Essstörung und Schwangerschaft | Schwangere Gedanken

Ich gibt bereits drei Texte in der Reihe
1. Über Abtreibung *Klick*
2. Wie man Schwanger zu sein hat *Klick*
3. Ein Podcast *Klick*
Der folgende Text ist noch einmal persönlicher. Ich gehe offen mit dem Thema um, auch in meinem „echten“ Leben, scheut euch also nicht, wenn ihr Fragen etc. habt.

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Essstörung und Schwangerschaft

Worüber ich kaum Berichte ohne erhobenen Zeigefinger lese, sind Schwangerschaft und Essstörungen. Meistens sind diese Berichte von Reportern, die mit einem Arzt über das Thema gesprochen haben. Betroffene reden anscheinend kaum darüber. Hier also meine persönliche Erfahrung.

Meine Geschichte in ein paar Sätzen

Ich hatte schon mit 9 eine eigenartige Beziehung zu Essen und habe mir mit 12 Abführmittel eingeschmissen, dann kam die Bulimie mit Phasen der Magersucht – ein ewiges Auf und Ab. Selbst als ich Anfang 20 beschlossen habe, endlich normal zu essen hat es noch Jahre gedauert, bis sich das eingependelt habe.

Wo stehe ich jetzt?

Mir ist es schnurzpiepegal, ob man das jetzt noch als Essstörung bezeichnet. Ich esse manchmal gerne, manchmal finde ich es schwierig. Es gibt Lebensmittel, die nicht gehen, wie Kartoffelauflauf (Kartoffeln, Sahne UND Käse – seid ihr irre?) und solche, auf die ich mich zurückziehe, wenn mir alles zu komplex wird (hier eine kleine Liebeserklärung Möhren: I love you). Ich hasse Supermärkte, mag aber Restaurants. An einem Buffet werdet ihr mich niemals finden. Manchmal mag ich meinen Körper, meistens will ich abnehmen, aber ich stehe nicht mehr vor dem Spiegel und denke, dass ich ekelhaft bin. Ich weiß, ich bin halt ich, mit all meinen Gedanken und Gefühlen und das ist ok so.

Was macht die Schwangerschaft mit meinem Körpergefühl?

Ich versuche nett zu mir zu sein und akzeptiere, dass mich die körperlichen Veränderungen belasten. Zum Beispiel habe ich tierische Angst vor Krampfadern und Dehnungsstreifen, also habe ich mich eingelesen und weiß, was meinem Körper helfen könnte. Ich fühle mich so weniger ausgeliefert, auch wenn ich natürlich nicht weiß, ob es wirklich hilft. Trotzdem, ich mache weiterhin Sport, Wechselduschen und massiere jeden Morgen meinen Bauch mit Öl. Bei der Massage versuche ich gleichzeitig zu akzeptieren, dass da statt meinem flachen Bauch jetzt mein Hassobjekt sitzt:

Eine Kugel. Man liest in so Mama-Magazinen/-Artikeln, wie toll Frauen ihren Bauch finden und sieht wie Models ihre Babywampen in die Kamera halten. Ich mag ihn nicht. Er wirkt wie ein fremdes Objekt, etwas, das nicht zu mir gehört und eigentlich wieder weg müsste. Ich wünsche mir, der Bauch würde klein bleiben, aber ich weiß, dass ich da keinen Einfluss darauf habe. Also stelle ich mir bildlich vor, wie das kleine Wesen in mir wächst und noch viel wichtiger: Versuche mich nicht dafür zu verurteilen, dass ich meinen Bauch nicht mag.

Übrigens ist auch ein kleiner Schwangerschaftsbauch absolut ok. Jede Frau ist anders gebaut. Bei mir sieht man jetzt auch noch nicht viel und es gibt Frauen, bei denen sieht man bis zum Ende kaum etwas. Das ist normal und niemand sollte diesen Frauen ein schlechtes Gewissen einreden. Das ist auch Bodyshaming und dazu noch eines, dass andere an besonders empfindlicher Stelle trifft. Ok, das war nur ein kurzer Einwurf, zurück zum Konzept.

Ich bemühe mich auch, nicht zu viel zuzunehmen und bremse mich bei Heißhunger aus, weil ich weiß, dass der Dämpfer nach der Geburt krass sein wird. Ja, die meisten Frauen nehmen auch Fett in der Schwangerschaft zu, aber Angst darf mir das trotzdem machen. Ich konzentriere mich darauf gesund zu essen und mich viel zu bewegen, auch weil es mir guttut. Vor allem aber versuche ich nicht über das „Danach“ nachzudenken, denn ich weiß schlichtweg nicht wie es ist. Es gibt auch Dinge, die gar nicht helfen…

Ok, ein letzter Einwurf. Dieses „After baby body“-Dingen hilft niemandem. Es scheint da zwei extreme Lager zu geben. Das eine sagt, man muss in der Schwangerschaft zunehmen, weil das „ganz natürlich ist“ und das andere Lager postet nach 3 Wochen Bikinibilder in Social Media. Können wir uns darauf einigen, dass beide Lager einfach die Klappe halten? Ich glaube nicht, dass dieser Druck Frauen nach der Geburt glücklicher macht.

