Wie man schwanger zu sein hat | Schwangere Gedanken


Wie man schwanger zu sein hat

Da der Text über meine Gedanken über Abtreibung (HIER) so gut aufgenommen wurde, dachte ich, ich teile etwas mehr von meinen Gedanken während der Schwangerschaft.

Setzt euch hin und trinkt einen Tee, z.B. mit dem Namen die „Innere Ruhe“ oder „Harmonie“. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob die helfen. Am besten ihr holt euch auch einen Keks und legt ihn vor euch.

Bereit? Gut!

Es gibt bestimmte Klischees zu schwangeren Frauen, wie sie zu fühlen und wie sie sich zu benehmen haben. Jeder ist mit Klischees konfrontiert, aber in so gehäufter Form gehen sie einem – und damit meine ich MIR – ziemlich auf den Sack.

Wie Schwangere für den Fötus/Embryo empfinden sollen

Zum einen, und das habe ich in dem vorhergehenden Text schon angedeutet, wird erwartet, dass man von Anfang an eine Beziehung zu dem kleinen Wesen ins sich aufbaut. Die habe ich nicht in der Form. Ich finde das Leben in mir viel zu abstrakt, vor allem, weil ich es kaum spüre. Jetzt, wo ich mehr Bauch bekomme, ist die Schwangerschaft an sich realer, aber das Leben in mir, noch schwer für mich zu fassen. Dementsprechend mache ich mir auch nicht ständig Sorgen, was der nächste Punkt ist.

Schwangere machen sich ständig zu viele Gedanken übers Kind. Wenn ich jedes Mal einen Keks für folgende Sätze bekommen hätte, hätte ich keine Weihnachtskekse backen müssen: „Zu viele Gedanken schaden auch dem Kind.“ oder „Du brauchst dir nicht so viele Sorgen machen.“ Mach ich nicht!!! Ich hatte keine Angst vor dem Ergebnis der Genetikuntersuchung, ich bin nicht beunruhigt darüber, dass ich langsamer zunehme als der Durchschnitt und ich mache mir null Kopf darum, dass ich das Kind in der 21sten Woche kaum spüre. Mein Arzt sagt: Alles ok. Jede Schwangere ist anders. Bei mir ist das halt nun mal so und ich bin verdammt nochmal gechillt, außer man nervt mich mit so blöden Sprüchen. Und nein, das ist keine Stimmungsschwankung. Was mich dazu führt:

Die Mythen von Stimmungsschwankungen, Schwangerschaftsdemenz und Gelüsten

Schwangere haben Stimmungsschwankungen! Nö.

Einige Schwangere haben das sicher, aber ich hatte vorher auch noch nie PMS. Ich muss bei traurigen Filmen immer noch genauso häufig weinen oder nicht weinen und werde auch nicht öfter wütend als vorher. Ich habe schon immer leidenschaftlich gestritten, vor allem über Klimawandel, Impfgegner und Covidioten. Und jetzt rege ich mich halt darüber auf, wenn man jede fucking Stimmung auf meine Schwangerschaft schiebt. Es setzt meine Motive und Argumente herab, wenn man sagt, ich rege mich über etwas auf, weil ich schwanger bin und nicht, weil es mir am Herzen liegt. Klar, können Stimmungsschwankungen noch kommen, aber es ist ja auch nicht so als wären Schwangere nur von Emotionen gesteuert und nicht mehr in der Lage klar zu denken.

Was auch noch kommen kann, ist die Schwangerschaftsdemenz. Derzeit bin ich aber nicht mehr oder weniger vergesslich als vorher. Ich war schon immer ein kleiner Trottel!

