Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihram Ende.
orkane
deine gedanken kreisen wie tausende orkane. hohe wellen schlagen an dein synapsenschiff. während die mannschaft noch das wasser abschöpft, putzt du das deck. die segel müssen gebügelt werden.
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Gerade läuft bei meinen kreativen Projekten alles in eine Sackgasse, was wiederum meine Kreativität hemmt. Mache ich also das Einzige, was mir einfällt und verwurste den Frust kreativ.
ein tiger
vor den stählernen vorhang. mein zahnloser tiger streift durch die gitterstäbe. das rohe fleisch von gestern ist heute schon abgehangen. hat morgen schimmel angesetzt. in meinem kopf leben spinnweben. während es in leeren gängen brüllt. faucht es in stillen ecken. selbst wenn der tiger scheißt, stinkt es nicht.
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Nachdem Baby 3 Tage über 39 Grad Fieber hatte, dachte es, es sei ne super Idee auch die Eltern anzustecken. Hier alles was heute an Kreativität in mir steckt:
rotziges elfchen
törööö erschallt liebliches jammern, schnaufen, stöhnen das letzte taschentuch fällt rotnasenkonzert
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Ich bin seit Gestern entsetzt. Erst fallen Beschränkungen, dann Masken, jetzt die Quarantäne. Das Morden hat begonnen. Ich bin so desillusioniert gerade…
taschenklingeln
bei jeden schritt klingelt es. in ihren taschen liegen gold, silber, wertvolles papier, ein paar diamanten und der rest ihres verstandes. ein paar fusseln halten das taschengemisch zusammen. wie war das noch, als wir damals echte menschen waren? als wie wussten, wie es in langen weißen gängen aussieht? während sich zu dem taschenklingeln das leise geräusch von zertretenen gehirnen und herzen mischt. war da was? denken sie noch. dann streifen sie ihre blutigen schuhe an der seidenen füßmatte ab. das ist ja echt ekelhaft.
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aprilwetter
durch frühlingsstürme im feucht fröhlichen aprilwetter. wir betrinken uns an sonnensichtungen. nehmen eine nase schneeglöckchen. noch einmal an der osterglocke lecken. dann ist sommerzeit. zumindest hier. woanders liegt winterwetter zwischen häuserfluchten versteckt. man spürt wie zeitweise ein newstief flockenhaft auf gedanken liegt.
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Hab wieder zu viel über Krieg nachgedacht.
windwärts
und ihre haare hängen im sturm. windwärts kann man den regen riechen. im sturm hinauf das frühlingshafte gewitter. die zeit wird bald verdreht, nur nicht weit genug, um was zu ändern. ich will ihnen sonnenschein reichen, aber um die jahreszeiten steht es schlecht.
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Ich war auf Familienbesuch im Norden und könnte kurz Ostseeluft riechen.
einversprechen
leise tritt an meine wange. eine woge. wellenartig breitet sich salziger atem auf mir aus. ein und aus und ein und aus. ich meditiere muscheln und zähle körnchen. bald komme ich wieder. flüstere ich. und dann bleibe ich eine ganze weile.
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Derzeit ist Nachrichten lesen, nie eine gute Idee, aber wegschauen hilft auch nicht. Hier ist, wie ich mich beim Zeitunglesen derzeit fühle.
nicht warm genug
ich habe feuer im kopf. meine füße stampfen unrhytmisch auf, zur musik von zerspringendem teegeschirr und knarzenden knochen. die nur fingernägel erreichen. tief im fleisch. rosa. reißt die haut und zerrauft sich in haaren. meine strähnen flattern zu boden. ich nehme organe wie blätter und werfe sie hoch. wenn das blut kocht, ist es immer noch nicht warm genug.
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hinter milchigem glas
wie hinter milchigem glas. ich blicke auf zeitfarbene trümmer. der sand im innenhof ist januargrau. das gras wächst in seidigem zartblau. wie hinter zerbrochenem glas. und wänden aus papier. ich sehe dich nicht. aber die anderen dich. in deinem arm wiegst du die hoffnung in papiertaschentücher gewickelt. singst ein wiegelied für freiheit, verstand und vernunft. wenn du ihre fressen mit schnullern stopfen könntest, würdest du es tun. denke ich und entgleite auf einem berg aus kissen. das fenster bricht und die scherben fallen nach innen. eines tages werde ich sie zum schlafen bringen müssen, scheinst du zu sagen. im innenhof fließt ein frühlingsfarbener orkan die letzen minuten hinfort. hinter stumpfes glas.
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Ich habe gerade ein Projekt, bei dem ich ständig irgendwas zwischen vorfreudig und nervös bin.
wie bettlaken im wind
wie bettlaken im wind. wenn bei geöffnetem fenster die vorhänge flattern. sand liegt auf der voll aufgedrehten beatbox. bei einem erdbeben springen die bohnen auf dem tisch. murmeln rollen endlose treppen hinunter. dann ist der moment vorbei und die wogen glätten sich. über ruhiger see lächelt der mond.