in den himmel hören | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher

Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder
Nachtwandlerin
Lindas x Stories
La parole a été donnée à l’homme
Gedankenweberei

und Myna Kaltschnee.

Da das Thema Abtreibung die Tage mal wieder hochgeschwemmt wurde, verarbeite ich meine Gedanken in einem Gedicht. Dabei beziehe ich keine Meinung, weil ich keine feste Meinung zu Abtreibung an sich habe. Ich glaube nicht mal, dass man pauschal Urteilen sollte, aber ich finde man sollte bei dem Thema endlich mal zuhören.

in den himmel hören

im bytefarbenen stimmenwind treibt
eine stumme wolke. regengrau, blass,
gewitterlos. ich möchte sie mit einem
lasso vom himmel holen und baue ein
wolkenfangnetz. stundenlang suche ich
im blutleeren erkalteten raum. wenn
ich sie gefangen habe, lege ich sie in die
auslage meiner eisdiele. auf dem schild
steht, was niemand hören will. gelten
lässt. in geschwungener schrift wird sie
vom weiten blau erzählen, von großen
gewitterwolken, von vögeln, flugzeugen
stürmen und flauten. von höhen und
tiefen. zu meinem wolkeneis biete ich
verständnisstreusel an und eine große
portion empathie. manchmal muss man
in den himmel hören, um zu verstehen.

21 Kommentare zu „in den himmel hören | Der Dienstag dichtet

  1. Liebe Katha,
    deine Eisdiele benötigt dringend einen Eintrag bei Google Maps und generierte Werbung auf Instagram, damit so viele Menschen wie möglich Wolkeneis mit Verständnisstreuseln und einer großen Portion Empathie essen können. Einige benötigen wahrscheinlich eine XXL-Waffel davon… Ein tolles Gedicht, sowohl die Bedeutung, als auch deine Umsetzung!

    Liebe Grüße
    Alina

    Gefällt 4 Personen

  2. Heute tue ich mich schwer.
    Aufregung im Netz, eine Wolke, die stumm ist, aber vieles sagt. Kalte Worte, präsentiert wie das Angebot in einer Eisdiele. Zugaben sollen sie schmackhaft machen, sollen sie mitmenschlicher machen. So weit, so gut.
    Aber die Aufforderung, in den Himmel zu hören: wem soll sie gelten? Dem Leser oder dem Schreiber der Texte?
    Ich entscheide mich für den Schreiber: zu schnelle Urteile sollte man erst mit weitem Blick fällen.

    Gefällt 3 Personen

    1. Die Wolke steht für Frauen, die abtreiben bzw abgetrieben haben. Sie sind da, aber beachten tut sie niemand. Sie sind kalte Info und ich wünschte, die die über Abtreibung reden, würden ihnen mit Empathie zuhören. Man kann darüber reden wann menschliches Leben beginnt, aber zuerst sollte man denen zuhören, die eine Entscheidung über die Frage betrifft.
      Inspiriert hat mich ein Herr auf Twitter, der Abtreibende als Täterinnen bezeichnet hat und die Geschichte einer betroffenen Frau, die abgetrieben hat, nachdem ihr gesagt wurde, dass ihr Kind so stark behindert auf die Welt kommt, dass es leiden und nicht älter als ein paar Monate wird. Davon hat der Herr sicher noch nie gehört.

      Liken

  3. Kurze Reflexion zum Thema ‚Abtreibung‘

    „Todesstrafe“ – ein Relikt aus grauer Vorzeit? Mitnichten!
    Dem Leben willkürlich ein Ende bereiten (lassen)? Grausamer Alltag!
    Niemand tötet gerne, heißt es als Entschuldigung mit sofortigem
    Verweis auf die vielen Frauen, die das auch schon mit sich haben machen lassen.
    Der Mutterbauch als „Todeszelle“? Mein Bauch gehört mir!
    Ich kann dieses Kind nicht lieben. Wenn aus Liebe plötzlich Kalkül wird!
    Abtreibung kann niemals die Lösung der dahinter liegenden Probleme sein.
    Der Abtreibung geht immer das freiwillige oder erzwungene Einverständnis
    mit dem Tod des eigenen Kindes voraus!
    Diese Wahrheit zu relativieren, verweigert der schwangeren Frau zwangsläufig
    die Verwirklichung ihrer natürlichen Emanzipation: ihr JA zum KInd!

    Wolfgang Seitz

    Gefällt 2 Personen

  4. „manchmal muss man in den himmel hören, um zu verstehen.“ Was für ein wunderschöner Schlusssatz eines wirklich fantastisch gelungenen Gedichts. Du schaffst es, Themen in poetische Bilder zu verpacken, sodass sie einem wirklich unter die Haut gehen.

    Ich werde noch viel lernen müssen, bis meine Gedichte auch so gut sind. Aber das ist okay. Jeder fängt mal klein an, nicht wahr? 😀

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke. Da werde ich rot. 🙂 Ich glaube, bei Gedichten sind sowas wie gut und schlecht schwierig. Entweder sie sprechen einen an oder nicht. Jeder hat da seinen eigenen Stil – schau dir alleine an, wie unterschiedlich die Dienstagdichter sind.
      Mir hat dein Gedicht echt gut gefallen. Du hast ein Thea angesprochen, dass mich eben auch berührt.

      Gefällt 1 Person

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