Gutgemein(t)e Tipps | Schwangere Gedanken

Es gibt bereits vier Texte in der Reihe
1. Über Abtreibung *Klick*
2. Wie man Schwanger zu sein hat *Klick*
3. Ein Podcast *Klick*
4. Über Essstörungen und Schwangerschaft *Klick*

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Gutgemein(t)e Tipps

Leute, die schon Kinder haben, geben ihren Erfahrungsschatz gerne und oft an Schwangere weiter, vor allem an Erstgebärende, weil „die wissen ja noch nichts über die Freuden der Schwangerschaft und Elternzeit“. Meist steckt da Nächstenliebe drinnen, manchmal (unbewusst) eine Menge Frust.

„Hast du Morgenübelkeit?“ „Nein.“ „Das kommt noch.“

Wünscht mir das Gegenüber nun die Übelkeit oder wie darf man das verstehen? Besonders kurios finde ich diese Frage, weil ich den Spruch bis in die 21te Schwangerschaftswoche gehört habe, dabei sollte im Regelfall die Übelkeit schon in der 16ten Woche abklingen. Ganz verstehen, tue ich diese Obsession mit der Morgenübelkeit nicht, weil ich weniger Frauen kenne, die sie hatten als solche, die keine hatten. Ich selbst hatte sie nicht. Mir war ab und an schwindelig und ich konnte nur noch kleine Portionen essen, aber das war es. Anstatt also Frauen Angst zu machen, dass sie irgendwann jeden Morgen über der Kloschüssel hängen, wäre es nett das Thema einfach nicht anzusprechen.

„Genießt die Zeit zu Zweit. Hinterher habt ihr keine mehr.“ und „Schlaft vor, danach bekommt ihr keinen Schlaf mehr.“

Was hier als guter Tipp getarnt ist, macht neuen Eltern eher Angst. Man weiß schlichtweg nicht, was da an neuer Situation auf einen zukommt, stattdessen erhält man in Horrorgeschichten verpackte gute Tipps. Warum sollte man aber mehrere Kinder kriegen, wenn alles so furchtbar ist? Klar, hat man am Anfang ein Wesen, dass einen oft weckt, aber statistisch gesehen schlafen die Minimenschen am Anfang einen Großteil des Tages. Jedes Mal wenn ich nach so Sprüchen nachhake, werden die Geschichten realistischer. Man bekommt gesagt, dass es echt beschissene Nächte gibt, aber auch gute, dass man manchmal am Ende ist, aber nicht die ganze und auch nicht die meiste Zeit. Hängt halt vom Kind ab und natürlich davon, ob es gesund ist. Warum also Angst vor der noch unbestimmbaren Situation machen?

„Ihr müsst XY kaufen.“ oder „Ihr dürft XY auch keinen Fall kaufen.“

Ich besitzt mittlerweile Schrödingers Wärmelampe, denn angeblich brauche ich sie ganz dringend und gleichzeitig definitiv nicht und sie ist pure Geldverschwendung. Ebenso verhält es sich mit Babymatratzen, Stillkissen, Trocknern und Stubenwagen. Natürlich haben Empfehlende immer die ultimative Lösung und wissen genau, was man braucht. Übrigens:  Je mehr Kinder die Leute haben desto verhaltener die Aussagen.

Ich bin froh über Hilfe und Tipps und ich bin mehr als froh, dass es in Deutschland Keller voller Kinderkram gibt, den ich günstig abkaufen kann, aber Leute: übertreibt es doch nicht! Mein Freund und ich sind generell die Ruhe in Person(en?), aber selbst mein Freund kam kürzlich an mit „Wir brauchen einen Trockner.“ Was ich mittlerweile gemacht habe, ist, Dinge aufzuschreiben, die wir so oder so brauchen, wie ein Bett oder Strampler und Dinge die wir vielleicht brauchen. Letzteres ist die Bedarfsliste. Die Dinge kaufen wir, wenn wir merken, dass wir Bedarf haben. Bei allem andern bemühe ich mich um eine Menge Chill und die klassische Ohrendurchzugsschaltung.

Was ziehe ich daraus?

