Verkopftes Elfchen | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Das Kind hat Kindergartenseuche mitgebracht, ist aber wieder fit. Ich nicht so. Außerdem ist viel los.

Verkopftes Elfchen

kopfgebrummle
tiktoktik toktiktok
zermartert und gemartert
stolpert es im hinterstübchen
paracetamolhoffnung

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und die ganze welt ist berauscht | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

und die ganze welt ist berauscht

und die ganze welt ist berauscht. nicht von
ihrer schönheit, von verstand, kühnen ideen
und gedanken. fröhlich tanzen die destilate
im takt der kohlesäurebläschen. feiern mit den ethanolen. auf keinen fall unterkriegen lassen. singen sollen sie. ein bisschen spaß muss sein. im beat der angezählten jahre lacht sogar das
cytotoxin. selbstverantwortung, fordern die
unruhigen geister. hilfe, flüstern ihre kinder.

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Sonnenurlaub | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Die Sonne ist weg. Wie sieht das Leben auf der Erde nun aus?

Sonnenurlaub

Alles umwebende Kälte. Eiskristalle reihen sich an Eiskristalle. Die Luft ist so klar, dass jeder der hindurchsieht erfriert. Ich sitze hier unten und sehe dem Wachsen des Eises zu. Schicht um Schicht dringt es in die Erde ein. Jeden Tag kommt es ein paar Zentimeter näher und wir fliehen tiefer und tiefer in die Erde hinein, bis wir ihren Kern erreichen oder uns die Luft zum Atmen ausgeht. Es ist beklemmend und hoffnungslos und trotzdem ist da dieser eine Funke: Was wenn sie wieder aufgeht?

Als die Sonne das letzte Mal unterging, habe ich das nur bemerkt, weil ich das Licht anschalten musste. Ich ging ins Bett, in der Erwartung, dass die Sonne wieder aufgeht und ich im Sonnenschein zur Arbeit gehe. Dreißig Grad waren angesagt und ich habe gedanklich aufgestöhnt, da ich die Hitze nicht gut vertrage. Als mein Wecker um acht Uhr klingelte, wachte ich frierend auf. Es war stockduster und ich irritiert. In den Nachrichten sagten sie, dass die Sonne verschwunden war. Man sah sie von keinem Punkt der Erde aus. Das Chaos setzte in den nächsten Stunden ein. Und nun sind wir hier, unter der Erde. Eine Handvoll Menschen, die nach Wärme und Licht suchen.

Niemand weiß, was passiert ist. Vielleicht hatte uns die Sonne einfach satt. Vielleicht brauchte sie einen Ortswechsel und hat Pflichtvergessen eine Reise in eine andere Galaxie gewagt. Ich weiß nicht wie das Weltall funktioniert, aber ich hoffe, dass sie irgendwo anders eine Welt gefunden hat, die es Spaß macht zu bescheinen, mit Menschen, die ihre Wärme zu schätzen wissen.

verschmiert | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

verschmiert

am ende glänzt die unehrliche haut in
goldenem schimmer. du schießt dein
makeup point blank. deine wimpern
spitz wie pfeile. dein mund riecht
verbrannt durch das feuerrot. plastik,
alu, acryl. ich rutsche auf deiner glatten oberfläche aus. hinter einem schleier
weht an kühlen tagen eine feine nuance
wahrheit. verschmiert.

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zeitrumgestrudele | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Sind gerade bei der Eingewöhnung in der Krippe. Zum einen habe ich keine Zeit deswegen und zum anderen frage ich mich, wo die letzten 16 Monate hin sind.

zeitrumgestrudele
zwischen minutensekunden
und jahrtagen. ich
eile durch die vergänglichkeit
wohingenau

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Baby-Zeichensprache | Mama-Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen.
Hier findet ihr alle Texte zu dem Thema: *Klick*

So, ihr kennt das: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Da Kinder erst so mit ein bis anderthalb Jahren anfangen zu reden und es mitunter noch einige Zeit dauert, bis man sie auch versteht, dachte ich mir ich probiere Baby-Zeichensprache aus. Es gibt einige Zeichen, sechs fand ich sinnvoll und habe mit Little J‘s sechsmonatigem Erdenbestehen angefangen, sie ihm vorzumachen. Hat es geklappt? Ja, aber irgendwie anders als gedacht.

Wie Baby-Zeichensprache funktioniert

Erstmal ist Babyzeichensprache einfach Gebärdensprache. Die ist aber nicht ganz einheitlich in jedem Land und daher können die Zeichen je nach Quelle unterschiedlich aussehen. Ich habe die amerikanischen Zeichen gewählt, einfach, weil ich da eine gute Grafik zu gefunden habe. Die Theorie lautet, dass wenn man bei der Aktion und dem Wort für die Aktion diese Gebärde macht, dass das Kind diese Gebärde auch irgendwann nachmacht.

Das Problem dabei

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Wenn ich groß bin | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Hatte mal Lust auf ein kleines sprachliches Experiment. 🙂

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Wenn ich groß bin, werde ich… “ beginnt.

Wenn ich groß bin

„Wenn ich groß bin, werde ich glücklich“, sagte er, als er vier Jahre alt war.

„Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann“, sagte er mit fünf Jahren, nachdem das Nachbarshaus gebrannt hatte.

„Wenn ich groß bin, werde ich Tierarzt“, beschloss er mit acht Jahren, als er das erste Mal mit in der Tierklinik war.

„Wenn ich groß bin, werde ich Astronaut“, sagte er schluchzend, nachdem ein halbes Jahr später sein Hund eingeschläfert werden musste.

„Wenn ich groß bin, werde ich Lehrer“, sagte er mit zehn, als er auf der Riesenrutsche feststellte, dass er Höhenangst hatte.

„Wenn ich groß bin, werde ich auf keinen Fall Lehrer“, sagte er als die Pubertät einsetzte.

„Wenn ich groß bin, werde ich auf keinen Fall wie meine Eltern“, schrie er als er sich mitten in der Pubertät befand.

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schweigen im wald | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

schweigen im wald

wie das schweigen im walde. unsere
vöglein zwitschern nur in einsamen
räumen. die baumkronen gesenkt
wanken wir durch türen hinaus. und
die blättern fallen. jeden moment ein
einzelnes. … macht es, wenn es auf
den boden trifft. im walde schweigt
es. in unseren verbohrten rinden auch.

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