„Edmund“ | abc.etüden 10+11

2019_1011_2_300

*Dies ist ein Text zu den abc.Etüden von Christiane. Ziel ist es 3 Worte in 300 Zeichen unterzubringen. Die Schreibeinladung für die Wochen 10.11 beinhaltet die Worte „Nieselregen“, „weich“ und „irren“.*

Irgendwie fehlen mir derzeit ein wenig die Ideen bzw. ich brauche mehr Zeit um eine Idee zu haben. Ich weiß nichtmal mehr wie ich auf Edmund kam, aber irgendwie wollte ich was über „irre sein“ schreiben und dann ist er in meinem Kopf entstanden.

Edmund

Edmund war ein kurioser Mensch. Die meiste Zeit schwieg er und starrte vor sich hin. Wenn man sich dann doch mal mit ihm unterhielt, gingen einem nach wenigen Minuten die Gesprächsthemen aus. Er schien kaum Hobbies zu haben. Musik interessierte ihn nicht. Filme fand er meist langweilig. Nur Bücher las er ab und an gerne, aber so wirklich darüber reden wollte er auch nicht. Seine Mitmenschen fanden ihn daher meist langweilig und mürrisch. Einige behaupteten sogar, er sei etwas weich in der Birne.

Auch sonst konnte man Edmunds Leben eher als langweilig beschreiben. An Wochentagen arbeitete er am Fließband. Nach der Arbeit lief er zu Fuß nach Hause. Bei Sonne, Gewitter, Hagel, Nieselregen, ob warm oder kalt – er lief fast eine Stunde, aber das machte ihm nichts. Wenn er Zuhause ankam, erledigte er etwas Hausarbeit und was sonst so anfiel. Nach dem Abendbrot setzte er sich in seinen Sessel und sah aus dem Fenster. Am Wochenende ging er meist spazieren oder kümmerte sich um seinen Garten. Manchmal las er.

Ein ödes und deprimierendes Leben, dachten alle. Aber die Leute irrten sich. Edmund war weder dumm noch langweilig.

Edmund hatte ganze Welten in seinem Kopf. Den einen Tag eroberte er die See als Entdecker, am nächsten überfiel er diesen Entdecker als furchtloser Pirat und den darauffolgenden Tag flog er mit einem Drachen über ein selbst erdachtes Land voller Magie. Da Edmund nicht gut im Schreiben war, schrieb er seine Geschichten nicht auf und da es ihm peinlich war, erzählte er niemanden davon. Als Erwachsener hatte man schließlich nicht mehr solche Fantasien.

So wirklich zufrieden war Edmund mit seinem Leben nicht. Zumindest der sichtbare Edmund. Der Edmund in seinem Kopf, konnte glücklicher gar nicht sein.

22 Gedanken zu “„Edmund“ | abc.etüden 10+11

  1. Huhu,

    hach, eine schöne Idee. Erinnert mich mit den Geschichten im Kopf ein wenig an mich. Ich habe sie früher auch nie oder jedenfalls nicht alle aufgeschrieben und eine habe ich immer noch unaufgeschrieben im Kopf. Ich war schon immer ein Geschichtenfan.

    LG Corly

    Gefällt 1 Person

  2. Edmund mag ich!
    Aber ob es ihn nicht manchmal wie ein zweifelndes Tier anspringt, dass da auch im Leben in dieser Welt etwas sein müsste.
    Wer weiß, vielleicht hat er auch die Selstgewissheit gut zu sein wie er ist.
    Liebe Grüße
    Natalie

    Gefällt 3 Personen

    • Wahrscheinlich ja. Er muss ja irgendwie auch in dieser Welt leben, und da ist er alleine. Erdachte Freundschaften sind nicht dasselbe wie echte. Ebenso sieht es mit der Liebe aus. Irgendwie bezweifle ich, dass es viele gibt, die sich selbst für immer genug sind.

      Gefällt 2 Personen

  3. Ich kann das verstehen, aber wenn man das „normale“ Leben noch nicht aufgegeben hat, ist es saugefährlich, so zu leben. Weil irgendwann ist man dann in der Welt völlig fremd.
    Gute Geschichte!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

  4. Hey 🙂

    das ist eine wirlich schöne Geschichte und irgendwie so real, denn Fantasie wird leider von vielen Menschen unterschätzt, die „Lieber im Hier und Jetzt“ leben.
    Danke für diese tolle, kleine Geschichte.

    Liebe Grüße
    Andrea

    Gefällt 1 Person

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