Selbst-Prophezeiung | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 38 + 39 beinhaltet die Worte „Prophezeiung, anständig, verkrümeln“, gesponsert von Werner Kastens.

Selbst-Prophezeiung

Lisa dachte angestrengt über das Wort Selbst-Prophezeiung nach. Es war ihr in einem Psychologie-Magazin begegnet. In dem Artikel darüber hatte gestanden, dass wenn man fest glaubt, dass einem etwas Schlimmes passiert, das deswegen eintreten würde, entweder weil man es unabsichtlich selbst herbeiführt oder weil man anfängt alles nach dieser Selbst-Prophezeiung zu beurteilen. Lisa war sich sicher, dass ihrer Mutter das passiert war. Sie hatte ständig vermutet, dass Lisas Vater fremdging, bis er das tatsächlich tat und sich schließlich mit der neuen Frau aus ihrem Leben verkrümelte. Sicher hatte er die ständige Eifersucht nicht ausgehalten. Nicht der anständigste Zug von ihm, aber ein wenig konnte sie ihn verstehen.

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Schlick | abc-etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 36 + 37 beinhaltet die Worte „Schlick, putzen, ominös“, gesponsert von Ludwig Zeidler.

Wirre Gedanken, weil eine Freundin verstorben ist. Eigenlich wollte ich nichts darüber schreiben, aber ich denke sowieso dauernd daran, also kann ich auch drüber schreiben.

Schlick

Schlick, der
bildet sich aus Lebendigem, zwischen etwas, meist im Wasser, manchmal in Freundschaften, Beziehungen oder danach. Wenn einer geht, bleibt beim anderen meist dieser Schlick zurück. Schmuckstücke, Briefe, eine Socke, Zahnpastaspritzer am Spiegel, Erinnerungen an Gespräche, Erinnerungen an nicht geführte Gespräche, Reue, Restliebe, Restwut und dieser eigenartige Geruch. Wenn man all das aus seinem Leben entfernt, wenn man jede Ecke seiner Wohnung, jede Ecke seines Gehirns fein säuberlich putzt, bleibt dennoch etwas zurück. Lebendiges lässt sich nicht wegwischen, Erlebtes schon gar nicht. Manchmal ist es einfacher alles in Kisten zu packen, große und kleine, beklebte, beschriftete, kaputte, mehrfach verwendete und neue unbenutzte. Kisten kann man gut stapeln, zum Beispiel in eine Ecke oder dem Dachboden, wenn man einen hat. Dann braucht man nur noch das Glück, dass genug Zeit vergeht, bis man sie aus Versehen öffnet.

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Praliebe | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 25 + 26 beinhaltet die Worte „Praline, herzhaft, wandern“, gesponsert von Allerlei Gedanken.

Ich bin nicht verrückt, ich liebe nur Pralinen. Wer übrigens wissen will, was die beste Praline der Welt ist. Sie heißt 1857 und ist von Neuhaus.

Praliebe

Langsam wandert sie von der Zungenspitze zur Wurzel, streichelt auf dem Weg den Körper des Zungenrückens. Süße, saure, salzige, bittere Areale kosten und lassen gewahr werden. Knospen erblühen im Taumel von Karamell, Honig, Walnüssen, Himbeeren, Zimt, Kardamom, Gianduja und der alles umschließenden Schokolade. Hier ein zarter sinnbetörender Moment, der fast zu süß ist, um wahr zu sein. Dort eine bittere Note, um zu erden und ein fast schon herzhaftes Finale einzuladen. Die Nerven tragen lachend die überwältigende Botschaft zu Hypothalamus und Amygdala. Der Sinnestaumel lässt sogar die Synapsen tanzen, während die Praline ihren Geschmackspfad verlässt, um auch den restlichen Körper zu wärmen.

