Inktober 2022

Ich habe versucht dieses Jahr am Inktober teilzunehmen (Aktion auf Instagram, bei der jeden Tag eine Zeichnung zu einem Thema angefertigt wird). Da es meine Zeit nicht hergibt, habe ich versucht eine kleine Version davon zu machen und jeden Tag ein „Galeriebild“ befüllt.

Das Positive zuerst: Ich habe alles geschafft und eine Menge Ideen gesammelt. Das Negative: Ich bin absolut unzufrieden mit der Gesamtheit und sehr vielen der kleinen Zeichnungen. Hat trotzdem Spaß gemacht. 😅

Hier die Vorgaben: *Klick*

da ze br | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

da ze br
da ze br. mamamama. da ba hn. lautes
rufen, leises wispern. die zunge tanzt
pirouetten in kleinem mund, um lautketten
und klangkopien. unaufhaltsam bahnen
sich töne durch den raum. manche prallen
ab, andere bleiben. ein zufallstreffer. vor
zurück dazwischen. mein blick hängt an
deinen lippen. ich küsse deine stimme.

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statt frau | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Wir haben Zuwachs. Willkommen bei den Dienstagsdichter, Robert von „Lyrik trifft Poesie“!

statt frau
aber du bist doch eine? fragen sie, wenn ich bei
meinem namen zucke. bei den zuschreibungen,
die sie machen. wenn sie frau sagen, meinen sie
interessen, verhalten, bilder. aber ich bin anders
gemalt. sie sollten mich leinwand nennen statt
frau.

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Eine gespenstige Nacht | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Da das Kind jetzt Hand-Mund-Fuß hat, komme ich erst heute dazu die Geschichte zu veröffentlichen. Gibt es halt einen Writing Sunday. 😉

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Gespenster gibt es wirklich, gerade heute…“ beginnt.

„Gespenster gibt es wirklich, gerade heute!“, behauptete Theodora und verschränkte trotzig die Arme. Ihre Eltern nahmen ihre Liebe zum Spirituellen schon wieder nicht ernst, dabei war es keine Phase, sondern eine Gabe, da war sie sich sicher. Nichts auf der Welt gab ihr ein so eigenartiges und zugleich aufregendes Gefühl wie ein Spaziergang über einen Friedhof. Das mussten die Geister der Verstorbenen sein, deren Augen sie auf sich spürte. Nun war endlich Halloween, der beste Tag des Jahres für jemanden wie sie. Der Vorhang zwischen der Welt der Toten und der Lebenden war dünn, hatte sie gelesen und glaubte es auch zu spüren. Überall merkte sie Präsenzen, fühlte Schwingungen. Ein Kribbeln ging bereits den ganzen Tag durch ihren Körper, allerdings wurde es gerade von Wut verdeckt, weil ihre Eltern ihr nicht erlaubten um Mitternacht auf den Friedhof zu gehen. Stattdessen sollte sie ins Bett und schlafen. Sie könne ja von Gespenstern träumen, hatte ihr Vater gesagt. Theordora war außer sich und schimpfte ununterbrochen vor sich her, während sie sich fürs Bett fertig machte. Was ihre Eltern nicht wussten: Sie würde sich einfach rausschleichen! Mit der Ausrede, dass ihr kalt war, hatte sie ihren dicken dunkelgrauen Pyjama mit den Puffärmeln angezogen, der hexenmäßig aussah. Da sie fast schon mit dem „Nein“ gerechnet hatte, hatte sie Gestern heimlich eine Tasche mit Umhang, festen Schuhen, Snacks, einer Taschenlampe und rituelle Kerzen, die sie aus der Tischdeko-Schublade im Esszimmer gemopst hatte, für ihren Spaziergang gepackt.

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Genie | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 42 + 43 beinhaltet die Worte „Billard, aktuell, gestalten, gesponsert von Allerlei Gedanken.

Genie

Wie Puppen ließ er sie über die Bühne tanzen, wie Billardkugeln über den Pooltisch wandern. Die Menschen merkten nicht wie sie manipuliert wurden, bis es zu spät war. Er war ein Genie und verbarg es so gut, sodass er nie verdächtigt wurde. Etwas komisch fanden ihn die meisten. Seine Sprache war nicht altersangemessen und er beobachtete lieber, als selbst Konversationen zu führen. Sie schoben es darauf, dass seine Eltern ihn erst so spät bekommen hatten, aber für ihn war es eine Lebenseinstellung, etwas, dass er bewusst gewählt hatte. Er wollte sich abheben, zeigen, dass er mit dem gemeinen Pöbel nichts zu tun hatte.

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freies blut | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

freies blut

in mir, aus mir. mit mir. ich wische mein
blut auf. verstecke heimlich die tropfen
in meiner tasche. es ist die zeit im monat.
ja ja die hormone. kreise sie im kalender
ein. kartiert, kontrolliert, dann weggepackt.
eine gesellschaft in angst vor ein paar
tropfen blut. vielleicht sollten wir die hosen
runterlassen. die straßen fluten und die
abgeschlossenen badezimmer niederbrennen.
doch dann wären wir natur. dann wären wir
sichtbar. nicht das blut ist ekelhaft, sondern
die freiheit.

