | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe über deine größte Angst.

auf einem weißen blatt papier
auf einem weißen blatt papier. mit
dem pinsel in der hand sitze ich da.
die farben sind mir schon vor jahren
ausgegangen. meine augen kriechen
in die weichen fasern des nichts und
meine füße laufen, treten auf ewigen
spiralen. mein kopf liegt daneben.
das wort „wir“ habe ich zwischen
meine oberschenkel geschrieben.
die haut habe ich schon vor jahren
verloren. auf einem weißen blatt
papier ist nur platz für körnung.

es ist | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich war seit langem mal wieder in der Innenstadt und das war mein Eindruck nur sehr abstrakt ausgedrückt. Da es einfach nur ein plötzliches Gefühl war, kann ich es nichtmal erklären.

es ist
es ist, als würde das melatonin der nacht
in die trüben augen des tages tropfen. als
würde unsere zirbeldrüsen in den füßen
sitzen. ich gehe durch volle straßen, an
morgenfalten vorbei und geschwollenen
augen. adenosinwolken verdecken die
sonne, den mond und unseren verstand.
ich will dopamin wie blumen verteilen
doch schenke nur rosen ohne wasser und
farbe. wann sind die menschen so egal.
wann so unverkettet geworden. morgen
werde ich die moleküle wecken und die
hormone wie kissen ausschütteln. damit
wenigstens mein raum nicht immerzu
carpe noctem brüllt.

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orange | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Am 4. März ist Tag der Snacks! Schreibe deinem liebsten Snack zu Ehren einen Liebesbrief.

Vielleicht ist das nicht ganz ernst gemeint. 😉

orange

geliebte,
konisch liegst du da. orange mit grünen enden. leuchtend.
du rufst mir zu, bohrst dich in meinen sehnerv.
reißt mich in andere welten.
ich höre das knacken, rieche die frische, die süße, das unvergleichbare. 
ich entferne deine haut und schneide dich in streifen.
an manchen tagen genieße ich deine rohe form, deinen urgeschmack.
an anderen ummantele ich deine perfekten streifen mit quark, hummus, frischkäse.
erweitere deine aromen.
ist deine existenz in meine übergegangen,
falle ich befriedigt zurück in den alltag.

ein stiller wind | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr weiter unten.

Kleiner Kontrast zu letzter Woche. Ich habe jetzt erst ein paar Tage Urlaub, dann Mutterschutz. Eben bin ich mit diesem eigenartigen Gefühl aufgewacht und habe cappuccinoschlürfend diese Zeilen geschrieben.

ein stiller wind
ein stiller wind weht durch den
mentalen terminkalender. treibt
kniehohe staubballen durch die
gehirnwindungen. hier und da.
ein blitz zuckt durch snypasen.
eine wolke zieht auf. sanfter regen
benetzt prozesse. es fließt. wenn
die sonne scheint ist sie präsent.
strahlen werden durch rinden
getrieben, in kammern verteilt.
ein stiller wind kommt vor dem
sturm. vorher lerne ich fliegen.

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dein fenster ist eine wand | Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu einem oder beiden vorgeschlagenen Bildern zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder findet ihr hier: *KLICK*

Der Monat war krass, daher habe ich mir nur ein Bild ausgesucht – das Fenster. Ich habe mich gefragt, wer dort wohl wohnt und mir ist aufgefallen, dass es viele Menschen sind, die genauso ein Fenster jeden Tag sehen.

dein fenster ist eine wand

rechts ein vorhang. deine lider fest
verschlossen. rational siehst du kein
ende. unerreichbar, die rutschpartie
über dächer. ziegel segeln hinab. du
siehst nur schemen deines eigenen
raums. hier eine blume, vertrocknet,
eine schale, etwas das einmal deiner
großmutter gehört hat. du siehst den
erker, spürst seine begrenzende tiefe
nicht. den himmel fühlst du. meistens
bewölkt. wenn du aufstehst, wirst du
feststellen: dein fenster ist eine wand.

durch eine poströhre | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, habe ich den Dienstag zum Gedichtetag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher:

Stachelbeermond
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und Your mind is your only limit

Krasse Zeit gerade. Ich arbeite nur noch diese Woche, dann ein paar Tage Resturlaub und im Anschluss Mutterschutz. Dh. schnell noch alle Projekte beenden, parallel dazu Geburtsvorbereitung, Zimmer einrichten, Kinderkriegbürokratie erledigen, ich habe eben erst mit Investment begonnen und blicke kaum durch plus jetzt auch noch das Ding mit dem Vertreten und nicht richtig Laufen können…achja und Schwangersein ist da auch noch irgendwo und der ganze verrückte Rest, wie der Literaturpreis…mein Kopf ist turbulent, mein Gedicht auch.

durch eine poströhre

durch eine poströhre. dort entlang.
hier. ein schmerzreflex rast ins
postfach. falsche adresse. richtiger
adressat. still. brüllt der spam und
ruhe. die kettenbriefe. ich hangle
mich an der briefmarke entlang.
seidige zacken schneiden tief ins
fleisch. neues papier. energie. du
sendest mir rauchsignale. wir sind
eins. aber die post ist nur meine.
heute sende ich den passierschein
a38 und schlucke b12. das gleicht
den blutverlust aus. ping. post.