taschenklingeln | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich bin seit Gestern entsetzt. Erst fallen Beschränkungen, dann Masken, jetzt die Quarantäne. Das Morden hat begonnen. Ich bin so desillusioniert gerade…

taschenklingeln

bei jeden schritt klingelt es. in ihren
taschen liegen gold, silber, wertvolles
papier, ein paar diamanten und der
rest ihres verstandes. ein paar fusseln
halten das taschengemisch zusammen.
wie war das noch, als wir damals echte
menschen waren? als wie wussten, wie
es in langen weißen gängen aussieht?
während sich zu dem taschenklingeln
das leise geräusch von zertretenen
gehirnen und herzen mischt. war da
was? denken sie noch. dann streifen
sie ihre blutigen schuhe an der seidenen
füßmatte ab. das ist ja echt ekelhaft.

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aprilwetter | Der Dienstag dichtet

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aprilwetter

durch frühlingsstürme im feucht
fröhlichen aprilwetter. wir betrinken
uns an sonnensichtungen. nehmen
eine nase schneeglöckchen. noch
einmal an der osterglocke lecken.
dann ist sommerzeit. zumindest
hier. woanders liegt winterwetter
zwischen häuserfluchten versteckt.
man spürt wie zeitweise ein newstief
flockenhaft auf gedanken liegt.

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windwärts | Der Dienstag dichtet

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Hab wieder zu viel über Krieg nachgedacht.

windwärts

und ihre haare hängen im sturm.
windwärts kann man den regen
riechen. im sturm hinauf das
frühlingshafte gewitter. die zeit
wird bald verdreht, nur nicht weit
genug, um was zu ändern. ich will
ihnen sonnenschein reichen, aber
um die jahreszeiten steht es schlecht.

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ein versprechen | Der Dienstag dichtet

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Ich war auf Familienbesuch im Norden und könnte kurz Ostseeluft riechen.

ein versprechen

leise tritt an meine wange. eine
woge. wellenartig breitet sich
salziger atem auf mir aus. ein
und aus und ein und aus. ich
meditiere muscheln und zähle
körnchen. bald komme ich
wieder. flüstere ich. und dann
bleibe ich eine ganze weile.

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nicht warm genug | Der Dienstag dichtet

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Derzeit ist Nachrichten lesen, nie eine gute Idee, aber wegschauen hilft auch nicht. Hier ist, wie ich mich beim Zeitunglesen derzeit fühle.

nicht warm genug

ich habe feuer im kopf. meine füße
stampfen unrhytmisch auf, zur musik
von zerspringendem teegeschirr und
knarzenden knochen. die nur fingernägel erreichen. tief im fleisch. rosa. reißt die
haut und zerrauft sich in haaren. meine
strähnen flattern zu boden. ich nehme
organe wie blätter und werfe sie hoch.
wenn das blut kocht, ist es immer noch
nicht warm genug.

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hinter milchigem glas | Der Dienstag dichtet

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hinter milchigem glas

wie hinter milchigem glas. ich blicke auf
zeitfarbene trümmer. der sand im innenhof
ist januargrau. das gras wächst in seidigem
zartblau. wie hinter zerbrochenem glas. und
wänden aus papier. ich sehe dich nicht. aber
die anderen dich. in deinem arm wiegst du
die hoffnung in papiertaschentücher gewickelt.
singst ein wiegelied für freiheit, verstand und
vernunft. wenn du ihre fressen mit schnullern
stopfen könntest, würdest du es tun. denke
ich und entgleite auf einem berg aus kissen.
das fenster bricht und die scherben fallen nach
innen. eines tages werde ich sie zum schlafen
bringen müssen, scheinst du zu sagen. im
innenhof fließt ein frühlingsfarbener orkan die
letzen minuten hinfort. hinter stumpfes glas.

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wie bettlaken im wind| Der Dienstag dichtet

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Ich habe gerade ein Projekt, bei dem ich ständig irgendwas zwischen vorfreudig und nervös bin.

wie bettlaken im wind

wie bettlaken im wind. wenn bei
geöffnetem fenster die vorhänge
flattern. sand liegt auf der voll
aufgedrehten beatbox. bei einem
erdbeben springen die bohnen
auf dem tisch. murmeln rollen
endlose treppen hinunter. dann
ist der moment vorbei und die
wogen glätten sich. über ruhiger
see lächelt der mond.

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lesezeichen | Der Dienstag dichtet

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lesezeichen

mein buch. gestern. ich lese
einhundert, zweihundert seiten
und komme doch nicht voran.
mittig. meine augen schwimmen
in buchstabensuppe. meine finger
fahren zeilenachterbahn. kapitel
für kapitel entblättere ich mit dir.
bis der einband risse zeigt. heute.
in meinem buch ist platz für ein
lesezeichen.

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weil meine linien | Der Dienstag dichtet

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weil meine linien

weil meine linien vollgeschrieben
sind. ich fange ein neues blatt an.
ein stück weiß ist frei. zwischen
den gitterstäben. tag, monat, jahr.
ich schreibe gegen die zeit. kritzele
kreise, kästchen, unterstriche, um
ihr bedeutung zu verleihen. das blaue
lesezeichen hängt im gestern. gerade
atme ich nur beim umblättern auf.

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wie rennpferde | Der Dienstag dichtet

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wie rennpferde

wie rennpferde. meine gedanken rasen die
synapsenbahnen entlang. einer überholt
den anderen. die menge gröhlt. unter dem
hufgetrappel hört man die lahmen nicht mehr.
durch den staub sind die weißen grau und die
schwarzen unsichtbar. ich ziehe an den zügeln
doch die reißleine ist zu kurz. ein wiehern und
ein schuss verkünden das vorzeitige ende.
neue pferde müssen her. neue reiter. auf den
gleichen bahnen. wenn morgen nur noch die
ausgefallenen hüte auf den rängen liegen. lass
mich nur in ruhe die toten pferde zählen.

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