Die Künstlerin | abc.etüden 36+37

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Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 36+37 beinhaltet die Worte „Verzweiflungstat“, „ambivalent“ und „hingeben“, gesponsort vom Etüdenerfinder Ludwig Zeidler.

So wie die Dame in der Geschichte fühle ich mich jedes Mal, wenn ich eine Geschichte oder ein Gedicht auf den letzten Drücker schreibe und scheiße finde. Wenn ich es dann veröffentliche, sind das meist die beliebtesten Texte von mir. Vielleicht schwingt auch eine kleine Kritik am Kunstbetrieb mit, aber nur vielleicht. 😉

Die Künstlerin

Sie schwang  den Pinsel hin und her und hin und her. Dann verharrte sie einen Augenblick und versank in einer kreisenden Bewegung. Sie stellte sich vor, wie die kleinsten Partikel  miteinander spielten, wie sie Vereinigungen schlossen, nur um sich dann wieder zu trennen. Die Farbe durchlief ambivalente Zustände, gleichzeitig flüssig und fest, hell und dunkel, körnig und weich. Widersprüche ergänzten sich, lösten sich auf. Während eine Spur Gold in einen Berg Grün floss, kümmerte sie sich um ein Tal Rot. Sie atmete tief durch. Ein und aus. Volle Konzentration. Sie hatte beschlossen, sich diesem Prozess ganz hinzugeben, denn nur so konnte sie das Ergebnis erzielen, das man von ihr erwartete. Weiterlesen „Die Künstlerin | abc.etüden 36+37“

Henry 4 | Etüdensommer

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Es ist Etüdensommerpausenintermezzo-Zeit. Aufgabe ist es eine Etüde weiterzuerzählen, mit dem Satz beginnend: Am nächsten Tag war alles anders.

Auftritt Nummer 4 für Henry. Hier eine kurze Zusammenfassung der vorhergehenden Teile:

  1. „Henry wartet“ : Henry wartet bis sein neuer Diener aufersteht: Etienne.
  2. „Henry 2“: Etienne ist ein Tyrann und nutzt Henrys Verliebtheit aus. Henry schafft es letztendlich mit Liebeschnulzen ihn äh loszuwerden.
  3. „Nachts im Park“: Henry macht sich auf die Jagd nach einem neuen Diener: Luise.

Am nächsten Tag war alles anders…hoffte Henry. Er saß wieder vor einem frischen Grab und wartete auf seinen ersten weiblichen Diener. Der Nachteil an Damen war allerdings, dass sie ewig brauchten. Henry biss in sein Bloonty – einem Bounty-Riegel, bei dem er den Kokoskern gegen Blut getauscht hatte. Sein Dritter. Er saß hier schon eine ganze Weile und nun begann es auch noch zu regnen.

Tatsächlich dauerte es bis kurz vor Sonnenaufgang bis Luise sich endlich bemühte aufzuerstehen. Wenigstens hatte er mittlerweile einen Namen für sie gefunden: Wilhelmine. Von Friedrich Wilhelm, einem der Herrscher die Sanssouci gestaltet hatte oder so. Er hatte die Tafel nur flüchtig gelesen. Menschengeschichte langweilte ihn. Beim meisten war er live dabei gewesen und es war weniger spektakulär gewesen, als Geschichtsbücher einen glauben lassen wollten. Weiterlesen „Henry 4 | Etüdensommer“

Henry II | Etüdensommer

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Es ist Etüdensommerpausenintermezzo-Zeit. Aufgabe ist es eine Etüde weiterzuerzählen, mit dem Satz beginnend: Am nächsten Tag war alles anders.

Ich fand „Henry wartet“ weder besonders gut noch schlecht, aber mein Hauptcharakter hat mir irgendwie gefallen und ich wollte ihm mehr Raum geben sich zu entfalten.
Ps: Ich dachte nie, dass ich mal eine Vampirromanze schreibe. Ich bin irgendwie entsetzt von mir, andererseits ist es auch eher meine Art eine Romanze zu erzählen…

Am nächsten Tag war alles anders. Etienne hieß noch immer Etienne und war gar nicht der schüchterne Junge den Henry von Weitem ausgemacht hatte. Seine Arroganz war Henry zum Verhängnis geworden. Statt jemanden zu haben, der ihm alle Wünsche erfüllt, war er es, der bediente. Etienne war geschickt darin, ihn um den Finger zu wickeln. Ob mit gespielter Ungeschicklichkeit oder seinem zauberhaften Lächeln. Henry konnte nicht Nein sagen. Auch Wochen später nicht.