Es kommt wie es kommt. Haben andere auch geschafft, dann schaffen wir das auch. Und liebe Bereits-Eltern: Überlegt, was ein hilfreicher Tipp ist und was werdende Eltern nur stresst.

Wenn euch der Text emotional aufgewühlt hat oder ihr hungrig seid, nehmt euch jetzt den Keks und tunkt ihn in den letzten Rest vom Tee.

Gechillt? Gut! Habt einen schönen Tag.

11 Kommentare zu „Gutgemein(t)e Tipps | Schwangere Gedanken

  1. Grins!
    Seit ich 2014 innerhalb von 48 Stunden den Kleinen Fundevogel aufgenommen habe , gibt es von mir nur noch einen Rat: Keep cool!
    Da habe ich meiner Panik zwar allerlei Schwachsinn gekauft (Babyhaarbürste für ein glatzköpfiges Baby) und Wichtiges vergessen (nur zwei Nuckelflaschen, von denen ich eine schon in der ersten Nacht auf den Küchenfliesen zerdeppert habe), aber Schaden hat dabei niemand genommen.
    Wir leben in einer Gesellschaft, wo man sich zur Not fast alles zu jeder Zeit besorgen kann.
    Viel Spaß noch beim Warten aufs Kind.

    Gefällt 3 Personen

  2. Liebe Katharina,

    wie gut, wenn du die Ruhe in Person bist.

    Und ja, ich kenne das, was du da beschreibst gut. Wenn es auch schon seeehr lange her ist, kann ich mich doch an die vielen ungebetenen Ratschläge erinnern, die ich in der Schwangerschaft bekommen habe. (Meiner Erfahrung nach hört das übrigens nicht auf mit der Schwangerschaft)!
    Ohren auf Durchzug stellen ist gut.
    Was auch hilft – aber nur, wenn die Grundhaltung wirklich freundlich und Ironie frei ist – ein freundlicher Satz wie „Danke, dass Sie sich Gedanken machen“.
    Und grundsätzlich gilt natürlich: Vor ich jemandem einen „Rat“ gebe, frage ich vorher nach, ob die/der andere das überhaupt will.

    Hier noch ein Kuriosum aus meinem riesigen Schatz an Begegnungen mit Schwangeren und jungen Müttern/Eltern. (Ich habe 7 Jahre einen „Treff für Schwangere und Eltern mit Kindern bis zu 8 Monaten“ geleitet)
    Selbstverständlich ist mir das, was du schreibst, zigfach zu Ohren gekommen. Und ich habe, erstaunlicherweise, mindestens ebenso häufig gehört „Das hat uns vorher keiner gesagt, warum nicht?“

    Letztlich kann man sich zwar vorbereiten, aber du kannst dich nicht auf alles einstellen – sondern, wie so oft im Leben – einfach mit dem umgehen, was ist. Das ist genug.

    Hab es fein.
    Herzliche Grüße
    Judith

    Gefällt 1 Person

    1. Ich bin bei so Ratschläge freundlich aber auch direkt und sage, dass ich es nicht hilfreich finde. Zum Glück habe ich Freunde, die sehr ehrlich sind und uns nur ein Jahr voraus. Wenn ich Fragen habe, darf ich sie jederzeit nerven. 😇
      Ich denke, auf sich zukommen lassen, ist echt die beste Strategie. Wenn was ist, wir haben ein stabiles Umfeld und eine sehr resolute Hebamme. 😅
      Danke. 😇

      Gefällt 1 Person

    1. Ja irgendwie nicht. 😅 Auch wenn das Kind endlich da ist. Aber wenn man das nicht zu ernst nimmt, ist das nicht so schlimm. Ich werde nur sauer, wenn einem versucht wird eine angebliche Norm aufdrücken. Jede/r ist anders und kennt sich selbst am besten. 😇

      Gefällt mir

  3. Den besten Ratschlag den ich bisher gehört habe: niemals die Arme hoch heben, die Nabelschnur könnte reißen! 😂 Das wars dann mit Wäsche aufhängen, Teller aus dem Schrank nehmen oder im Supermarkt etwas aus den oberen Regalen kaufen… 🙄
    *Ironieoff* aktuell in der 34. Kugelwoche.

    Gefällt 1 Person

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