der name | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher

Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder
Nachtwandlerin
Lindas x Stories
La parole a été donnée à l’homme
Gedankenweberei
Myna Kaltschnee
Wortverdreher
Lebensbetrunken

Das Gedicht kann am Ende positiv gelesen werden. Ich habe es für das Gedicht offen gelassen, es aber zunächst nicht so gemeint. Geschlechterrollen sind schwierig und irgendwie wünschte ich wir würden den Quatsch lassen.

der name
dass diese botschaft weggesperrt wird. ich
habe einen namen auf ein zettel geschrieben.
in der flasche aufs meer geschickt. in inneren
flammen verbrannt. wenn sie namen sagen
meinen sie konsequenzen. menschen sind
namen sind menschen. du reichst mir ein
blatt papier. klebst ihn mir auf den rücken.
wie engelsflügel reißen seine kanten ecken
in den wind. blut tropft auf seidiges gras.
nehme ich ein messer. löse es ab. es fließt
sedimentgestein. ich nehme einen meißel.
die flasche kommt zurück. der zettel fügt
sich zusammen. hier. ich schreie es hinaus
soll sie jeder hören. ich schreibe in den wind,
lasse stürme gesetze erbeben, orkane feste
muster brechen. namen haben konsequenzen.
meiner ist frau.

22 Kommentare zu „der name | Der Dienstag dichtet

  1. Sehr eindrucksvolles Gedicht… Ich kann mich den anderen nur anschließen. Sprache ist Macht und wer diese Macht missbraucht, kann andere verletzen und unterdrücken.
    Am besten, jeder Mensch darf sich den Namen in den Wind schreiben, mit dem man sich identifiziert. 🙂

    Liebe Grüße
    Alina

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  2. Ein sehr kämpferisch-aufgewühlter Text. Man spürt Deine Verzweiflung, Deinen Aufschrei und eine Art Selbstkasteiung, die dann aber umschlägt in einen Schlachtruf: der blutige Engel fegt die Normen beiseite, zerstört die Gewohnheiten und zieht die Konsequenzen: Ich frau will nur Mensch sein! und das schrei ich in die Welt.
    Starke Gedanken, liebe Katha, und geschmückt mit tollen Bildern: die Flaschenpost, die einmal um die Welt geh;, die Zettel, die Botschaften, die am mainstream Ecken einreißen sollen; die Unwetter, die über das Herrschende richten sollen.
    Donnerwetter! Viel Holz für einen Dienstag!

    Gefällt 1 Person

  3. Sehr starke Worte! Worte haben Macht, dummerweise kann man sie in alle Richtungen verwenden, um jemanden festzunageln oder um ihn aus den Angeln zu heben. Ich hätte gern in der Schule einen Debattierclub besucht, um den Wortgewaltigen besser begegnen zu können. Wenn ich so überlege… heute wäre das auch nicht schlecht.

    Gefällt 1 Person

    1. Im Philosophiestudium habe ich das gelernt, nur um festzustellen, dass Philosophen kaum einer versteht, weil sie ihre eigene Sprache haben. Sprache wird auch zum Ausschließen genutzt, nur wenn man mit anderen reden will, muss man die gleiche Sprache sprechen.
      Sry ich schweife heute ab. 😅 Danke.

      Gefällt 1 Person

  4. Danke Katharina.
    Sprache schafft Bewusstsein und unser Bewusstsein unsere Sprache.
    Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
    Und, wenn über eine lange Zeit hinweg Frauen nicht als Frauen angesprochen wurden, sondern als Frau von … dem oder jenem, dann hat sich eben auch eingeprägt, dass Frau nichts ist ohne Mann – ein Anhängsel bloß – nützlich zu diesem oder jenem – und letztlich Besitz!
    Liebe Grüße
    Judith

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  5. Wow, Katharina, du sprichst mir damit wirklich aus der Seele. Das Thema Geschlechterrollen beschäftigt mich seit einigen Jahren. Vor allem, weil ich in keine wirklich reinpasse. Es ist wichtig, Grenzen zu sprengen und zu zeigen: Ich bin ein eigenständiges Individuum, unabhängig davon, ob ich weibliche oder männliche Geschlechtsmerkmale habe.

    Ganz liebe Grüße
    Myna

    Gefällt 1 Person

  6. Oh wow. Da hast du wieder einmal etwas geschaffen, dass sich nur mit den Worten „gewaltig“ und „eindrucksvoll“ bezeichnen lässt. Ich habe es gerade schon mehrmals gelesen, aber ich will es immer noch- und nochmal lesen. Vielen Dank für dieses Gedicht, Katharina! Es ist was ganz Besonderes.

    Gefällt 1 Person

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