Henrys Leben war auf den Kopf gestellt. Der einst so selbstbewusste Mann war ein besserer Diener. 700 Jahre Lebenserfahrung dahin. Henry biss sich vor Wut in die Lippe und schnappte sich schnell ein Geschirrtuch. Als Vampir ist sowas eine doofe Idee. In den Tisch beißen auch.

„Wo bleibt denn mein Abendcocktail?“

Etienne machte es sich mit einem Buch vor dem Kamin gemütlich, als ihm Henry immer noch mit einem Küchentuch vor dem Mund seinen Abendschmaus servierte. Weiterlesen „Henry II | Etüdensommer“

Lieblingsetüde | abc.etüden

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Diesen Monat gibt es eine kleines Special und zwar rebloggen wir unsere Lieblingsetüde(n).

So eine wirkliche Lieblingsetüde habe ich nicht. Ich mag einige Texte mehr als andere aus unterschiedlichen Gründen. Also habe ich mich für eine Etüde entschieden, die ziemlich aus der Reihe springt und habe ein paar Auszüge nochmal neu „inszeniert“.

Die vollständige Etüde findet ihr hier: „Allein/einsam“ | Extraetüden.

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Sternschnuppenwunsch | abc.etüden 28+29

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Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 28+29 beinhaltet die Worte „Füße“, „harmonisch“ und „wünschen“, gesponsort von kopfundgestalt.

Ich muss bei Füßen immer ans Tanzen denken.

Der Sternschnuppenwunsch

Magda wünschte sich tanzen zu können, wie die Frauen aus alten Filmen. Sie flogen so leicht und grazil übers Parkett. Aber Magda wusste, dass sie das niemals können würde. Sie war 185cm groß und grazil wie das erstbeste Nilpferd in Afrika. Außerdem war sie viel zu schüchtern.

An einem Samstag, sie war auf dem Weg in die Disko, sah sie eine Sternschnuppe am Himmel und wünscht sich, wenigstens für eine Nacht tanzen zu können. Magda wurde schwarz vor Augen. Plötzlich fühlte sie sich so leicht und beschwingt. Gleich probierte sie einige Tanzschritte aus und wirklich, es ging, es fühlte sich richtig an.

Diese Nacht würde sie nicht am Rand stehen. Weiterlesen „Sternschnuppenwunsch | abc.etüden 28+29“

Operation Froschkönig | Extraetüden

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Diesen Monat gibt es eine Extraetüde, d.h. man muss 5 Worte in 500 Wörter unterbringen. Aus folgenden 6 Wörtern kann gewählt werden: „Froschkönig“, „trüb“, „helfen“, „Abweichung“, „unabwendbar“ und „verengen“.

Ich bin mir nicht einmal sicher, wie diese Geschichte zustande gekommen ist. Ich hatte keinen Hunger in der Mittagspause und keine Lust zu lesen…

 

Operation Froschkönig

„Der Froschkönig ist am Brunnen.“

PJ konnte von seinem Posten den Ballsaal und die angrenzenden Räume überwachen. Gleichzeitig war er versteckt genug, um nicht entdeckt zu werden. Er beobachtete seine Kollegen. Eine kleine Abweichung und ihr Plan wäre nicht mehr umsetzbar.

„Der Prinz rollt die Kugel.“

„Die Märchenprinzessin fängt die Kugel.“

Zu dem Mann im Sakko, den PJ seit zwei Stunden beobachtete, gesellte sich eine aufreizend gekleidete Frau – die Märchenprinzessin, MJ genannt. Offensichtlich verwickelte MJ den Mann im Sakko in ein Gespräch, als ein Kellner den Raum betrat – der Prinz, JD genannt. Er stolperte und leerte ein Glas Sekt über den Mann im Sakko.

MJ tat zunächst erschrocken, dann begann sie dem Mann zu helfen sein Sakko auszuziehen. JD eilte derweil davon, um Tücher zu holen, wie er behauptete und schließlich verschwand MJ, um selbst Tücher zu holen, da Kellnern nicht zu trauen war. Weiterlesen „Operation Froschkönig | Extraetüden“

Das falsche Königreich | abc.etüden 25+26

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Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 25+26 beinhaltet die Worte „Froschkönig“, „trüb“ und „helfen“, gesponsort von viola-et-cetera.

Eigentlich wollte ich kein Märchen schreiben, aber dann überkam es mich doch. 😉

Das falsche Königreich

Der Froschkönig war überrascht, als er einen dicken Schmatzer auf sein Froschmaul bekam. Er schüttelte sich und im nächsten Moment landete er hart auf dem Boden. Als er an sich hinunter sah, erschrak er. Was war denn das? Lange weiße dürre Beine? Wo waren seine schönen Froschschenkel hin?

