Der Fötus und ich | Schwangere Gedanken

Hier findet ihr die vorangegangenen Teile: Schwangere Gedanken

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Der Fötus und ich

Ich schrieb vor einer Weile, dass ich keine Beziehung zu dem Fötus in mir aufgebaut habe. Dies ist ein Update.

Die Ausgangslage

Ich hatte nie das Gefühl, dass da ein Fremdkörper in mir heranwächst, aber ich fand es skurril. Der Fötus fühlte sich immer wie ein Teil von mir an, aber sehr abstrakt. Am besten lässt es sich vielleicht mit der Beziehung zu den eigenen Organen beschreiben. Man spürt sein Herz, es ist Teil von einem, aber es ist irgendwie abstrakt, dass das kleine Ding einen am Leben hält. Dass da Leben in mir heranwächst, irgendwann Mama zu mir sagt (oder Mam, wie ich zu meiner), laufen lernt, zur Schule geht und vielleicht selbst mal auf die doofe Idee kommt Kinder zu kriegen, ist rational logisch, meine Emotionen hinkten da aber von Anfang hinterher. Vor allem am Anfang der Schwangerschaft sieht man zwar die körperlichen Veränderungen, aber spüren tut man das kleine Wesen nicht. Bei mir hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich einen quersitzenden Pups von dem Fötus unterscheiden konnte. Nach zahlreichen Nieren-, Rippen- und Blasentritten, spüre ich aber sehr wohl das Leben in mir. Ich habe sogar mitbekommen, wie er sich umgedreht hat und manchmal sieht mein Bauch wie eine La Ola-Welle aus. Ich nenne ihn jetzt nicht mehr Monsterchen sondern „kleines Rumpel“.

Das Alien in mir

Dass er da drinnen ist, ist mittlerweile also weder übersehbar noch unspürbar. Manchmal vergesse ich trotzdem noch, dass ich schwanger bin. Mein Bauch ist selbst im 9ten noch nicht so groß, dass er mich großartig behindert –  außer beim Yoga, meine Kobra sieht aus wie eine Schlange mit gebrochenem Rückgrat und fühlt sich nicht minder scheiße an. Für mich ist Schwangersein immer noch ein wenig surreal, was auch daran liegt, dass ich an die ganze Sache ohne Erwartungen rangegangen bin. Mein Freund und ich und hatten eher die Einstellung „Wenn es klappt: cool. Wenn nicht, dann eben nicht.“. Ich bin daher auch keine überenthusiastische Schwangere, die es kaum erwarten kann, ihr Baby in den Armen zu halten. Das mit dem in den Armen halten ist für mich auch sehr abstrakt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, aber meine Neugierde ist geweckt.

Liebe ich ihn?

Nö. Wie gesagt, ist der Kleine immer noch sehr abstrakt für mich. Es ist anders als am Anfang, ja, aber ich spüre noch keine tiefe Verbindung. Er ist Teil von mir, von meinem Körper, aber so richtig da ist er noch nicht. Auch wenn er auf der Welt ist, werde ich mich von niemandem stressen lassen. Ich will ihn kennenlernen und auch lieben lernen. Das wird sicher dauern. Ich erwarte keine Instant-Liebe, wenn ich ihn sehe. Sollte das passieren, ok, aber ich erwarte es nicht. Alleine dank Hormonen werde ich gleich eine Verbindung spüren und alles andere wird sich entwickeln. Wir haben Zeit.

Was ziehe ich da raus?

Es ist mittlerweile eine Art Mantra: Werdende Mütter sehen sich zu vielen Erwartungen gegenüber. Das ist nicht hilfreich! Jede Frau ist anders, jede Frau empfindet anders und jede Empfindung ist legitim. Wer was Anderes sagt, ist ein Arschloch.

Wenn euch der Text emotional aufgewühlt hat oder ihr hungrig seid, nehmt euch jetzt den Keks und tunkt ihn in den letzten Rest vom Tee.

Gechillt? Gut! Habt einen schönen Tag.

9 Kommentare zu „Der Fötus und ich | Schwangere Gedanken

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