
Da ich kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.
Meine Elternzeit endet bald und ich musste daran denken, wie häufig man von einzelnen Lebensabschnitten Abschied nehmen muss. Ich habe einen als Symbol dafür genommen.
und der morgen trauert
und der morgen trauert um seine neblige
einfachheit. wir tanzen auf den senkrechten
uhrzeigern und wagen einen tiefen zug
durch den kaffeesee. ich reiche dir milch
und du mir süße. die ofenheißen brötchen
brutzeln in meinen eiskalten händen. jetzt.
seufzt der mond und verliert sich im licht.
die schritte im flur werden lauter, dein
herzschlag neben mir leiser. wenn die rote
marmelade getrocknet ist und der honig
nicht mehr klebt. einzelne krümel erzählen
noch von diesen morgen. auf plastikstühlen.
schwarz waren sie. die auf denen ich heute
sitze sind weiß. haben andere flecken.
