Schnee im April | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Erzähle von deiner ersten Erinnerung an Schnee.

Zwei Tage nach meinem Geburtstag beginnt es plötzlich zu schneien. Oma Anni ist in heller Aufregung, weil weder sie noch Oma Anne wissen, wo der Schneeschieber ist und sich der Schnee bereits Zentimeterhoch über den Aufgang zur Haustür ausbreitet. Schließlich geben sie auf und schicken mich zum Fenster, um nach dem Postboten Ausschau zu halten. Ich habe nichts dagegen, kann ich länger den Schnee beobachten, wie er sich langsam über die Landschaft legt. Wenn der Postbote da ist, werde ich meinen besten Freund besuchen und mit ihm einen Schneemann bauen, im April. Oma meint, dass ist ungewöhnlich. Mir ist das egal. Schnee ist toll.

Der Postbote kommt erst eine dreiviertel Stunde später. Damit ich mich nicht so langweile hat mit Oma Anni ein Hörspiel angemacht, während sie und Oma Anne versuchen meine Eltern zu erreichen, um herauszufinden, wo der Schneeschieber und Salz sind. Außerdem wollen sie wissen, ob die bei dem ganzen Schnee überhaupt schon Morgen nach Hause kommen können. Von mir aus können sie noch eine Weile wegbleiben. Klar vermisse ich meine Eltern, aber mit meinen Omas erlebe ich die besten Abenteuer, vor allem solche, von denen ich meinen Eltern nichts erzählen soll.

Als der Postbote da ist, ruft meine Oma ihm aus dem Fenster zu, dass er die Post in den Keller legen soll. Das tut er, dann darf ich endlich los, rüber zum Nachbarsjungen. Wir spielen im Schnee, bis zum Mittag. Ich bin nach dem Essen so fertig, dass ich auf der Couch kurz einschlafe. Als ich wieder aufwache, ist der meiste Schnee schon wieder weg. Den nächsten Schnee werde ich wohl erst wieder in ein paar Monaten sehen, sagt Oma Anne. Oma Anni hingegen grinst. Wenn es Schnee im April geben würde, warum nicht auch mal im Juli.

Das Weihnachtsdilemma | Gedankenkritzelei

Da es mir bei Schwangere/Mama Gedanken Spaß gemacht hat, einfach mal etwas zu einem Thema zu schreiben, ohne dass es eine Geschichte oder ein Gedicht ist, das Thema „Kind“ aber nur endlich ist, dachte ich, ich eröffne eine neue Rubrik und schreibe einmal pro Woche meine Gedanken auf. Wie persönlich das Ganze wird, keine Ahnung, mal sehen wie mutig ich bin.

Gerade beschäftigt mich mein Verhältnis zu Weihnachten. Bisher war das nie ein Problem, aber mit Kind kann ich meinen inneren Grinch nicht mehr ignorieren.

Mein zwiegespaltenes Verhältnis zu Weihnachten mal in einer Liste zusammengefasst.

Weiterlesen „Das Weihnachtsdilemma | Gedankenkritzelei“

Katalogwelt | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder und Schreibaufgaben zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Zu Bild 3

Katalogwelt

Ratsch. Er riss noch ein Stück Papier ab und ließ es auf den Boden fallen. Langsam türmten sich die Fetzen. Weiß, blau, rot, gelb, braun. Auf einigen sah man Köpfe, auf anderen Hände, Füße, Rockzipfel, Schuhe, Mützen, Uhren, Ringe und eine Menge Nummern. 45,99-, 29,99-, 12,49-. Immer wieder irgendwas mit neun am Ende. Die Zahlen davor waren kryptisch lang und keine schien sich auf irgendeine andere zu beziehen. Davor standen die Bezeichnungen von Kleidungsstücken, zum Beispiel Pullover, Kleid oder Socken. Dann Farben, von denen er noch nie etwas gehört hatte, wie zum Beispiel ecru oder zimt.

Weiterlesen „Katalogwelt | Impulswerkstatt“

das bin ich | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Wenn du nichts zu verlieren hättest, was würdest du sofort tun?

das bin ich

in einen beutel packen. groß muss er sein. robust,
aber auch weich. reibungslos müssen sie alle
hinein passen. am besten wäre es, sie verheddern
sich nicht. mein beutel muss auch leicht zu öffnen
sein und dann ganz aufgehen. vielleicht sogar
verschwinden. mit einem schnapp sollen sie
nämlich alle hinauspurzeln. meine kreativen
ideen und gedanken. ich würde sie einfach so
der welt zu füßen werfen. hier. da. das bin ich.

