liberté égalité fraternité | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Am Samstag ist bei uns eine Covidioten-Demo. Statt dauerhaft deprimiert oder sauer deswegen zu sein, habe ich ein Gedichte geschrieben.

liberté égalité fraternité

ich sitze hinter trüben fenstern. sehe
deine worte wie flaggen schwenken.
freiheit. rufst du und schränkst meine
ein. gleichheit. und grenzt dich von mir
ab. brüderlichkeit. und zeigst mir, dass
wir nicht im gleichen land leben. freiheit
wirfst du in regnerischen wind. deine
angst gleich hinterher. gleichheit. und
passt die guilliotine auf uns beide an.
brüderlichkeit. und nimmst den letzten
schirm. wie eine flagge baut er mauern
um uns herum. im regen gibt es kein
wir. dein adams-ring hat einen bogen.
meiner mehr als drei.

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auf einem weißen blatt papier | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe über deine größte Angst.

auf einem weißen blatt papier
auf einem weißen blatt papier. mit
dem pinsel in der hand sitze ich da.
die farben sind mir schon vor jahren
ausgegangen. meine augen kriechen
in die weichen fasern des nichts und
meine füße laufen, treten auf ewigen
spiralen. mein kopf liegt daneben.
das wort „wir“ habe ich zwischen
meine oberschenkel geschrieben.
die haut habe ich schon vor jahren
verloren. auf einem weißen blatt
papier ist nur platz für körnung.

Der Fötus und ich | Schwangere Gedanken

Hier findet ihr die vorangegangenen Teile: Schwangere Gedanken

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Der Fötus und ich

Ich schrieb vor einer Weile, dass ich keine Beziehung zu dem Fötus in mir aufgebaut habe. Dies ist ein Update.

Die Ausgangslage

Ich hatte nie das Gefühl, dass da ein Fremdkörper in mir heranwächst, aber ich fand es skurril. Der Fötus fühlte sich immer wie ein Teil von mir an, aber sehr abstrakt. Am besten lässt es sich vielleicht mit der Beziehung zu den eigenen Organen beschreiben. Man spürt sein Herz, es ist Teil von einem, aber es ist irgendwie abstrakt, dass das kleine Ding einen am Leben hält. Dass da Leben in mir heranwächst, irgendwann Mama zu mir sagt (oder Mam, wie ich zu meiner), laufen lernt, zur Schule geht und vielleicht selbst mal auf die doofe Idee kommt Kinder zu kriegen, ist rational logisch, meine Emotionen hinkten da aber von Anfang hinterher. Vor allem am Anfang der Schwangerschaft sieht man zwar die körperlichen Veränderungen, aber spüren tut man das kleine Wesen nicht. Bei mir hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich einen quersitzenden Pups von dem Fötus unterscheiden konnte. Nach zahlreichen Nieren-, Rippen- und Blasentritten, spüre ich aber sehr wohl das Leben in mir. Ich habe sogar mitbekommen, wie er sich umgedreht hat und manchmal sieht mein Bauch wie eine La Ola-Welle aus. Ich nenne ihn jetzt nicht mehr Monsterchen sondern „kleines Rumpel“.

Weiterlesen „Der Fötus und ich | Schwangere Gedanken“ →

es ist | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich war seit langem mal wieder in der Innenstadt und das war mein Eindruck nur sehr abstrakt ausgedrückt. Da es einfach nur ein plötzliches Gefühl war, kann ich es nichtmal erklären.

es ist
es ist, als würde das melatonin der nacht
in die trüben augen des tages tropfen. als
würde unsere zirbeldrüsen in den füßen
sitzen. ich gehe durch volle straßen, an
morgenfalten vorbei und geschwollenen
augen. adenosinwolken verdecken die
sonne, den mond und unseren verstand.
ich will dopamin wie blumen verteilen
doch schenke nur rosen ohne wasser und
farbe. wann sind die menschen so egal.
wann so unverkettet geworden. morgen
werde ich die moleküle wecken und die
hormone wie kissen ausschütteln. damit
wenigstens mein raum nicht immerzu
carpe noctem brüllt.

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orange | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Am 4. März ist Tag der Snacks! Schreibe deinem liebsten Snack zu Ehren einen Liebesbrief.

Vielleicht ist das nicht ganz ernst gemeint. 😉

orange

geliebte,
konisch liegst du da. orange mit grünen enden. leuchtend.
du rufst mir zu, bohrst dich in meinen sehnerv.
reißt mich in andere welten.
ich höre das knacken, rieche die frische, die süße, das unvergleichbare. 
ich entferne deine haut und schneide dich in streifen.
an manchen tagen genieße ich deine rohe form, deinen urgeschmack.
an anderen ummantele ich deine perfekten streifen mit quark, hummus, frischkäse.
erweitere deine aromen.
ist deine existenz in meine übergegangen,
falle ich befriedigt zurück in den alltag.

Die Strickjacke | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 8 + 9 beinhaltet die Worte „Strickjacke, trügerisch, entdecken“, gesponsert von wortgeflumselkritzelkram.

