Rentier „Karlchen“ Rudolph und Engel Mandy | Writing Friday

writing-friday-2020

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Thema: Der Weihnachtsmann hat doch tatsächlich Corona. Jetzt muss Rudolf das Rentier die Geschenke ausliefern. Berichte von dieser Nacht – wie macht sich Rudolf?

Rentier „Karlchen“ Rudolph und Engel Mandy

„Niemand kauft dir den Weihnachtsmann ab. Du bist 163 cm groß und wiegst nicht viel mehr als der Chihuahua der Studiendekanin,“ sagte Mandy Wagner frustriert.

„Das kann man auch netter sagen. Danke.“ Karlchen, der eigentlich Karl-Mark Witterich hieß, zog einen Schmollmund. Im Kopf ging er seine Möglichkeiten durch, von Fatsuit bis Plateaustiefeln, aber nichts überzeugte ihn. „Sind echt alle in Quarantäne?“

„Japp. Die hatten Vorgestern, als du und ich nicht konnten, Kostümprobe und da unser lieber Weihnachtsmann Ronnie nun Corona positiv ist, sind sie jetzt alle raus. Die Wahrscheinlichkeit vier Stunden vor Start noch jemanden zu finden, ist auch null.“

„Aber es gibt noch dich und mich.“

„Super. Rentier Rudolph und Engel verteilen statt dem Weihnachtsmann die Geschenke“, Mandy lachte.

„Ja, was willst du sonst machen? Absagen und traurige Kinderaugen riskieren? Wir wollten das dieses Jahr vor allem machen, weil die Kinder im Heim von den diversen Lockdown-Versionen noch mehr betroffen sind als andere.“ Karlchen zuckte mit den Schultern. „Außerdem haben wir Spenden gesammelt und die können wir nicht einfach unterschlagen. Schließlich sind wir ‚der Weihnachts-ASTA*‘.“

Mandy nickte wenig überzeugt. Da sie allerdings keinen besseren Einfall hatte, machten sich Engel Mandy und Rentier „Karlchen“ Rudolph zwei Stunden später auf den Weg zum Kinderheim ihrer Stadt. Sie kamen sich lächerlich vor. Alleine konnte Karlchen den Bollerwagen kaum ziehen, also schob Mandy von hinten. Auf den wenigen Metern vom Transporter bis zum Kinderheim ernteten sie viele verwunderte Blicke und Lacher. Das konnte was geben vor den Kindern und Jugendlichen, dachten sich beide. Schon von weitem sahen sie die Heimleiterin, die aufgeregt winkte. Nachdem sie die Lage erklärt hatten, schmunzelte sie. Engel Mandy zog sich eine Maske mit Schneeflocken auf und Rentier „Karlchen“ Rudolph war sowieso hinter zehn Lagen Plüsch gefangen.

Als die ersten Kinder rausgeschickt wurden, war das Gelächter groß, doch Engel Mandy ließ sich nicht unterkriegen. „Der Weihnachtsmann hat leider den Wecker nicht gehört, aber wir stehen immer bereit“, rief sie gespielt fröhlich. Besser wurde die Situation auch nicht. Die kleineren Kinder weinten, weil sie sich auf den Weihnachtsmann gefreut hatten, die Älteren überlegten laut, ob der Weihnachtsmann einen zu viel gesoffen hatte.

Engel Lisa und Rentier Karlchen Rudolph wurden immer deprimierter. Gerade wollte Karlchen vorschlagen, alles abzubrechen, als plötzlich Glöckchen hinter ihnen ertönten. Ein riesiger Schlitten mit Rentieren fuhr heran und ein großer dickbäuchiger Weihnachtsmann schwang sich von der Pritsche.

„Ho ho ho,“ rief er. „Tut mir leid für die Verspätung liebe Kinder, aber manchmal hat auch der Weihnachtsmann Wecker-Allergie.“ Beim darauffolgenden Lachen, hielt er sich den Bauch, der fröhlich auf und ab wippte.

Mandy flüsterte. „Ronnie?“ doch der Weihnachtsmann reagierte nicht. Stattdessen begann er die Geschenke von ihrem Bollerwagen und die von seinem Schlitten zu verteilen. Mandy war zu baff, um Einspruch zu erheben, während Rentier Karlchen Rudolph sich mit den echten Rentieren anfreundete.

Als alle Geschenke verteilt waren, dankte der Weihnachtsmann Engel Mandy, dann gab er Rentier Karlchen Rudolph einen kleinen Klapps. „Also als Rentier könnte ich dich wohl nicht einstellen, aber als Wichtel könntest du durchgehen.“ Er lachte herzhaft, dann reichte er auch Karlchen und Mandy Geschenke. „Erst zu Weihnachten öffnen.“ Während die beiden überrascht die beiden Päckchen anstarrten, schwang sich der Weihnachtsmann auf den Schlitten und fuhr davon. Mandy wollte noch etwas sagen, aber der Schlitten beschleunigte wie ein Ferrari bei Start eines Formel 1-Rennens.

„Sag man Mandy. Glaubst du, das war der echte Weihnachtsmann?“

Mandy sah Karlchen erstaunt an. „Das ist Quatsch…“ Sie stockte mitten im Satz. „Andererseits hundertprozentig sicher bin ich mir nicht. Ronnie war es schon mal nicht.“

„Dann war es der echte Weihnachtsmann“, beschloss Karlchen und schüttelte sein Geschenk. Er war das Jahr über wirklich artig gewesen. Was da wohl drinnen war? *Asta = Allgemeiner Studierendenausschuss

2 Kommentare zu „Rentier „Karlchen“ Rudolph und Engel Mandy | Writing Friday

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