„Pia“ | Writing Friday – KW33

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Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegeben Themen veröffentlicht. Die Liste aller Teilnehmer findet ihr auf  Elizzy’s Seite.

Diesmal habe ich mich an einem Stil probiert, in dem ich noch nie geschrieben habe. Es war weniger anstrengend als gedacht und hat Spaß gemacht. Allerdings ist es etwas hastig und abstrakt geworden.

Thema: Schreibe eine Geschichte zu folgender Situation: Du betrittst einen schummrigen, alten Laden und kaufst …(Platz für eigene Idee)… dafür wirst du dann aber verfolgt.

Ein kleiner Laden neben dem nächsten. London ist eine wundervolle Stadt, wenn man weiß, was man von ihr möchte und wo man es finden kann. Ich weiß was ich suche: Kleine Schätze, Mitbringsel für mein Kuriositätenkabinett. Mein Haus ist viel zu voll und ich weiß, dass meine Frau fluchen wird, aber ein Hobby ist nun mal ein Hobby. Lieber baue ich an, als mir diese kleine Freude nehmen zu lassen. Diese kleinen Bummel sind das, was diese ewigen Geschäftsreisen erträglich macht.

Ein kleiner Laden an der Ecke erregt meine Aufmerksamkeit. Zunächst glaube ich, er sei verschlossen, doch die Tür lässt sich öffnen. Eine sehr grelle Türklingel ertönt. In der Ecke wacht eine alte Frau in ihrem Schaukelstuhl auf. Sie nickt mir zu und ich beginne mich umzusehen. Es ist dunkel und vollgestellt. Wundervoll.

Ich lasse mir viel Zeit und begutachte jedes Objekt. Vieles ist sehr alt, nichts wirklich wertvoll. Ein Brieföffner tut es mir besonders an. Er ist ungewöhnlich, in der Form einer Schere. Ich fühle ein ungewöhnliches Kribbeln in den Händen.
Plötzlich steht die Dame neben mir. „Are you sure? You will have to take responsibility for it.“

Ich bin etwas verwundert, entschließe mich aber trotzdem den Brieföffner zu nehmen. Fünf Pfund sind quasi geschenkt.

Bereits auf dem Weg ins Hotel habe ich das Gefühl, dass mir jemand folgt. Wahrscheinlich Zufall. In einer Millionenstadt gibt es viele Menschen, die in die gleiche Richtung wollen. Außerdem neigt man dazu sich verfolgt zu fühlen, wenn man einsam ist und zugegebenermaßen auch ziemlich übermüdet.

Die Nacht schlafe ich schlecht. Ständig habe ich das Gefühl beobachtet zu werden. Selbst mit Licht an spielt mein Gehirn verrückt. Ich höre und sehe nichts, nur dieses Gefühl ist konstant da.

Den Flug um 7 Uhr morgens zu bekommen, ist eine Tortur. Ich bin übernächtigt, etwas paranoid und fahrig. Zum Glück ist erste Klasse fliegen Standard in meiner Firma. Ich sitze ganz vorne. Zwei Herren sitzen ganz hinten. Immer noch fühle ich mich beobachtet. So als würde jemand im Sitz neben mir sitzen. Ich würde gerne die Augen zu machen, aber ich fühle mich zu nervös.

Das erste Mal auf einem Flug bestelle ich Sekt. Wenigstens eine halbe Stunde die Augen schließen. Schließlich fahre ich nochmal eine gute Stunde Zug und da kann ich erst recht nicht schlafen.

Ich wache davon auf, dass ich Atem auf meiner Haut spüre. Niemand vom Flugpersonal ist in der Nähe. Ich merke mein Herz deutlich schneller schlagen. Was ist nur los mit mir?

Zuhause ist meine Frau erschrocken als sie mich sieht. Ich sehe ausgemergelt und übermüdet aus. Wir beschließen einen Mittagsschlaf zu machen, der jedoch jäh unterbrochen wird. Meine Frau hat jemanden in unserem Schlafzimmer stehen sehen.

Sie meint eine junge Frau erkannt zu haben, ist sich aber nicht sicher. Sie ist kreidebleich. Was geht hier vor?

