ein stiller wind | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr weiter unten.

Kleiner Kontrast zu letzter Woche. Ich habe jetzt erst ein paar Tage Urlaub, dann Mutterschutz. Eben bin ich mit diesem eigenartigen Gefühl aufgewacht und habe cappuccinoschlürfend diese Zeilen geschrieben.

ein stiller wind
ein stiller wind weht durch den
mentalen terminkalender. treibt
kniehohe staubballen durch die
gehirnwindungen. hier und da.
ein blitz zuckt durch snypasen.
eine wolke zieht auf. sanfter regen
benetzt prozesse. es fließt. wenn
die sonne scheint ist sie präsent.
strahlen werden durch rinden
getrieben, in kammern verteilt.
ein stiller wind kommt vor dem
sturm. vorher lerne ich fliegen.

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dein fenster ist eine wand | Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu einem oder beiden vorgeschlagenen Bildern zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder findet ihr hier: *KLICK*

Der Monat war krass, daher habe ich mir nur ein Bild ausgesucht – das Fenster. Ich habe mich gefragt, wer dort wohl wohnt und mir ist aufgefallen, dass es viele Menschen sind, die genauso ein Fenster jeden Tag sehen.

dein fenster ist eine wand

rechts ein vorhang. deine lider fest
verschlossen. rational siehst du kein
ende. unerreichbar, die rutschpartie
über dächer. ziegel segeln hinab. du
siehst nur schemen deines eigenen
raums. hier eine blume, vertrocknet,
eine schale, etwas das einmal deiner
großmutter gehört hat. du siehst den
erker, spürst seine begrenzende tiefe
nicht. den himmel fühlst du. meistens
bewölkt. wenn du aufstehst, wirst du
feststellen: dein fenster ist eine wand.

Liebe Zahnfee, lieber Zahnfee(rich?) | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Am 28. Februar ist Tag der Zahnfee! Schreibe ihr zu Ehren einen Brief.

Liebe Zahnfee, lieber Zahnfee(rich?),

ich bin Tobias und bin sechs Jahre alt. Mama meint, ich soll dir schreiben, weil ich habe da ein paar Fragen zu dir und deinem Geschäft. Ach so, ich schreibe nicht wirklich, Mama schreibt, aber ich sage ihr, was sie schreiben soll.

Also meine erste Frage ist, ob du männlich oder weiblich bist. Laut den Bildern trägst du ein Kleidchen und lange Haar, aber das trägt Claudios Papa auch, zumindest am Wochenende. Nur damit ich weiß, wie ich dich ansprechen soll, wenn ich nochmal schreiben muss.

Nun die echten Fragen:

  1. Woher hast du das ganze Geld, das du unter die Kopfkissen legst? Hast du einfach so viel Geld oder verdienst du es dir mit einem Nebenberuf oder so? Papa meint, Geld würde man nur kriegen, wenn man arbeitet oder erbt. Hast du vielleicht was geerbt?
  2. Verkaufst du unsere Zähne? Das würde die erste Frage auch beantworten.
  3. Und wenn nicht? Was machst du damit. Justin hat behauptet, du würdest daraus einen Palast bauen, aber das klingt unsinnig. Wie groß soll schon so ein Palast für eine kleine Fee sein? Baust du vielleicht eine ganze Stadt?
  4. Wie kannst du so schnell so viele Zähne sammeln? Mama meint du sammelst überall auf der Welt in jeder Nacht, aber zu Oma alleine fahren wir schon vier Stunden. Wie geht das also? Darfst du den Schlitten vom Weihnachtsmann nutzen?
  5. Sag mal, machst du auch mal Urlaub? Wer ist dann deine Vertretung?
  6. Warum kriegen nur Kinder Geld für ihre Zähne? Erwachsene verlieren die auch. Die Oma von Kai hat nur noch ganz wenige.

Ok, das war‘s. Wäre toll, wenn du alle Fragen beantworten kannst.

Danke.

