der samen | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
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Berlin Autor
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La parole a été donnée à l’homme
Gedankenweberei
Myna Kaltschnee
Wortverdreher
Lebensbetrunken

Ihr erinnert euch an mein Geheimnis, das unbedingt herauswollte? Jetzt ist die kritische Anfangsphase vorbei und daher entlasse ich es in die literarischen Weiten. (Ps.: 14te Woche)

der samen
du bist da und ich weiß nicht, was ich
sagen soll. schicht um schicht gräbst
du dich ein, dehnst dich aus. und ich
mit dir. eine lila fahne auf dem mond
sagt. ich bin hier. und die anti-materie
bebt. rote riesen werden klein, weiße
zwerge wachsen. quasare entlassen
ihre geiseln. nur ein samen. und doch
gleiten die sterne aus der milchstraße.
ordnen sich neu. dein name trägt sich
ohne buchstaben durch umlaufbahnen.
nur ein samen. und doch wächst das
universum . jeden tag. und du mit ihm.

Herbst-Tanka | Der Dienstag dichtet

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Herbst-Tanka

das grau fährt über
ein rotgelbes farbenmeer
weiße segel ziehn
über dem horizontenmast
der herbst läutet die glocke

der name | Der Dienstag dichtet

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Das Gedicht kann am Ende positiv gelesen werden. Ich habe es für das Gedicht offen gelassen, es aber zunächst nicht so gemeint. Geschlechterrollen sind schwierig und irgendwie wünschte ich wir würden den Quatsch lassen.

der name
dass diese botschaft weggesperrt wird. ich
habe einen namen auf ein zettel geschrieben.
in der flasche aufs meer geschickt. in inneren
flammen verbrannt. wenn sie namen sagen
meinen sie konsequenzen. menschen sind
namen sind menschen. du reichst mir ein
blatt papier. klebst ihn mir auf den rücken.
wie engelsflügel reißen seine kanten ecken
in den wind. blut tropft auf seidiges gras.
nehme ich ein messer. löse es ab. es fließt
sedimentgestein. ich nehme einen meißel.
die flasche kommt zurück. der zettel fügt
sich zusammen. hier. ich schreie es hinaus
soll sie jeder hören. ich schreibe in den wind,
lasse stürme gesetze erbeben, orkane feste
muster brechen. namen haben konsequenzen.
meiner ist frau.

alleine blühen veilchen grau | Der Dienstag dichtet

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Ich finde Nähe kompliziert. Noch komplizierter ist es, das zu erklären – daher ein Gedicht.

alleine blühen veilchen grau
eine weiße fläche wie ein bettlaken
meine gedanken in deinen träumen.
fangen an zu brennen. aber es ist
frostig. roh. es ist stumpf. das kissen
liegt in der mitte. wir erdolchen es mit
federn, nackten knochen, blanker liebe.
all you need. ich falle von der kante
meiner wärmflasche. das verbrannte
gummi riecht nach zimt, dein atem
nach weihrauch. warum sind mauern
höher als bügelfalten. warum pocht
die sprungfeder dauernd gegen mein
herz. alleine blühen veilchen grau.

in anderen gärten | Der Dienstag dichtet

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Wenn ich nur an Moria denke, wird mir schlecht und wenn ich dazu noch Kommentare von gewissen Leuten oder Politikern lese, überlege ich alles, was Medien oder soziale Medien ist, ab jetzt zu meiden. Das hilft nur auch nicht, deswegen ein Gedicht:

in anderen gärten

wenn ich ihren hass rieche. ihre feigen
worte atmen höre. ich will mich auf
meine zehenspitzen stellen und in
andere gärten sehen. statt lilien sehe
ich elendsblüten. büsche aus armut.
kranken, toten, trauer, verzweiflung.
meine hände greifen ins leere und so
drehe ich mich um. vertrocknet riecht
die erde. das wasser verbrannt. neben
disteln aus neid, angst, missgunst steht
ein baum mit fehlendem mitgefühl und
ignoranz.
welche mauern reißt man leichter ein.
die aus synapsen oder die aus stein?