Die Strickjacke

Sie öffnete die Türen vom Kleiderschrank. Alles war sortiert nach Zweck und Farbe, doch die Ordnung war trügerisch. Schon vor Jahren hatte sie den Überblick verloren, was sich in ihrem Kleiderschrank befand. Heute musste sie endlich aufräumen. Ihr blieb sonst nichts mehr zu tun.

Sie begann bei den Shirts, arbeitete sich durch die Pullover, probierte Hosen an und fand mehr Löcher als ihr zuzugeben lieb war. Der Stapel der aussortierten Kleidungsstücke wurde immer größer. Gerne hätte sie mehr in die Kleiderspende gegeben, aber sie trug Kleidung bis sie nicht mehr tragbar war und manchmal noch darüber hinaus. Es fiel ihr schwer sich von liebgewonnen Sachen zu trennen und so hingen in ihrem Schrank ein Duzend Schlafshirts, Malerklamotten und Kleidung, an die sie sich nicht einmal mehr erinnerte.

Weiterlesen „Die Strickjacke | abc.etüden“ →

ein stiller wind | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr weiter unten.

Kleiner Kontrast zu letzter Woche. Ich habe jetzt erst ein paar Tage Urlaub, dann Mutterschutz. Eben bin ich mit diesem eigenartigen Gefühl aufgewacht und habe cappuccinoschlürfend diese Zeilen geschrieben.

ein stiller wind
ein stiller wind weht durch den
mentalen terminkalender. treibt
kniehohe staubballen durch die
gehirnwindungen. hier und da.
ein blitz zuckt durch snypasen.
eine wolke zieht auf. sanfter regen
benetzt prozesse. es fließt. wenn
die sonne scheint ist sie präsent.
strahlen werden durch rinden
getrieben, in kammern verteilt.
ein stiller wind kommt vor dem
sturm. vorher lerne ich fliegen.

Lest auch bei:
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Berlin Autor
Nachtwandlerin
Lindas x Stories
La parole a été donnée à l’homme
Gedankenweberei
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Vienna BliaBlaBlub
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dein fenster ist eine wand | Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu einem oder beiden vorgeschlagenen Bildern zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder findet ihr hier: *KLICK*

Der Monat war krass, daher habe ich mir nur ein Bild ausgesucht – das Fenster. Ich habe mich gefragt, wer dort wohl wohnt und mir ist aufgefallen, dass es viele Menschen sind, die genauso ein Fenster jeden Tag sehen.

dein fenster ist eine wand

rechts ein vorhang. deine lider fest
verschlossen. rational siehst du kein
ende. unerreichbar, die rutschpartie
über dächer. ziegel segeln hinab. du
siehst nur schemen deines eigenen
raums. hier eine blume, vertrocknet,
eine schale, etwas das einmal deiner
großmutter gehört hat. du siehst den
erker, spürst seine begrenzende tiefe
nicht. den himmel fühlst du. meistens
bewölkt. wenn du aufstehst, wirst du
feststellen: dein fenster ist eine wand.

Liebe Zahnfee, lieber Zahnfee(rich?) | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Am 28. Februar ist Tag der Zahnfee! Schreibe ihr zu Ehren einen Brief.

Liebe Zahnfee, lieber Zahnfee(rich?),

ich bin Tobias und bin sechs Jahre alt. Mama meint, ich soll dir schreiben, weil ich habe da ein paar Fragen zu dir und deinem Geschäft. Ach so, ich schreibe nicht wirklich, Mama schreibt, aber ich sage ihr, was sie schreiben soll.

Also meine erste Frage ist, ob du männlich oder weiblich bist. Laut den Bildern trägst du ein Kleidchen und lange Haar, aber das trägt Claudios Papa auch, zumindest am Wochenende. Nur damit ich weiß, wie ich dich ansprechen soll, wenn ich nochmal schreiben muss.

Nun die echten Fragen:

  1. Woher hast du das ganze Geld, das du unter die Kopfkissen legst? Hast du einfach so viel Geld oder verdienst du es dir mit einem Nebenberuf oder so? Papa meint, Geld würde man nur kriegen, wenn man arbeitet oder erbt. Hast du vielleicht was geerbt?
  2. Verkaufst du unsere Zähne? Das würde die erste Frage auch beantworten.
  3. Und wenn nicht? Was machst du damit. Justin hat behauptet, du würdest daraus einen Palast bauen, aber das klingt unsinnig. Wie groß soll schon so ein Palast für eine kleine Fee sein? Baust du vielleicht eine ganze Stadt?
  4. Wie kannst du so schnell so viele Zähne sammeln? Mama meint du sammelst überall auf der Welt in jeder Nacht, aber zu Oma alleine fahren wir schon vier Stunden. Wie geht das also? Darfst du den Schlitten vom Weihnachtsmann nutzen?
  5. Sag mal, machst du auch mal Urlaub? Wer ist dann deine Vertretung?
  6. Warum kriegen nur Kinder Geld für ihre Zähne? Erwachsene verlieren die auch. Die Oma von Kai hat nur noch ganz wenige.

Ok, das war‘s. Wäre toll, wenn du alle Fragen beantworten kannst.

Danke.

Grüße, Tobi