Vier Seelen | abc-etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 10 + 11 beinhaltet die Worte „Klassenkeile, schwammig, trödeln“, gesponsert von BerlinAuthor.

Ich glaube nicht an Seelen oder dergleichen, aber ich finde sie als Synonym für die Essenz eines Menschen oder eines Lebens perfekt. Irgendwie habe ich das versucht zusammenzufassen und entstanden sind vier kleine Texte.

Vier Seelen

Er kann nicht lügen und holt sich lieber Klassenkeile ab, als sie nicht zu verpfeifen. Wenn die Hose reißt ist das besser, als wenn seine ehrliche Seele zerbricht. Irgendwann mal wird er Polizist oder Politiker. Irgendwann wird Lügen etwas das er tun muss, um ehrlich zu bleiben. Irgendwann ist seine ehrliche Seele hinter Glas. Sie glänzt, aber sie zeigt sich nur ihm selbst und seinen Vertrauten.

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Die Strickjacke | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 8 + 9 beinhaltet die Worte „Strickjacke, trügerisch, entdecken“, gesponsert von wortgeflumselkritzelkram.

Die Strickjacke

Sie öffnete die Türen vom Kleiderschrank. Alles war sortiert nach Zweck und Farbe, doch die Ordnung war trügerisch. Schon vor Jahren hatte sie den Überblick verloren, was sich in ihrem Kleiderschrank befand. Heute musste sie endlich aufräumen. Ihr blieb sonst nichts mehr zu tun.

Sie begann bei den Shirts, arbeitete sich durch die Pullover, probierte Hosen an und fand mehr Löcher als ihr zuzugeben lieb war. Der Stapel der aussortierten Kleidungsstücke wurde immer größer. Gerne hätte sie mehr in die Kleiderspende gegeben, aber sie trug Kleidung bis sie nicht mehr tragbar war und manchmal noch darüber hinaus. Es fiel ihr schwer sich von liebgewonnen Sachen zu trennen und so hingen in ihrem Schrank ein Duzend Schlafshirts, Malerklamotten und Kleidung, an die sie sich nicht einmal mehr erinnerte.

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Gespräche mit Rüdiger – Philosoph? Wissenschaftler? | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 6 + 7 beinhaltet die Worte Affe, neu, blockieren, gesponsert von wortmann.

Mit der Etüde habe ich mich schwer getan. Zum einen habe ich viel um die Ohren, zum anderen fand ich diesmal die Wortbegrenzung sehr hinderlich. Zufrieden bin ich nicht, aber ich habe zuviel Zeit investiert, um es nicht zu posten. Ggf. gibt es mal ein Update über Karl Jaspers.

Gespräche mit Rüdiger – Philosoph? Wissenschaftler?

Ich werfe den x-ten Notizzettel in die Ecke und beginne mit neuen Blatt. Rüdiger fängt das Bällchen und spielt damit bis es unter dem Kühlschrank verschwindet. „Was liest du da?“

„Irgendwas von Kant. Ich kann mir nicht mal den doofen Titel merken. Ich fühl mich, wie ein Affe, der versucht zu verstehen, warum er die eingeschweißte Banane nicht essen kann.“

„Warum?“

„Weil du mir mit deinem Philosophiegerede einen Floh ins Ohr gesetzt hast, Mister großer Geisteswissenschaftler.“

„Wenn dann Philosoph. Ich finde, Philosophie sollte nie Wissenschaft sein.“


Ich sieht Rüdiger erstaunt an. „Wieso das denn?“

„Ich halte es da wie Karl Jaspers, Philosophie ist Existenzerhellung und soll sich mit dem Sein befassen. Es geht um existenzielle Wahrheit, die die Wissenschaft gar nicht berührt.“

„Hä?“

„Die Wissenschaft ist immer auf bestimmte Gegenstände beschränkt und perspektivisch. Das Sein ist kein Gegenstand und die Gegenstände, die die Philosophie untersucht sind transzendent.“

„Hä?“

„Hast du einen Sprung in der Platte?“

„Nein, mein Gehirn blockiert langsam.“

„Ein Beispiel: Ein Wissenschaftler fällt hin. Er untersucht den Winkel die Aufprallgeschwindigkeit und versucht damit dieses Phänomen zu erklären. Er sucht nach einer Wahrheit. Ein Philosoph fällt hin und erkennt seine Schwäche. Er denkt nach, aber etwas Materielles ergibt sich nicht daraus. Wenn man es genau nimmt, gibt es in der Philosophie nicht einmal Fortschritt.“

