Über Abtreibung oder Komische Gedanken in der Schwangerschaft | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Triggerwarnung: Wie der Titel schon sagt, schreibe ich über Abtreibung.

Thema: Schreibe eine Geschichte und flechte darin die folgenden Wörter mit ein: Salbei, Aufmerksamkeit, etwas daneben, Hormone, ein Versuch

Über Abtreibung oder Komische Gedanken in der Schwangerschaft

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, zum Beispiel Kamille, Salbei oder irgendwas Beruhigendes. Es gibt Teesorten, die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“ heißen, allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Dies ist ein Versuch ein komplexes Thema aufzugreifen, ohne in eine Diskussion einzusteigen. Wenn man es also genau nimmt, ist das nur meine Meinung, die auf persönlichem Empfinden fußt – daher auch die flapsige Art des Textes. Es soll niemand auf die Idee kommen, dass es sich hier um einen Artikel, eine wissenschaftliche Abhandlung oder, noch schlimmer, einen politisch motivierter Text handelt.

Wer sich bei dem Thema schnell auf die Füße getreten fühlt, sollte hier aufhören zu lesen, den Tee weitertrinken und dazu ein gutes Buch lesen. Hab gehört Goethe hilft bei sowas. Nun aber zum Thema Abtreibung, dem Partythema Nummer 1.

Warum ich mir gerade darüber Gedanken mache:

Vielleicht ist es etwas daneben, gerade jetzt darüber nachzudenken, denn: Ich bin schwanger. Gewollt, zufrieden, alles gut. Bisher habe ich immer gesagt, dass, auch wenn ich die Entscheidung anderer Frauen verstehe, ich mir Abtreiben selbst nicht vorstellen könnte. Etwas in mir, dass sich nicht logisch begründen lässt, hat eine Barriere aufgebaut, wenn ich mir vorgestellt habe, selbst abzutreiben. Ich hatte Glück und bei mir hat die Verhütung immer funktioniert*, also musste ich mir nie konkrete Gedanken darüber machen.

(*Mit „funktioniert“ meine ich nicht nur Anwendungsfehler. Wer noch nichts vom Pearl Index gehört hat, sollte jetzt nachlesen!)

Nun bin ich also schwanger und interessanterweise ist die Barriere weg. Ich bin anscheinend unbewusst davon ausgegangen, dass man das Wesen in sich sofort spürt und dank Hormonen eine starke emotionale Bindung aufbaut. Das ist für mich nicht der Fall. Ich merke kaum etwas von der Schwangerschaft. Abgesehen von den gehäuften Pinkelpausen, habe ich nur einen kleinen Bauch in der 19ten Woche, keine Übelkeit am Anfang gehabt, keine Fressflashs, nichts. Mir geht es gut und ich freue mich auf das Kind. Aber das Ganze ist für mich eher abstrakt.

Was ist also meine Schlussfolgerung:

Ich könnte wohl doch Abtreiben. Klar müsste ich mir wegen der moralische Implikationen Gedanken machen, ich würde intensiv mit meinem Partner darüber reden und Hilfe annehmen, aber die Barriere ist weg.

In mir wächst etwas. Es wird mal mein Kind sein, hoffentlich gesund und glücklich, und ich werde es über alles lieben, aber gerade ist da in mir nur ein kleines biologisches Wunder. Wir müssen uns noch kennenlernen, schauen wohin die Reise geht, aber Liebe empfinde ich nicht. Neugierde, Vorfreude – ja. Liebe – nein. Gerade empfinde ich sogar mehr Liebe für meine Katzen, als das abstrakte Werden in mir. Mehr als zuvor verstehe ich, dass das in mir etwas ist, das Potential hat zu leben und mit jedem Moment steigt das Potential, aber ab welchem Moment es nun ein Mensch ist, ab welchem Moment es mein Sohn ist, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Warum ich den Text geschrieben habe:

Abtreibungen werden hochemotional vor allem von Leuten besprochen, die nicht betroffen sind. Ich wollte eine Zwischenposition schreiben und dazu aufrufen, Betroffenen zuzuhören. Jede Frau, die sich entscheidet abzutreiben, hat einen Grund – Fragt! Hört zu!

Wenn euch der Text emotional aufgewühlt hat oder ihr hungrig seid, nehmt euch jetzt den Keks und tunkt ihn in den letzten Rest vom Tee.

Alles wieder gut? Gut!

Danke für die Aufmerksamkeit.