„Ein Prinz!“ schrie die Prinzessin.

„Quak!“ schrie der Froschkönig und schlug sich die Hände vor den Mund, als er eine fremde Stimme aus seinem Maul sprechen hörte.

Ungelenk stand er auf und wollte in seinen Brunnen zurück, doch er war zu groß. Frustriert schaute er nach unten und erspähte sein Spiegelbild im trüben Wasser. Wie Schuppen fiel es ihm von den Augen oder besser gesagt wie Froschhaut. Er war einmal ein Prinz gewesen, ein arroganter Egoist, den eine Zauberin in einen Frosch verwandelt hatte. Weiterlesen „Das falsche Königreich | abc.etüden 25+26“

Animalisch | abc.etüden 23+24

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Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23+24 beinhaltet die Worte „Abweichung“, „unabwendbar“ und „verengen“, gesponsort von Werner Kastens.

Ich bin kein MMA-Fan, aber manchmal sehe ich es ganz gerne. Einige Kämpfe schockieren mich. Das hier ist die Verarbeitung von einem, den ich besonders heftig fand.

Animalisch

Der Gong ertönte, dann herrschte gebannte Stille. Die Augen seines Gegners verengten sich und er ging in Bereitschaft. Er selbst ließ sich noch Zeit. Damit zeigte er seinem Gegner, dass er ihn nicht ernst nahm. Bewusst langsam hob er die Arme, spannte seine Muskeln an. Sein Sieg war unabwendbar.

Sie tänzelten umeinander, ohne dass einer in den ersten zehn Sekunden angriff. Eine Ewigkeit im Oktagon. Er hatte Zeit. Sein Gegner funkelte kurz mit den Augen, gleich würde er links zuschlagen, wie er es immer tat. Weiterlesen „Animalisch | abc.etüden 23+24“

Sein einfachster Fall | abc.etüden 20+21

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 21+22 beinhaltet die Worte „Malkasten“, „gleitend“ und „torpedieren“, gesponsort von Team dergl.

Ich wollte mal einen Krimi schreiben, da ich das aber noch nie gemacht habe und die 300 Wörtergrenze für das Vorhaben zu mutig war, kam irgendwie ein vollkommen skurriler Text raus. Ich mag ihn irgendwie trotzdem, auch wenn er recht abgehakt und antiklimaktisch ist.

Sein einfachster Fall

„Mit einem Pinsel? Wollen sie mich verarschen?“

„Nein, Herr Kommissar. Der Malkasten lag noch daneben.“ Der Praktikant schwitzte.

„War nicht die Todesursache, sieht aber spektakulär aus, wie der so in seinem Schädel steckt.“

Hinter Kommissar Wagner trat die Gerichtsmedizinerin. „Da hat wohl einer den Batman-Film zu oft gesehen. Gestorben ist er vermutlich durch das gewaltvolle Einflößen von Pinselreiniger. Das Loch für den Pinsel hat der Mörder wohl mit etwas Spitzem vorgebohrt und dann den Pinsel reingesteckt. Ich hoffe, nachdem unser Opfer tot war. Näheres dann nach meiner Untersuchung.“ Weiterlesen „Sein einfachster Fall | abc.etüden 20+21“

Vergangenheitsaugen | abc.etüden 19+20

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Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 19+20 beinhaltet die Worte „Katzenauge“, „kurios“ und „balancieren“, gesponsort von mir.

Ich habe kürzlich für einen Artikel zum Thema Karrierewechsel recherchiert. Viele Wechsel haben sich einfach so ergeben, andere mussten erst ihre Perspektive wechseln. Ich glaube es würde vielen Menschen gut tun, ihr heutiges Leben aus Vergangenheitsaugen zu betrachten. Das hat mich zu diesem kleinen Text inspiriert.

Vergangenheitsaugen

Der Arzt sagte Karl, er hätte Burn-Out, aber Karl glaubte nicht daran. Die Symptome fand er kurios nicht beunruhigend. Er war erst 29 Jahre alt und sein Leben lief gut. Ihm war einfach etwas schwindelig und die Luft fühlte sich manchmal schwerer. Also arbeitet er bis er gar keine Luft mehr bekam.

Als er zum zweiten Mal von der Arbeit mit dem Krankenwagen abgeholt wurde, bat ihn sein Chef sich um seine Gesundheit zu kümmern. Karl nahm sich den Urlaub, den er seit zwei Jahren gesammelt hatte und beschloss seine Eltern endlich zu besuchen. Weiterlesen „Vergangenheitsaugen | abc.etüden 19+20“