„Also wenn Hamlet sagt ‚Sein oder nicht Sein‘ ist das Philosophie, aber keine Wissenschaft, weil nichts Greifbares dabei rumkommt?“

„So in etwa.“

„Also ist man Philosoph, wenn man zum Beispiel über seine Existenz nachdenkt.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Menschen gute Philosophen abgebt.“ Ein Vogel landet auf dem Balkon und Rüdiger pirscht sich heran. Ich werfe ein zerknülltes Paper nach ihm und der Vogel flieht.

„Musste ich aus tierethischen Gründen tun.“

Rüdigers Schwanz zuckt frustriert. „Du lernst schnell.“

Leseempfehlungen:
Hügli, Anton: Jaspers – Stationen seines philosophischen Wegs (Schwabe Verlag)

Jaspers, Karl: Wahrheit und Bewährung. Philosophieren für die Praxis
(Als Audio: Karl Jaspers Stiftung)

Farbparty | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 3 + 4 beinhaltet die Worte „Lautsprecher, orange, erschüttern“, gesponsert von blaupause7

Zum Etüden-Geburtstag gibt es eine…

Farbparty

Ein gechilltes Blau gleitet über die raue Fläche der Leinwand. Nur das vorher aufgetragene Gesso schützt es davor, seine Eigenschaften zu verlieren und in den Fasern des Stoffes zu verschwinden. Wie eine schützende Schichte trägt es die Farbe weiter. Sie fließt gerade aus, zirkuliert in der Mitte und gleitet am Ende über den Rand hinab. Einige Tropfen Blau landen auf dem Maluntergrund. Das Blau ist geduldig, es kennt seine Bestimmung und strömt ihr entgegen. Nun kommt das Gelb. Fröhlich surft es über das Blau hinweg, nimmt es ein, vermischt sich und sorgt so für ein paar grüne Gastmomente. Es folgt den blauen Bahnen, sucht sich neugierig aber auch andere Wege. Unerschrocken schießt es über den Rand hinaus und verewigt sich im Atelier. Auch das Rot macht sich nun auf den Weg. Es ist eine laute Farbe, eine die sich aufdrängt, die warnt. Als würde sie durch Lautsprecher „Feuer“ rufen, nur um dann selbst eines zu legen. Als es auf das Blau trifft erschüttert es seine chillige Natur und wandelt es in ein kräftiges Violett. Fröhlich ist dieses und tänzelt umher. Ein paar Spritzer Violett breiten sich sogar vorwitzig Richtung Gelb aus, doch dort stoppt sie, erschrocken von der komplementären Natur des Gelbs. Das Rot stört das Gelb nicht. Es nimmt sein Temperament und stürzt sich in die gelben Wellen, bis sie orange tanzen. Erst wenn das Weiß vollkommen eingenommen ist, geben die Farben Ruhe. Sie werden langsamer, suchen sich ihre Orte und Nischen, ihre Freiräume und Entfaltungszonen bis nur noch ein paar Spritzer auf dem Boden von der Farbparty erzählen.

Gespräche mit Rüdiger – Tierethik II | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 1 + 2 beinhaltet die Worte „Zetermordio, weichmütig, backen.“, gesponsert von Ludwig Zeidler

Gespräche mit Rüdiger – Tierethik II

Rüdiger habe ich seit drei Tagen nicht gesehen. Ich mache mir Sorgen und unser letztes Gespräch will mir nicht aus dem Kopf gehen. Ich backe Kekse zur Ablenkung.

„Da bin ich kurz weg und es gibt nichts mehr zu essen.“

„Rüdiger! Wo warst du? Nach dem Zetermordio letztes Mal…“

„Hältst du dich für tugendhaft?“

Ich sehe Rüdiger verblüfft an. „Tugendhaft, sowas wie ehrlich und mutig?“

Rüdiger nickt. Ich fülle seinen Napf und er schlingt ein paar Happen herunter.