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und dann brezele ich mich auf | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

und dann brezele ich mich auf

und dann brezele ich mich auf. nehme
mir ein muffintop, eine plunderhose.
ziehe marzipanschuhe an und setze
den schokoladenhut auf. mögen meine
speckrollen deine urteile niederwalzen,
meine reiterhosen dich niedertrampeln.
versinken wirst du, in den tiefen beulen
meiner cellulite. mein fettanteil wird deine
skalen sprengen und meine masse dich
wie ein schwarzes loch zermalmen. habe
ich mitleid mit dir? nein. denn ich bin nicht
die ursache. die habe ich eben beseitigt.

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strohballen | abc.etüden

Dies ist ein Text zu den abc.etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 40 + 41 beinhaltet die Worte „zeitlupe behäbig verprassengesponsert von Werner Kastens.

Ich bin zu spät. Wollte das eigentlich Gestern noch veröffentlichen, aber dann war ich müdedoof (Kind ist wieder krank) und hab es schlicht vergessen.

strohballen

behäbig rollen die strohballen durch die
regalreihen. wie in zeitlupe sammeln sie
den nötigsten staub, rubbeln den obersten
glanz ab. es war einmal. da haben sie alles
verschüttet. etwas rollte in ritzen, bisschen
mehr in taschen, einiges in tresore. nur der
rest wurde eingesammelt. dasselbe lied
nochmal? dasselbe lied nochmal. heute ist
man müde. man rollt ängstlich herum und
hat angst nass zu werden. dabei brennt das stroh.
verprasst wurde lange nichts mehr. niemand.

Krankes Elfchen, again | Der Dienstag dichtet

Da ich ohne Druck kaum Gedichte schreibe, erkläre ich den Dienstag zum Gedichtetag und veröffentliche wöchentlich ein Gedicht über etwas, das mich gerade bewegt. Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen. Einfach einen Kommentar schreiben. Die Liste der bisherigen Dienstagdichter findet ihr am Ende.

Anscheinend versuche ich gerade einen Weltrekord im hintereinander-Kranksein zu brechen.

virenschwarm
durch bazillenluftzüge
mit bettbezügen tanzen
ich wühle im imunsystem
ausverkauft

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Der Wind weht | Impulswerkstatt

Zettel und Federhalter. Über dem Federhalter steht Impulswerkstatt

Dies ist ein Text zu der Impulswerkstatt von Myriade. Ziel ist es etwas Kreatives zu vorgeschlagenen Bildern oder zu einer Schreibaufgabe zu erstellen. Hier könnt ihr alles darüber lesen: *KLICK*
Die aktuellen Bilder und Schreibaufgaben zur aktuellen Impulswerkstatt findet ihr hier: *KLICK*

Ich habe diesmal die erste Schreibaufgabe genommen und sie auf alle vier Bilder angwendet. Ist irgendwie so entstanden, weil es gepasst hat.

Der Wind weht

Der Wind weht über eine Brücke. Er fährt einem Mann unters Hemd, einer Frau in die kurze Hose, einem Jungen ins Haar. Der lacht. Der Mann und die Frau bemerken ihn kaum. Selbst als er stärker wird, haben sie keine Zeit für ihn. Wenigstens die Oberleitungen reagieren mit einem Knistern. Sie kitzeln und er lacht, wie der Junge.

Der Wind weht durch eine Galerie. Bilder kann er nicht bewegen, aber die Farbe auf der Oberfläche streicheln. Er reibt sich an blauen Pigmenten, grünen Roten, an Dingen, die keine eindeutige Gestalt haben und Gestalten, die wie Dinge aussehen. Zum Schluss bringt er die Flyer neben dem Eingang zum Rascheln. Zu laut. Der Aufseher sperrt ihn aus.

Der Wind weht über das tosende Meer. Er und das Wasser stacheln sich gegenseitig an. Es schunkelt und schaukelt. Ob die Fische etwas mitbekommen, fragt er sich. Er kitzelt einen, der am Haken über dem Wasser hängt, doch er bleibt stumm. Frustriert klaut der Wind einem Angler den Hut, dann saust er wieder aufs Meer hinaus.

Der Wind weht in das sanfte Abendrot. Er schickt Wolken Richtung Sonne, damit sie den Himmel anmalen. Einige wollen die Sonne verdecken, doch er hindert sie daran. Dann lässt der Wind die Blätter rascheln, damit der Abend noch stimmungsvoller wird. Ein Pärchen bleibt stehen. Sie lobt die warme Abendbrise, er bewundert die Zeichnung der Wolken.

Der Wind weht in die Nacht. Für ihn ist jeder Tag ein Erfolg, aber erst mit einem Lachen und einem Lächeln wird er vollkommen.