Grüße, Tobi

Das ist übergriffig! | Schwangere Gedanken

Hier findet ihr die vorangegangenen Teile: Schwangere Gedanken

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Das ist übergriffig!

Kennt ihr den Sketch von Karoline Kebekus, in dem sie schwanger einen Spaziergang macht und angetascht wird. Nein? Ist ein Pflichtvideo für alle, die schon mal den Wunsch verspürt haben ungefragt einen Schwangerschaftsbauch zu berühren, der nicht ihr eigener ist.

„Kann ich mal anfassen?“ „Nein.“ „Wieso nicht?“

Weil ich das nicht möchte! Wieso wird von Schwangeren erwartet, dass sie es in Ordnung finden, wenn Fremde ihnen an den Bauch fassen? Ich finde das schon bei Freunden eher komplex. Man darf mich gerne Kaktus nennen, aber ich werde ungerne einfach so angefasst und schon gar nicht in der Körpermitte. Das war schon immer meine Safety Zone und gerade habe ich sie mit extra viel Stacheldraht umspannt, weil der Bauch ungewohnt ist und da reift Leben drinnen, dass es zu beschützen gilt. Sicherlich greifen dort irgendwelche natürlichen Instinkte. Nicht nur emotional ist es verständlich den Schwangerschaftsbauch schützen zu wollen, sondern auch logisch. So ein Schwangerschaftsbauch ist empfindlich. Die Haut dehnt sich, das darunter auch. Je nachdem wie fest man da „draufpatscht“, kann das sehr unangenehm werden.

Weiterlesen „Das ist übergriffig! | Schwangere Gedanken“ →

durch eine poströhre | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, habe ich den Dienstag zum Gedichtetag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher:

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und Your mind is your only limit

Krasse Zeit gerade. Ich arbeite nur noch diese Woche, dann ein paar Tage Resturlaub und im Anschluss Mutterschutz. Dh. schnell noch alle Projekte beenden, parallel dazu Geburtsvorbereitung, Zimmer einrichten, Kinderkriegbürokratie erledigen, ich habe eben erst mit Investment begonnen und blicke kaum durch plus jetzt auch noch das Ding mit dem Vertreten und nicht richtig Laufen können…achja und Schwangersein ist da auch noch irgendwo und der ganze verrückte Rest, wie der Literaturpreis…mein Kopf ist turbulent, mein Gedicht auch.

durch eine poströhre

durch eine poströhre. dort entlang.
hier. ein schmerzreflex rast ins
postfach. falsche adresse. richtiger
adressat. still. brüllt der spam und
ruhe. die kettenbriefe. ich hangle
mich an der briefmarke entlang.
seidige zacken schneiden tief ins
fleisch. neues papier. energie. du
sendest mir rauchsignale. wir sind
eins. aber die post ist nur meine.
heute sende ich den passierschein
a38 und schlucke b12. das gleicht
den blutverlust aus. ping. post.

Gespräche mit Rüdiger – Philosoph? Wissenschaftler? | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 6 + 7 beinhaltet die Worte „Affe, neu, blockieren“, gesponsert von wortmann.

Mit der Etüde habe ich mich schwer getan. Zum einen habe ich viel um die Ohren, zum anderen fand ich diesmal die Wortbegrenzung sehr hinderlich. Zufrieden bin ich nicht, aber ich habe zuviel Zeit investiert, um es nicht zu posten. Ggf. gibt es mal ein Update über Karl Jaspers.

Gespräche mit Rüdiger – Philosoph? Wissenschaftler?

