Die Burg | Writing Friday

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Sommerferien – Moritz muss zu Hause bleiben. Doch davon lässt er sich die Laune nicht verderben, zusammen mit seinen Freunden bauen sie (…eigene Idee…) – erzähle uns was sie bauen und wie sie den Sommer damit / darin verbringen.

Die Burg

Moritz saß im Sandkasten hinterm Haus. Eigentlich fühlte er sich zu alt für Im-Sand-Spielen, aber etwas Besseres fiel ihm nicht ein. Fast alle seine Freunde waren in den Urlaub gefahren, nur seine Familie nicht, weil seine kleine Schwester gerade erst geboren worden war. Moritz fühlte sich ungeliebt. Nicht nur, dass sie nicht in den Urlaub fuhren, seine Eltern hatten auch so weniger Zeit für ihn. Frustriert warf er etwas Sand umher. Er konnte vielleicht so tun, als wäre er am Meer und eine Sandburg bauen.

Moritz begann mit dem Hauptbau. Sorgfältig formte er einen Quader und hob daraus einen kleineren Quader aus, sodass die Burg einen Innenhof hatte, wie die, die er und seine Eltern letzten Sommer besucht hatten. Anschließend drückte kleine Ausbuchtungen in die Wände. Dann baute er darauf Türmchen, einen Graben und fügte immer mehr Details hinzu. Sogar Pflanzen gab es in und um die Burg. Erst als es Abendbrot gab, hörte Moritz auf. Als er schließlich ins Bett musste, nahm er das Buch über das Burgleben mit, das sein Vater sich bei ihrem Besuch gekauft hatten. Er las bis ihm die Augen zufielen und stellte sich dabei vor, selbst in der Burg zu leben. Nahtlos ging die Vorstellung in einen Traum über bis Moritz nachts schweißgebadet aufwachte.

Durch sein Fenster schien ein eigenartiges Licht. Neugierig trat Moritz ans Fenster und sah, dass etwas im Sandkasten leuchtete – die Burg. Aufgeregt schlich Moritz in den Garten und trat zum Sandkasten. Die Burg lebte. Im Innenhof brannte ein kleines Feuer, an dem sich Menschen wärmten und auf den Mauern patrouillierten Wachen mit Fackeln. Auch aus einigen Fenstern drang Licht. Er saß eine ganze Weile erstaunt vor der lebendig gewordenen Burg, dann wurde er zu müde und ging zurück ins Bett.

Als er am nächsten Morgen erwachte, rannte er schnell in den Garten, doch die Sandburg war nur noch eine Sandburg. Er fragte sich, ob er nur geträumt hatte, doch tief in seinem Inneren wusste er, dass die Burg gestern Nacht lebendig geworden war. Da er ein so großes Geheimnis nicht für sich behalten wollte, rief er seinen Klassenkamerad Jan an. Die beiden waren nicht sehr gut befreundet, aber Jan war der einzige der Moritz einfiel, der auch nicht im Urlaub war. Dieser kam tatsächlich sogleich zu ihm herüber. Er glaubte Moritz zwar kein Wort, aber da auch er nichts besseres zu tun hatte, half er ihm, die Burg weiter auszubauen. Am Abend gab es schließlich eine Hängebrücke, Stallungen und weitere Details, wie einen Brunnen im Innenhof. Jan und Moritz verabredeten sich um Mitternacht am Sandkasten. Und tatsächlich, die Burg war wieder zum Leben erwacht.

Jan konnte seinen Augen nicht glauben. Nun liefen nicht nur Menschen im Hof herum, sondern auch Pferde und winzig kleine Hühner. Wenn sie ganz leise waren, konnten sie das Feuer im Innenhof knistern hören. Sie saßen bestimmt eine Stunde vor der Burg und betrachteten das Treiben, bis plötzlich ein Blitz den Himmel erleuchtete. Wolken waren aufgezogen und es sah so aus, als würde es jeden Moment regnen. Eilig liefen Jan und Moritz in den Schuppen und suchten eine Plane, um den Sandkasten abzudecken, doch es war schon zu spät. Noch im Schuppen hörten sie wie der Regen wie aus Kübeln sich in den Garten ergoss und die wundervolle Burg zerstörte.

Als der Regen vorüber war, war nichts mehr von der Burg übrig, außer ein Haufen Sand und ein paar Gräser und Blätter, die die Bäume und Pflanzen dargestellt hatten. Moritz war den Tränen nahe, doch Jan ermunterte ihn, eine neue Burg zu bauen.

Sie bauten den Sommer viele Sandburgen. Solche, die wie echte Burgen aussahen und solche aus Filmen, doch keine dieser Burgen erwachte zu leben. Dafür wurden Jan und Moritz beste Freunde. Noch im Erwachsenenalter sprachen sie über die lebendig gewordene Burg.

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