„Ich bemühe mich. Wieso fragst du?“

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03.12. – Geld wächst auf Bäumen | Adventüden

Gregor saß auf seiner Parkbank in einem Lichtermeer. Die Stadt hatte keine Kosten und Mühen gescheut, jeden Baum in dem Stadtgarten zu erleuchten. Tagsüber tummelten sich hier Spaziergänger und Kinder trafen sich auf dem kleinen Hügel für eine Schlittenfahrt. Erst ab zwanzig Uhr, entweder zum Abendbrot oder zur Prime Time, verschwanden die Menschen nach […]

03.12. – Geld wächst auf Bäumen | Adventüden

Gespräche mit Rüdiger – Tierethik | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 47 + 48 beinhaltet die Worte „Quelle, griesgrämig, stöbern.“, gesponsert von Café Weltenall.

Rüdiger beendet das Jahr der „normalen“ Etüden. Freut sich noch jemand wie bolle auf die Adventüden?

Gespräche mit Rüdiger – Tierethik

Rüdiger läuft an seinem Napf vorbei und setzt sich griesgrämig dreinschauend auf den Esstisch. Ich weiß, dass er weiß, dass er das nicht soll. Also gehe ich davon aus, dass es was Ernstes ist.

„Was ist passiert?“, frage ich besorgt.

Rüdiger schnaubt. „Menschen sind der Quell allen Übels.“

„Und warum das?“

„Singer hatte Recht. Ihr seid verdammt Speziezisten! Und bevor du fragst, was das ist: Ihr habt eine Haltung der Vorgenommenheit zugunsten der Interessen der Mitglieder eurer Spezies gegenüber denen von anderen.“

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Das Nachtlicht | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 45 + 46 beinhaltet die Worte „Nachtlicht“, „liebllich“ und „teilen“, gesponsert von Gedankenflut.

Das Nachtlicht

Die Bank am Rande des Parks war unbequem, aber das kümmerte ihn nicht. Besser als auf der Couch zu sitzen und sich Vorwürfe anzuhören. Er sippte an dem lieblichen Wein, ließ ihn in seinem Mund kreisen und schluckte ihn dann herunter. Das hatte er bei einer Weinprobe gelernt. Er war sich nicht sicher, was es brachte, aber er fühlte sich dadurch kultureller.

Er sah zu dem Fenster ihrer Wohnung hoch. In jedem bis auf einem Zimmer brannte das Licht. Was sie wohl gerade machte? Seine Sachen packen? Ihre?

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Gespräche mit Rüdiger – Impera-was? | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 43 + 44 beinhaltet die Worte „Schmutzfink“, „fabelhaft“ und „mopsen“, gesponsert von mutiger leben.

Diesmal widme ich mich Kants Kategorischen Imperativ. Zumindest habe ich versucht ihn in 300 Zeichen runterzubrechen. Ursprünglich wollte ich was zu Hannah Ahrend machen, aber der muss ich wohl mal eine Doppeletüde widmen.

Gespräche mit Rüdiger – Impera-was?

„Rüdiger, du Schmutzfink saust alles ein“, brülle ich dem ungehobelten Kater entgegen, der schlammverschmiert in der Küche sitzt.

„Du kannst mir deine Maxime nicht aufzwingen.“

„Bitte was?“

„Ich meine, dass wir den kategorischen Imperativ nicht als gemeinsames Prinzip nutzen können.“

„Impera-was?“

„Dieses universelle Prinzip nach Immanuel Kant.“

„Du meinst diesen fabelhaften Satz: Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem anderen zu?“

„Nein, das ist die Goldene Regel. Bei der geht es darum Dinge zu vermeiden, die du als schlecht empfindest.“

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Nur ein Stern | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 41 + 42 beinhaltet die Worte „Landvermesser“, „undankbar“ und „aussetzen“, gesponsert von Werner Kastens.

Nur ein Stern

Statt Sterne zu kartieren und das Weltall zu vermessen, war er Landvermesser geworden. Das war bodenständiger, hatte er sich eingeredet, nur um nicht zugeben zu müssen, dass er Angst vor den Weiten des Alls hatte. Mittlerweile war er zu alt um umzuschulen, außerdem wollte er nicht undankbar erscheinen, schließlich hatte seine jetzige Fima sein Studium finanziert.

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