Kinder wie Lu | abc.etüde

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 46 + 47 beinhaltet die Worte „Rolle, halbherzig, belohnen, gesponsert von blaupause7.

Ich rege mich derzeit gerne über Kinderbücher auf. Selbst solche, die wir gerne lesen, gehen mir mit den stereotypischen Darstellungen einfach auf die Nerven.

Kinder wie Lu

Als Max sieben Jahre alt war, stellte er erschrocken fest, dass das Kind in seinem Lieblingsbuch ein Mädchen war. Bisher hatten seine Eltern immer behauptet, dass das Kind sowohl ein Junge als auch ein Mädchen sein konnte, je nachdem wer das Buch las, denn Bücher wurden erst beim Lesen zum Leben erweckt, behaupteten sie. Nun, wo er selbst lesen konnte, sah er, dass direkt auf Seite eins nicht „Kind“ sondern „Mädchen“ stand. SIE hieß auch nicht „Lu“ sondern „Luise“. Max war sauer, bisher hatte er immer wie das Kind aus dem Buch sein wollen, so kreativ und selbstbewusst. Lu malte sich sie Welt selbst mit einem großen bunten Stift, der je nach Stimmung die Farbe wechselte, daher hatte Max immer selbst Malen wollen. Jetzt wollte er nicht mehr Malen, das war anscheinend Mädchensache.

Weiterlesen „Kinder wie Lu | abc.etüde“

Eine gespenstige Nacht | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Da das Kind jetzt Hand-Mund-Fuß hat, komme ich erst heute dazu die Geschichte zu veröffentlichen. Gibt es halt einen Writing Sunday. 😉

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Gespenster gibt es wirklich, gerade heute…“ beginnt.

„Gespenster gibt es wirklich, gerade heute!“, behauptete Theodora und verschränkte trotzig die Arme. Ihre Eltern nahmen ihre Liebe zum Spirituellen schon wieder nicht ernst, dabei war es keine Phase, sondern eine Gabe, da war sie sich sicher. Nichts auf der Welt gab ihr ein so eigenartiges und zugleich aufregendes Gefühl wie ein Spaziergang über einen Friedhof. Das mussten die Geister der Verstorbenen sein, deren Augen sie auf sich spürte. Nun war endlich Halloween, der beste Tag des Jahres für jemanden wie sie. Der Vorhang zwischen der Welt der Toten und der Lebenden war dünn, hatte sie gelesen und glaubte es auch zu spüren. Überall merkte sie Präsenzen, fühlte Schwingungen. Ein Kribbeln ging bereits den ganzen Tag durch ihren Körper, allerdings wurde es gerade von Wut verdeckt, weil ihre Eltern ihr nicht erlaubten um Mitternacht auf den Friedhof zu gehen. Stattdessen sollte sie ins Bett und schlafen. Sie könne ja von Gespenstern träumen, hatte ihr Vater gesagt. Theordora war außer sich und schimpfte ununterbrochen vor sich her, während sie sich fürs Bett fertig machte. Was ihre Eltern nicht wussten: Sie würde sich einfach rausschleichen! Mit der Ausrede, dass ihr kalt war, hatte sie ihren dicken dunkelgrauen Pyjama mit den Puffärmeln angezogen, der hexenmäßig aussah. Da sie fast schon mit dem „Nein“ gerechnet hatte, hatte sie Gestern heimlich eine Tasche mit Umhang, festen Schuhen, Snacks, einer Taschenlampe und rituelle Kerzen, die sie aus der Tischdeko-Schublade im Esszimmer gemopst hatte, für ihren Spaziergang gepackt.

Weiterlesen „Eine gespenstige Nacht | Writing Friday“

Genie | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 42 + 43 beinhaltet die Worte „Billard, aktuell, gestalten, gesponsert von Allerlei Gedanken.

