„Tagebuch einer Flasche“ | Writing Friday – KW32

img_4522

Da ich Freitag nicht da bin, wieder ein Beitrag mit Timer.

Thema: Beschreibe einen Tag im Leben einer Plastikflasche.

Ja, da ist er wieder. Dieser große breite Mund. Und ich jetzt sind auch noch Essensreste dran. Man, kannst du nicht ein Glas benutzen? Schon als mich dieser Typ heute Morgen gekauft hat, dachte ich mir: Cola light altes Haus, das wird ein furchtbarer Tag.

Erst hat er mich in seine Wohnung gebracht, die kein Deut besser als er aussieht. Klassischer Informatiker würde ich behaupten: Jeans, Shirt mit scheinbar lustigem Ausdruck, Brille und ungekämmte etwas fettige Haare. Die Wohnung auch wie aus dem Katalog „So leben Informatiker heute“ bestellt. Zugemüllter Schreibtisch, alle Jalousien runter, Staubschichten die auf die Steinzeit zurückgehen. Sicher findet man in dem Dreck noch ein paar unentdeckte Dinosaurierarten.

Der Schreibtisch klebt natürlich, sodass mein Boden bereits einige Plastikpartikel einbüßen musste. Jetzt frisst der Kerl eine Pizza und sabbert mich an. Super.
Hoffe er ist bald fertig und bringt mich zurück. Andererseits habe ich das andere Zimmer noch nicht gesehen und auch nicht den Keller. Vielleicht liegen da hunderte meiner Artverwandten und warten seit Jahren darauf zurückgegeben und gereinigt zu werden. Ein Horrorfilm kann nicht schlimmer sein.

Es klingelt an der Tür. Vielleicht sind es RdPF – Die Retter der Plastikflaschen, die ahnen, dass hier eine nicht artgerecht Plastikflaschenhaltung stattfindet.

Nope. Niemand kommt rein. Stattdessen schlingt der Kerl schnell den Rest der Pizza runter, trinkt mich schnell leer – natürlich schmiert er dabei Tomatensoße an meinen Hals, yummy – und zieht sich um. Immerhin hat er festgestellt, dass er sich Tomatensoße auch an das Shirt geschmiert an. Er zieht nun ein etwas geschmackvolleres unifarbenes Shirt an und verlässt hastig die Wohnung.

Und jetzt steh ich hier doof rum und bin leer.

Ob es mir so ergehen wird, wie dem Kumpanen da drüben in der Ecke? Verstaubt und vergessen. Andererseits ist das Sprite, so eine Flasche würde ich auch in die Ecke werfen.

1 Stunde…

2 Stunden…Was macht jemand ohne soziale Skills so lange außerhalb seiner Wohnung?

3 Stunden…Klick.

Die Tür geht auf. Sicher hat er eine neue Flasche dabei und wirft mich gleich in das Zimmer zu den anderen leeren Flaschen. Oder nicht…

Füllt der mich tatsächlich mit Wasser. Sowas ist mir ja noch bei keiner Reinkarnation passiert. Und nun steckt der auch Blümchen in mich rein.

Hn, stehen mir aber ausgesprochen gut, muss ich sagen.

Und wieder zum Schreibtisch. Jetzt starrt der Kerl verliebt in das Gestrüpp.

Zur Vase degradiert. Nun ja, gibt Schlimmeres. Immerhin bin ich hübsch und allzu lange leben so Blümchen auch nicht. Danach möchte ich aber bitte zurück in meinen Lebenszyklus. Danke.

5 Gedanken zu “„Tagebuch einer Flasche“ | Writing Friday – KW32

  1. Hallo Katha,
    sehr lustig, das du auch das Plastikflaschenthema hast diese Woche. 🙂
    Deine Geschichte gefällt mir aber auch sehr gut, sehr witzig geschrieben. Vor allem die „Wandlung“ zur Vase hat mir gefallen. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s