Ich werfe den x-ten Notizzettel in die Ecke und beginne mit neuen Blatt. Rüdiger fängt das Bällchen und spielt damit bis es unter dem Kühlschrank verschwindet. „Was liest du da?“

„Irgendwas von Kant. Ich kann mir nicht mal den doofen Titel merken. Ich fühl mich, wie ein Affe, der versucht zu verstehen, warum er die eingeschweißte Banane nicht essen kann.“

„Warum?“

„Weil du mir mit deinem Philosophiegerede einen Floh ins Ohr gesetzt hast, Mister großer Geisteswissenschaftler.“

„Wenn dann Philosoph. Ich finde, Philosophie sollte nie Wissenschaft sein.“


Ich sieht Rüdiger erstaunt an. „Wieso das denn?“

„Ich halte es da wie Karl Jaspers, Philosophie ist Existenzerhellung und soll sich mit dem Sein befassen. Es geht um existenzielle Wahrheit, die die Wissenschaft gar nicht berührt.“

„Hä?“

„Die Wissenschaft ist immer auf bestimmte Gegenstände beschränkt und perspektivisch. Das Sein ist kein Gegenstand und die Gegenstände, die die Philosophie untersucht sind transzendent.“

„Hä?“

„Hast du einen Sprung in der Platte?“

„Nein, mein Gehirn blockiert langsam.“

„Ein Beispiel: Ein Wissenschaftler fällt hin. Er untersucht den Winkel die Aufprallgeschwindigkeit und versucht damit dieses Phänomen zu erklären. Er sucht nach einer Wahrheit. Ein Philosoph fällt hin und erkennt seine Schwäche. Er denkt nach, aber etwas Materielles ergibt sich nicht daraus. Wenn man es genau nimmt, gibt es in der Philosophie nicht einmal Fortschritt.“

„Also wenn Hamlet sagt ‚Sein oder nicht Sein‘ ist das Philosophie, aber keine Wissenschaft, weil nichts Greifbares dabei rumkommt?“

„So in etwa.“

„Also ist man Philosoph, wenn man zum Beispiel über seine Existenz nachdenkt.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Menschen gute Philosophen abgebt.“ Ein Vogel landet auf dem Balkon und Rüdiger pirscht sich heran. Ich werfe ein zerknülltes Paper nach ihm und der Vogel flieht.

„Musste ich aus tierethischen Gründen tun.“

Rüdigers Schwanz zuckt frustriert. „Du lernst schnell.“

Leseempfehlungen:
Hügli, Anton: Jaspers – Stationen seines philosophischen Wegs (Schwabe Verlag)

Jaspers, Karl: Wahrheit und Bewährung. Philosophieren für die Praxis
(Als Audio: Karl Jaspers Stiftung)

Am Abgrund | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “In einer so unbequemen Lage war er noch nie, doch…” beginnt.

Am Abgrund

In einer so unbequemen Lage war er noch nie, doch er hatte gewusst, dass es eines Tags soweit sein würde. Darius tastete gedanklich seinen Körper ab. Er lag auf dem Rücken und auch wenn der Untergrund nicht bequem war, spendete er etwas Wärme für seinen geschundenen Körper. Woher die Wärme kam, wusste er nicht, aber sie durchfloss seinen Körper und machte seine missliche Lage erträglicher. Seine Extremitäten fühlten sich allesamt heil und gesund an. Nur sein Bauch fühlte sich an, als würde er ein riesiges Loch beherbergen. Zu sehen war sicher nichts, es schien sich um etwas Internes zu handeln. Selbst wenn er gewollt hätte, nachschauen war nicht drinnen. So hoch konnte er seinen Kopf jetzt partout nicht heben.

Er war alleine, auf sich gestellt, hilflos. Panik machte sich n ihm breit und er jammerte etwas. Manchmal half es, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. In diesem Fall nicht. Er fühlte sich nach den Jammerlauten genauso mies wie vorher.

Weiterlesen „Am Abgrund | Writing Friday“ →

blockiert | Der Dienstag dichtet

Da ich kaum Gedichte geschrieben habe, habe ich den Dienstag zum Gedichtetag erklärt und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben.
Mit von der Partie sind bisher:

Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
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Berlin Autor
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Gedankenweberei
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Heidimarias kleine Welt
Traumspruch
Red Skies over Paradise

Hab mich vertreten und nun Ischias-Schmerzen. Sehr dramatisch ausgedrückt:

blockiert

du bäumst dich auf. verkrampft.
blockiert. elektrische impulse
reisen auf umkehrbahnen. stop.
brüllen die fasern. als ich mich
umdrehe knirscht dein getriebe.
genervt marschierst du auf und
ab. ich mit dir. warum funktionierst
du nicht. mein wille. sage ich. nein.
sagst du. und ich muss innehalten.

