kalt | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Es gibt einen neuen Dienstagsdichter. Willkommen in der Runde piri von „Voller Worte“!

kalt
ich wandle durch einen unbeheizten
leeren raum. aus einem wald voller
vogelgezwitschern und grüner bäume
komme ich. von einem strand erfüllt
von meeresrauschen und kinderlachen.
aus einer stadt voller leben und schneller
heiterkeit. hier ist es hauptsächlich leer.
und leise. und unbeschreiblich kalt.

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darüber hinaus | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Kollege von mir ist mit Herzinfarkt letzte Woche an der Arbeit zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden. Bisher scheint alles wieder ok zu sein, zum Glück, aber es lässt mich nachdenken…

darüber hinaus

ein und ausatmen und weg. ich hole tief
luft. bis ich es nicht mehr kann. renne so
weit mich mein beine tragen. bis sie aus
porzellan geworden zerbrechen. stemme die
größten gewichte. kiloweise. bis mich eine
herangeflogene feder zu boden wirft. ich
rede, glaube, denke, hoffe, fantasiere. bis ein
impuls in meinem nervenbahnen einen
kurzschluss verursacht. ich liebe noch weit
darüber hinaus.

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wie du | DerDienstagdichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

wie du

wie sich deine kleine unterlippe nach vorne schiebt, deine oberlippe überholt und mir zeigt, dass etwas aber so gar nicht ok ist
wie du au sagst, wenn ich au sage und du dir die gleiche stelle festhälst, die mir weh tut, als würdest du meine schmerzen spüren
wie du aufgeregt zu mir läufst und meinen zeigefinger in deine kleine hand nimmst, um mir etwas zu zeigen, aber auf dem weg vergisst, was es war und etwas anderes spannend wird
wie du plötzlich anfängst zu weinen, bei etwas, was vor einer minute noch okay war und du überfordert auf meinen schoß kletterst
wie du auf dem weg ins bett, deinen kleinen kopf auf meine schulter bettest und mir warm in den nacken atmest
wie du mich angrinst, wenn ich dir sage, dass du deinen trinkbecher auf den tisch stellen sollst und ihn dann hinter dir fallen lässt
wie du mama sagst, wenn papa dich ins bett bringt und ich den raum verlassen will
wie du dich an mich kuschelst, wenn du einen albtraum hattest und deine gefühlt zwanzig arme und beine um mich schlingst
wie du mich manchmal einfach beobachtest und wenn ich dich dann anlächle, zu mir kommst und mich umarmst

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sind sie einmal hier | Der Dienstag dichtet

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sind sie einmal hier
sind sie einmal hier. durch meinen
kopf weht ein wind. böe um böe rufe
ich deinen namen. schreibe meinen in
den wind. ein blauer stift in roter farbe.
und die bäume biegen sich. ein sturm.
manchmal sind meine ängste lauter
als deine windstillenden worte.

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da ze br | Der Dienstag dichtet

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da ze br
da ze br. mamamama. da ba hn. lautes
rufen, leises wispern. die zunge tanzt
pirouetten in kleinem mund, um lautketten
und klangkopien. unaufhaltsam bahnen
sich töne durch den raum. manche prallen
ab, andere bleiben. ein zufallstreffer. vor
zurück dazwischen. mein blick hängt an
deinen lippen. ich küsse deine stimme.

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statt frau | Der Dienstag dichtet

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Wir haben Zuwachs. Willkommen bei den Dienstagsdichter, Robert von „Lyrik trifft Poesie“!

statt frau
aber du bist doch eine? fragen sie, wenn ich bei
meinem namen zucke. bei den zuschreibungen,
die sie machen. wenn sie frau sagen, meinen sie
interessen, verhalten, bilder. aber ich bin anders
gemalt. sie sollten mich leinwand nennen statt
frau.

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freies blut | Der Dienstag dichtet

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freies blut

in mir, aus mir. mit mir. ich wische mein
blut auf. verstecke heimlich die tropfen
in meiner tasche. es ist die zeit im monat.
ja ja die hormone. kreise sie im kalender
ein. kartiert, kontrolliert, dann weggepackt.
eine gesellschaft in angst vor ein paar
tropfen blut. vielleicht sollten wir die hosen
runterlassen. die straßen fluten und die
abgeschlossenen badezimmer niederbrennen.
doch dann wären wir natur. dann wären wir
sichtbar. nicht das blut ist ekelhaft, sondern
die freiheit.

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und dann brezele ich mich auf | Der Dienstag dichtet

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und dann brezele ich mich auf

und dann brezele ich mich auf. nehme
mir ein muffintop, eine plunderhose.
ziehe marzipanschuhe an und setze
den schokoladenhut auf. mögen meine
speckrollen deine urteile niederwalzen,
meine reiterhosen dich niedertrampeln.
versinken wirst du, in den tiefen beulen
meiner cellulite. mein fettanteil wird deine
skalen sprengen und meine masse dich
wie ein schwarzes loch zermalmen. habe
ich mitleid mit dir? nein. denn ich bin nicht
die ursache. die habe ich eben beseitigt.

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Krankes Elfchen, again | Der Dienstag dichtet

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Anscheinend versuche ich gerade einen Weltrekord im hintereinander-Kranksein zu brechen.

virenschwarm
durch bazillenluftzüge
mit bettbezügen tanzen
ich wühle im imunsystem
ausverkauft

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ist hier | Der Dienstag dichtet

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ist hier

ist hier. wir wuchern über baumstädte.
in wohnhöhlen, nesthäuser hinein.
übernehmen wege, brücken. wachsen
bis in die entlegensten ecken der
natürlichen. mensch holt sich. bis sich
natur zurückholt. wann. vermutlich
gerade. ohne dass sie etwas merken.

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