Wie Schlafen zur Religion werden kann | Mama Gedanken

Da es mir in meiner Reihe „Schwangere Gedanken“ so viel Spaß gemacht hat, mich über Klischees und Erwartungen an Schwangere aufzuregen, habe ich mir überlegt fortzufahren, denn auch an Mütter gibt es eine Reihe von unsinnigen Erwartungen.
Hier findet ihr alle Texte zu dem Thema: *Klick*

So, ihr kennt das: Macht euch einen Tee, holt euch einen Keks und los geht’s.

Wie Schlafen zur Religion werden kann

Ich habe keine Ahnung, wie das ist, Mutter eines schlechtschlafenden Babys zu sein (habe ich auch schon hier drüber geschrieben *Klick*), aber Schlafen ist das Baby-Thema schlechthin, wenn man sich anschaut, wie religiös es behandelt wird. Wenn man auf einschlägigen Seite liest, hat man das Gefühl, dass sich Eltern gegenseitig radikalisieren. Es fliegen Begriffe wie Einschlafhilfe, Einschlafbegleitung, Schreien-Lassen, Co-Sleeping, Familienbett, Sleep-Choaches durch den Raum und suggerieren, dass sie das Maß aller Dinge sind.

Wir haben Glück

Wenn es Probleme bei uns gab, habe ich auch gegoogelt, aber meistens wenige Antworten auf Eltern-Websites gefunden. Dafür hatte ich nach dem Lesen immer die Gewissheit „Wir haben Glück“. Little J ließ sich immer durch Popo-Tätscheln, White Noise oder im schlimmsten Fall, kurz im Arm Wiegen, beruhigen, wenn er mal nicht schlafen konnte oder nachts aufgewacht ist. Trotzdem haben auch wir uns Gedanken gemacht haben. Daher war ich auf der Suche im Internet und habe seltsame Beobachtungen gemacht.

Du kannst dein Kind doch nicht schreien lassen OMFG

Wer ein Handgemenge verursachen will, sollte im entsprechenden Rahmen die Worte „Ferbern“ oder „Schreien lassen“ äußern. Sofort kommt ein Schwarm Eltern an, der glaubt, dass man sein Baby misshandelt. Es werden Studien zitiert, wie sehr es das Urvertrauen schädigt, Kinder schreien zu lassen und dass das Körperverletzung ist. Nicht, dass ich es übers Herz bringen würde mein Baby schreien zu lassen, aber diese krasse Überreaktion bei dem Thema, erschreckt mich.

Das Einschlafhilfen-Massaker

Ein anderes Wort, das man nicht fallen lassen darf, ist „Einschlafhilfe“. Fast religiös wird darüber diskutiert, wie gut oder schlecht so Hilfen sind. Es gibt anscheinend nur die Seite „Schlecht, das Baby lernt so niemals selbstständig schlafen“ und die Seite „Ich fahre jede Nacht mein Baby im Auto stundenlang rum, damit es schläft“ oder „Dann schläft es halt noch bis es 6 Jahren alt ist an meiner Brust ein“. Ja, beide Seiten sind überspitzt dargestellt, aber beide werden gleichermaßen radikal diskutiert bis zu dem Punkt, an dem sich Eltern schon dadurch kritisiert fühlen, wenn man es anders macht.

Das Familienbett

Ein Trend, der sich anscheinend durch die Generationen zieht, ist die Frage, ob das Baby mit im Bett schlafen soll. Leute mit Familienbett fühlen sich häufig noch vom letzten Jahrzehnt kritisiert, als das kein Trend war, und merken nicht, dass der Trend wieder zum Familienbett geht. Dabei werden Argumente dafür gebracht, die über die persönlichen Präferenzen hinausgehen, wie, ob es nur deshalb durchschläft, weil man es ins Beistellbett „verbannt“. (Tatsächlich wurde mir „vorgeworfen“ mein Baby schlafe nur durch, weil es im Beistellbett liegt. Dass unser Beistellbett eine Matratzenerweiterung ist und der Kleine nur 15 Zentimeter von mir liegt, drang auch nach mehrmaligem Erklären nicht durch.) Dabei sollte die einzige Frage sein: Wie schlafen das Kind UND die Eltern am besten?

Was ziehe ich daraus?

Ich weiß mein Glück zu schätzen und gleichzeitig, bin ich zufrieden, weil wir anscheinend intuitiv alles richtigmachen, denn unser Baby schläft gut und genauso wichtig: wir schlafen gut. Was ich mittlerweile nicht mehr mache ist, mit anderen Eltern darüber zu reden*. Das Thema Schlaf ist so hart umkämpft, dass ich das Gefühl habe, nur verlieren zu können.

*Außer hier. Das ist mein Blog. Hier kann ich Kommentare, die mir zu doof sind, einfach löschen. Musste ich bisher nicht, aber die Möglichkeit dazu macht den entscheidenden Unterschied.

4 Kommentare zu „Wie Schlafen zur Religion werden kann | Mama Gedanken

  1. Ich mag deine erfrischende Ehrlichkeit, du bringst es auf den Punkt… Ich habe neulich erwähnt, dass meine Dreijährige immer noch nicht regelmäßig durchschläft (beim Großen hatten wir rückblickend wohl einfach Glück…) und schwupps wurden mir Schlaf-Coaches empfohlen, da MUSS man doch was machen. Ein Kind, dass mit 2 Monaten im eigenen Bett im eigenen Zimmer durchschläft ist genauso suspekt wie eines, das immer wieder Nähe sucht. Schweigen hilft vermutlich am besten 🙂

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