Was ziehe ich daraus?

Es ist in Ordnung die körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft nicht zu mögen. Es muss doch nicht jeder stolz auf seinen schwangeren Körper sein und vor allem KANN niemand einer Norm entsprechen – ob dabei oder danach.

Wenn euch der Text emotional aufgewühlt hat oder ihr hungrig seid, nehmt euch jetzt den Keks und tunkt ihn in den letzten Rest vom Tee.

Gechillt? Gut! Habt einen schönen Tag.

16 Kommentare zu „Essstörung und Schwangerschaft | Schwangere Gedanken

  1. Liebe Katharina, jeder Mensch ist anders und jeder muss seinen Mittelweg finden (außer in Gefahr und in der Not). Du kannst auf dein (Bauchgefühl will ich jetzt nicht schreiben), du kannst auf deine innere Stimme hören und darauf vertrauen, dass sich alles fügt. Liebe Grüße, Bernd

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  2. Liebe Katha,
    hab vielen Dank für deine sehr intimen Einblicke in dieser Reihe! Ich hoffe sehr, dass dich dieser Druck, den besonders Social Media ausübt, nicht zu sehr stresst. Besonders diese „sozialen“ Medien sind alles anderes als das und meist ein riesiger Trigger für solche Dinge wie Essstörungen, die mentale Gesundheit und ähnliches.
    Ich glaube, du machst das ganz richtig, wenn du einfach nach deinem Gefühl gehst! 🙂 Das ist ja meist eh das Beste für das Individuum. Und für die Babys, nehme ich an. Denn die interessiert es wahrscheinlich am wenigsten, ob die Mama nach 3 Wochen wieder ihren Influencer-Look hat oder nicht. Hauptsache, die Mama ist fürs Baby da. Und du bist jetzt schon eine sehr reflektierte, sich sorgende Mutter, was ich so mitbekomme. 🙂

    Liebe Grüße
    Alina

    Gefällt 1 Person

  3. Ich hatte vor meiner Schwangerschaft Probleme mit Bulimie, schubweise. Es gab gute und schlechte Zeiten. Während der Schwangerschaft war es weg, einfach so. Es war vermutlich die einzige Zeit meines Lebens, in der ich drei Mahlzeiten am Tag zu mir genommen habte, regelmäßig und gesunde Kost. Gelüste hatte ich keine, außer etwa drei Monate lang Heißhunge auf Kopfsalat. (eigentlich esse ich nie Kopfsalat). Ich habe nur 11 Kilo zugenommen, ohne darauf zu achten Mein Durst war extrem, ich habe 3 bis 4 Flaschen Evian getrunken jeden Tag. Wenn ich kein gefülltes Wasserglas in Sichtweite hatte, bekam ich Panik. Der Wahn, kurz nach der Geburt wieder Size Zero zu haben ist Irrsinn. Es geht sogar soweit, dass die Babies mit Kaiserschnitt Ende 8./Anfang 9. Monat geholt werden, damit der Bauch nicht so groß wird. Ich finde es schlimm, wie so etwas zutiefst Natürliches Persönliches und Emotunales heutzutage kommerzialisiert wird. Aber ich weiß auch nicht, wie ich als junge Frau heute mit dem allem umgehen würde, wenn ich schwanger wäre. Lass dich nicht beirren. Es ist dein Leben, dein Körper, dein Kind. Niemand weiß so gut wie du, was dir gut tut. Versuch gut zu deinem Körper zu sein, er vollbringt Höchstleistungen in der Schwangerschaft. Achja, Dehnungsstreifen sind bei mir von selber wieder weggeagangen, hat aber gedauert.
    Grüßle Carmen

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    1. Ich stelle kaum Veränderungen in Bezug auf mein Verhältnis zu Essen fest, bin aber auch schon eine Weile „normal essend“. Getrunken habe ich auch vorher sehr viel. Das problematischste ist echt die körperliche Veränderung, aber ich versuche nett zu mir zu sein. Genetisch scheine ich gut gerüstet zu sein. Bisher sind die Dehnungsstreifen noch im Rahmen. Was die Zukunft bringt…ich bemühe mich relaxt zu bleiben. 😇
      Danke für deine aufbauenden Worte. ❤️

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