Genie

Wie Puppen ließ er sie über die Bühne tanzen, wie Billardkugeln über den Pooltisch wandern. Die Menschen merkten nicht wie sie manipuliert wurden, bis es zu spät war. Er war ein Genie und verbarg es so gut, sodass er nie verdächtigt wurde. Etwas komisch fanden ihn die meisten. Seine Sprache war nicht altersangemessen und er beobachtete lieber, als selbst Konversationen zu führen. Sie schoben es darauf, dass seine Eltern ihn erst so spät bekommen hatten, aber für ihn war es eine Lebenseinstellung, etwas, dass er bewusst gewählt hatte. Er wollte sich abheben, zeigen, dass er mit dem gemeinen Pöbel nichts zu tun hatte.

Weiterlesen „Genie | abc.etüden“

strohballen | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 40 + 41 beinhaltet die Worte „zeitlupe behäbig verprassengesponsert von Werner Kastens.

Ich bin zu spät. Wollte das eigentlich Gestern noch veröffentlichen, aber dann war ich müdedoof (Kind ist wieder krank) und hab es schlicht vergessen.

strohballen

behäbig rollen die strohballen durch die
regalreihen. wie in zeitlupe sammeln sie
den nötigsten staub, rubbeln den obersten
glanz ab. es war einmal. da haben sie alles
verschüttet. etwas rollte in ritzen, bisschen
mehr in taschen, einiges in tresore. nur der
rest wurde eingesammelt. dasselbe lied
nochmal? dasselbe lied nochmal. heute ist
man müde. man rollt ängstlich herum und
hat angst nass zu werden. dabei brennt das stroh.
verprasst wurde lange nichts mehr. niemand.

Der Wind weht | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder und Schreibaufgaben zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Ich habe diesmal die erste Schreibaufgabe genommen und sie auf alle vier Bilder angwendet. Ist irgendwie so entstanden, weil es gepasst hat.

Der Wind weht

Der Wind weht über eine Brücke. Er fährt einem Mann unters Hemd, einer Frau in die kurze Hose, einem Jungen ins Haar. Der lacht. Der Mann und die Frau bemerken ihn kaum. Selbst als er stärker wird, haben sie keine Zeit für ihn. Wenigstens die Oberleitungen reagieren mit einem Knistern. Sie kitzeln und er lacht, wie der Junge.

Der Wind weht durch eine Galerie. Bilder kann er nicht bewegen, aber die Farbe auf der Oberfläche streicheln. Er reibt sich an blauen Pigmenten, grünen Roten, an Dingen, die keine eindeutige Gestalt haben und Gestalten, die wie Dinge aussehen. Zum Schluss bringt er die Flyer neben dem Eingang zum Rascheln. Zu laut. Der Aufseher sperrt ihn aus.

Der Wind weht über das tosende Meer. Er und das Wasser stacheln sich gegenseitig an. Es schunkelt und schaukelt. Ob die Fische etwas mitbekommen, fragt er sich. Er kitzelt einen, der am Haken über dem Wasser hängt, doch er bleibt stumm. Frustriert klaut der Wind einem Angler den Hut, dann saust er wieder aufs Meer hinaus.

Der Wind weht in das sanfte Abendrot. Er schickt Wolken Richtung Sonne, damit sie den Himmel anmalen. Einige wollen die Sonne verdecken, doch er hindert sie daran. Dann lässt der Wind die Blätter rascheln, damit der Abend noch stimmungsvoller wird. Ein Pärchen bleibt stehen. Sie lobt die warme Abendbrise, er bewundert die Zeichnung der Wolken.

Der Wind weht in die Nacht. Für ihn ist jeder Tag ein Erfolg, aber erst mit einem Lachen und einem Lächeln wird er vollkommen.

Speziell | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Regentonne, schwanken, sensibel“, gesponsert von nellindreams.

Speziell

Toms Klassenkameraden nannten ihn langweilig und eine Heulsuse. Seine Eltern sagten, er sei ein Träumer und sensibel, meinten damit aber dasselbe nur schöner formuliert. Das hätte er sicher von seiner Oma, die er nur ein paar Mal gesehen hatte, da sie selten zu Familientreffen kam. Wenn seine Eltern von ihr sprachen, nannten sie sie immer „speziell“. Erst kürzlich hatte Tom erfahren, dass das nicht immer nett gemeint war. Speziell konnte auch andersartig oder befremdlich heißen. Wenn er wie seine Großmutter war, fanden ihn andere dann auch befremdlich?

Weiterlesen „Speziell | abc.etüden“