kopfkugelstoßen | Der Dienstag dichtet

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und
Myna Kaltschnee
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Ich hab eine Stirnhöhlenentzündung, hier also mal wieder ein Krankheitselfchen.

kopfkugelstoßen

universumsschmerz
ping pong
in meinem gedankenweltall
spielen die planetaren synapsen
kopfkugelstoßen

Harz-Haikus | Der Dienstag dichtet

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und
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Ich bin wieder da und diesmal wirklich erholt. Der Harz ist immer wieder toll. Wir haben direkt am Brocken gecampt und sind u.a. schön wandern gegangen. Dabei habe ich viel über das Naturschutzgebiet erfahren, was diese beiden Haikus inspirierte.
Hier Infos zur Waldentwicklung: *klick*

 

Harz-Haikus

I.
käfer kreisen im
künstlichem un-urwald
die bäume fallen

II.
die natur atmet
auf den gräbern der toten
wächst die waldseele

 

in den himmel hören | Der Dienstag dichtet

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und Myna Kaltschnee.

Da das Thema Abtreibung die Tage mal wieder hochgeschwemmt wurde, verarbeite ich meine Gedanken in einem Gedicht. Dabei beziehe ich keine Meinung, weil ich keine feste Meinung zu Abtreibung an sich habe. Ich glaube nicht mal, dass man pauschal Urteilen sollte, aber ich finde man sollte bei dem Thema endlich mal zuhören.

in den himmel hören

im bytefarbenen stimmenwind treibt
eine stumme wolke. regengrau, blass,
gewitterlos. ich möchte sie mit einem
lasso vom himmel holen und baue ein
wolkenfangnetz. stundenlang suche ich
im blutleeren erkalteten raum. wenn
ich sie gefangen habe, lege ich sie in die
auslage meiner eisdiele. auf dem schild
steht, was niemand hören will. gelten
lässt. in geschwungener schrift wird sie
vom weiten blau erzählen, von großen
gewitterwolken, von vögeln, flugzeugen
stürmen und flauten. von höhen und
tiefen. zu meinem wolkeneis biete ich
verständnisstreusel an und eine große
portion empathie. manchmal muss man
in den himmel hören, um zu verstehen.

dann kann ich es nicht festhalten | Der Dienstag dichtet

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Kennt ihr das, wenn ihr ein wichtiges Geheimnis hütet?

dann kann ich es nicht festhalten

dann kann ich es nicht festhalten. in mir
tobt ein sturm aus worten. sie tänzeln
über meinen magen, drehen pirouetten
in meinen darmwindungen. ein walzer
im zwergfell. ein chanson im eierstock,
rechts. der links dient als ruhestätte. ein
durchatmen, bevor es weitergeht. ein
und aus und ein und aus. sätze formen
sich in gefangenschaft, planen eine
rebellion. ausbruch. schreien sie. nein!
sage ich. vielleicht doch. ich ziehe die
luft ein, will die worte im Kern ersticken.
ich strauchle beim warum. falle. lasse
los. dann kann ich das wort eben nicht
festhalten. aber ich kann es bedichten.

und die uhr zeigt zehn nach zehn | Der Dienstag dichtet

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Ich bin nicht sonderlich gut im Warten, vor allem wenn es um etwas mir wichtiges geht. Das Gedicht ist vielleicht etwas überdramatisch, aber ich hasse es wirklich zu warten. 😉

und die uhr zeigt zehn nach zehn

und die uhr zeigt zehn nach zehn. ich
bin unwissend. im ungewissen. meine
zehen wühlen im minutensand, meine
ballen pressen stundengras platt. und
meine gedanken streifen über große
zeitenmeere. die möwe über mir lacht.
worauf ich warte? ich frage sie. ich will,
dass mir flügel wachsen, federn meinen
körper schmücken. will mich erheben
können über zeiträume und raumzeiten.
die wellen plätschern. und ich warte auf
das boot. zwei münzen habe ich dabei,
ein leben und keine geduld. es soll früher
sein, oder später, aber nicht jetzt. die
uhr zeigt fünfzehn nach zehn. es tickt.