13 Kommentare zu „Über Abtreibung oder Komische Gedanken in der Schwangerschaft | Writing Friday

  1. Ich glaube, die Frage ist gar nicht, was frau für sich entscheiden würde, sondern viel viel viel wichtiger ist das, was du geschrieben hast: es gibt einen Grund. Fragt, hört zu! Danke dir von ganzem Herzen für deinen Text. Und auch für deine Ehrlichkeit, was deine Gefühle betrifft – da gibt es viel zu viel Unehrlichkeit, in der Art “ ich liebe mein Kind jetzt schon“. Ähnlich wie nach der Geburt, dass es ganz normal ist, dass man nicht sofort diese überwältigende Liebe zum Kind spürt, sondern sich auch da heran tastet, kennenlernt! Das sollte viel mehr kommuniziert werden. Danke🙏

    Gefällt 3 Personen

    1. Ich verstehe halt auch nicht, warum man da nicht offener ist. Gefühle sollten in dem Rahmen nicht als gut oder schlecht bezeichnet werden, dass setzt werdende Eltern nur unter Druck. Deswegen habe ich beschlossen, ehrlich zu sein und das positive Feedback bestätigt meine Entscheidung.
      😊 Danke.

      Gefällt 1 Person

  2. Partythema, echt? Ich bin keine Mutter. Ich habe oft gezweifelt, ob ich ein Kind haben wollen würde, und immer geschwankt, aber die Frage stellte sich dann doch nicht. Daher finde ich das, was du schreibst, hochspannend. Ich gehe davon aus, dass sich deine Gefühle noch ändern (in welche Richtung auch immer), und ich würde mich freuen, wenn du das auch weiterhin teilen magst.
    Fragt, hört zu, haltet eure Meinung nicht für den Nabel der Welt ist aber immer ein guter Ratschlag, nicht nur zu diesem Thema.
    Morgenkaffeegruß 😁🌥️☕🥐👍

    Gefällt 3 Personen

    1. Der Text enthält auch eine Spur Sarkasmus. 😅
      Das stimmt, man sollte bei vielen Themen besser zuhören. Dank Social Media haben Leute oft schneller eine Meinung als ein offenes Ohr.
      Ich werde bestimmt noch den ein oder anderen Text darüber schreiben. Offen sein hilft nicht nur anderen, sondern auch einem selbst.
      Danke. 😇 Morgenteegruß zurück.

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  3. Liebe Katha,
    wow, vielen Dank für diesen sehr persönlichen Text! Dieser Satz hat sich bei mir besonders eingeprägt: „Abtreibungen werden hochemotional vor allem von Leuten besprochen, die nicht betroffen sind.“ Das stimmt absolut!
    Wie du schon geschrieben hast, Reden ist so wichtig… Der Körper einer Frau gehört ihr und sie sollte darüber bestimmen dürfen. Genauso, wie du kommunizieren darfst, dass die Schwangerschaft und dein heranwachsendes Kind dir unheimlich abstrakt vorkommen. Das war ein interessanter, sehr intimer Einblick.

    Liebe Grüße
    Alina

    Gefällt 1 Person

  4. Ein paar Stellen des Textes haben auch mich zum Stutzen und Nachdenken gebracht. Ich bin leider auch eine Person die noch lernen muss mehr auszusprechen und Themen offener zu behandeln bzw. offener über sich selbst zu sprechen und das was in mir vorgeht.
    Aber es ist absolut richtig – nicht nur was Abtreibung betrifft – viel zu viele Themen werden von Leuten besprochen die nicht betroffen sind!
    Danke für deine offenen Worte! ♥

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    1. Es ist gar nicht so leicht über Dinge zu reden, die persönlich sind, weil es einen angreifbar macht. Ich glaube, mir ist es mittlerweile einfach egal, vor allem bei Sachen, bei denen ich das Gefühl habe, dass meine Offenheit etwas bewirkt.
      Danke 😇

      Gefällt 1 Person

  5. Ein sehr interessanter Text, der mich tief berührt hat. Ich war lange Zeit eine strikte Abtreibungsgegnerin, aber mittlerweile stehe ich dem Thema offener gegenüber – oder versuche zumindest, nicht gleich darüber zu urteilen. Da ich selbst nie schwanger war, kann ich da wohl auch nicht richtig mitreden. Genau deshalb finde ich Texte wie diesen hier so wichtig. Sie helfen denen, die nie in der Situation waren, Verständnis aufzubauen und ihre Sicht zu verändern. Ich würde mich sehr freuen, wenn du weiterhin immer wieder etwas zu deinen Erfahrungen mit der Schwangerschaft posten würdest. Natürlich nur, wenn du das auch möchtest und es dir nicht unangenehm ist.

    Liebste Grüße
    Myna

    Liken

  6. Liebe Katharina,

    ich dachte es mir ja schon bei „An mein Zukunfts-Ich“, das war mir aber nicht deutlich genug, aber jetzt: ich wünsche euch eine gute Zeit in den kommenden Monaten (und darüber hinaus), die hoffentlich bereits den Grundstein für eine innige Mutter-Kind-Bindung legt. Nichts ist wichtiger für die spätere Entwicklung des Kindes, dass es sich umsorgt und behütet fühlt und dass auf seine Bedürfnisse gut eingegangen wird.

    Liebe Grüße, Bernd

    Gefällt 1 Person

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