Die Nacht beschließen wir mit Licht zu schlafen. Nun sehe ich sie auch. Sie steht an unserem Bett, schaut uns an. Meine Frau ist zu Tode verängstigt und ist froh am nächsten Tag zu ihrer Schwester zu fahren. Ich muss arbeiten und meine Frau bittet mich im Hotel zu übernachten. Ich habe eine Vermutung.

Auch die nächsten Tage und Nächte taucht die junge Frau auf. Steht da, tut nichts. Langsam wird sie mir vertraut und statt gelähmt zu warten bis sie wieder verschwindet, beobachte ich sie genauer. Sie scheint mich zu mustern, reagiert aber nicht auf Sprache oder Gesten.

Heute ist sie direkt neben mir aufgetaucht. Ganz nah. Sie hält etwas in der Hand. Es dauert Ewigkeiten bis ich den Brieföffner erkenne, dabei war es mir schon vorher klar. Der Zufall wäre zu groß. Nun erkenne ich auch die Wunden an ihren Handgelenken. Ich sehe ein kurzes trauriges Lächeln auf ihrem Gesicht. Warum fand ich sie je unheimlich? Horrorfilme haben mich wohl nachhaltig beeinflusst.

Ich habe sie Pia genannt, nach meiner verstorbenen Tochter. Meine Frau findet Pia unheimlich, freundet sich aber langsam mit ihr an. Pia erscheint morgens vor dem Frühstück, zum Nachmittagstee und kurz bevor wir schlafen gehen. Manchmal interagiert sie mit uns. Sie scheint aber sehr schüchtern zu sein.

Nächste Woche geht es nach Singapur. Ich will Pia mitnehmen. In einem Laden habe ich eine alte Frau kennengelernt, die behauptet eine Hexe zu sein. Vielleicht kann sie mit Pia reden oder kennt einen anderen Geist. Pia wirkt einsam.

10 Gedanken zu “„Pia“ | Writing Friday – KW33

  1. Hallo Katharina,

    eine ganz tolle Geschichte, ein leicht nerdiger Mann (herrliches Wort „Kuriositätenkabinett.“ 😀 ), und eine gedehnte Spannung, die langsam die Geschichte ins Genre Fantasy bringt. Ich hätte gedacht, mit dem Brieföffner passiert ein Mord, umso schöner, dass das Ehepaar auf Pia einfach neugierig ist.

    Bei mir geht’s um die gleiche Schreibaufgabe und das versrochene Wiedersehen mit Luna. .

    Dir ein schönes Wochenende.

    Viele Grüße
    Sebastian

    Gefällt 1 Person

    • Hey Sebastian,
      erst hatte ich auch überlegt, irgendwas „Schreckliches“ passieren zu lassen, dann hatte ich aber das Bedürfnis die düstere Stimmung zu lockern. Außerdem war abends und ich habe mich eh schon gegruselt. 😉
      Grüße, Katharina.

      Gefällt 1 Person

  2. Hey Katharina,
    diese schaurige Geschichte ist klasse! Ich hatte Gänsehaut und war froh, dass der Protagonist das alles so cool nahm. Das könnte der Beginn einer sehr interessanten Story werden. 🙂

    Bei mir geht es heute um die gleiche Schreibaufgabe, jedoch mit Lina und ihren Schulbeginn. HIER kannst mal reinlesen.
    GlG, monerl

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo Katharina,

    eine tolle Geschichte, das hast du gut geschrieben. Mich hätte am Ende noch interessiert, was es genau mit Pia auf sich hat. Aber so wie sie ist, gefällt mir diese Geschichte auch, denn sie überlässt es dem Leser, sich einen Reim darauf zu machen. Finde ich toll.

    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende!
    Deine Emma

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  4. Hey Katha,
    echt ungewöhnlich und interessant, wie sich die unheimliche Stimmung am Ende auflöst. Schließlich sind nicht alle Geister böse :‘) Ich hab die ganze Zeit damit gerechnet, dass irgendetwas Schlimmes passiert, aber scheinbar ist Pia ein netter Geist. Glück gehabt!

    Gefällt 1 Person

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