Und zu guter Letzt: Schwangerschaftsgelüste. Heißhunger klammere ich erstmal aus, aber ich meine das klassische Bedürfnis seltsame Lebensmittel zu essen. Jedes Mal wenn ich eine seltsame Kombination esse, kommt jemand um die Ecke und sagt „Na Schwangerschaftsgelüste?“
Interessanter Fakt: Ich habe auch vor dem Schwangersein, Blumenkohl mit Barbecue-Soße (schmeckt wie Chicken Wings, wirklich!) und Rosenkohl mit Zatziki gegessen. Was tatsächlich neu für mich ist, aber noch niemand gemerkt hat: Fisch und Fleisch. Ich habe früher vielleicht 2-3 Mal im Monat Fleisch gegessen. Seit ich schwanger bin, denke ich überdurchschnittlich oft an Makrelen und Würstchen. Kann ich aber auch erklären: Mein Körper braucht das eben gerade. Was mache ich also: Ich esse es in Maßen. Zuviel ist mein Körper nicht gewöhnt und führt zu unschönen Begleiterscheinungen (von jemandem geschrieben, der zwei Würstchen gegessen hat und dann freiwillig frierend im Büro saß, weil es olfaktorisch unangenehm für die Kollegen wurde).

Was ziehe ich daraus?

Jede Schwangere ist anders. Ich habe viele getroffen, die nie Morgenübelkeit hatten. Mit allem anderen Sachen ist das wahrscheinlich auch der Fall. Nur weil man schwanger ist, muss man sich nicht plötzlich anders fühlen und anders denken – und wenn man das tut, ist das auch ok. Und genau das sage ich jedem, der mich mit den genannten Sprüchen nervt:

Bei mir ist das nicht so und wenn du das nicht akzeptierst, ist das dein Problem, nicht meins!

Wenn euch der Text emotional aufgewühlt hat oder ihr hungrig seid, nehmt euch jetzt den Keks und tunkt ihn in den letzten Rest vom Tee.

Gechillt? Gut! Habt einen schönen Tag.

27 Kommentare zu „Wie man schwanger zu sein hat | Schwangere Gedanken

  1. So schlimm, dass ich Kekse zur Beruhigung gebraucht hätte, war der Text doch gar nicht 😊. Hab trotzdem welche gegessen 😉.
    Ich hab mich auch nicht wie ne Schwangere aus dem Lehrbuch gefühlt bzw benommen. Allerdings irritierte mich diese Tatsache, weil ich ja auch Erwartungen an mich hatte, wie ich gefälligst zu sein habe. Das galt auch noch nachdem meine Tochter auf der Welt war. Es war irgendwie nichts so wie es in den Büchern steht 😉

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    1. 😅 Kekse gehen halt immer.
      Ich vermeide daher Bücher und Online-Ratgeber. Ich lese ganz gerne nach, wie sich der Kleine in der jeweiligen Woche entwickelt, meide aber die Beschreibungen über Veränderungen bei mir.
      Ich glaube mit Elternratgebern werde ich es dann wohl ähnlich halten. 😅

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  2. Ich habe mal nur genau zwei Dinge eingekauft: Rollmops und Eiscreme. Die Kassiererin hat mich ganz komisch angeguckt. Wahrscheinlich dachte sie, ich sei schwanger. 😉 Dabei hatte ich nur beim letzten Einkauf diese zwei Sachen vergessen.

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  3. Das klingt doch angenehm unkompliziert.
    Weder schwanger sein noch Kind haben, macht alle Leute gleich, wäre ja auch schade.

    Ich hatte eine sehr emotionale Schwangerschaft, vielleicht auch weil mich einige Leute zum Abbruch haben überreden wollen, sowas schweißt zusammen.

    Richtig heftige Stimmungsschwankungen hatte ich aber nur am Tag vor der Geburt, ich glaube da habe ich mehrere Liter geheult. Als Kind da war, war gut.
    Lang ists her (26 Jahre)

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    1. Ohman. Wenn das Umfeld alles schwerer macht, ist das während der Schwangerschaft bestimmt doppelt so schlimm. Eine neue Situation ist das ja so oder so. Ich habe echt Glück, dass mich jeder unterstützt.
      Wie es mir vor der Geburt geht, kann ich mir gar nicht ausmalen. Ich hoffe, ich bin gechillt, aber wer weiß, wie da die Lage ist.