Essstörung II | Schwangere Gedanken

Hier findet ihr die vorangegangenen Teile: Schwangere Gedanken

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Essstörung II

Ich hatte schon erzählt, wie es mir mit meinem verändernden Körper geht, aber Teil einer Essstörung, ist auch der veränderte Blick auf Nahrung. Das ändert sich bei vielen nicht, nachdem sie sich als geheilt bezeichnen. Macht übrigens wenig Sinn erst den Text hier zu lesen und dann den anderen. Ich finde es doof mich zu wiederholen, daher erst den anderen Text lesen, wenn ihr das nicht schon getan habt.

Wo? Hier: *KLICK*

Fertig? Gut, dann weiter im Konzept.

Wie nehme ich „Essen“ wahr?

Grundsätzlich ist Essen für mich da, um meinen Hunger zu stillen, meist erhoffe ich mir zusätzlich emotionalen Ausgleich. Das ist nicht ungewöhnlich und bei mir wahrscheinlich nur ausgeprägter als bei anderen, die ein normales Verhältnis zur Nahrung haben. Außerdem kenne ich die Nährwerte von den meisten Lebensmitteln immer noch auswendig, weil ich sie stundenlang gepaukt habe und zu einigen Lebensmitteln habe ich schlichtweg ein komisches Verhältnis (Übergebt euch nie nach einer Prinzenrolle! Wirklich! Ersticken ist scheiße!).

Wie gehe ich mit dem Heißhunger um?

Die Hormone steuern sicher auch meinen Heißhunger. Meist will ich das nicht zugeben und schiebe es auf die Reste meiner Essstörung. Hormone kann man schwerer kontrollieren, als einen psychischen Knacks – auf jeden Fall versucht mir das mein Unterbewusstsein weis zu machen. Manchmal gebe ich nach und meist hasse ich es danach. Mein Körper hasst mich auch. Sich in der Schwangerschaft zu überessen, wird bei mir mit Reflux bestraft und wirklich schlechtem Schlaf. Alle paar Stunden wach zu werden, bereitet mich zwar auf das Baby gut vor, aber die Albträume sind nicht hilfreich nochmal einzuschlafen und der Wecker klingelt morgens trotzdem. Ich versuche Heißhunger daher möglichst zu vermeiden, indem ich viel Tee trinke, mir die Zähne putze etc. Dank Essstörung kenne ich ein ganzes Repertoire an Essensvermeidungs-Strategien.

Und wie gehe ich mit dem Gegenteil um?

Manchmal geht Essen nicht und ich esse kaum etwas. Zum Beispiel wenn meine Essensvermeidungs-Strategien zu gut wirken oder ich gestresst bin. Auch danach hasse ich mich, denn ich frage mich, was das mit dem kleinen Wesen in mir macht. Ich weiß, dass ein paar Ausrutscher nicht schlimm sind, solange ich mich die meiste Zeit gesund ernähre, aber das ändert die Schuldgefühle in doofen Momenten nicht. Fühlt sich ziemlich bescheiden an, sich für eine schlechte Mutter zu halten, bevor das Kind überhaupt da ist.

Was ziehe ich daraus?

Es ist in Ordnung, seine Ernährung nicht 100% unter Kontrolle zu haben und es ist auch in Ordnung, sich Hilfe zu suchen, wenn alles außer Kontrolle gerät. Und: Es ist in Ordnung sich selbst in Frage zu stellen. Selbst gute Eltern denken nicht laufend, dass sie gute Eltern sind.

Wenn euch der Text emotional aufgewühlt hat oder ihr hungrig seid, nehmt euch jetzt den Keks und tunkt ihn in den letzten Rest vom Tee.

Gechillt? Gut! Habt einen schönen Tag.