lesezeichen | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

lesezeichen

mein buch. gestern. ich lese
einhundert, zweihundert seiten
und komme doch nicht voran.
mittig. meine augen schwimmen
in buchstabensuppe. meine finger
fahren zeilenachterbahn. kapitel
für kapitel entblättere ich mit dir.
bis der einband risse zeigt. heute.
in meinem buch ist platz für ein
lesezeichen.

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weil meine linien | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

weil meine linien

weil meine linien vollgeschrieben
sind. ich fange ein neues blatt an.
ein stück weiß ist frei. zwischen
den gitterstäben. tag, monat, jahr.
ich schreibe gegen die zeit. kritzele
kreise, kästchen, unterstriche, um
ihr bedeutung zu verleihen. das blaue
lesezeichen hängt im gestern. gerade
atme ich nur beim umblättern auf.

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wie rennpferde | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

wie rennpferde

wie rennpferde. meine gedanken rasen die
synapsenbahnen entlang. einer überholt
den anderen. die menge gröhlt. unter dem
hufgetrappel hört man die lahmen nicht mehr.
durch den staub sind die weißen grau und die
schwarzen unsichtbar. ich ziehe an den zügeln
doch die reißleine ist zu kurz. ein wiehern und
ein schuss verkünden das vorzeitige ende.
neue pferde müssen her. neue reiter. auf den
gleichen bahnen. wenn morgen nur noch die
ausgefallenen hüte auf den rängen liegen. lass
mich nur in ruhe die toten pferde zählen.

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gallierdenkweise | Der Dienstag dichtet

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Ggf etwas überdramatisch, aber weil meine Lunge noch komische Geräusche macht, soll ich noch eine Woche daheim bleiben. Immerhin ist die Quarantäne vorbei. Die Decke fällt mir trotzdem so langsam auf den Kopf.

gallierdenkweise
der bodendeckenabstand
ist infinitesimal klein
couchkissensurfend beobachte ich das
unterbodendasein

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2 striche | Der Dienstag dichtet

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Habe es erfolgreich geschafft mich mit Corona zu infizieren. Ist wohl ander Arbeit passiert, weil ich sonst nirgendwo war und sich dort die Fälle stapeln. Mir geht’s ok. Das schlimmste war die Angst, dass mein Baby das nicht gut wegsteckt. Er ist bisher aber zum Glück topfit. Und dann ist da die Angst jemand angesteckt zu haben, der nicht geimpft ist bzw es nicht gut wegsteckt. Ich finde den Gedanken ganz furchtbar jemanden infiziert zu haben.

2 striche

zwischen zwei roten strichen. ich bin
gefangen. streife mit meinen händen
an papierkanten entlang. gegen vier
graue wände. lasse meine gedanken
mit kristallinen tropfen an türschwellen
entlanglaufen. im takt des betonmischers
schließen wir alle lücken. doch was,
wenn meine zelle dich einsperrt? was,
wenn mein atmezug dein letzter ist?

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matschgrautage | Der Dienstag dichtet

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Mich nervt der Januar gerade ein wenig. 😉

matschgrautage
plätschern dahin
meine tagträume schweifen
und ich versinke in
ergrünungsfantasien

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nix | Der Dienstag dichtet

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Wenn mir bis 20 Uhr nix einfällt, schreibe ich halt über das nix. So.

nix

nix. leer. alle. leere, gähnende. durch
meinen kopf kugeln sich staubballen.
die salontür schwingt und niemand
tritt ein. die gläser sind leer. der rum
schon ausgetrunken. auf dem klavier
spielt der wind tonlose musik. die
hure aus der ersten etage ist ins kloster
ausgewandert. der revolverheld hat
angst bekommen und das weite
gesucht. nix los hier. nunja, morgen
wieder. in der hinterletzten ecke des
obersten stübchens glitzert es.

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stiller | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

stiller

das glöckchen hat sich wieder
ausgeklingelt. die verwandschaft
abgenadelt. und wir tanzen zu
der ruhe im kreis. atmen.zwischen
den zeiten parkt die stille stiller
als in stille nacht. ohne knallen
bleibt sie vielleicht dieses jahr.

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rhinitis | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Nach müd kommt blöd. Nach krank anscheinend albern.

rhinitis

mein rüssel hat einen knoten. ich
bin wie die sphinx in ägypten ohne
sand. als fan van gogh wollte ich
mir ein ohr abschneiden und habe
zu mittig angesetzt. punkt. punkt.
strich. und fertig ist die verstopfte
nase. advent advent die rotze rennt.

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es ist nicht deine angst | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Ich habe einen Artikel in der Zeit gelesen, in der Gesundheitspersonal zum Zustand in den Intensivstationen befragt wurde. War dein ein bisschen sauer und habe das in Zeile fließen lassen.

es ist nicht deine angst

es ist nicht deine angst, die mich abfuckt.
sondern dein hass. der über weiße gänge
kriecht. blut besudelt ist dein roter zorn,
schwarz umrandet dein gewissen. ich
will dich schütteln, wie man kleine babys
nicht schütteln soll. will mit einer feder
und trockner tinte deine gehirnwindungen
überschreiben. der vorhang fällt. nicht nur
für dich. für andere. es ist nicht deine angst,
die mir angst macht, sondern die vehemenz
mit der du deine ohren tonlos machst.

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