Abgehoben | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 23+ 24 beinhaltet die Worte „Picknickdecke, verwegen, recherchieren“, gesponsert von nellindreams

Abgehoben

Sie sitzt auf einer Picknickdecke. Rot und weiß gestreift ist sie, an einigen Stellen verblasst, an anderen vom Gras grün gefärbt. Vor ihr liegt statt einem Picknickkorb ihr Laptop, weil sie beschlossen hat, dass das „Home“ in Homeoffice jeder selbst definieren sollte. Heute recherchiert sie für einen neuen Artikel, den sie schreiben muss, über so einen Star, den sie nur vom Namen kennt. Was sie schreiben soll, liest sie in der Email, aber unter dem Artikel wird ihr Name stehen und das Wörtchen „Meinung“. Niemand sagt, dass es ihre sein muss, aber es fühlt sich so an. Am liebsten würde sie ihre wahre Meinung schreiben, dass man die Dame in Ruhe lassen soll, dass das niemanden zu interessieren hat, dass sich niemand Gedanken darüber macht, was sie dabei empfindet. Wenn sie verwegen wäre, würde sie das tun, aber das ist sie nicht. Sie nimmt die achthundert Euro für ein Volontariat, dass eine Vollzeitstelle ist, beschwert sich nicht über das wenige Geld oder die schlechte Behandlung. Eigentlich wollte sie als Journalistin durch die Welt reisen, und nun sitzt sie im Stadtpark, auf der alten Decke ihre Großmutter. Wenn es doch nur keine Decke wäre, sondern ein Teppich und dieser Teppich fliegen könnte. Der Wind lenkt sie von ihren negativen Gedanken ab, hebt die Decke leicht an. Für einen Moment sieht es so aus, als würde sie wirklich abheben, bis sie es tatsächlich tut. Sie hält ihren Laptop fest und beginnt zu schreiben..

Zuhause | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 20 + 21 beinhaltet die Worte „Baracke, lau, wiederfahren“, gesponsert von Red Skies over Paradies.

Zuhause

Er wohnt in einem großen Haus, dass er für seine zukünftige Familie gekauft hat, doch seit Jahren teilt er sich die 250qm nur mit seinem Hund. Manchmal fühlt er sich einsam und manchmal glaubt er, dass er nie eine Familie finden wird. Heute ist so ein Tag. Morgen geht er erneut auf die Suche.

Sie haust in einer Baracke mit Fremden. Als sie aufgebrochen ist, hat sie sich vorgestellt, mit ihrer Familie in einer schönen Wohnung zu leben. Es würde eng sein, aber sie wären vereint. Sie würden über ihre alte und ihre neue Heimat reden. Mit den Fremden redet sie nur über das Camp und wie schlimm es ist. Alle haben Angst Hoffnung zu haben.

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Die Tanzende | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 18 + 19 beinhaltet die Worte „Korsett, rechtsdrehend, dampfen“, gesponsert vom Bodenlosz Archiv.

Die Tanzende

Sie hält ihren Kopf gerade und zur Seite gedreht. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen, aber in ihrem starren Blick kann man die endlose Langeweile ablesen. Das Kleid, das sie trägt, ist rosa und ihr auf den Leib geschnitten. Es ist so eng, dass es sich wie ein Korsett anfühlt. Selbst der abstehende Rock ist steif. Sie würde das Kleid gerne abstreifen, genau wie ihre Schuhe, die fest verankert sind. Ihre Füße werden von ihnen unnatürlich gerade gehalten, durchgestreckt, mit perfektem Spann. Wie einbetoniert stehen sie seit Jahrzehnten da, verschmolzen mit dem sich immer rechstdrehenden Sockel. Wie es wohl wäre sich links zu drehen? Wie es wohl wäre eine andere Melodie zu hören? Manchmal wünscht sie sich, dass der Antrieb in Feuer aufgehen würde. Rauch würde sich bilden und es so aussehend lassen, als würden ihre Füße dampfen. Ein realistisches Szenario noch so vielen Jahren des ewigen Drehens. Wenn sie stillsteht, genießt sie die Ruhe. Dann träumt sie davon sich frei zu tanzen. Sie würde alles von sich werfen und sich nackt der Bewegung hingeben. Zu ihrem eigenen Song, den niemand hört.

