Gespräche mit Rüdiger – Tierethik | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 47 + 48 beinhaltet die Worte „Quelle, griesgrämig, stöbern.“, gesponsert von Café Weltenall.

Rüdiger beendet das Jahr der „normalen“ Etüden. Freut sich noch jemand wie bolle auf die Adventüden?

Gespräche mit Rüdiger – Tierethik

Rüdiger läuft an seinem Napf vorbei und setzt sich griesgrämig dreinschauend auf den Esstisch. Ich weiß, dass er weiß, dass er das nicht soll. Also gehe ich davon aus, dass es was Ernstes ist.

„Was ist passiert?“, frage ich besorgt.

Rüdiger schnaubt. „Menschen sind der Quell allen Übels.“

„Und warum das?“

„Singer hatte Recht. Ihr seid verdammt Speziezisten! Und bevor du fragst, was das ist: Ihr habt eine Haltung der Vorgenommenheit zugunsten der Interessen der Mitglieder eurer Spezies gegenüber denen von anderen.“

„Das klingt nach einem deiner Philosophen?“

„Ja, und einer der wenigen Menschen, die erkennen was für fiese Geschöpfe ihr seid.“

Ich nicke. „Und was hat dich so aufgeregt, dass du ihm jetzt zustimmst.“

„Ich habe die Restaurantmülltonnen durchstöbert und tote Katzenbabys gefunden. Jemand hat sie eindeutig erschlagen.“

„Das ist schrecklich“, rufe ich entsetzt. „Aber nicht alle Menschen sind so widerlich, weißt du.“

„Ach nein? Isst du Massentierhaltungsfleisch? Nutzt du Produkte aus Tierexperimenten? Das heißt für dich sind Tiere weniger wert als Menschen und das einfach nur, weil du ein Mensch bist, oder hast du ein Kriterium?“

Ich denke nach, aber Rüdiger fährt fort.

„Habt ihr nicht. Was macht euch besser? Papageien können reden. Primaten erkennen sich im Spiegel. Delphine sind schlauer als Neugeborene oder Menschen mit geistiger Behinderung. Warum esst ihr die nicht?“

„Weil es falsch ist?“, frage ich vorsichtig

„Und warum?“

Ich zucke mit den Schultern.

„Genau, Speziezisten.“

„Aber sind Tiere nicht auch Speziezisten? Ich meine so ein Leopard isst auch keinen anderen Leoparden.“

„Wenn er könnte schon. Da steckt keine moralische Entscheidung dahinter. Bei euch schon. Ihr seht das Leid der Tiere, aber es interessiert euch nicht. Sind ja nur Tiere…“

Rüdiger springt vom Esstisch und läuft an seinem vollen Napf vorbei. Ich bleibe mit einem unguten Gefühl und tausend Fragen sitzen.

Weitere Infos zu Tierethik:

Peter Singer: „Die Befreiung der Tiere“ (gut zu lesen)

Jeremy Bentham: An Introduction tot he Principles of Morales an Legislation (sehr anstrengend zu lesen)

Interessantes Interview mit Singer vom SWR3:
https://www.youtube.com/watch?v=zT3iZMznqYA

11 Kommentare zu „Gespräche mit Rüdiger – Tierethik | abc.etüden

      1. Es hat glaube ich auch viel damit zu tun, dass wir uns nicht als Teil der Natur begreifen und denken, dass ein Mensch alleine keinen Einfluss hat. Aber ich habe schon das Gefühl, dass es ein Umdenken gibt. Wenn ich vor 10 Jahren mit jemand über den Klimawandel geredet habe, gabs meist Unverständnis. Das ist heute schonmal anders. Ebenso vegane Lebensmittel in Supermärkten und Bio überall.
        Danke. 🙂

        Gefällt 2 Personen

    1. Über das Garnieren habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich verstehe hauptsächlich nicht, wieso man Tiere vorher foltern muss. Niemand würde seinen Hund sein leben lang in eine Box sperren oder Massentransportieren, aber bei Schweinen ist das ok. Vllt einfach weil nie jemand drüber nachdenkt, dabei gibt es so tolle Bauernhöfe, die ihre Tiere anständig behandeln.

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