es ist | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich war seit langem mal wieder in der Innenstadt und das war mein Eindruck nur sehr abstrakt ausgedrückt. Da es einfach nur ein plötzliches Gefühl war, kann ich es nichtmal erklären.

es ist
es ist, als würde das melatonin der nacht
in die trüben augen des tages tropfen. als
würde unsere zirbeldrüsen in den füßen
sitzen. ich gehe durch volle straßen, an
morgenfalten vorbei und geschwollenen
augen. adenosinwolken verdecken die
sonne, den mond und unseren verstand.
ich will dopamin wie blumen verteilen
doch schenke nur rosen ohne wasser und
farbe. wann sind die menschen so egal.
wann so unverkettet geworden. morgen
werde ich die moleküle wecken und die
hormone wie kissen ausschütteln. damit
wenigstens mein raum nicht immerzu
carpe noctem brüllt.

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orange | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Am 4. März ist Tag der Snacks! Schreibe deinem liebsten Snack zu Ehren einen Liebesbrief.

Vielleicht ist das nicht ganz ernst gemeint. 😉

orange

geliebte,
konisch liegst du da. orange mit grünen enden. leuchtend.
du rufst mir zu, bohrst dich in meinen sehnerv.
reißt mich in andere welten.
ich höre das knacken, rieche die frische, die süße, das unvergleichbare. 
ich entferne deine haut und schneide dich in streifen.
an manchen tagen genieße ich deine rohe form, deinen urgeschmack.
an anderen ummantele ich deine perfekten streifen mit quark, hummus, frischkäse.
erweitere deine aromen.
ist deine existenz in meine übergegangen,
falle ich befriedigt zurück in den alltag.

Die Strickjacke | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 8 + 9 beinhaltet die Worte „Strickjacke, trügerisch, entdecken“, gesponsert von wortgeflumselkritzelkram.

Die Strickjacke

Sie öffnete die Türen vom Kleiderschrank. Alles war sortiert nach Zweck und Farbe, doch die Ordnung war trügerisch. Schon vor Jahren hatte sie den Überblick verloren, was sich in ihrem Kleiderschrank befand. Heute musste sie endlich aufräumen. Ihr blieb sonst nichts mehr zu tun.

Sie begann bei den Shirts, arbeitete sich durch die Pullover, probierte Hosen an und fand mehr Löcher als ihr zuzugeben lieb war. Der Stapel der aussortierten Kleidungsstücke wurde immer größer. Gerne hätte sie mehr in die Kleiderspende gegeben, aber sie trug Kleidung bis sie nicht mehr tragbar war und manchmal noch darüber hinaus. Es fiel ihr schwer sich von liebgewonnen Sachen zu trennen und so hingen in ihrem Schrank ein Duzend Schlafshirts, Malerklamotten und Kleidung, an die sie sich nicht einmal mehr erinnerte.

Weiterlesen „Die Strickjacke | abc.etüden“

ein stiller wind | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr weiter unten.

Kleiner Kontrast zu letzter Woche. Ich habe jetzt erst ein paar Tage Urlaub, dann Mutterschutz. Eben bin ich mit diesem eigenartigen Gefühl aufgewacht und habe cappuccinoschlürfend diese Zeilen geschrieben.

ein stiller wind
ein stiller wind weht durch den
mentalen terminkalender. treibt
kniehohe staubballen durch die
gehirnwindungen. hier und da.
ein blitz zuckt durch snypasen.
eine wolke zieht auf. sanfter regen
benetzt prozesse. es fließt. wenn
die sonne scheint ist sie präsent.
strahlen werden durch rinden
getrieben, in kammern verteilt.
ein stiller wind kommt vor dem
sturm. vorher lerne ich fliegen.

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dein fenster ist eine wand | Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu einem oder beiden vorgeschlagenen Bildern zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder findet ihr hier: *KLICK*

Der Monat war krass, daher habe ich mir nur ein Bild ausgesucht – das Fenster. Ich habe mich gefragt, wer dort wohl wohnt und mir ist aufgefallen, dass es viele Menschen sind, die genauso ein Fenster jeden Tag sehen.

dein fenster ist eine wand

rechts ein vorhang. deine lider fest
verschlossen. rational siehst du kein
ende. unerreichbar, die rutschpartie
über dächer. ziegel segeln hinab. du
siehst nur schemen deines eigenen
raums. hier eine blume, vertrocknet,
eine schale, etwas das einmal deiner
großmutter gehört hat. du siehst den
erker, spürst seine begrenzende tiefe
nicht. den himmel fühlst du. meistens
bewölkt. wenn du aufstehst, wirst du
feststellen: dein fenster ist eine wand.

Liebe Zahnfee, lieber Zahnfee(rich?) | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Am 28. Februar ist Tag der Zahnfee! Schreibe ihr zu Ehren einen Brief.