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      1. Als das Kind da war, haben sich dann doch alle gefreut.
        Und wie frau sich unter der Geburt aufführt ist fast egal. Ich versorge ja beruflich kranke Neugeborene und da gilt der Satz „Entbindende und Frischentbundene dürfen alles“, trägt keiner nach, nimmt niemand persönlich

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  4. Unterschreib ich! Und danke dir! Und so wie jeder Mensch unterschiedlich ist, so ist jede Schwangere und jedes Kind unterschiedlich (die ja auch Menschen sind😁). Dieses Reduzieren auf Hormone macht mich unfassbar wütend- wie auch der Spruch „hast du deine Tage“…..aaaargh! Also noch mal von Herzen ein Dank!

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  5. Ich habe bei meiner ersten Schwangerschaft nach 3 Monaten sämtliche Ratgeber und Zeitschriften verbannt. Mir gesagt, dass schon Millionen Frauen vor mir Kinder bekommen haben und ich das auch schaffen werde, ohne mir den ganzen Kram von Was-sein-könnte reinzuziehen. Die Entscheidung auf welche Weise ich gebären wollte war getan, nach Leboyer und was soll ich sagen, alles gut!
    Du machst das goldrichtig 💛
    Und wenn du so dem neuen Wesen begegnest, so ohne Ratgeber, was dein Kind alles sein und können muesste, dann ist erstrecht alles gut.
    Liebe Grüße
    Ulli

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  6. Du hast recht, jede Schwangere ist anders, so wie jeder Mensch anders ist. Dieses „Alle über einen Kamm Scheren“ ärgert mich sowieso immer maßlos. Wie auch dieses Hormon-Argument. Auch ich fühle mich immer herabgesetzt, wenn mir unterstellt wird, dies und jenes fühlte ich nur, weil das gerade die Hormone in mir wären. Mag sein, manche Frauen beobachten solche Stimmungsschwankungen bei sich und berichten darüber. Aber wie gesagt: wir sind doch nicht alle gleich.
    Wie auch immer, ich freue mich zu lesen, dass es dir gut geht, das ist doch das allerwichtigste.
    Liebe Grüße
    Ines

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  7. Liebe Katha,
    ich finde es sehr stark, dass du deine Gedanken und Erfahrungen mit uns teilst und mit Vorurteilen und Klischees aufräumst! Und ganz ehrlich, es gilt wie in anderen Lebensbereichen: you do you! 🙂
    Und Blumenkohl mit Barbecue-Soße habe ich auch gern, zumindest Blumenkohl mit scharfer Soße als vegane Version von Korean Fried Chicken. ^^

    In diesem Sinne, entspannte Grüße
    Alina

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  8. DANKE FÜR DIESEN BEITRAG!!!!

    Ups, sorry, ich wollte hier nicht so herumschreien. Es kam einfach so über mich, hihi. 🙂

    Ich finde es wahnsinnig toll, dass du so offen darüber sprichst. Nur so sehen die Leute, wie nervig ihr Verhalten Schwangeren gegenüber wirklich ist und dass Schwangerschaft nicht gleich Schwangerschaft ist. Jeder ist einzigartig, genauso ist jede Schwangerschaft einzigartig.

    Das habe ich jetzt begriffen. Und auch, dass Schwangerschaft nichts ist, was einem Angst machen muss. Ich habe zwar nicht vor, Kinder zu bekommen, aber meine Schwester schon und ich weiß jetzt, dass ich sie dann (wenn es so weit ist) besser nicht mit Klischees und dummen Sprüchen nerven sollte. 🙂

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    1. Danke. 😇 Es gibt so Sprüche, die irgendwie in unserer Gesellschaft hängen. Aber wenn du selbst keine Kinder willst, kennst du ja sicher „Ach das kommt noch.“ und dergleichen. Hab einige Freundinnen, die das laufend gesagt bekommen. Irgendwie animiert das Thema Kinderkriegen Leute dazu, sehr dumme Sachen zu sagen. 😅

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  9. Ooooh ja, den „Ach, das kommt noch.“-Spruch kenne ich auch. Oder den völlig geschockten Ausruf: „Was, du willst keine Kinder? WARUM NICHT???“ Menschen gehen leider oft davon aus, dass man Kinder nicht mag, wenn man keine will. Dabei habe ich generell kein Problem mit Kindern. Ich will nur keine eigenen und habe dafür auch gute Gründe (die jene Menschen in der Regel nichts angehen, aber meist muss man sich trotzdem dafür rechtfertigen *seufz*).

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