Das Baby und ich | Mama Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen.
Hier findet ihr alle Texte zu dem Thema: *Klick*

So, ihr kennt das: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Das Baby und ich

Während der Schwangerschaft hatte ich ein eigenartiges Verhältnis zu dem Embryo/Fötus in mir. Ich habe das Leben gespürt, aber irgendwie blieb es immer abstrakt und ich habe mich gefragt, wann der Moment ist, wann ich ihn liebe. Hier könnt ihr meine Gedanken dazu lesen: *Klick*

Was einem Instagram erzählt

Also wenn man Instagram und Social Media glaubt, empfinden alle Eltern direkt unglaubliches Glück in der Schwangerschaft und allesumfassende Liebe nach der Geburt. Andererseits schreien und kacken Kinder einen auch nicht an, wenn man Social Media glauben darf. Das Leben mit Baby wird als perfekt dargestellt, zwischen Kuscheleinheiten, dem perfekten Stillvorgang und neuen Babyklamotten, die nie vollgekotzt sind. Anscheinend schlafen Instagram-Eltern auch genug.

Die Geburt von Little J

Die Geburt an sich war sehr schnell und ich hatte nicht die Gelegenheit mich damit auseinanderzusetzen, dass ich das, was in mir gewachsen ist, bald in den Armen halten werde. Als ich ihn dann endlich gesehen habe, wurde ich nicht mit Emotionen überschüttet. Tatsächlich dachte ich einfach „Ach du meine Güte, der Riese ist da unten rausgekommen. WTF.“ Dann lag er auf mir und ich konnte es immer noch nicht fassen. Selbst als wir ein paar Stunden später Zuhause waren (ich habe ambulant entbunden) war das Ganze immer noch abstrakt.

Kennenlernen

Alles nach der Geburt war stressig. Der Kleine musste nochmal ins Krankenhaus und dann drehte sich alles darum, dass er an Gewicht zunehmen musste. Die meiste Zeit schlief er. Manchmal fühlte er sich fremd an, aber die Angst, die ich gespürt habe, als ich dachte, es geht ihm nicht gut, war riesig. Irgendwie habe ich anfangs hauptsächlich die „negative“ Seite von Liebe gespürt, aber es gab auch schöne Moment, z.B. wenn er auf mir lag. Das Abstrakte wurde immer weniger abstrakt.

Liebe ich mein Kind?

Mehr als alles, will ich, dass es ihm gut geht. Ich freue mich, wenn er lacht, wenn er Dinge macht, die er vorher nicht konnte. Je mehr er sich seiner Umgebung bewusst wird, desto mehr habe ich eine Beziehung zu ihm. Ich glaube, ich bin bei dem „Ich liebe dich“ noch nicht ganz angelangt, aber weiter als das „Hab dich lieb“. Hergeben würde ich ihn für kein Geld der Welt.

Was ziehe ich daraus?

Ich schätze, bei jeder Mutter/jedem Vater ist das anders und entgegen dem, was Instagram oder andere Social Media einem erzählt, muss man sein Kind nicht von Anfang an unendlich lieben. Ich will mich nicht stressen und lasse mir Zeit, den kleinen Racker kennen- und lieben zu lernen.

12 Kommentare zu „Das Baby und ich | Mama Gedanken

  1. Meine erste Kleine schlief nicht, nicht bei Tag und nicht bei Nacht, nur bei mir auf dem Arm. Und so wie ich aufhörte, sie zu hoppeln fing sie an zu schreien. Manchmal schlief ich im Laufen ein und schreckte auf als sie mir fast aus dem Arm fiel. Sehr viele Menschen wohnten an dem Platz. Das war wahrscheinlich zu viel für sie. Oder sie hatte Bauchweh. Oder meine Milch reichte nicht. Ich liebte sie über alles aber manchmal hätte ich sie an die Wand klatschen können. Das erste Jahr war hart. Dann hatte ich nie wieder Probleme mit ihr. Jedes Kind ist anders und jede Mutter auch. Ich glaube, du machst das sehr gut.

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    1. Oh, das klingt sehr stressig. Mein Kleiner hat nur ab und an Bauchweh. Da geht auch nur Rumtragen. Das dauerhaft stelle ich mir unfassbar krass vor. Respekt, dass du das bewältigt hast.
      Und ja, definitiv. Wir brauchen mehr Verständnis für diese unterschiedlichen Beziehungen.

      Gefällt 1 Person

  2. Ich hab da eine vielleicht blöde Frage: Kann es sein, dass du einfach nur deine Definition von Liebe überdenken/erweitern solltest? Du schreibst: „Mehr als alles, will ich, dass es ihm gut geht“ und „Hergeben würde ich ihn für kein Geld der Welt“. Und das ist keine Liebe, WTF? Klar, das ist möglicherweise ein anderes Gefühl als das, was du für deinen Partner und/oder deine Eltern, Geschwister, Freund*innen und Tiere empfindest. Aber ich wiederhole mich: DAS ist keine Liebe? Echt nicht? Glaub ich nicht. 😉
    Mach dir keinen Stress. 🙂
    Abendgrüße von einer, die nie darüber nachgedacht hat, ob sie ihre Katze „liebt“: selbstverständlich ❤

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    1. 😅 Habe ich auch schon drüber nachgedacht, aber etwas in mir weigert sich da wohl noch oder hat da eben eine eigenartige Vorstellungen. Stressen lass ich mich aber trotzdem nicht. 😇 Und klar liebe ich meine Katzen. Sonst würde ich mir von den kleinen Biestern nicht so auf der Nase herumtrampeln lassen. 🤣

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  3. Die Vorstellung (Illusion) einer romantischen Liebe verstellt uns den Blick auf die gewöhnliche Liebe. Indem wir uns aneinander gewöhnen, in Beziehung treten, eine Bindung aufbauen/zulassen wächst allmählich Nähe und Liebe und am Ende (!) kann daraus auch eine sehr innige Liebe werden. Nur was langsam wächst, ist nachhaltig. Du hast ein gutes Gespür dafür.

    Gefällt 3 Personen

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