Liebe Zahnfee, lieber Zahnfee(rich?),

ich bin Tobias und bin sechs Jahre alt. Mama meint, ich soll dir schreiben, weil ich habe da ein paar Fragen zu dir und deinem Geschäft. Ach so, ich schreibe nicht wirklich, Mama schreibt, aber ich sage ihr, was sie schreiben soll.

Also meine erste Frage ist, ob du männlich oder weiblich bist. Laut den Bildern trägst du ein Kleidchen und lange Haar, aber das trägt Claudios Papa auch, zumindest am Wochenende. Nur damit ich weiß, wie ich dich ansprechen soll, wenn ich nochmal schreiben muss.

Nun die echten Fragen:

  1. Woher hast du das ganze Geld, das du unter die Kopfkissen legst? Hast du einfach so viel Geld oder verdienst du es dir mit einem Nebenberuf oder so? Papa meint, Geld würde man nur kriegen, wenn man arbeitet oder erbt. Hast du vielleicht was geerbt?
  2. Verkaufst du unsere Zähne? Das würde die erste Frage auch beantworten.
  3. Und wenn nicht? Was machst du damit. Justin hat behauptet, du würdest daraus einen Palast bauen, aber das klingt unsinnig. Wie groß soll schon so ein Palast für eine kleine Fee sein? Baust du vielleicht eine ganze Stadt?
  4. Wie kannst du so schnell so viele Zähne sammeln? Mama meint du sammelst überall auf der Welt in jeder Nacht, aber zu Oma alleine fahren wir schon vier Stunden. Wie geht das also? Darfst du den Schlitten vom Weihnachtsmann nutzen?
  5. Sag mal, machst du auch mal Urlaub? Wer ist dann deine Vertretung?
  6. Warum kriegen nur Kinder Geld für ihre Zähne? Erwachsene verlieren die auch. Die Oma von Kai hat nur noch ganz wenige.

Ok, das war‘s. Wäre toll, wenn du alle Fragen beantworten kannst.

Danke.

Grüße, Tobi

Das ist übergriffig! | Schwangere Gedanken

Hier findet ihr die vorangegangenen Teile: Schwangere Gedanken

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Das ist übergriffig!

Kennt ihr den Sketch von Karoline Kebekus, in dem sie schwanger einen Spaziergang macht und angetascht wird. Nein? Ist ein Pflichtvideo für alle, die schon mal den Wunsch verspürt haben ungefragt einen Schwangerschaftsbauch zu berühren, der nicht ihr eigener ist.

„Kann ich mal anfassen?“ „Nein.“ „Wieso nicht?“

Weil ich das nicht möchte! Wieso wird von Schwangeren erwartet, dass sie es in Ordnung finden, wenn Fremde ihnen an den Bauch fassen? Ich finde das schon bei Freunden eher komplex. Man darf mich gerne Kaktus nennen, aber ich werde ungerne einfach so angefasst und schon gar nicht in der Körpermitte. Das war schon immer meine Safety Zone und gerade habe ich sie mit extra viel Stacheldraht umspannt, weil der Bauch ungewohnt ist und da reift Leben drinnen, dass es zu beschützen gilt. Sicherlich greifen dort irgendwelche natürlichen Instinkte. Nicht nur emotional ist es verständlich den Schwangerschaftsbauch schützen zu wollen, sondern auch logisch. So ein Schwangerschaftsbauch ist empfindlich. Die Haut dehnt sich, das darunter auch. Je nachdem wie fest man da „draufpatscht“, kann das sehr unangenehm werden.

Weiterlesen „Das ist übergriffig! | Schwangere Gedanken“

durch eine poströhre | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, habe ich den Dienstag zum Gedichtetag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher:

Stachelbeermond
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Findevogel
Berlin Autor
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Wortverdreher
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Traumspruch
Red Skies over Paradise

und Your mind is your only limit

Krasse Zeit gerade. Ich arbeite nur noch diese Woche, dann ein paar Tage Resturlaub und im Anschluss Mutterschutz. Dh. schnell noch alle Projekte beenden, parallel dazu Geburtsvorbereitung, Zimmer einrichten, Kinderkriegbürokratie erledigen, ich habe eben erst mit Investment begonnen und blicke kaum durch plus jetzt auch noch das Ding mit dem Vertreten und nicht richtig Laufen können…achja und Schwangersein ist da auch noch irgendwo und der ganze verrückte Rest, wie der Literaturpreis…mein Kopf ist turbulent, mein Gedicht auch.

durch eine poströhre

durch eine poströhre. dort entlang.
hier. ein schmerzreflex rast ins
postfach. falsche adresse. richtiger
adressat. still. brüllt der spam und
ruhe. die kettenbriefe. ich hangle
mich an der briefmarke entlang.
seidige zacken schneiden tief ins
fleisch. neues papier. energie. du
sendest mir rauchsignale. wir sind
eins. aber die post ist nur meine.
heute sende ich den passierschein
a38 und schlucke b12. das gleicht
den blutverlust aus. ping. post.