die ratte | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
neu dabei: Findevogel
und ein Spontangedicht findet ihr von Resi Stenz in den Kommentaren. 🙂

Heute ist so ein richtiger Kacktag. Davon abgesehen, dass ich vergessen habe den Beitrag vorzubereiten, habe ich mein Handy vergessen und dann lief an der Arbeit alles schief. Hier also ein eventuell etwas durch meine Stimmung gefärbtes Gedicht. 😉 Jetzt ist aber alles wieder ok. Hab was Schnurrendes auf dem Schoß.

 

die ratte

ich habe mir meine tränen durch die
nase hochgezogen. mit den sauren
gummibärchen verschluckt. es tropft.
dennoch. trotzdem. und. eine ratte
verschwindet in der wand. ich höre
trippeln im flur. es nagt an mir. in mir.
ich spüre die haarige präsenz, fühle
barthaarascheln. mein tag verläuft
normal. immer weiter. mein herz ist
feucht und die ratte läuft über den
küchentisch. aus den augen. ohne
geruch spüre ich bald ihren kadaver

Erkältungsblues | Der Dienstag dichtet

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Da ich kaum Gedichte schreibe, habe ich den Dienstag zum Gedichte-Tag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt.
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Werner Kastens

und diesmal auch mit Rene.

So richtig zum Schreiben, bin ich dank Kranksein nicht gekommen, aber ich habe das beste aus einer schlaflosen Nacht gemacht und ein Elfchen geschrieben. Wird langsam zu meiner Lieblingsgedichtform.

Erkältungsblues
ein Temporascheln,
Nasehochziehen und Befreihungshusten
aus der Bettenburg ertönt
HATSCHI

Jeder kennt so ein Buch | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens

Ob das schon als Quatschgedicht zählt? Naja, inspired by Dietmar Dath – Die Abschaffung der Arten.

 

Jeder kennt so ein Buch

große wörter strömen aus meinen
fingern meine speiseröhre hinab.
ich verdaue sechshundert fünfzig
vier. einige silben schmecken nach
tomaten. andere wir schmecken wie
zinnoberrot. eine lange szene liegt
erschöpft an der hinteren darmwand
und schnauft schwer. ich lasse sie
ruhen und pule mir ein paar seiten
weiter die letzten kommata aus den
backenzähnen. als der letzte punkt
sich seinen weg sucht, fühle ich mich
voll. gefüllt. überverfüllt. pfuh. morgen
werde ich aufs fahrrad steigen und
mir die überschüssigen satzeichen
und kapriolen abtrainieren müssen.

– | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens

Ich hatte Lust mit Sprache rumzuspielen, außerdem war ich gestern ein ganz klein bisschen gestresst. Wer außerhalb dessen einen tieferen Sinn sucht, sucht lange.

 

ich brauche zeit
aus-
ich-
allein-

ich will ruhe
nacht-
aus- -n
es (e) –ig

ich bin durch
zwischen-
-geknallt, aber
-aus zufrieden

genug | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens

Diesmal etwas aus aktuellem Anlass.

 

genug

in Schublade
es geht nur rein
geht nur ein
einer geht
nur

bei Laune
unter einer schwelle
schwellen an
schwelend
unter

auf Hut
einer schnappt ein
schnappt nach luft
schnappt
zu

gegen Rede
der wind braust
braut sich zusammen
einer braust
auf

nur Miteinander
es ist zeit genug
es ist genug
es reicht
mir

Zwölfchen | Der Dienstag dichtet

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Letztes Mal gabs ein Elfchen und diesmal logischerweise ein Zwölfchen.

 

Zwölfchen

Papierworte
tanzen Wahrheiten
unüberdacht unverdacht ungeachtet
ich fühlschreibe und schreibfühle
Gedankenehrlichkeiten

Maschinenworte
tanzen Perfektion
gedacht bedacht achtend
ich denkschreibe und schreibdenke
Bedeutungswahrheiten

Waldherz | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens

und von Writing Chills ein Gruselgedicht.

Nachdem ich doch recht negative/düstere Gedichte in letzter Zeit geschrieben habe, mal etwas Positives. Ein Elfchen.

Waldherz
geblätterte Schläge
rot braun gelb
meine urbanen Sorgen schlafen
Windatmen

Aus Taschen | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens

und diesmal gibt es einen inspirierten Beitrag bei Writing Chills.

Bin derzeit etwas frustriert mit der Politik und mit Menschen überhaupt. Guter Grund ein Gedicht darüber zu schreiben. (wenn ihr in der App lest, einmal Bild drehen, sonst gibts komische Umbrüche)

Aus Taschen

Sie spüren kalten Wind in ihren leeren
Taschen. Ein westerner Staubballen rollt
über das weiche Nappa. Plastik. Blut.
Schweiß. Goldene Leere entsteht. Sie
riechen die heiße Luft auf ihrer untersten
Haut. Verkochte Tropfen. Andere sagen es
sind die Zwiebeln. Doch sie wissen, um die
Tränen, die fruchtbare Gärten weinen. Sie
sind realer als der Wind. Doch sie glauben es
sind nur Träume auf berechneten Seiten.

Die Schweine quieken. Die Bäume seufzen.
Die Luft brennt. In dem weichen Leder
spürt man keine Tränen, hört kein lautes
Hufgetrappel. Aber sie kommen. Die vier
auf der einen Seite und die taschenlosen
auf der anderen. In Leder lässt sich nicht
leben. Auf Schnellstraßen auch nicht.

los | Der Dienstag dichtet

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Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens (Beitrag in den Kommentaren)

Das Gedicht habe ich nach dem Konzert von Amanda Palmer geschrieben. Ich war super inspiriert, wusste aber nicht genau wohin damit und war – wie immer wenn es um meine Kreativität geht – verunsichert.

los
Über meine Stege laufen ungespannte
Saiten. Umrunden. Umrandet von einem
Korpus, falsch geformt. Plung. Mache ich.
Plang. Und ich muss Pling machen. Will.
Überall spielen Lieder. Ich nehme ihre
Formsprache. Kenne meine nicht. Nie
gebaut, vergessen. Nicht meine. Bis man
meine Töne kennt. Bis die Form perfekt
ist. Mimikri. Der Ständer kippelt. Meine
Lieder sind keine. Morgen will ich singen.
Morgen! Morgen. Mein geigener Körper
ist hohl. Meine Notenblätter voller Seele.

Praha | Der Dienstag dichtet

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Werner Kastens (Beitrag in den Kommentaren)

Schaut doch auch bei ihnen vorbei!

Ich bin derzeit in Prag unterwegs und dachte ich widme mein Gedicht diese Woche dieser wunderschönen Stadt. Soviel Geschichte, so wudnervolle Gebäude…da fühlt man sich irgendwie klein.

Praha

Meine Köpfe sind golden, meine
Haut ist bunt. Geschichten sind
in meine Organe eingebettet. In.
Vor. Tausend Jahre. Zeit ist in den
Stein graviert. Sie bröckelt. Wird
Sand. Im Stundenglas schlägt mein
Herz. Während ihre unbedeutenden
Momente meine Adern durchlaufen.
So klein. Ich währe ewig, in dieser
oder jener Form. Sie zerfließen.