Der Leichenschmaus | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 16 +17 beinhaltet die Worte „Pfanne, glücklich, trennen“, gesponsert von Doro|Art.

Der Leichenschmaus

In diesem Moment hasste er die Küche mehr denn je. Das Geschirr musste gespült werden, die Pfanne geschrubbt, der Kühlschrank befüllt und die Krümel beseitigt werden. Und dann war da auch noch der Backofen mit dem verbrannten Kuchen, den sie hatte backen wollen. Sie war so glücklich gewesen, dass ihr das Rezept gelungen war. Hier und jetzt fühlte er sich noch einsamer, als auf dem Friedhof. Der Pastor hatte angeboten, mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen, als Ersatz für den traditionellen Leichenschmaus, doch er hatte ablehnt.

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Der Geburtstag | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 14 + 15 beinhaltet die Worte „Sonnenhut, haltlos, massieren“, gesponsert vom Etüdenerfinder Ludwig Zeidler und Christiane selbst.

Spontane Eingebung dank Schlaflosigkeit.

Der Geburtstag

Heute hatte sein Großvater Geburtstag und die Sonne schien. Leider half das nicht bei seinen Kopfschmerzen. Vorsichtig massierte er seine Schläfen. Wie hatte sie nur jeden Tag diesen Sonnenhut tragen können? Bereits nach wenigen Minuten fühlte sich sein Kopf wie in einer Schraubzwinge an, dabei hatte er ihn nur locker aufgesetzt. Vielleicht lag es auch and er Perücke, die er trug.

„Schau mal, der Mann läuft in Frauenklamotten rum“, hörte er ein kleines Mädchen sagen und dann ein „Pst“ von der Mutter.

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Vier Seelen | abc-etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 10 + 11 beinhaltet die Worte „Klassenkeile, schwammig, trödeln“, gesponsert von BerlinAuthor.

Ich glaube nicht an Seelen oder dergleichen, aber ich finde sie als Synonym für die Essenz eines Menschen oder eines Lebens perfekt. Irgendwie habe ich das versucht zusammenzufassen und entstanden sind vier kleine Texte.

Vier Seelen

Er kann nicht lügen und holt sich lieber Klassenkeile ab, als sie nicht zu verpfeifen. Wenn die Hose reißt ist das besser, als wenn seine ehrliche Seele zerbricht. Irgendwann mal wird er Polizist oder Politiker. Irgendwann wird Lügen etwas das er tun muss, um ehrlich zu bleiben. Irgendwann ist seine ehrliche Seele hinter Glas. Sie glänzt, aber sie zeigt sich nur ihm selbst und seinen Vertrauten.

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Die Strickjacke | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 8 + 9 beinhaltet die Worte „Strickjacke, trügerisch, entdecken“, gesponsert von wortgeflumselkritzelkram.

Die Strickjacke

Sie öffnete die Türen vom Kleiderschrank. Alles war sortiert nach Zweck und Farbe, doch die Ordnung war trügerisch. Schon vor Jahren hatte sie den Überblick verloren, was sich in ihrem Kleiderschrank befand. Heute musste sie endlich aufräumen. Ihr blieb sonst nichts mehr zu tun.

Sie begann bei den Shirts, arbeitete sich durch die Pullover, probierte Hosen an und fand mehr Löcher als ihr zuzugeben lieb war. Der Stapel der aussortierten Kleidungsstücke wurde immer größer. Gerne hätte sie mehr in die Kleiderspende gegeben, aber sie trug Kleidung bis sie nicht mehr tragbar war und manchmal noch darüber hinaus. Es fiel ihr schwer sich von liebgewonnen Sachen zu trennen und so hingen in ihrem Schrank ein Duzend Schlafshirts, Malerklamotten und Kleidung, an die sie sich nicht einmal mehr erinnerte.

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